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Lebensgeschichte und Orientierungen in der Jugendphase gewaltbereiter Jugendlicher

Lebensgeschichte und Orientierungen in der Jugendphase gewaltbereiter Jugendlicher
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Lena Neus
  • Abgabedatum: Februar 2007
  • Umfang: 113 Seiten
  • Dateigröße: 1,2 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Siegen Deutschland
  • Bibliografie: ca. 78
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0239-6
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0239-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Neus, Lena Februar 2007: Lebensgeschichte und Orientierungen in der Jugendphase gewaltbereiter Jugendlicher, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Deutschland, Jugend, Gewalttätigkeit, Gewalt, Skinhead

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Diplomarbeit von Lena Neus

Einleitung:

Am 25. Oktober 2006 titelte die WESTFALENPOST: Gewalt bei Jugendlichen steigt steil an. „Höchststand bei Kriminalität in NRW. Die Gewaltkriminalität ist in NRW im Vorjahr auf einen neuen Höchststand angestiegen. Besonders die Zahl der Körperverletzungen nahm 2005 dramatisch um 43 Prozent zu. Hauptursache: Wachsende Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen.“ Diese Schlagzeile und der nachfolgende Artikel scheinen zu bestätigen, was viele Menschen subjektiv empfinden. Angeheizt durch Medienberichte entsteht der Eindruck, dass die Jugendlichen in unserer Gesellschaft generell gewaltbereit sind. Dem Eindruck steht der „Zweite periodische Sicherheitsbericht“ (2. PSB) der Bundesregierung entgegen, der am 14.11.2006 von der Justizministerin Frau Zypries vorgestellt wurde. In diesem Bericht gehen die Experten davon aus, dass weder die Justizdaten noch Dunkelfeldstudien Anhaltspunkte dafür geben, dass wir es in der Bundesrepublik mit einer zunehmenden Gewaltbereitschaft der Jugend zu tun haben, sondern, dass eine kleine Gruppe früh auffälliger, sozial hoch belasteter Jugendlicher Gewalt ausübt.

Zwei scheinbar konträre Meinungen zu einem hochbrisanten sozialen Thema.

Schlagzeilen, Reportagen, Talk Shows - kein Tag ohne Berichte über die gewaltbereite Jugend. Zur Gruppe der Jugendlichen gehöre ich auch noch, doch weder ich noch meine Freunde und Bekannten sind gewaltbereit. Wir gehören alle der Gruppe der Jugendlichen an, werden aber von den Medien in der aktuellen Berichterstattung als die gewaltbereiten Jugendlichen bezeichnet. Es wird in aller Regel noch nicht einmal zwischen männlichen und weiblichen Jugendlichen unterschieden. Auch wird nicht deutlich gemacht, über welche Formen der Gewaltausübung gesprochen wird, der Gewaltbegriff wird nicht differenziert.

An diesem Punkt zeigt sich, wie wichtig es ist, sich mit diesem Thema intensiv und differenziert auseinanderzusetzen, um zu sehen, von welchen Jugendlichen mit welchen Biographien und Lebensumständen wir sprechen. Es muss aber nicht nur geklärt werden, von welchen Jugendlichen wir sprechen, sondern auch was man innerhalb dieser Thematik unter Gewalt versteht. Was zählt schon als Gewalt, gewaltbereit oder aggressiv. Und wie unterscheiden sich diese Begriffe voneinander. In einer Diskussion ist es unerlässlich, einen allgemeingültigen Gewaltbegriff zu verwenden. Denn was für den einen nur ein leichtes Rempeln oder Schubsen ist, ist für den anderen schon eine Form von Gewalt. Deshalb werde ich mich zu Beginn meiner Arbeit mit der Definition von „Gewalt“ beschäftigen.

Im Verlauf meiner Beschäftigung mit dem Thema stellte sich heraus, dass es die gewaltbereite Jugend so gar nicht gibt, dass es aber Jugendliche gibt, die von unserer Gesellschaft auf dem Weg in die Zukunft vergessen werden oder die glauben, vergessen zu werden und die Gewalt als Mittel ansehen, um sich ihren Platz in der Gesellschaft, im wahrsten Sinne des Wortes, zu erkämpfen. Sie glauben mit der Anwendung von Gewalt vom Looser zum Gewinner zu werden. Folgt man der Polizeistatistik, so tauchen dort immer wieder bestimmte Gruppen auf, die als besonders gewaltbereit gelten. Es sind männliche Jugendliche mit Migrationshintergrund. Es sind Hooligans und Skinheads.

