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Leben ohne eigene Nieren

Eine Explorationsstudie unter Nierentransplantatträgern und deren Partnerinnen im Hinblick auf Krankheitsbewältigung und familiäre Unterstützung

Leben ohne eigene Nieren
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Stephan Krahe
  • Abgabedatum: Januar 1994
  • Umfang: 252 Seiten
  • Dateigröße: 14,4 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-0902-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-0902-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-0902-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Krahe, Stephan Januar 1994: Leben ohne eigene Nieren, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Nierentransplantation, soziale Unterstützung, Coping, Medizinsoziologie, qualitative Längsschnittuntersuchung

Diplomarbeit von Stephan Krahe

Gang der Untersuchung:

In medizinsoziologischen Konzepten von Gesundheit und Krankheit wird Krankheit nicht als 'Naturphänomen', sondern vielmehr als Zustand der Störung des 'normalen' Funktionierens des Menschen in biologischer, individueller und sozialer Hinsicht im Sinne von Parsons begriffen.

Diese ganzheitliche Auffassung sieht Krankheit und Gesundheit als aktiven und dynamischen Prozeß an, der angesichts einer sich dauernd ändernden Umgebung abläuft, um das Bedürfnis nach Gleichgewicht durch Einfügung und Anpassung aufrechtzuerhalten. Mißlingt die Anpassung, wird das Gleichgewicht zerstört - es kann dann von einem Krankheitszustand gesprochen werden, und zwar solange, bis sich erneut ein Gleichgewicht einstellt, das einen wirksamen sozialen Austausch mit der Umgebung erlaubt.

Die 1994 beendete Diplomarbeit beschäftigt sich mit dem Eintritt des Lebensereignisses 'Nierenversagen', welches als endgültige und lebenslange Krankheit den betroffenen Menschen vor eine Reihe von Problemen stellt: Anpassung an ein völlig verändertes Leben, Unselbständigkeit und Abhängigkeit von der medizinischen Versorgung, vielfältige psychische Belastungen, materielle Konsequenzen und häufig Verlust des Arbeitsplatzes - alle Lebensbereiche des Erkrankten sind davon betroffen.

Chronisch terminale Niereninsuffizienz ist deshalb zweifellos im Leben eines Menschen ein schwerwiegender Einschnitt; daneben stellt die Auseinandersetzung mit dem Funktionsausfall der eigenen Nieren einen psychosozialen Risikofaktor dar, der weitere Gesundheitsbeeinträchtigungen nach sich ziehen kann.

Die Frage, wie Menschen mit ihrer Krankheit in ihren einzelnen Phasen umgehen, über welche Ressourcen sie bei der Krankheitsbewältigung verfügen und welche auf welche Weise schließlich in Anspruch genommen werden, bildet den hier zugrundeliegenden Forschungsgegenstand.

Nach einer Einleitung wird die Problempopulation der an chronischem Nierenversagen Erkrankten vorgestellt. Dabei wird auf den medizinischen Werdegang des Nierenpatienten eingegangen und unter besonderer Berücksichtigung des Transplantationswesens der derzeitige medizinische und organisatorische Stand dargestellt.

Im nächsten Teil wird auf der Grundlage der Bewältigungstheorie von Lazarus und Mitarbeitern ein heuristisches Modell zur Analyse der Bewältigung chronisch terminalen Nierenversagens entwickelt. Dabei wird sowohl auf Ergebnisse der Lebensereignis- und Streßforschung eingegangen als auch ausführlich der aktuelle Forschungsstand zu Adaptations- und Copingkonzepten dargestellt.

Nach einer ersten Bestandsaufnahme wird die soziale Umwelt in das Modell miteinbezogen und versucht, die wechselseitigen Einflußwirkungen von Umwelt und Individuum unter besonderer Berücksichtigung der Konzepte 'soziale Netzwerke' und 'soziale Unterstützung' zu verdeutlichen.

In Teil IV wird die Vorgehensweise der qualitativen empirischen Untersuchung von der Entwicklung des Interviewleitfadens über die Datenerfassung bis hin zu den Auswertungsschritten erläutert und kritisch bewertet. Danach werden die empirischen Ergebnisse in Teil V unter Bezug des entwickelten Modells der Krankheitsbewältigung dargestellt. Das Vorgehen versteht sich dabei gleichermaßen als Längs- und als Querschnittsstudie, das an die im theoretischen Teil herausgearbeiteten Variablen orientiert ist.

In einem letzten Teil wird ein Resümee der Ergebnisse gezogen und mit dem vorgestellten theoretischen Annahmen auf Übereinstimmungen und Unterschiede verglichen sowie mögliche vorhandene Forschungslücken aufgedeckt.

