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Lebensphase Jugend

Biographiekonstruktion und individuelles Kompetenzprofil von Jugendlichen

Lebensphase Jugend
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Lena Metzing
  • Abgabedatum: Januar 2006
  • Umfang: 94 Seiten
  • Dateigröße: 1,1 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Ostfalia Braunschweig/Wolfenbüttel Deutschland
  • Originaltitel: Lebensphase Jugend - Die Biographiekonstruktion unter Berücksichtigung des individuellen Kompetenzprofils des Jugendlichen
  • Bibliografie: ca. 62
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0495-6
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Metzing, Lena Januar 2006: Lebensphase Jugend, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Identität, Symbolischer Interaktionismus, Individualisierung, Lebenswelten, Ressourcen

Diplomarbeit von Lena Metzing

Einleitung:

Die tief greifenden gesellschaftlichen Veränderungen, die in den letzten 50 Jahren in Deutschland stattfanden, haben auf den Lebensverlauf der Menschen großen Einfluss genommen. Es wurden in allen Lebensbereichen viele Chancen und individuelle Wahlmöglichkeiten eröffnet. Auf der anderen Seite werden durch Enttraditionalisierungstendenzen, Individualisierungsvorgänge und Entstrukturierung der traditionellen Gesellschaft auch genauso viele Risiken sichtbar. Dies ist in Kürze die Konsequenz der postmodernen Gesellschaft.

Durch die Ablösung der industriegesellschaftlichen Lebensformen durch neue, vielfältige Arten der Lebensarten entstand die Situation, dass Individuen heute ihre Biographien selbst herstellen und inszenieren müssen, - und zwar ohne den Hintergrund eines fraglos Sicherheit bietenden Lebenszusammenhangs.

Die Motivation zu der vorliegenden Arbeit ergab sich zum Einen aus der Aktualität des Themas, die sich mir im beruflichen Zusammenhang eröffnete. Bei der Arbeit mit Jugendlichen stellte sich mir die Frage, wie Jugendliche in diesen veränderten Lebenswelten es schaffen, ihre eigene Ich-Identität stabil zu konstruieren und welche Voraussetzungen dafür vonnöten sind. Da ich hauptsächlich mit sozial benachteiligten Jugendlichen arbeite, erschien mir dieses Problem umso deutlicher.

In der Fortführung des Gedankens stellte ich die Überlegung an, dass Jugendliche vor einigen Jahren noch ganz andere Lebensbedingungen vorfanden. Es ergab sich also die Frage, was sich überhaupt verändert hat in den Lebenswelten Jugendlicher.

Auf der anderen Seite interessierte mich dieses Thema auf professioneller Ebene. Wenn Jugendliche heute ganz andere Kompetenzen und Ressourcen benötigen, woher bekommen sie die nötige Unterstützung, diese zu erlernen und welche Kompetenzen und Ressourcen ermöglichen Jugendlichen konkret, sich in der heutigen Gesellschaft zurechtzufinden?

Im zukünftigen Blick auf meine berufliche Tätigkeit, die sich im Anschluss des Studiums ergeben wird, möchte ich eine theoretische Grundlage erarbeiten, die es mir ermöglicht, mit den Auswirkungen veränderten Lebensbedingungen Jugendlicher umzugehen. Grundlegend ist dabei für mich das Verständnis der Situation. Da ich mich im Laufe des Studiums schon beginnend mit diesem Thema auseinandergesetzt hatte, verstärkte dies mein Interesse nur. Die erkenntnisleitende Fragestellung, die dieser Arbeit zugrunde liegt, ist für mich die Frage nach den Kompetenzen und Ressourcen, die Jugendliche benötigen, um in unserer Gesellschaft eine stabile Ich-Identität aufbauen zu können. Diese Identität ermöglicht ihnen ein selbstbestimmtes Leben, in dem all die Chancen genutzt werden können, die die individualisierte Gesellschaft bietet. So können Jugendliche eine sinnvolle Biographie konstruieren, die im Laufe ihres Lebens Erfolge verspricht und zu einem befriedigenden Ergebnis führt. Dieses Ergebnis sieht sicher für jeden anders aus, ist aber auf dem persönlichen Empfinden begründet, ein als sinn- und wertvoll erachtetes, angestrebtes Ziel erreicht zu haben.

