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Lebensqualität und Wohlstand auf dem Prüfstand - Warum die Deutschen so reich und dennoch so arm sind

Lebensqualität und Wohlstand auf dem Prüfstand - Warum die Deutschen so reich und dennoch so arm sind
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Michael Effenberger
  • Abgabedatum: Juli 2010
  • Umfang: 105 Seiten
  • Dateigröße: 1,4 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (ehemals FH Nürtingen) Deutschland
  • Bibliografie: ca. 90
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-0308-4
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Effenberger, Michael Juli 2010: Lebensqualität und Wohlstand auf dem Prüfstand - Warum die Deutschen so reich und dennoch so arm sind, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Lebensqualität, Glück, Zufriedenheit, Glücksforschung, Wohlstand

Bachelorarbeit von Michael Effenberger

Einleitung:

Angenommen, die Menschen würden sich mit ein wenig mehr Respekt – nur einem Quantum mehr Liebe, Aufmerksamkeit und Fürsorge begegnen. Wie einfacher wäre wahrscheinlich das Leben miteinander – und um wie viel unbeschwerter könnte man seinen Alltag verrichten. Die Menschen haben es selbst ihn ihrer Hand… Anmerkung des Verfassers, Juli 2010.

Das Leben der Menschen eines Industriestaats im 21. Jahrhundert ist gekennzeichnet von einer grundlegenden Schizophrenie: Auf der einen Seite soll man flexibel und innovativ sein, sich ständig verändern und grundsätzlich bereit sein, neues zu lernen. Auf der anderen Seite werden die traditionellen, moralischen Ideale hochgehalten als hätte sich die Gesellschaft nicht verändert. Man ist regelrecht gezwungen, sich dem Sog der Gesellschaft anzupassen, wenn man ein Teil von ihr sein – und bleiben will… In dieser Arbeit soll untersucht werden, aus welchem Grund laut einiger Studien die Lebensqualität der deutschen Bevölkerung im internationalen Vergleich niedriger ist, als dies nach dem Maßstab ‘Wohlstand’ zu erwarten wäre.

Unterschiedliche Entwicklungsindikatoren wie der HDI (Human Development Index), und das Bruttoinlandsprodukt spiegeln aus ökonomischer Sicht den Wohlstand einer Nation wider. Anhand dieser Indikatoren befindet sich Deutschland im Bruttoinlandsprodukt auf dem vierten Platz und im HDI auf dem zweiundzwanzigsten Platz. In Anbetracht dessen, dass weltweit 182 Staaten existieren (Stand: April 2010), befindet sich Deutschland somit im oberen Bereich.

Dennoch besagen unterschiedliche Studien, dass die BRD im Punkt der Lebensqualität eine eher enttäuschende Platzierung einnimmt, wie es eigentlich von unserer augenscheinlichen Lebensqualität zu erwarten wäre.

Dieses Missverhältnis dieser Untersuchungsergebnisse bildet das Kernthema dieser These.

In den Grundlagen dieser wissenschaftlichen Arbeit soll vorerst analysiert werden, welche Faktoren zur Lebensqualität und zum Entstehen von Glücksgefühlen maßgeblich sind. Ebenso sollen Modelle aufgezeigt werden, die konzipiert wurden um die Einflüsse der Lebensqualität verständlicher darzustellen.

Im Hauptteil sollen Erhebungen zur Untersuchung der Lebensqualität innerhalb einiger, ausgesuchter Länder mit den Untersuchungsergebnissen Deutschlands verglichen und ausgewertet werden. Welche entscheidenden Faktoren sind für eine verminderte Lebensqualität der deutschen Bevölkerung maßgeblich? Welche Rollen nehmen hierbei beispielsweise die Gesundheit, die Spiritualität und vor allem der Wohlstand ein?

Gibt es zur Messung hierfür auch andere, individuelle Orientierungshilfen? Vor allem; Warum befinden wir uns laut einiger Studien zur Ermittlung der Lebensqualität im internationalen Vergleich nur im Mittelfeld? Hierbei sollen auch Wohlstandsparadoxe diskutiert werden. Warum liegen in der Lebenszufriedenheit Staaten vorne, deren Großteil der Bevölkerung es an dem Niveau des Wohlstands mangelt, wie er in Deutschland herrscht – obwohl doch das Bruttonationaleinkommen schon von jeher darüber Auskunft geben soll, wie gut situiert die Gesellschaft in der jeweiligen Nation ist.

