Leben und Entwicklung des Kindes in der Pflegefamilie
Zum Umgang mit erfahrungs- und situationsbedingten Verhaltensweisen des Pflegekindes in Erziehung und Sozialisation
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Vanessa Bigge
- Abgabedatum: Juli 2006
- Umfang: 89 Seiten
- Dateigröße: 440,5 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Universität Duisburg-Essen, Standort Essen Deutschland
- Bibliografie: ca. 62
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9927-3
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9927-3 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9927-3 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Bigge, Vanessa Juli 2006: Leben und Entwicklung des Kindes in der Pflegefamilie, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Pflegekinderwesen, Herkunftsfamilie, Traumatisierung, Integration, Fremdunterbringung
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Diplomarbeit von Vanessa Bigge
Einleitung:
Die Fremdunterbringung von Kindern und Jugendlichen ist immer wieder Thema in den Medien und der Fachliteratur von Pädagogik und Sozialer Arbeit. Häufig steht dabei die Heimerziehung im Vordergrund der Betrachtung, wenn präventive und ambulante Angebote der Familienhilfe nicht mehr greifen. Doch die Erziehung in Ersatzfamilien stellt eine wichtige Alternative im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe dar, die in dieser Arbeit behandelt werden soll.
Auch wenn das Pflegeverhältnis aufgrund der Tatsache zustande gekommen ist, dass die leiblichen Eltern des betreffenden Kindes nicht mehr in der Lage sind, eine angemessene und ausreichende Versorgung und Erziehung für ihr Kind zu gewährleisten, kommt es gerade in der „neuen“ Familienkonstellation zu Schwierigkeiten, womit „die Fallbehandlung“ durchaus nicht abgeschlossen ist, sondern meistens noch eine große Entwicklung mit hohem Anspruch an die Pflegeeltern bevorsteht.
Gang der Untersuchung:
Im ersten Teil der vorliegenden Diplomarbeit sollen die theoretischen Grundlagen über den Gegenstand des Themas vermittelt werden. Dabei soll eine Vorstellung darüber gewonnen werden, was man unter der Familienpflege versteht und wie sich das Pflegekinderwesen von seinen Ursprüngen bis hin zu seiner heutigen Struktur und Arbeitsweise entwickelt hat.
Desweiteren werden die rechtlichen Grundlagen des Pflegekinderwesens erörtert.
Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem Erfahrungshintergrund von Pflegekindern in ihren Herkunftsfamilien und den daraus resultierenden kindlichen Verhaltensweisen, bedingt durch die dortigen Lebensbedingungen und Beziehungsformen, die für das gemeinsame Leben in der Pflegefamilie von enormer Bedeutung sind.
Die Aufnahme des Kindes in die Pflegefamilie und die dortigen Lebensumstände ziehen ebenfalls Konsequenzen mit sich, die im dritten Teil veranschaulicht werden sollen. Die aktuelle Situation der Fremdunterbringung hat Auswirkungen auf die kindlichen Reaktionen und Empfindungen im Pflegeverhältnis, was eine große Problembelastung mit sich bringen kann. Die neue und zunächst fremde Lebenssituation schafft andere Erfahrungen bezüglich Familie und Beziehungsentwicklung und verändert den Status des Kindes.
Im vierten Teil geht es um den Umgang der Pflegeeltern mit den zuvor thematisierten Problemfeldern und Verhaltensweisen des Kindes im Kontext von Sozialisation und Erziehung. Die Pflegeeltern sehen sich vor vielschichtige Lebensaspekte und Bedürfnisse des Kindes gestellt, die in der gemeinsamen Entwicklung Berücksichtigung finden müssen. Über die Möglichkeiten, wie das Eltern-Kind-Verhältnis, ausgehend von der Lage des Kindes, auf eine befriedigende Weise gestaltet werden kann, soll in diesem Teil diskutiert werden.
Die Grundhaltung und die Handlungsweisen der Pflegeeltern haben maßgeblichen Einfluss auf das Gelingen des Pflegeverhältnisses.
Darüber hinaus werden im Schlusswort Aspekte der Prävention angesprochen, die sich an den Ergebnissen der vorangehenden Teile orientieren. Determinanten der Vermittlungspraxis stellen dabei eine weitere Perspektive dar, da sie auf den Umgang mit dem Pflegekind und damit auf sein Verhalten einwirken.
