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Lebenslagen von russlanddeutschen Jugendlichen in Weißwasser

Lebenslagen von russlanddeutschen Jugendlichen in Weißwasser
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Daniela Hilbrich
  • Abgabedatum: Mai 2002
  • Umfang: 85 Seiten
  • Dateigröße: 1,0 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Lausitz, Standort Cottbus Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5667-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5667-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5667-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hilbrich, Daniela Mai 2002: Lebenslagen von russlanddeutschen Jugendlichen in Weißwasser, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Aussiedler, Integration, Geschichte der Aussiedler

Diplomarbeit von Daniela Hilbrich

Einleitung:

Im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts erlebte die Bundesrepublik Deutschland einen stetig steigenden Zuwachs an Deutschen aus den Ostblockstaaten. Angehörige deutscher Minderheiten, vor Hunderten von Jahren in östliche Gebiete ausgewandert, streben zurück nach Deutschland. In ihre Heimat. Dorthin, wo ihre Wurzeln liegen.

Auch in Weißwasser, eine Stadt im Niederschlesischen Oberlausitzkreis, nahm die Anzahl der Aussiedler in den letzten Jahren bedeutend zu. Aus dieser Entwicklung heraus ergaben sich vielfältige Probleme, die auch der Öffentlichkeit nicht verschlossen blieben. Daher und aus der Anregung eines Sozialarbeiters heraus entschloss ich mich, mich genauer mit der Problematik der Spätaussiedler, insbesondere der der jugendlichen Russlanddeutschen, zu beschäftigen. Auch gegenwärtig erfährt diese Problematik eine große Aktualität, was mich in meiner Motivation, dieses Thema zu bearbeiten, weiter bestärkte.

In der hier vorliegenden Arbeit möchte ich über Hintergründe, Ursachen, Folgen und Besonderheiten dieser Zuwanderung aufklären. Dies soll besonders am Beispiel der jugendlichen Aussiedler geschehen.

Gang der Untersuchung:

Ich möchte zu aller erst die unterschiedlichen Begrifflichkeiten, die im Zusammenhang mit dem Thema oft zu lesen sind, klären und Klarheiten schaffen.

In der Folge darauf beschäftige ich mich eingehend mit den geschichtlichen Hintergründen der Aussiedler.

Im vierten Teil erläutere ich das Aufnahmeprozedere, Bedingungen und Eingliederungsunterstützungen für die neuen "alten" Bundesbürger. Hier beschäftige ich mich erstmals mit den Eingliederungshilfen für jugendliche Spätaussiedler.

Nach der größtenteils theoretischen Aufarbeitung komme ich zu einer relativ praktischen Auswertung meines Arbeitsgegenstands.

Dazu beschäftige ich mich im Teil Fünf mit den Merkmalen der Integration und Zuwanderung nach Deutschland. Punkte wie die Zuwanderungsentwicklung, das allgemeine Bild von Deutschland, Aussiedlungsmotive und eine Betrachtung der Ausreisemotive jugendlicher Spätaussiedler hier ihre Beachtung. Erstmals verwende ich auch Informationen aus Gesprächen mit zwei Sozialarbeitern aus Weißwasser. Diese werden in eingerückter Form wiedergegeben, wobei keine wortwörtliche Wiedergabe der Aussagen erfolgt.

Um die eigentliche Aufgabenstellung- nämlich die Beschreibung der Lebenssituation von russlanddeutschen Jugendlichen - realistisch wiedergeben zu können, wählte ich die Forschungsmethode des narrativen Interviews. Hierbei befragte ich in einem Gruppeninterview zwei jugendliche Spätaussiedler nach einem im Anhang beigefügten Interviewleitfaden. Ergebnisse dieses Interviews werden in thematisch entsprechenden Stellen eingefügt und in Kursivschrift vom restlichen Text abgehoben. Hier muss ich hinzufügen, dass ich nur einen geringen Teil des Interviews für meine Arbeit verwenden konnte, da die Jugendlichen aufgrund ihres Sprachdefizits große Probleme hatten, sich umfangreicher zu äußern.

Die Ergebnisse meiner qualitativen Sozialforschung dienen dazu, Erkenntnisse aus der Literatur entweder zu unterstreichen oder zu widerlegen. Teilweise lassen sich so Defizite in der theoretischen Aufarbeitung des Themas erkennen, was zum einen sicherlich an der spezifischen Situation in Weißwasser liegt. Ebenso könnten dafür aber auch die unterschiedlichen Betrachtungsweisen und Problemschwerpunkte der Autoren sowie eine teilweise nicht mehr zeitgemäßen Informationsstand der Literatur als Ursache aufgeführt werden.