Ebenso sollen ableitend die Minderungsfaktoren der Lebensqualität der deutschen Bevölkerung aufgeführt werden.

Im Schlussteil sollen durch diverse Maßnahmen politische Instrumente erläutert werden, durch die laut renommierter Glücksforscher die Lebensqualität einer Gesellschaft gesteigert werden kann. Vor allem: was kann die Wirtschaft dazu beitragen. Was kann außerdem jeder Einzelne dafür tun um seine eigene, individuelle Lebensqualität zu steigern?

Diese wissenschaftliche These fundamentiert auf Aussagen von Ökonomen und Soziologen, auf Studien, Interviews und Umfragen.

Es soll ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass ‘Lebensqualität’ einem sehr subjektiven Werturteil unterliegt da jeder Mensch unterschiedliche Kriterien in die Messung seiner eigenen Lebensqualität einfließen lässt. Auch Studien zu Glücksforschungen beziehen sich in internationalen Vergleichen auf Ergebnisse einzelner Untersuchungen welche im Ergebnis repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sprechen; Demnach wurden Lebensqualitätsfaktoren mit einbezogen die allgemein gehalten wurden und zu internationalen Vergleichen angewendet werden konnten. Daher kann auf Grund dieser eben genannten Subjektivität niemals die tatsächliche Lebensqualität jedes einzelnen Menschen mit einbezogen werden.

Ebenso wenig wird es in dieser wissenschaftlichen Arbeit möglich sein, dem Begriff ‘Lebensqualität’ eine feste Definition zuzuordnen da jeder Mensch seine eigene Vorstellung von seiner Lebensqualität hat. In der Hinführung soll genauer darauf eingegangen werden. Im gesamten Verlauf dieser Arbeit wird von statistischen Analysen ausgegangen die teilweise über mehrere Jahre hinweg erhoben wurden.

Weiterhin muss erwähnt werden, dass Lebensqualität wohl – wenn auch schwer international vergleichbar - nicht in Zahlen darstellbar ist. Da hinzukommend dem Begriff ‘Lebensqualität’ keine feste Definition zuordbar ist, werden auch philosophische Aspekte einzelner Autoren in dieser wissenschaftlichen These eine Rolle spielen.

Das Ziel dieser Arbeit jedoch ist es zum Einen die Gründe zu interpretieren, warum die deutsche Bevölkerung auf der Skala Lebensqualität (Glück) niedriger liegt als auf der Wohlstands-Skala (BSP) und es soll versucht werden aufzuzeigen, welche gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Gestaltungsmöglichkeiten es gäbe, diesen Zustand zu verändern.

Inhaltsverzeichnis:

I. Inhaltsverzeichnis
II. Abbildungsverzeichnis
1. Einführung 1
2. Grundlagen 4
2.1 Herkunft und Definition des Begriffs ‘Lebensqualität’ aus wissenschaftlicher Perspektive 4
2.2 Warum Lebensqualität nicht mit Wohlbefinden und Wohlstand einhergeht: Das Easterlin-Paradoxon 7
2.3 Ist Glück messbar? 12
2.4 Glücksfaktoren – der Ursprung unserer Lebensqualität 14
2.5 Glücksmodelle 18
2.6 Wie das Klima die Lebensqualität des Menschen beeinflusst 23
2.7 Das Bruttonationaleinkommen als Indikator der Lebensqualität 24
2.8 Untersuchung der Lebensqualität 27
2.8.1 Lebensqualität versus Lebenserwartung 27
2.8.2 Indizes zur Untersuchung der Lebensqualität 28
2.8.2.1 Human-Development Index 28
2.8.2.2 Net Economic Welfare 29
2.8.2.3 Happy-Planet-Index 29
2.8.2.4 Bruttonationalglück 30
2.8.2.5 World Database of Happiness 31
2.8.3 Fazit der Indizes 31
3. Erhebungen der World Database of Happiness 34
3.1 Vorstellung der Instrumente der World Database of Happiness 34
3.1.1 Revised NEO Personality Inventory 34
3.1.2 Gallup World Poll 35
3.1.3 Fraser Institute 35
3.1.4 Heritage Foundation 35
3.1.5 Failed State Index 36
3.1.6 Estes’ Indizes 36
3.1.7 World Bank Indikatoren 36
3.1.8 Weitere Untersuchungen 37
3.2 Vergleich der Erhebungen 37
3.2.1 Erläuterung zur Vorgehensweise 37
3.2.1.1 Bestimmung der Vergleichsnationen 37
3.2.1.2 Einteilung der Einflussgrößen in Hauptgruppen 41
3.2.2 Auswertung 42
3.2.2.1 Anmerkungen zur Auswertung 42
3.2.2.2 Auswertungsergebnisse 43
3.2.2.2.1 Altersverteilung der Nationen 43
3.2.2.2.2 Ängste 43
3.2.2.2.3 Bildungskennzahlen 44
3.2.2.2.4 Drogenkonsum 44
3.2.2.2.5 Ernährungsverhalten 44
3.2.2.2.6 Ethische Zusammensetzung der Bevölkerung 45
3.2.2.2.7 Freiheit 45
3.2.2.2.7.1 Pressefreiheit 45
3.2.2.2.7.2 Juristische Freiheit 45
3.2.2.2.7.3 Politische Freiheit 45
3.2.2.2.7.4 Individuelle Freiheit 45
3.2.2.2.7.5 Unternehmerische Freiheit 46
3.2.2.2.8 Freizeitgestaltung 47
3.2.2.2.9 Korrelationen 47
3.2.2.2.10 Allgemeine Lebenszufriedenheit 48
3.2.2.2.11 Medizinische Kennzahlen 48
3.2.2.2.12 Regierungseffektivität 49
3.2.2.2.13 Religionskennzahlen 49
3.2.2.2.14 Sicherheitsbefinden und Kriminalität 50
3.2.2.2.15 Technologieindex 50
3.2.2.2.16 Toleranz der Bevölkerung 50
3.2.2.2.17 Versorgungssicherheit 51
3.2.2.2.18 Vertrauen 51
3.2.2.2.19 Wirtschaftskennzahlen 51
3.2.2.2.20 Wohlstand 52
3.2.2.3 Tabellarische Darstellung der Erhebungen der World Database of Happiness 52
3.2.3 Kritik an der World Database of Happiness 57
3.2.4 Fazit der Auswertungen 59
4. Strategien für eine glücklichere Gesellschaft 62
4.1 Die Rolle der Politik 62
4.1.1 Nachhaltige Vermittlung moralischer Werte 63
4.1.2 Der Statuswettlauf 65
4.1.3 Mobilität 68
4.1.4 Ernährung vs. Lebensqualität 69
4.1.5 Abkehr von der aktuellen Marktform 72
4.1.5.1 Dualwirtschaft 73
4.1.5.2 Gerechte Marktwirtschaft I – Erbschaftssteuer 74
4.1.5.3 Gerechte Marktwirtschaft II – Geldreform 75
4.1.5.4 Gerechte Marktwirtschaft III - laboristische Unternehmungen 78
4.1.5.5 Überlegung einer demokratischen Planwirtschaft 79
4.1.6 Anmerkung zur Marktreform 80
4.2 Die Rolle der Wirtschaft 81
4.3 Die Rolle des Menschen 84
5. Fazit 90

Textprobe:

Kapitel 2.8.2, Indizes zur Untersuchung der Lebensqualität:

Human-Development Index:

Der Human-Development Index (HDI), ein Index der menschlichen Entwicklung ist ein Parameter zur Messung der Lebensbedingungen, verschiedener Staaten im Vergleich. Er wurde im Jahr 1990 das erste Mal vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) vorgelegt – bis dahin war es üblich, die Länder am Pro- Kopf-Einkommen zu messen. Über das Bruttoinlandsprodukt hinaus berücksichtigt der HDI außerdem die Lebenserwartung zum Zeitpunkt der Geburt und den Bildungsstand.79 Laut des HDI befindet sich Deutschland in der Rangliste der Lebensqualität weltweit auf Platz 22 – schlechter schneidet innerhalb der EU nur Portugal ab (Stand: Oktober 2009). Allerdings bilden die geringen Indikatoren zur Messung der Lebensqualität Anlass zur Kritik an der Aussagekraft des HDI. Demnach sind Grund für das schlechte Abschneiden der deutschen Gesellschaft die niedrige Rate eingeschriebener Studenten und Schulbesucher, wobei letzteres nur halb so stark gewichtet wird für die Gesamtstatistik wie die Alphabetisierung – und der Alphabetisierungsgrad in Deutschland liegt bei 99%.