Die vorliegende Arbeit stützt sich auf die vorhandene Literatur verschiedener Fachdisziplinen, die das Thema berühren oder in Studien dokumentieren und zieht daraus Schlussfolgerungen bezüglich der zugrunde liegenden Problemstellung.
Inhaltsverzeichnis:
| EINLEITUNG | 3 | |
| TEIL I | ||
| DAS PFLEGEKINDERWESEN – DIE FAMILIENPFLEGE | ||
| 1. | Der Begriff der Pflegefamilie und des Pflegekindes | 5 |
| 1.1 | Die historische Entwicklung der Pflegefamilienerziehung | 6 |
| 1.2 | Struktur und Aufgaben des heutigen Pflegekinderwesens | 8 |
| 1.3 | Formen des Familienpflege | 10 |
| 2. | Gesetzliche Grundlagen der Fremdunterbringung | 11 |
| 2.1 | Öffentliches Recht und Pflegekinderwesen | 12 |
| 2.2 | Bürgerliches Recht und Pflegekinderwesen | 13 |
| 2.3 | Leistungsansprüche der Pflegefamilie | 15 |
| TEIL II | ||
| DER ERFAHRUNGSHINTERGRUND VON PFLEGEKINDERN UND SEINE AUSWIRKUNGEN | ||
| 3. | Die Herkunftsfamilie | 16 |
| 3.1 | Lebensbedingungen in der Herkunftsfamilie | 16 |
| 3.2 | Gründe für die Inpflegegabe | 19 |
| 4. | Beziehungserfahrungen in der Herkunftsfamilie | 21 |
| 4.1 | Beziehungsaufbau in der Frühsozialisation | 21 |
| 4.1.1 | Deprivation und ihre Folgen | 22 |
| 4.2 | Die Bindungstheorie | 25 |
| 4.2.1 | Bindungsqualitäten | 26 |
| 4.3 | Traumatisierung in Beziehungen | 28 |
| 4.3.1 | Misshandlung | 31 |
| 4.3.2 | Vernachlässigung | 35 |
| 4.3.3 | Sexueller Missbrauch | 36 |
| TEIL III | ||
| DIE SITUATION DES KINDES IN DER PFLEGEFAMILIE UND IHRE AUSWIRKUNGEN | ||
| 5. | Die Pflegefamilie | 38 |
| 5.1 | Lebensbedingungen in der Pflegefamilie | 39 |
| 5.2 | Gründe für die Inpflegenahme | 40 |
| 6. | Aufnahme und Entwicklung des Pflegeverhältnisses | 43 |
| 6.1 | Trennungserfahrung als Ausgangslage | 43 |
| 6.2 | Anbahnungsphase und Übersiedlung | 46 |
| 6.3 | Integration und Beziehungsaufbau | 48 |
| 6.3.1 | Anpassungsphase | 49 |
| 6.3.2 | Übertragungsphase | 50 |
| 6.3.3 | Regressionsphase | 50 |
| 6.3.4 | Phasenunspezifische Merkmale der Integration | 51 |
| 6.4 | Identität des Pflegekindes | 52 |
| 6.4.1 | Rollen in der Pflegefamilie | 54 |
| 6.4.2 | Status und Stigmatisierung des Pflegekindes | 55 |
| 7. | Spannungsfeld Herkunfts- und Pflegefamilie | 58 |
| 7.1 | Perspektive und Rückführungsoption | 58 |
| 7.2 | Besuchskontakte | 59 |
| 7.2.1 | Loyalitätskonflikte | 61 |
| TEIL IV | ||
| ZUM UMGANG DER PFLEGEELTERN MIT DEN GENANNTEN PROBLEMFELDERNIN ERZIEHUNG UND SOZIALISATION DES KINDES | ||
| 8. | Bedeutung des elterlichen Verhaltens für das Pflegekind | 62 |
| 8.1 | Aspekte der familiären Sozialisation | 63 |
| 8.2 | Die Bedürfnisse des Pflegekindes | 64 |
| 8.3 | Aspekte der Integrationsarbeit | 65 |
| 8.4 | Zur pädagogischen Grundhaltung | 68 |
| 8.5 | Zum pädagogischen Handeln | 69 |
| 8.5.1 | Zum Umgang mit Regeln | 69 |
| 8.5.2 | Die Pflegeeltern als Modell | 70 |
| 8.5.3 | Der Umgang mit unerwünschtem Verhalten | 72 |
| 8.5.4 | Kommunikation in der Pflegefamilie | 73 |
| 8.5.5 | Zur Bedeutung des Spiels | 74 |
| 8.5.6 | Lernen und Leisten | 74 |
| 8.5.7 | Implizite Erziehung | 75 |
| 8.5.8 | Heilende Pädagogik | 75 |
| 9. | Bedeutung der familiären Außenbeziehungen | 77 |
| 9.1 | Umgang mit der Herkunftsfamilie | 78 |