Die Eingrenzung des Themas auf die Biographiekonstruktionen Jugendlicher ergab sich also nicht nur aus der Fülle der verschiedenen veränderten Lebensbereiche, die die Auflösung der industriegesellschaftlichen Lebensformen zur Folge hatte, sondern auch aus meinem persönlichen Interesse an der Entwicklung einer Identität bei Jugendlichen. Der Begriff Jugendliche hat in der vorliegenden Arbeit soziologische Bedeutung. Das heißt, Jugend wird nicht an einem zeitlichen Rahmen gemessen, sondern Jugend bezeichnet die Zeit, die vergeht, bis die Entwicklungsaufgaben des Jugendalters bewältigt sind. Diese Zeit ist relativ unabhängig vom Alter. Der dieser Arbeit zugrunde liegende Sozialisationsbegriff wird deshalb als lebenslanger Entwicklungsprozess des Individuums in Auseinandersetzung mit seiner sozialen Umwelt definiert.

Ich habe mich nicht auf Jugend in einem zeitlichen Rahmen bezogen, weil meiner Meinung nach die gesellschaftlichen Verläufe so eine Definition nur noch schwerlich zulassen.

Ich gehe trotzdem von der These aus, dass Jugend als eine eigenständige Lebensphase im menschlichen Lebenslauf angesehen werden kann, weil immer noch spezifische Entwicklungsaufgaben in der Jugend bewältigt werden müssen. Allerdings lässt sich hier ergänzend sagen, dass diese Kriterien für den Ein- und Austritt in bzw. aus dieser Lebensphase unübersichtlich und vielfältig geworden sind.

Außerdem gehe ich in der vorliegenden Arbeit von einem Begriff der Persönlichkeitsentwicklung aus, der sich über das gesamt Leben erstreckt und immer wieder Veränderungen und neuen Interpretationen unterworfen ist. Innerhalb der Lebensphase Jugend ist die Entwicklung einer Ich-Identität jedoch einzigartig präsent, deshalb nehme ich besonders darauf Bezug.

Gang der Untersuchung:

Die Arbeit ist gegliedert in eine grundsätzliche Beschreibung der gesellschaftlichen Gegebenheiten (Kapitel 2), natürlich auch in Bezug auf die Lebensphase Jugend (Kapitel 2.2) und insofern folgt eine Beschreibung der grundsätzlichen Veränderung der Gesellschaft (Kapitel 3). Über die Beschreibung der Lebensphase Jugend (Kapitel 4), die deutlich macht, welche Entwicklungsaufgaben (Kapitel 4.4) Jugendliche zu bewältigen haben und welche Kriterien die Abgrenzung zur Kindheit bzw. zum Erwachsenenalter kennzeichnen ( Kapitel 4.2 / 4.3) komme ich zu der Persönlichkeitsentwicklung innerhalb der Jugendphase.

Diese Entwicklung wird hier kurz an einem sozialisationstheoretischen Modell Hurrelmanns beschrieben (Kapitel 4.4.1) bevor der Exkurs folgt. Der Exkurs beschäftigt sich mit der Frage, ob Jugend heute überhaupt noch eine Lebensphase ist oder ob Jugend nicht längst zum Lebensstil geworden ist. Diese Thematik überschreitet den engeren Themenbereich, bietet jedoch als weiterführender Gedankengang im Gesamtkontext der Arbeit interessante Informationen.

Die theoretische Grundlage dieser Arbeit besteht im folgenden Kapitel (Kapitel 5). Neben der Definition von Biographie und Identität (Kapitel 5.1 / 5.2) habe ich mich für den wissenschaftstheoretischen Ansatz des symbolischen Interaktionismus nach George Herbert Mead entschieden (Kapitel 5.3). Diese Theorie vereint die Widersprüchlichkeiten der Gegenwartsgesellschaft, nämlich die Freisetzung der Individuen aus traditionellen Lebensbedingungen und die Abhängigkeiten von der Umwelt. Der identitätstheoretische Ansatz des Interaktionismus bezieht sich auf diese individuellen Faktoren sowie auf das soziale Umfeld, und definiert dadurch Identität.

