Lebende Bilder und Musik am Beispiel der Düsseldorfer Kultur
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Volker Frech
- Abgabedatum: November 1999
- Umfang: 175 Seiten
- Dateigröße: 738,8 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-3062-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-3062-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-3062-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Frech, Volker November 1999: Lebende Bilder und Musik am Beispiel der Düsseldorfer Kultur, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Stadtgeschichte, Düsseldorf, Kunst, Unterhaltung, Musik
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Magisterarbeit von Volker Frech
Problemstellung:
„Lebende Bilder“ gehörten zu den Vergnügen des 19. Jahrhunderts. Man ahmte ein Gemälde nach, das meistens sehr bekannt war und vor einer Dekoration von Personen aus Fleisch und Blut dargestellt wurde. Die Akteure mussten in ihren Posen wie erstarrt stehen: Sobald sie sich bewegten, verflog der Zauber des lebenden Bildes - oft dauerte das Spektakel gerade mal eine Minute.
Nachdem Goethe durch seine „Italienische Reise“ und die „Wahlverwandtschaften“ auf dieses Phänomen aufmerksam gemacht hatte und lebende Bilder auf dem Wiener Kongress zum Unterhaltungsprogramm des versammelten europäischen Adels gehörten, etablierte sich das Tableau vivant, wie diese Attraktion auch genannt wurde, vor allem in den europäischen Kunstmetropolen, so in Düsseldorf, das ein bedeutendes Zentrum der lebenden Bilder im deutschsprachigen Raum wurde. Lebende Bilder waren in Düsseldorf fester Bestandteil des kulturellen Lebens.
Die Veranstaltungen der Künstler des KVM (Künstler-Verein Malkasten) stehen im Mittelpunkt der Arbeit - und natürlich die Musik, die selbstverständlicher Bestandteil der Aufführungen war. Es war nicht nur üblich, lebende Bilder mit Musik einzuleiten oder sie von Musik begleiten zu lassen - Musik war für das lebende Bild nahezu unverzichtbar, was mit dieser Arbeit nachgewiesen wird.
Der Arbeit liegen zahlreiche Quellen zugrunde, die es ermöglichen, Aussagen zu treffen, welche über eine exemplarische Betrachtung hinausgehen. Der Hauptuntersuchungszeitraum erstreckt sich von 1848 bis 1933, ein umfangreicher dreiteiliger Anhang dokumentiert die bisher in diesem Zeitraum ermittelbaren Aufführungen, die jeweils gestellten Bilder und die dazu gespielte Musik – und bemerkenswerte Umstände.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 1 | |
| 1. | Definition des lebenden Bildes | 5 |
| 2. | Düsseldorf und das lebende Bild - die Entstehung und Etablierung des Tableau vivant | 7 |
| 2.1 | Die Affinität der Malerschule zum lebenden Bild: Malerei als Reflex der lokalen Gegebenheiten | 7 |
| 2.2 | Der Erfolg der Düsseldorfer Malerschule: berühmte und bekannte Gemälde als Grundlage für lebende Bilder | 11 |
| 2.3 | Die „mediceische Periode von Düsseldorf“ | 15 |
| 2.4 | Der Künstler-Verein Malkasten (KVM) und seine Veranstaltungen | 16 |
| 3. | Das lebende Bild und seine Erscheinungs- und Veranstaltungsformen in Düsseldorf | 18 |
| 3.1 | Die verschiedenen Erscheinungs- und Veranstaltungsformen | 18 |
| 3.1.1 | Freie Formen und ihr Erscheinen in verschiedenen Veranstaltungstypen | 18 |
| 3.1.2 | Formen im Sinne der Definition und ihr Erscheinen in verschiedenen Veranstaltungstypen | 21 |
| 3.2 | Das lebende Bild als eigenständige Veranstaltungsform | 23 |
| 3.2.1 | Die Modalitäten der eigenständigen Veranstaltungen | 23 |
| 3.2.2 | Der Stellenwert der eigenständigen Veranstaltungen | 26 |
| 3.3 | Die Vorlagen der lebenden Bilder in Düsseldorf | 29 |
| 4. | „Mächtiger hatte nie die Musik gewirkt, als hier im Verein mit der bildenden Kunst.“ Das lebende Bild und Musik | 33 |
| 4.1 | Bild und Musik - das Tableau vivant und die Verbindung der Künste | 33 |
| 4.2 | „damit Dichter u. Componist davon Kenntnis nehmen können“ - Die Auswahl der Musik zu lebenden Bildern | 37 |
| 4.3 | Die Bedeutung, Funktion und Wirkung der Musik zu lebenden Bildern | 42 |
| 4.3.1 | Die strukturierende Funktion und Wirkung der Musik | 42 |
| 4.3.2 | Die Verzeitlichung des lebenden Bildes | 43 |
| 4.3.3 | „Unsichtbare Musik“: Die Wirkung der Musik zu lebenden Bildern | 45 |
| 4.3.4 | Die erklärende Funktion der Musik | 47 |
| 4.4 | Die Düsseldorfer Musikdirektoren und das lebende Bild | 49 |
| 4.4.1 | Felix Mendelssohn Bartholdy (1833-1835) | 49 |
| 4.4.2 | Julius Rietz (1835-1847) | 51 |
| 4.4.3 | Ferdinand Hiller (1847-1850) | 52 |
| 4.4.4 | Robert Schumann (1850-1853) | 54 |
| 4.4.5 | Julius Tausch (1853/1855-1889) | 55 |
| 4.4.6 | Julius Buths (1890-1908) bis Hans Weisebach (1925-1933) | 59 |
| 5. | Abschließende Betrachtung und Ausblick | 61 |