| 9.2 | Umgang mit der Gesellschaft | 80 |
| SCHLUSSWORT | 81 | |
| LITERATURVERZEICHNIS | 83 | |
| ABSCHLIEßENDE ERKLÄRUNG | 88 |
Die Einstellung der Eltern zu ihren Kindern ist maßgeblich für deren Bereitschaft zur Misshandlung. Dabei kommen drei typische Grundhaltungen in Frage: Das Kind wird in die Rolle des Sündenbocks gedrängt und wird als Belastung empfunden. Die Eltern erleben ihr Kind als Ursache für persönliche Schwierigkeiten in beruflicher Hinsicht oder in ihrer gesellschaftlichen Stellung. Die zweite Grundhaltung, die der Kindesmisshandlung zugrunde liegen kann, ist die, die das Kind zum Herrschaftsobjekt macht. Die Eltern demonstrieren an ihm eine Macht, die sie sonst nicht ausüben können. Die individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse des Kindes haben keinen Stellenwert und stattdessen werden übertriebene Leistungserwartungen an das Kind gestellt. In der elterlichen Beziehung sind Kinder auch oft die Ursache für Eifersucht und Neid. Ein 32 [...]
Eltern wird per Gerichtsbeschluss gegebenenfalls das Sorgerecht (partiell) entzogen. Besteht eine dringende Gefahr für das Kind, ist das Jugendamt zur Inobhutnahme (§§ 42, 43 SGB VIII) verpflichtet bis eine Entscheidung des Familiengerichts über die weiteren Maßnahmen vorliegt. Das Kindeswohl ist dem elterlichen Erziehungsrecht gegenüber, das in Art. 6 GG verankert ist, ein höheres Rechtsgut. Im Falle des Sorgerechtsentzugs ist ein Pfleger der gesetzliche Vertreter des Kindes für den fehlenden Bereich im Sinne des § 1909 BGB oder ein Vormund im Sinne des § 1773 BGB in allen Bereichen. Diese Rolle übernimmt dann in der Regel das Jugendamt nach den §§ 1791 b, c BGB und den §§ 55, 56 SGB VIII. Nach § 1630 III BGB ist die Übertragung von Angelegenheiten der elterlichen Sorge auf die Pflegeeltern möglich, wenn die leiblichen Eltern dem zustimmen. In diesem Fall werden der Pflegeperson die Rechte und Pflichten eines Pflegers zugesprochen. [...]
Die Organisationsstruktur und Verankerung des Pflegekinderdienstes im Jugendamt ist in der Bundesrepublik Deutschland nicht einheitlich geregelt. In manchen Kreisen und Städten gehören die Aufgaben des Pflegekinderwesens zum Arbeitsbereich des Allgemeinen Sozialdienstes, wobei entweder Schwerpunktkräfte mit den Aufgaben betraut sind, oder aber Fachkräfte, die parallel dazu auch anderen Aufgaben nachgehen. In anderen Verwaltungen hingegen betreuen spezielle Pflegekinderdienste die Pflegeverhältnisse. In ihrer Arbeitsweise fungieren die Pflegekinderdienste ebenfalls sehr unterschiedlich. In manchen Institutionen liegt die Zuständigkeit nur bei der allgemeinen Vollzeitpflege, bei anderen wiederum bei allen Pflegeformen (nähere Erläuterungen zur Typologie der Pflegeformen in Kapitel 1.3 dieser Arbeit). Zudem liegen große Spannbreiten in Qualifikation, Mitarbeiterzahlen, Fallbelastung und damit zeitlichem Arbeitsaufwand der Fachkräfte vor. Diese [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832499273
Arbeit zitieren:
Bigge, Vanessa Juli 2006: Leben und Entwicklung des Kindes in der Pflegefamilie, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Pflegekinderwesen, Herkunftsfamilie, Traumatisierung, Integration, Fremdunterbringung