Die balancierende Identität, beschrieben an einem Modell von Lothar Krappmann ist eine Weiterführung der bereits erarbeiteten Theorie (Kapitel 5.4). Krappmann geht dort konkret auf eine Identität ein, die sich aus der Balance der personalen und sozialen Teilidentität ergibt. Um hier nicht nur den theoretischen, soziologischen Rahmen darzulegen, sondern auch den Bezug zu Jugend herzustellen, wird eine Theorie Keupps vorgestellt, die Patchwork-Identität (Kapitel 5.5). Diese Ausarbeitung beschäftigt sich mit der alltäglichen Identitätsarbeit Jugendlicher.

Nachdem der theoretische Bezug zu Identitätsbildung und Biographie- konstruktion hergestellt ist, werden im Folgenden die Lebenswelten beschrieben, in denen diese Prozesse stattfinden (Kapitel 6).

Abschließend sind nun Kompetenzen und Ressourcen angeführt, die zeigen, welche Fähigkeiten Jugendliche in der beschriebenen Gesellschaft benötigen, um ihr Leben selbst zu gestalten. (Kapitel 7).

Lothar Krappmann hat dazu identitätsfördernde Fähigkeiten formuliert (Kapitel 7.1), welche die Grundlage für die Ressourcen und Kompetenzen bilden, die Heiner Keupp vorschlägt. (Kapitel 7.2) In den folgenden Schlussgedanken werden die Ergebnisse dieser Arbeit zusammengefasst und es wird ein kurzer Ausblick vorgenommen, unter anderem natürlich in Bezug auf Sozialarbeit (Kapitel 8).

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 7
2. Gesellschaftstheoretischer Hintergrund 11
2.1 Definition des Begriffs Individualisierung 11
2.2 Individualisierung und Jugend 15
2.3 Zusammenfassung 17
3. Jugend im historischen Kontext - Der Strukturwandel der Lebensphase Jugend 18
3.1 Die erste Modernisierung 18
3.2 Die zweite Modernisierung oder reflexive Moderne 20
4. Jugend als Lebensphase 21
4.1 Definition des Begriffs Jugend 21
4.2 Abgrenzung zur Kindheit 22
4.3 Abgrenzung zum Erwachsenenalter 24
4.4 Entwicklungsaufgaben der Jugendphase 25
4.4.1 Persönlichkeitsentwicklung in der Jugendphase 26
4.5. Zusammenfassung 28
Exkurs: Ist Jugend noch eine Lebensphase oder ist Jugend heute zum Lebensstil geworden?
5. Biographiekonstruktionen Jugendlicher 32
5.1 Definition des Begriffs Biographie 33
5.2 Definition des Begriffs Identität 34
5.3 Der wissenschaftstheoretische Ansatz des symbolischen Interaktionismus 36
5.3.1 Grundlagen 36
5.3.2 Symbolischer Interaktionismus und Identitätsentwicklung 37
5.4 Der Ansatz der balancierenden Identität 39
5.4.1 Grundlagen und Identitätsentwicklung 39
5.5 Patchwork-Identitäten 42
5.6 Zusammenfassung 44
6. Lebenswelten Jugendlicher in der individualisierten Gesellschaft 46
6.1 Definition des Begriffs Lebenswelten 47
6.1.1 Lebenswelt Familie 49
6.1.2 Lebenswelt Schule 51
6.1.3 Lebenswelt Peer-Group 53
6.1.4 Lebenswelt Freizeit 54
6.1.5 Lebenswelt Konsum 55
6.1.6 Lebenswelt Medien 57
6.1.7 Lebenswelt Körperbewusstsein 59
6.2 Die Bedeutung von Lebenswelten für die Identitätsbildung 60
7. Das Ressourcen- und Kompetenzprofil Jugendlicher 62
7.1 Identitätsfördernde Fähigkeiten nach Lothar Krappmann 63
7.1.1 Rollendistanz 63
7.1.2 Role-taking und Empathie 64
7.1.3 Ambiguitätstoleranz und Abwehrmechanismen 65
7.1.4 Identitätsdarstellung 67
7.2 Ressourcen und Kompetenzen nach Heiner Keupp 68
7.2.1 Materielle Ressourcen 68
7.2.2 Soziale Kompetenzen 69
7.2.3 Die Fähigkeit zum Aushandeln 70
7.2.4 Ambiguitätstoleranz 71
7.2.5 Urvertrauen zum Leben 72
7.2.6 Lebenskohärenz 72
7.2.7 Boundary management 73
7.2.8 Zugehörigkeitserfahrung und Anerkennungskulturen 74
7.2.9 Interkulturelle und zivilgesellschaftliche Kompetenzen 74
7.3 Zusammenfassung 76
8. Schlussgedanken und Ausblick 77
9. Literaturverzeichnis 80