Gerade bei lebenden Bildern, denen ein literarisches Sujet zugrunde lag, war die Auswahl der Musik - unter Umständen auch durch entsprechende existierende Vertonungen - quasi „vorweggenommen“.39 Bei anderen Vorlagen, vor allem aus dem Bereich der Genremalerei sowie bei frei komponierten lebenden Bilden war die Gestaltungsfreiheit wesentlich größer, doch ergab sich aus dem Sujet des Bildes zumindest tendenziell, welche Musik hierzu gewählt werden sollte. Am 11.3.1848 wurde die „Norwegische Brautfahrt“ nach dem Gemälde von Hans Fredrik Gude und Adolph Tidemand gestellt, das einen norwegischen Brauch wiedergibt. Die Annonce zu dieser Aufführung benennt einige der „aufzuführenden Musikstücke“, darunter „norwegische [...] Volksmelodien“.40 Das frei komponierte Tableau vivant „Schlacht bei Worringen“, gestellt bei der Jubiläumsfeier Düsseldorfs 1888, wurde durch die Kriegsmusik aus Heinrich Marschners Oper „Templer und Jüdin“ begleitet.41 Die Frage, nach welchen Kriterien Musik zu einem lebenden Bild ausgewählt wurde, beantwortet sich also teilweise durch das Bild selbst; es war auf jeden Fall „passende Musik“. Möchte man für den zu untersuchenden Zeitraum generelle Aussagen treffen, welche Werke als „passende Musik“ gespielt wurden, so kann dies nur unter Vorbehalt geschehen. Dies liegt darin begründet, daß von vielen Veranstaltungen bisher nicht bekannt ist, welche Musik gespielt wurde, was zumeist gerade die Aufführungen betrifft, bei denen ausschließlich lebende Bilder gezeigt wurden42. Nur wenig aufschlußreich ist die Auswertung der verfügbaren Zeitungsannoncen, durch die der KVM seine Aufführungen ankündigte. Hier wurden zwar jedesmal die Vorlagen genannt sowie die Künstler, die diese Vorlagen stellten; ihre Nennung fungierte wohl als eine Art „Gütesiegel“: Es waren die an der Kunstakademie lehrenden Professoren und angesehene Düsseldorfer Maler, die die Tableaux vivants stellten. 43 Die Erwähnung der Musik ist dagegen nur für fünf Aufführungen nachweisbar, wobei die Angaben rudimentär bleiben.44 Es scheint für die veranstaltenden Künstler sekundär gewesen zu sein, dem Publikum bekannt zu machen, welche Musik ihm geboten wurde. Ergiebiger sind die überlieferte Programme, die von den meisten Festspielen erhalten sind. Von Veranstaltungen, die nur lebende Bilder boten, liegen hingegen nur zu zwei Veranstaltungen von 1868 und 1895 Programme vor, die wiederum die Musik nicht erwähnen, sondern [...]
Die Auswahl der Musik ergab sich unter Umständen schon durch die Wahl der Vorlage, nach der ein lebendes Bild gestellt wurde. Bei der Goethe-Feier 1849 wurde „Gretchen im Dome“ nach einer Federzeichnung von Peter von Cornelius gestellt, der die berühmte Domszene aus „Faust I“ zugrunde liegt: „Amt, Orgel und Gesang. Gretchen unter vielem Volke. Böser Geist hinter Gretchen: ‘Wie anders, Gretchen, war dir’s, als du noch voll Unschuld hier zum Altar tratst, [...]’ Chor: Dies irae, dies illa, solvet saeclum in favilla.“35 Folgerichtig kann man den Rezensionen entnehmen, daß zu dem „klassisch ernsten, dem feierlich schrecklichen Eindruck der Domscene“36 „ergreifend angewandte dies-irae-Klänge“37 des Musikdirektor Ferdinand Hiller beitrugen. Bei der gleichen Feier wurde „Egmonts Traum im Kerker“, eine freie Komposition nach der bekannten Schlußszene des Goetheschen Dramas, gestellt. Der Kritiker der Generalprobe berichtet über dieses Bild und seine musikalische Begleitung: [...]
Diese Veranstaltung ist die erste nachweisbare Aufführung einer Form des lebenden Bildes in Düsseldorf. Sie bildet den Auftakt zu einer bis 1928 anhaltenden Tradition, Tableaux vivants mit Musik zu präsentieren. Sie bildet aber zugleich auch den Auftakt zu einer ebenso lange anhaltenden Tradition, Musik als ein dem lebenden Bild hinzugefügtes, es begleitendes und untermalendes Element zu betrachten. Der ankündigende Artikel zu den Tableaux vivants der Uhland-Feier 1863 des Malkasten, also der Vereinigung, deren Name mit dem Tableau vivant in Düsseldorf fast schon synonym zu nennen ist, erwähnt: „Die Aufführung wird begleitet und erläutert durch Instrumentalmusik, Gesang und Deklamation.“28 Eine von 1919 datierende Veranstaltung des KVM wird in der Festschrift zum einhundertjährigen Bestehen folgendermaßen betitelt: „Musikalisch untermalte lebende Bilder nach berühmten Gemälden.“29 Aufschlußreich ist auch der Planungsvorgang des KVM für eine Veranstaltung im Jahre 1879, die ausschließlich aus lebenden Bildern bestand. Für die siebte und vorletzte Sitzung des vorbereitenden Komitees am 22. November lautet die Anweisung: [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832430627
Arbeit zitieren:
Frech, Volker November 1999: Lebende Bilder und Musik am Beispiel der Düsseldorfer Kultur, Hamburg: Diplomica Verlag
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Stadtgeschichte, Düsseldorf, Kunst, Unterhaltung, Musik