Die Arbeit kann als empirische Studie mit Erkundungscharakter keine allgemeingültigen Aussagen treffen und schon gar nicht Handlungsanweisungen an die Hand geben. Sie kann jedoch die Aufmerksamkeit auf die Komplexität des Problems lenken, das ein Leben ohne eigene Nierenfunktion für den betreffenden Menschen aufwirft. Das hierfür eingesetzte Erhebungsinstrument scheint besonders geeignet, da es detail- und facettenreich die Lebenssituation chronisch Nierenkranker bis ins Stadium der Nierentransplantation hinein zu beschreiben in der Lage ist und so möglicherweise mit neuen Aspekten zur Anreicherung bestehender theoretischer Annahmen beitragen kann.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungs-, Schaubilder- und Tabellenverzeichnis des Textes
I. Einführung in den Problembereich und Aufbau der Arbeit 1
II. Die Problempopulation: Patienten mit chronisch terminalem Nierenversagen 4
1. Medizinischer Werdegang des chronisch Nierenkranken 4
1.1 Nierenversagen 4
1.2 Dialysebehandlung 6
1.3 Transplantation 9
2. Die aktuelle Situation 13
3. Exkurs: Zur Problematik der Nierenspende für Spender und Empfänger 19
III. Psychosoziale Aspekte der Krankheit: Theoretische Ansätze und Entwicklung eines Modells der Krankheitsbewältigung 24
1. 'Krankheit' als kritisches Lebensereignis 27
1.1 Prämissen und Annahmen 28
1.2 Der krankheitsbedingte Streß 32
1.2.1 Grundannahmen 32
1.2.2 Das Streßkonzept nach Lazarus 38
1.3 Kritische Anmerkungen zu Lebensereignis- und Streßtheorien 40
2. Die Auseinandersetzung mit Lebensereignissen: Krankheitsverarbeitung als lebenslanger Prozeß 42
2.1 Determinanten der Adaptation 47
2.1.1 Situative Faktoren 48
2.1.2 Personale Ressourcen 50
2.2 Aspekte des Adaptationsprozesses 57
2.3 Kritische Anmerkungen zum Bewältigungskonzept 60
3. Ein Modell der Bewältigung chronisch terminalen Nierenversagens 62
4. Krankheitsverarbeitung im sozialen Kontext 66
4.1 Die soziale Unterstützung 66
4.1.1 Das soziale Netzwerk 67
4.1.2 Soziale Unterstützung und der Adaptationsprozeß 69
4.2 Krankheit und Familie 74
4.2.1 Familiensoziologische Aspekte 74
4.2.2 Auswirkungen von Krankheit auf Partnerschaft und Familie 77
4.3 Kritische Anmerkungen zur Interdependenz von Krankheitsbewältigung und sozialer Unterstützung 81
5. Ergänzung des Modells der Bewältigung chronisch terminalen Nierenversagens 82
IV. Konzeptualisierung und Anlage der Studie 84
1. Anlage der Untersuchung 84
1.1 Untersuchungsziel 84
1.2 Untersuchungsansatz und Formulierung der Forschungsfragen 85
1.3 Die Untersuchungsmethode 89
1.3.1 Das Leitfadeninterview 90
1.3.2 Die Beobachtung 94
1.3.3 Zur Problematik qualitativer Sozialforschung 94
1.4 Auswahl der Untersuchungsteilnehmer 97
2. Durchführung der Untersuchung 100
3. Auswertung des Materials 107
3.1 Aufbereitung 107
3.2 Analyseschritte 108
4. Diskussion des Untersuchungsaufbaus 111
V. Analyse und Interpretation des Datenmaterials 113
1. Die Situation vor Eintritt der Erkrankung 114
1.1 Personale Ressourcen der Patienten 115
1.2 Soziale Ressourcen der Patienten 117
2. Eintritt der Lebensereignisse Nierenversagen und Dialyse 121
2.1 Bewältigungsmerkmale 124
2.1.1 Individuell 125
2.1.2 Interindividuell 139
3. Eintritt des Lebensereignisses Transplantation 162
3.1 Die Situation vor der Operation 162
3.1.1 Personale Ressourcen der Patienten 162
3.1.2 Soziale Ressourcen der Patienten 167
3.2 Die Situation nach der Operation 172
3.2.1 Bewältigungsmerkmale 174
3.2.1.1 Individuell 175
3.2.1.2 Interindividuell 192
VI. Theoretische Schlußfolgerungen und Forschungsdesiderate 212
Literaturverzeichnis
Anhang A: Ergänzung zu Teil II A1
erläuternde Abbildungen
Anhang B: Ergänzung zu Teil IV B1
Begleitschreiben
Interviewleitfäden
Beobachtungsprotokoll
Protokollierungsauszug

Arbeit zitieren:
Krahe, Stephan Januar 1994: Leben ohne eigene Nieren, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Nierentransplantation, soziale Unterstützung, Coping, Medizinsoziologie, qualitative Längsschnittuntersuchung

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