Net Economic Welfare:

Durch die Erstellung des Net Economic Welfare soll das Defizit des Vorangegangen Punktes gezielt behoben werden. Anstatt auf rein wirtschaftliche Daten zurückzugreifen, sollen ebenso immaterielle Werte herangezogen werden. So stellte Paul Samuelson das Net Economic Welfare (NEW) als ‘korrigierte Version des Bruttonationaleinkommen’ vor. Bei der Berechnung dessen werden Sozialkosten wie verschmutzte Gewässer und verdreckte Luft zu messen – irrelevant dessen, ob sie den Verursachern angelastet werden. Diese werden anschließend vom Bruttonationaleinkommen subtrahiert. Außerdem werden nach dem NEW Faktoren wie der längere Weg zum Arbeitsplatz, Kosten für Müllabfuhr und Verbrechensbekämpfung, Verkehrsregelung und andere städtische Dienste mitberücksichtigt und wirken sich wohlstandsmindernd aus; somit ergibt der Wohlstandsindex Samuelsons geringere Wohlstandsunterschiede zwischen Stadt- und Landbevölkerung als in der Statistik des Bruttonationaleinkommens.

Happy-Planet-Index:

Der Happy Planet-Index wurde 2006 von der New Economics Foundation eingeführt. Er bezieht – im Gegensatz zu den anderen Indizes – die Nachhaltigkeit einer Bevölkerung mit ein. Diese wird durch die Auswertung des Ausmaßes des Ökologischen Fußabdrucks analysiert, kombiniert mit der Lebenszufriedenheit und Lebenserwartung der jeweiligen Bevölkerung. Demnach befindet sich die USA auf Platz 114 – obwohl es sicher nicht daran liegen könne, dass die US-amerikanische Bevölkerung übermäßig unglücklich sei. Hier schlägt die extrem hohe Umweltbelastung zu buche, die durch die US-amerikanische Bevölkerung ausgeht. Auch andere Staaten – die in anderen Indizes die obersten Plätze belegen – wie zum Beispiel Dänemark, landen im Happy-Planet-Index nur auf Platz 105. So belegen laut des Happy Planet Index ausschließlich Entwicklungs- und Schwellenländer die ersten 40 Plätze, Deutschland rangiert auf Platz 51.

Bruttonationalglück:

Mit der Philosophie des Glücks hat sich nun auch ein ganzer Staat befasst. Das Königreich Bhutan schaffte unter König Jigme Singye Wangchuk im Jahr 1974 den Index Bruttonationalprodukt schlichtweg ab und ersetzte ihn mit dem Bruttonationalglück. So wird das Bruttonationalglück als fixe Messgröße betrachtet – jede öffentliche Investition oder politische Gesetzesänderung wird erst abgewogen, ob sie tatsächlich dem öffentlichen Gemeinwohl dient. Wie wird vorgegangen in diesem buddhistischen Staat von der Größe der Schweiz mit gerade einmal 800.000 Einwohnern? Mit einem Fragenkatalog, der in etwa 290 Seiten enthält gehen Mitarbeiter des Superministeriums Centre for Bhutan Studies von Haus zu Haus. Tobias Pfaff half bei der Erforschung des Glücks in Bhutan und versteht seine Arbeit als ‘Entwicklungshilfe für Europa’. Bildung, Wohlbefinden, Gesundheit, Staatsführung und Lebensstandard stehen somit im Mittelpunkt – man könne so unabhängig von den westlichen Staatskrisen bleiben, da sich der Großteil der Bevölkerung selbst versorgt und somit von Importen unabhängig ist. Als Wachstum wird in Bhutan verstanden, was sich die Menschen wünschen, diese seien Umwelt, Kultur und Tradition. Der Ausdruck ‘Bruttonationalglück’ ist dem Ausdruck ‘Bruttosozialglück’ äquivalent.

Arbeit zitieren:
Effenberger, Michael Juli 2010: Lebensqualität und Wohlstand auf dem Prüfstand - Warum die Deutschen so reich und dennoch so arm sind, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Lebensqualität, Glück, Zufriedenheit, Glücksforschung, Wohlstand

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