Bei ersteren fallen in den Polizeistatistiken die türkischen männlichen Jugendlichen häufig als Gewalttäter auf. Deshalb werde ich mich mit ihrer Lebenssituation näher beschäftigen. Da türkische Jugendliche häufig in Street Gangs oder Kleingruppen eingebunden sind, ergab sich daraus auch die Notwendigkeit, diese ethnisch orientierten Cliquen zu beleuchten.

Das Wort Hooligan löst die Assoziation Gewalt aus. Diese Jugendlichen gelten als sehr gewaltbereit und sorgen jeden Samstag am Rande unserer Fußballstadien für Randale und dabei können sie sich der Aufmerksamkeit der Medien sicher sein. Studien zufolge kommen Hooligans in den Alten Bundesländern eher aus gut ausgebildeten und sozial gesicherten Schichten. Sie üben Gewalt um der Gewalt willen aus. Deshalb gehe ich der Frage nach, warum sich Jugendliche, die die Woche über, in den meisten Fällen, eine gutbürgerliche Existenz haben, einer solchen Szene anschließen.

In den Neuen Bundesländern rekrutieren sich die Hooligans eher aus den unteren sozialen Schichten. Sie suchen auch die gewaltsame Auseinandersetzung, aber ihre Beweggründe liegen auf einer anderen Ebene, und zwar in ihrer schlechten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Position. Ich werde die unterschiedlichen Gründe für das Gewaltverhalten der Hooligans in den Alten und den Neuen Bundesländern darlegen.

Die dritte Gruppe, mit der ich mich beschäftigen werde, sind die Skinheads. Bei dem Begriff Skinhead hat jeder sofort das Bild der glattrasiertern Schädel, Bomberjacken und Arbeitsstiefel vor Augen. Allein durch ihr Aussehen verbreiten sie Angst weil sie bedrohlich wirken. Der Deutsche Verfassungsschutz stuft sie als ausgesprochen gewaltbereit ein. Es ist eine heterogene, jugendliche Szene, deren Mitglieder sich zumeist aus den unteren sozialen Schichten rekrutieren. Eine Szene, die auf viele Jugendliche eine große Anziehungskraft ausübt.

Die Anziehungskraft dieser Szene, die häufig mit Rechtsradikalismus in Verbindung gebracht wird, und die starke Gewaltbereitschaft waren die Ausschlag gebenden Punkte für mich, diese Gruppe in meiner Arbeit darzustellen.

Die zentrale Frage, die es zu beantworten gilt, ist, welche Faktoren gerade männliche Jugendliche dazu bewegen sich den oben genannten Gruppen anzuschließen. Es gilt zu klären, worin die Anziehungskraft dieser Gruppen liegt und welches Lebensgefühl sie den Jugendlichen vermitteln. Daher werde ich mich mit den Lebensumständen und Biographien dieser Jugendlichen besonders intensiv beschäftigen. Ein weiteres Augenmerk werde ich auf das Männerbild unserer Gesellschaft legen, da die meisten jugendlichen Gewalttäter männlich sind. Ich werde die Lebenswelten dieser männlichen Jugendlichen darstellen und die Gewalt auslösenden Faktoren herausarbeiten, denn es gibt nicht nur den einen Grund, der Jugendliche dazu bringt, Gewalt auszuüben. Es sind immer viele verschiedene Gründe.

Die weiblichen jugendlichen Gewalttäterinnen werde ich in meiner Arbeit unberücksichtigt lassen, da sie zahlenmäßig irrelevant sind.

Es gilt außerdem zu klären, welche Mittel die Gesellschaft und die Sozialpädagogik anwenden kann, um ihnen zu helfen, ihr Verhalten zu ändern. Ich werde allgemein auf Konzepte der Jugendarbeit - die sich mit den drei oben genannten Gruppen beschäftigen - eingehen und konkret am Beispiel der Berliner Street Worker „Gangway“ aufzeigen, wie man mit einer aktiven Sozialarbeit gewaltbereiten Jugendlichen mit Migrationshintergrund helfen kann.

Hooligans und Fußball sind eng miteinander verbunden und daher werde ich das Nationale Konzept für Sport und Sicherheit vorstellen und am Beispiel der Fanarbeit des BVB deutlich machen was dieser Verein, stellvertretend dargestellt für andere Bundesligavereine, gegen Hooliganismus und Gewalt in den Fußballstadien konkret unternimmt. Aber auch welche Präventionsmaßnahmen das Jugendamt der Stadt Dortmund und der BVB treffen um Jugendliche von Gewaltausübung fernzuhalten.