Auch im darauf folgenden sechsten Teil beziehe ich ebenfalls die Ergebnisse meiner Gespräche und Interviews mit ein. Die Stadt Weißwasser wird kurz vorgestellt, der Sozialraum – insbesondere der Stadtteil Süd als sozialer Brennpunkt – erfährt eine besondere Beachtung. Auch wird die aktuelle Diskussion um die Aussiedler und die mit ihnen einhergehenden Berichterstattungen behandelt. Auch kulturelle Projekte für Aussiedlerjugendliche in Weißwasser werden kurz angesprochen.

Der achte Teil befasst sich intensiv mit dem Alltag der russlanddeutschen Jugendlichen. Auf der Grundlage theoretischer Erkenntnisse füge ich hier Erfahrungen von Sozialarbeitern aus der Praxis sowie Interviewergebnisse mit Jugendlichen aus Weißwasser an. Durch diese Methode soll ein umfassender Analyseversuch der Lebensbereiche von Aussiedlerjugendlichen in Weißwasser erfolgen. Mit diesem Abschnitt versuche ich, die Hauptfrage meiner Arbeit zu beantworten.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Begriffsbestimmung 4
3. Geschichte der Aussiedler 7
3.1 Russland wendet sich nach Westen 7
3.1.1 Die zweite Aussiedlerwelle erreicht den Osten 9
3.1.2 Russifizierungspolitik unter Alexander II. 9
3.2 Leben in den Kolonien 10
3.3 Verdrängung der Deutschen und der Erste Weltkrieg 11
3.3.1 Zwischen den Kriegen 12
3.3.2 Auswirkungen der Machtübernahme der NSDAP auf die Russlanddeutschen 13
3.3.3 Zwischen den Fronten im Zweiten Weltkrieg 14
3.4 Normalisierung der Lage in der Nachkriegszeit 17
3.5 Autonomie und Ausreisebewegungen 19
3.6 Glasnost und Perestroika 20
3.6.1 Die Gesellschaft „Wiedergeburt“ 21
4. Rechtliche Grundlagen für eine Integration 23
4.1 Das Zuwanderungsgesetz – kurzer geschichtlicher Abriss 23
4.2 Der Aufnahmeprozess 24
4.2.1 Wie wird die deutsche Volkszugehörigkeit bestimmt? 24
4.2.2 Sprachtest 25
4.3 Das Aufnahme- und Registrierverfahren 28
4.3.1 Was geschieht nach der Ankunft in Friedland? 28
4.4 Kritiken an den gesetzlichen Regelungen 30
4.5 Eingliederungshilfen 30
4.5.1 Eingliederungshilfen für jugendliche Aussiedler 32
5. Zuwanderung und Integration in der Bundesrepublik Deutschland 34
5.1 Zuwanderungsentwicklungen 34
5.2 Das Deutschlandbild 36
5.3 Aussiedlungsmotive 37
5.3.1 „Als Deutscher unter Deutschen leben“ 37
5.3.2 Wunsch nach Familienzusammenführung 38
5.3.3 Hoffnung auf ein besseres Leben 39
5.3.4 Aussiedlungsmotive der Jugendlichen? 40
5.4 Die Aussiedlungserfahrungen 42
5.4.1 Die Ausreiseerfahrungen von Jugendlichen 42
6. Sozialraum Weißwasser 44
6.1 Brennpunkt Weißwasser Süd 45
6.2 Ansätze zur Integration in Weißwasser 47
7. Russlanddeutsche Jugendliche im bundesdeutschen Alltag 49
7.1 Die Sprache 49
7.2 Familie und Erziehung 51
7.3 Schule und Ausbildung 53
7.4 Die nationale Identität 58
7.5 Kirchliches Leben 62
7.6 Soziale Beziehungen und Freizeitgestaltung 63
7.7 Das Phänomen der Abschottung 65
7.8 Gewalt und Drogen 66
8. Zusammenfassung 71
Anhang
Literaturverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
Erklärung zur Urheberschaft

Automatisiert erstellter Textauszug:

die aufeinander angewiesen sind, sich aufeinander verlassen und Dinge miteinander absprechen müssen. Diese Maßnahme zeigt zwar nur individuelle und punktuelle Integrationsfortschritte, aber auch so kann – in kleineren Schritten natürlich – eine steigende Toleranz auf beiden Seiten erreicht werden. . Teilweise wurde von einheimischen Jugendlichen die mangelnde Integrationsbereitschaft der Aussiedlerjugendlichen beklagt, aber mein Gesprächspartner ist der Meinung, dass zur Integration immer zwei gehören. Man muss sich aufeinander zu bewegen. Wenn sich ein Aussiedler integrieren soll, brauch er auch die Offenheit der Einheimischen. Im Dezember 2001 wurde das Netzwerk „Integration Spätaussiedler“ in Weißwasser gegründet. In diesem Netzwerk arbeiten zwölf ständige Vertreter aus Schulen, freien Trägern und Trägern der Wohlfahrtspflege mit. Das gemeinsame Anliegen ist es, die zwischen Aussiedlern und Einheimischen bestehenden Probleme nach und nach abzubauen. Dies soll durch Maßnahmen wie Sprachunterricht, Weiterbildungsveranstaltungen, PC-Kurse erreicht werden. Auch werden Möglichkeiten wie sportliche Aktivitäten und Freizeitexkursionen genutzt, um Aussiedler zu erreichen. [...]