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 7
2. Gesellschaftstheoretischer Hintergrund 11
2.1 Definition des Begriffs Individualisierung 11
2.2 Individualisierung und Jugend 15
2.3 Zusammenfassung 17
3. Jugend im historischen Kontext - Der Strukturwandel der Lebensphase Jugend 18
3.1 Die erste Modernisierung 18
3.2 Die zweite Modernisierung oder reflexive Moderne 20
4. Jugend als Lebensphase 21
4.1 Definition des Begriffs Jugend 21
4.2 Abgrenzung zur Kindheit 22
4.3 Abgrenzung zum Erwachsenenalter 24
4.4 Entwicklungsaufgaben der Jugendphase 25
4.4.1 Persönlichkeitsentwicklung in der Jugendphase 26
4.5. Zusammenfassung 28
Exkurs: Ist Jugend noch eine Lebensphase oder ist Jugend heute zum Lebensstil geworden?
5. Biographiekonstruktionen Jugendlicher 32
5.1 Definition des Begriffs Biographie 33
5.2 Definition des Begriffs Identität 34
5.3 Der wissenschaftstheoretische Ansatz des symbolischen Interaktionismus 36
5.3.1 Grundlagen 36
5.3.2 Symbolischer Interaktionismus und Identitätsentwicklung 37
5.4 Der Ansatz der balancierenden Identität 39
5.4.1 Grundlagen und Identitätsentwicklung 39
5.5 Patchwork-Identitäten 42
5.6 Zusammenfassung 44
6. Lebenswelten Jugendlicher in der individualisierten Gesellschaft 46
6.1 Definition des Begriffs Lebenswelten 47
6.1.1 Lebenswelt Familie 49
6.1.2 Lebenswelt Schule 51
6.1.3 Lebenswelt Peer-Group 53
6.1.4 Lebenswelt Freizeit 54
6.1.5 Lebenswelt Konsum 55
6.1.6 Lebenswelt Medien 57
6.1.7 Lebenswelt Körperbewusstsein 59
6.2 Die Bedeutung von Lebenswelten für die Identitätsbildung 60
7. Das Ressourcen- und Kompetenzprofil Jugendlicher 62
7.1 Identitätsfördernde Fähigkeiten nach Lothar Krappmann 63
7.1.1 Rollendistanz 63
7.1.2 Role-taking und Empathie 64
7.1.3 Ambiguitätstoleranz und Abwehrmechanismen 65
7.1.4 Identitätsdarstellung 67
7.2 Ressourcen und Kompetenzen nach Heiner Keupp 68
7.2.1 Materielle Ressourcen 68
7.2.2 Soziale Kompetenzen 69
7.2.3 Die Fähigkeit zum Aushandeln 70
7.2.4 Ambiguitätstoleranz 71
7.2.5 Urvertrauen zum Leben 72
7.2.6 Lebenskohärenz 72
7.2.7 Boundary management 73
7.2.8 Zugehörigkeitserfahrung und Anerkennungskulturen 74
7.2.9 Interkulturelle und zivilgesellschaftliche Kompetenzen 74
7.3 Zusammenfassung 76
8. Schlussgedanken und Ausblick 77
9. Literaturverzeichnis 80

Textprobe:

Kapitel 5., Biographiekonstruktionen Jugendlicher:

Da vorangehend die Veränderungen und Definitionen der Jugendphase in der individualisierten Gesellschaft aufgezeigt wurden, soll nun beschrieben werden, wie Jugendliche unter diesen Umständen eine eigene Identität herstellen können und wie sie ihre Biographiekonstruktion entwerfen. Der vorausgehende Einblick in Identitätsbegriffe soll hier vertieft werden.