Bei der Arbeit mit Skinheads werde ich das „Aktionsprogramm gegen Aggression und Gewalt“ der Bundesregierung, die Projekte „offside“ und JugendSportClub Lichtenhagen vorstellen und anhand dieser Projekte aufzeigen, wo die Probleme bei der Arbeit mit dieser Jugendszene liegen.

Im ersten Kapitel werde ich die Begriffe Aggression, Gewalt und Gewaltbereitschaft definieren. Das Gewalt eher die Domäne männlicher Jugendlicher ist, ist Inhalt des zweiten Kapitels und leitet über zu Kapitel drei, in dem ich auf das Männerbild unserer Gesellschaft eingehe. Die Jugendphase (Kapitel vier), die sich aufgrund der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen (Kapitel fünf) verlängert hat gehört zwingend zu dem Thema Jugend und Gewalt. Aber auch der gesellschaftliche Wandel (Kapitel sechs), ebenso wie die Gewalterfahrungen die Jugendliche (Kapitel 7) in unserer Gesellschaft machen, sind als Vorwissen zu diesem Thema unerlässlich.

Die Phase der Sozialisation (Kapitel 8) dient der Aneignung der gesellschaftlichen Handlungsfähigkeit und deshalb muss man diese wichtige Zeit im Leben der Jugendlichen genau beleuchten. In dieser Zeit bilden Jugendliche Cliquen oder lose Zufallsgruppen in denen ein Lebensgefühl ausgedrückt wird. Dies Lebensgefühl macht Jugendkulturen bzw. Subkulturen aus. (Kapitel 9). Soweit der theoretische Vorbereitungsteil meiner Arbeit.

Nun gehe ich konkret auf jugendliche Szenen ein, die immer wieder durch ihre Gewaltbereitschaft auffallen. Es sind dies die Türkischen Street Gangs (Kapitel 10), die gewaltbereiten Fußballfans (Kapitel 11), die gewaltbereiten Hooligans (Kapitel 12) und die Skin Head Szene (Kapitel 13). Welche Erklärungsansätze (Kapitel 14) liefert uns aber die Sozialpädagogik für das Gewalthandeln von Jugendlichen und welche theoretischen Handlungsoptionen bietet sie an (Kapitel 15). Dies leitet naturgemäß zu den konkreten Projekten der sozialen Arbeit mit den oben genannten Szenen über (Kapitel 16).