6.2 Ansätze zur Integration in Weißwasser Herr Kruner nennt einige der Angebote, die gegenwärtig in Weißwasser stattfinden, um die Integration der Jugendlichen zu erleichtern oder um neue Interessen zu wecken, die die Jugendlichen von ihrem oft eintönigen Alltag wegbringen. Es existieren einige öffentliche Angebote. Zum Beispiel findet jeden Dienstag im W.C.B.-Club ein Jugendtreff statt, der für alle offen sein soll. Dort sind vor allen Dingen ältere Jugendliche ab sechzehn Jahren anzutreffen. Aber die integrativen Fortschritte sind da eher langsam, denn die jugendlichen Aussiedler bleiben eher unter sich. Herr Kruner denkt, dass es für die Jugendlichen, die noch nicht so lange in Deutschland sind, ok ist. Sie brauchen gewisse Schonräume, denn sie haben einen enormen Druck von der Schule oder der Berufsausbildung. Dort fühlen sie sich ständig beobachtet, unterliegen einer ständigen Kritik und Bewertung und erleben massiven Leistungsdruck. Für diese Jugendlichen ist es wichtig, dass sie Rückzugsmöglichkeiten haben, sie sich in eine vertraute Gruppe zurückziehen können. Daher ist es nicht so problematisch, wenn hier die Integration mit einheimischen Jugendlichen eher schleppend voran geht. Weiterhin existieren wöchentliche Sport-Angebote. Aussiedler sind daraufhin sehr gut ansprechbar. Sport ist wichtig, weil er auch ein gewisses Aggressionsund Frustrationspotential abbaut. Streckenweise sind einheimische Jugendliche dabei, aber im Großen und Ganzen sind nur Aussiedler aktiv. In unregelmäßigen Abständen finden Theaterbesuche für interessierte Jugendliche oder für solche statt, die durch die anderen Angebote nicht erfasst werden. In der Regel nehmen auch einheimische Jugendliche teil. Einmal im Monat findet eine „Aussiedler“ - Disko in Zusammenarbeit mit der Mobilen Jugendarbeit e. V. statt. Unter den ca. 100 Jugendlichen sind meistens ein paar Einheimische dabei, jedoch sind es noch zu wenige. Das Ziel all dieser Veranstaltungen ist es, dass die Einheimischen stärker einbezogen werden. Allerdings weiß man noch nicht, wie das gelingen soll. Zudem gibt es verschiedene erlebnispädagogische Angebote, zum Beispiel Kletterfreizeiten in der Sächsischen Schweiz mit einheimischen und Aussiedlerjugendlichen. Man nutzt hier den Effekt, dass zum Klettern immer zwei gehören, 47 [...]

6.1 Sozialer Brennpunkt Weißwasser „Süd“ Weißwasser ist geprägt durch das Neubaugebiet “Süd”. Dieser Stadtteil ist der soziale Brennpunkt im Stadtgebiet. Ein überdurchschnittlich hoher Anteil von Kindern und Jugendlichen lebt in diesem Sektor. In der Arbeit des Jugendamtes ist eine deutliche Konzentration des Klientel in diesem Wohngebiet zu verzeichnen. Sozial besser gestellte Familien verlassen dieses Viertel und ziehen in andere Stadtteile oder in umliegende Ortschaften. Diese Vorgänge verstärken die Charakteristik des sozialen Brennpunktes. Während meiner Recherche war es nicht möglich, eine Entwicklung der Zuwanderung nach Weißwasser in den letzten Jahren in Erfahrung zu bringen, da in den Einwohnermeldeämtern die Aussiedler als deutsche Einwohner geführt werden. Man kann aber davon ausgehen, dass sich die Zahlen in etwa im gleichen Verhältnis wie die der gesamten Bundesrepublik (siehe Abb. 1, Punkt 5.1) verhalten. [...]

Arbeit zitieren:
Hilbrich, Daniela Mai 2002: Lebenslagen von russlanddeutschen Jugendlichen in Weißwasser, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Aussiedler, Integration, Geschichte der Aussiedler

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