Neben der Definition der Begriffe Identität und Biographie soll der wissenschaftstheoretische Ansatz des symbolischen Interaktionismus erläutert werden. Identitätsbildung soll hier ihre wissenschaftliche Einbettung in Form eines theoretischen Ansatzes erfahren.

Die Lebenswelten moderner Jugendlicher beziehen sich vor allem auf zwei wesentliche, im Grunde widersprüchliche Punkte: die Freisetzung aus traditionalen Lebensformen und die gleichzeitigen Abhängigkeiten von den sie umgebenden Lebensbedingungen.

Der Ansatz des symbolischen Interaktionismus nach George Herbert Mead bezieht sich in seiner Definition von Identitätsbildung auf individuelle Faktoren sowie auf das soziale Umfeld. Es ist also möglich, genau diese „individualisierte Identität“, die zu einem Teil aus Eigenleistung, zum anderen aus den umgebenden Lebensbedingungen besteht, mit dem identitätstheoretischen Ansatz des Interaktionismus übereinstimmend zu beschreiben. Die Wechselwirkung zwischen Person und Umwelt wird hier ebenfalls thematisiert.

Abstand genommen wird deshalb von entwicklungspsychologischen Perspektiven, sowie auch von Perspektiven, die Identitätsentwicklung als Prozess beschreiben, der vorhersehbar in bestimmten Lebensphasen abläuft.

Außerdem wird der Begriff Patchwork-Identitäten, entwickelt von Heiner Keupp, vorgestellt. Keupp möchte damit „die Herstellungslogik von Identitätskonstruktionen“ beschreiben.

Kapitel 5.1, Definition des Begriffs Biographie:

Biographie bezeichnet allgemein die Lebensgeschichte eines Menschen. Der Prozess einer Biographie hat einen engen Bezug zu der Identität des Individuums.

Sie „beinhaltet die Zustandsveränderung von Identität (und) konstituiert sich im Kontext sozialer und kollektiv historischer Prozesse. Zwischen sozialen und historischen Ereignissen und der Entwicklung biografischer Prozesse besteht eine komplexe Wechselwirkung“. Biographie vermittelt so einen Gesamtüberblick über die Abfolge von Ereignissen innerhalb eines Lebens.

Jugendliche haben folglich, aufgrund ihres Alters, einen großen Teil ihrer Biographiekonstruktion noch vor sich. Da sich Biographie auf soziale und historische Prozesse bezieht, nimmt wieder das Individualisierungstheorem einen Stellenwert ein. Jugendliche befinden sich in der Situation, dass sie aufgrund der Freisetzung gezwungen sind, eine Auswahl aus den verschiedenen Möglichkeiten zur Konstruktion ihrer Biographie zu treffen. Wie bereits erwähnt, kann diese Freiheit schnell zu einer Unsicherheit werden. Auch die sozialen Gegebenheiten, wie Familie oder Peer-Group, und die dort stattfindenden Prozesse spielen eine entscheidende Rolle. Biographie ist in alltäglichen Situationen existent, jeder Mensch ist Träger einer Biographie, es hat jedoch niemand diese Biographie vollständig selbst entworfen.

Sie „ist eingebettet in alltagsweltliche Beziehungs- und Handlungsstrukturen und somit auch für die Gesellschaft relevant.(…) Der Orientierungsverlust an soziokultureller Bedeutungszuschreibung und soziobiografischen Handlungsmustern irritiert (die Identität) und stellt sie in Frage“.

Gerade Jugendliche in unserer heutigen Gesellschaft brauchen zur Konstruktion einer Biographie erstmal eine gelungen hergestellte Identität, die gewisse Kompetenzen voraussetzt.

In Bezug auf die vorangegangenen Beschreibungen von Jugend in der individualisierten Gesellschaft ist die Identität als solche nicht homogen, sondern multipel. Biographie vermittelt dem Individuum individuelle, sich von anderen unterscheidende Erlebnisse, die Einzigartigkeit implizieren.

Arbeit zitieren:
Metzing, Lena Januar 2006: Lebensphase Jugend, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Identität, Symbolischer Interaktionismus, Individualisierung, Lebenswelten, Ressourcen

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