Mit meiner Schlussbetrachtung (Kapitel 17) möchte ich versuchen deutlich zu machen, welche Lehren und Schlussfolgerungen ich aus der Beschäftigung mit dem Thema Jugend und Gewalt ziehe und was ich konkret für mich gelernt habe.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 6
1. Definitionen 10
1.1 Aggression 10
1.2 Gewalt 10
1.3 Gewaltbereitschaft 11
2. Gewalt (meist) männlich 12
2.1 Gewalt ist (selten) weiblich 12
3. Das Männerbild in unserer Gesellschaft 14
4. Die Jugendphase 17
4.1 Historische Einführung 17
4.2 Definition von Jugendphase 17
4.3 Altersbestimmte Definition 18
4.4 Verhaltensorientierte Definition – aus soziologischer Sicht 18
4.5 Entstrukturierung – Destandardisierung und Individualisierung der Jugendphase 19
4.6 Postaduleszenz 19
4.7 Die Bedeutung der Jugendphase 19
5. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen des jugendlichen Alltags 21
6. Gesellschaftlicher Wandel 24
7. Gewalterfahrungen Jugendlicher 25
7.1 Familiäre Gewalt 25
7.2 Mediale Gewalt 26
7.3 Stimulationsthese – Doppelte Dosis These – Habitualisierungsthese 27
7.4 Schulische Gewalt 28
7.5 Stadtstrukturelle Gewalt 29
7.6 Kommunikative Gewalt 30
7.7 Kulturelle Gewalt 30
8. Sozialisation 31
8.1 Peer Groups 31
8.2 Bedeutung der Gruppenidentität 32
8.3 Deviante Cliquen – Struktur – Gründe 32
9. Subkultur – Jugendkultur 34
10. Gewaltbereite Jugendliche mit Migrationshintergrund – türkische Jugendliche 36
10.1 Familie 36
10.2 Wohnsituation 36
10.3 Sport 37
10.4 Sprache 38
10.5 Schule 38
10.6 Kriminalität 39
10.7 Jugendphase 39
10.8 Religion 40
10.9 Was treibt türkische Jugendliche in deviante Jugendgruppen 40
10.1 Türkische Street Gangs - Geschichtlicher Hintergrund 41
10.11 Struktur und Handlungsweise der Gruppe 42
10.12 Aktueller Bezug 44
10.13 Polizeistatistik Berlin 2005 – Nichtdeutsche männliche jugendliche Gewaltkriminalität – Jugendgruppengewalt 46
10.14 Jugendgruppengewalt 47
11. Fußballfans 49
11.1 Konsumorientierte Fans 49
11.2 Fußballzentrierte Fans 50
11.3 Erlebnisorientierte Fans 50
11.4 Ultras 50
11.5 Kuttenfans 51
12. Hooligans 53
12.1 Etymologie 53
12.2 Selbstverständnis 53
12.3 Hooligans aus gut ausgebildeten, sozial esicherten Schichten 55
12.4 Hooligans aus den unteren Sozialschichten, mit niedrigem Bildungsniveau 57
13. Skinhead Bewegung 61
13.1 Geschichtlicher Hintergrund 61
13.2 Die Strömungen innerhalb der Skinheadbewegung 64
13.3 Skinhead Outfit 66
13.4 Kleidung rechtsextremer Skinheads 66
13.5 Das Weltbild rechtsextremer, gewaltbereiter Skinheads 67
13.6 Zahlen und Fakten 67
13.7 Biographie gewaltbereiter rechtsextremistischer kinheads 68
13.8 Taten, Täter, Opfer 69
13.9 Skinhead – Musik 70
13.1 Konzerte 71
13.11 Fanzines 71
13.12 Skinheads und Gewalt 74
13.13 Rechtsextremistische Gewalt bei Skinheads 75
13.14 Skin Girls 76
14. Erklärungsansätze verschiedener Sozialwissenschaftler zu Gewalt und Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen 78
14.1 Der Ansatz von Kraußlach 78
14.2 Der Ansatz von Hafeneger 79
14.3 Der Ansatz von Heitmeyer 79
14.4 Der Ansatz von Krafeld 81
14.5 Der Ansatz von Esser – Dominikowski 82
14.6 Vergleich und Kritik 83
15. Sozialarbeit mit gewaltbereiten Jugendlichen 84
15.1 Streetwork 84
15.2 Mobile Jugendarbeit 84
15.3 Akzeptierende Jugendarbeit 85
15.4 Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Risiken der theoretischen Modelle 87
16. Konkrete Projekte mit gewaltbereiten Jungendlichen 89
16.1 Gangway 89
16.2 Aktionen der Streetworker von Gangway 90
16.3 Fußballfanprojekte 91
16.4 Arbeit mit Skinheads 93
17. Schlussbetrachtung 96
18. Literaturverzeichnis 100
Anhang 107
Erklärung 112

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 6
1. Definitionen 10
1.1 Aggression 10
1.2 Gewalt 10
1.3 Gewaltbereitschaft 11
2. Gewalt (meist) männlich 12
2.1 Gewalt ist (selten) weiblich 12
3. Das Männerbild in unserer Gesellschaft 14
4. Die Jugendphase 17
4.1 Historische Einführung 17
4.2 Definition von Jugendphase 17
4.3 Altersbestimmte Definition 18
4.4 Verhaltensorientierte Definition – aus soziologischer Sicht 18
4.5 Entstrukturierung – Destandardisierung und Individualisierung der Jugendphase 19
4.6 Postaduleszenz 19
4.7 Die Bedeutung der Jugendphase 19
5. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen des jugendlichen Alltags 21
6. Gesellschaftlicher Wandel 24
7. Gewalterfahrungen Jugendlicher 25
7.1 Familiäre Gewalt 25
7.2 Mediale Gewalt 26
7.3 Stimulationsthese – Doppelte Dosis These – Habitualisierungsthese 27
7.4 Schulische Gewalt 28
7.5 Stadtstrukturelle Gewalt 29
7.6 Kommunikative Gewalt 30
7.7 Kulturelle Gewalt 30
8. Sozialisation 31
8.1 Peer Groups 31
8.2 Bedeutung der Gruppenidentität 32
8.3 Deviante Cliquen – Struktur – Gründe 32
9. Subkultur – Jugendkultur 34
10. Gewaltbereite Jugendliche mit Migrationshintergrund – türkische Jugendliche 36
10.1 Familie 36
10.2 Wohnsituation 36
10.3 Sport 37
10.4 Sprache 38
10.5 Schule 38
10.6 Kriminalität 39
10.7 Jugendphase 39
10.8 Religion 40
10.9 Was treibt türkische Jugendliche in deviante Jugendgruppen 40
10.1 Türkische Street Gangs - Geschichtlicher Hintergrund 41
10.11 Struktur und Handlungsweise der Gruppe 42
10.12 Aktueller Bezug 44
10.13 Polizeistatistik Berlin 2005 – Nichtdeutsche männliche jugendliche Gewaltkriminalität – Jugendgruppengewalt 46
10.14 Jugendgruppengewalt 47
11. Fußballfans 49
11.1 Konsumorientierte Fans 49
11.2 Fußballzentrierte Fans 50
11.3 Erlebnisorientierte Fans 50
11.4 Ultras 50
11.5 Kuttenfans 51
12. Hooligans 53
12.1 Etymologie 53
12.2 Selbstverständnis 53
12.3 Hooligans aus gut ausgebildeten, sozial esicherten Schichten 55
12.4 Hooligans aus den unteren Sozialschichten, mit niedrigem Bildungsniveau 57
13. Skinhead Bewegung 61
13.1 Geschichtlicher Hintergrund 61
13.2 Die Strömungen innerhalb der Skinheadbewegung 64
13.3 Skinhead Outfit 66
13.4 Kleidung rechtsextremer Skinheads 66
13.5 Das Weltbild rechtsextremer, gewaltbereiter Skinheads 67
13.6 Zahlen und Fakten 67
13.7 Biographie gewaltbereiter rechtsextremistischer kinheads 68
13.8 Taten, Täter, Opfer 69
13.9 Skinhead – Musik 70
13.1 Konzerte 71
13.11 Fanzines 71
13.12 Skinheads und Gewalt 74
13.13 Rechtsextremistische Gewalt bei Skinheads 75
13.14 Skin Girls 76
14. Erklärungsansätze verschiedener Sozialwissenschaftler zu Gewalt und Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen 78
14.1 Der Ansatz von Kraußlach 78
14.2 Der Ansatz von Hafeneger 79
14.3 Der Ansatz von Heitmeyer 79
14.4 Der Ansatz von Krafeld 81
14.5 Der Ansatz von Esser – Dominikowski 82
14.6 Vergleich und Kritik 83
15. Sozialarbeit mit gewaltbereiten Jugendlichen 84
15.1 Streetwork 84
15.2 Mobile Jugendarbeit 84
15.3 Akzeptierende Jugendarbeit 85
15.4 Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Risiken der theoretischen Modelle 87
16. Konkrete Projekte mit gewaltbereiten Jungendlichen 89
16.1 Gangway 89
16.2 Aktionen der Streetworker von Gangway 90
16.3 Fußballfanprojekte 91
16.4 Arbeit mit Skinheads 93
17. Schlussbetrachtung 96
18. Literaturverzeichnis 100
Anhang 107
Erklärung 112

Textprobe:

Kapitel 5.0, Gesellschaftliche Rahmenbedingungen des jugendlichen Alltags:

Einem Teil der Jugendlichen sind aber positive gesellschaftliche und familiäre Rahmenbedingungen verwehrt. Will man, sich gewaltbereiten Jugendlichen und den Ursachen für ihr Verhalten nähern, so muss man sich mit ihrem familiären und gesellschaftlichen Umfeld beschäftigen, dass heißt, man muss sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen dieser Jugendlichen genauer ansehen. Die Ursachen für Desorientierung und Ratlosigkeit liegen in ihrer Alltagswelt begründet. Im Folgenden werde ich versuchen, die Alltagswelt der Jugendlichen, zu beschreiben, die zu Gewalt und Gewalttätigkeit neigen. Dies ist nicht die Alltagswelt der meisten Jugendlichen, wie die Shell Jugendstudie (2006) eindrucksvoll zeigt, aber sie ist die Lebenswelt eines Teils unserer jugendlichen Gesellschaft.

Die Shell Jugendstudie (2006) hat herausgefunden, dass Jugendliche aus der sozialen Unterschicht häufig Haupt- und Sonderschulen besuchen und sie auch bei der späteren Ausbildung nicht ihr mögliches Potential ausschöpfen. Wer in der heutigen Zeit nur einen niedrigen oder gar keinen Bildungsabschluss erreicht, kann nicht unbedingt damit rechnen einen Ausbildungsplatz zu erhalten. Von einem Ausbildungsplatz der eigenen Wahl können die meisten dieser Jugendlichen nur träumen. Dies hat zur Folge, dass sich der Eintritt ins Berufsleben verzögert oder dass man eine berufliche Tätigkeit in einem gering qualifizierten Bereich ausübt. Das kann bei Jugendlichen zu einer hohen psychischen Belastung führen. Anspruch und Wirklichkeit klaffen dann weit auseinander. Man will eine gute gesellschaftliche Position erreichen und schafft es einfach nicht.

Auf Grund der relativ schlechten wirtschaftlichen Lage in Deutschland sind die Jugendlichen vielfältigen Anforderungen von Bildungseinrichtungen ausgesetzt. Obwohl sie sich anstrengen, gelingt es ihnen nicht, einer sicheren Zukunft entgegenzusehen. Daher benötigen sie dringend den Rückhalt ihrer Herkunftsfamilien. Sie benötigen ihn zum Spannungsausgleich, da die Familie Sicherheit, sozialen Rückhalt und emotionale Wärme bietet. Allerdings geben laut Shell Studie (2006) etwa neun Prozent der Jugendlichen an, ein schlechtes Verhältnis zu ihren Eltern zu haben. Dabei sind die unteren sozialen Schichten überproportional vertreten.

Man muss auch sehen, dass nachbarschaftliche Bindungen immer häufiger weg brechen. Dabei spielt vor allem die Wohnsituation in den Städten eine große Rolle. Die Wohngebiete in den Städten sind viel zu oft kontakt- und erlebnisarm. Auch sind sie bewegungsfeindlich. Diese Wohngebiete, aber auch fehlende Freizeiteinrichtungen, verleiten Jugendliche zum „Abhängen“. Aber selbst dazu fehlt ihnen häufig ein Ort. Zu Hause können sie sich auf Grund der doch relativ kleinen Wohnungen nicht mit ihren Freunden treffen und woanders sind sie unerwünscht. Dies alles weckt in den jungen Menschen den Wunsch nach Spannung und Abenteuer.

Lösen sich die Jugendlichen vom Elternhaus ab, gewinnt der Freizeitbereich an Bedeutung. Er ist für sie einer der wichtigsten sozialen Räume für die Findung und die Festigung der eigenen Identität. Die Gleichaltrigen gewinnen in der Lebensphase der Pubertät erheblich an Bedeutung. Ihre Meinung zählt und so sind sie häufig für die Jugendlichen wichtiger als ihr Elternhaus. Sie erziehen quasi mit. Auch läuft der Kontakt zur Welt der Medien häufig über die gleichaltrigen Freunde. Von ihnen holen sich aus Radio, Internet und Fernsehen Impulse für ihre Freizeitgestaltung, damit aber auch für ihre Persönlichkeitsentwicklung.

Die Shell Jugendstudie 2006 zeigt auf, dass die männlichen Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien ihre Freizeit vorrangig mit Fernsehen und Computerspielen verbringen. Kommt dazu noch eine Abkehr von Schule oder Berufsausbildung, so findet sich ein riskantes Abrücken von gesellschaftlichen Konditionen. Man kann sagen, dass dann die natürlichen Lebenserfahrungen abnehmen und durch elektronische ersetzt werden. Somit avancieren Massenmedien zum Sozialisationsersatz. Auch führt ein starker Konsum von Gewaltpräsentationen möglicherweise zu einer Abstumpfung gegenüber real erlebter Gewalt. Diese Erhöhung der Gewalttoleranz führt bei Jugendlichen zu einer gewissen Orientierungslosigkeit. Etwa 22 % aller Jugendlichen waren nach der Shell Studie (2006) in den letzten zwölf Monaten in verschiedenen Situationen in eine Schlägerei verwickelt. Dies Verhalten weist auf eine nicht gelingende gesellschaftliche Integration hin.

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Neus, Lena Februar 2007: Lebensgeschichte und Orientierungen in der Jugendphase gewaltbereiter Jugendlicher, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Deutschland, Jugend, Gewalttätigkeit, Gewalt, Skinhead

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