Lautsprachlich-hörgerichtete Frühförderung hörgeschädigter Kinder
Lautsprache als Weg zur gesellschaftlichen Integration in die hörende Welt
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Verena Mick
- Abgabedatum: Mai 2009
- Umfang: 219 Seiten
- Dateigröße: 874,6 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität Klagenfurt Österreich
- Bibliografie: ca. 66
- ISBN (eBook): 978-3-8428-0966-6
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Mick, Verena Mai 2009: Lautsprachlich-hörgerichtete Frühförderung hörgeschädigter Kinder, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: hörgeschädigt, Hören, Sprachentwicklung, hörgerichtet, Kind
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Diplomarbeit von Verena Mick
Einleitung:
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie stehen einer zum Zeitpunkt der Geburt ‘gehörlos’ diagnostizierten jungen Frau gegenüber, welche sich anregend mit Ihnen in der Lautsprache unterhält. In diesem Moment klingelt das Telefon der Hörgeschädigten, sie hebt ab und beginnt sich mit dem Gesprächspartner am Telefon zu unterhalten.
Genau dieses Erlebnis war meine Motivation sich dem Thema ‘Lautsprachlich-hörgerichtete Frühförderung hörgeschädigter Kinder’ zuzuwenden. Ich hielt diese Erfolge bis zu jenem Zeitpunkt noch für unmöglich, doch wurde ich positiv überrascht und eines Besseren belehrt. Jene Frau, die ich hier traf, wurde im Kindesalter mit einem Cochlea-Implantat versorgt und ständig lautsprachlich-hörgerichtet gefördert. Daher erkannte ich die Notwendigkeit, die lautsprachlich-hörgerichtete Frühförderung hörgeschädigter Kinder in den Mittelpunkt der Sprachendiskussion hörgeschädigter Kinder zu rücken. Durch die im Jahr 2005 verfassungsrechtliche Anerkennung der Gebärdensprache als selbstständige Sprache wurde in den letzten Jahren auch die Möglichkeit diskutiert, die Gebärdensprache als Erstsprache für gehörlose und hochgradig-schwerhörig geborene Kinder im Bereich der Frühförderung einzusetzen und dies gesetzlich zu verankern. Dies würde jedoch das hörgeschädigte Kind daran hindern seine Hörreste auszunutzen. Hörgeschädigte Kinder verfügen zum Großteil noch über nutzbare Hörreste, durch die Hören erlernt werden kann. Dies wird in der Gebärdensprachdiskussion jedoch nicht berücksichtigt. Stattdessen werden viele hörgeschädigte Kinder nach wie vor als ‘gehörlos’ diagnostiziert, die jedoch mit einer lautsprachlich-hörgerichteten Frühförderung und dem eventuellen Einsetzen eines Cochlea-Implantates als hochgradig-schwerhörig gelten würden und somit auch die Lautsprache über das Ohr erlernen könnten und nicht in die gesellschaftliche Isolation der Gehörlosenkultur mit dem einzigen Kommunikationsmittel der Gebärdensprache zu fallen. Dies bedeutet, dass man anstelle der Gebärdensprache die lautsprachlich-hörgerichtete Förderung aller hörbeeinträchtigten Kinder in den Vordergrund stellen sollte, damit das Hören frühzeitig in die Persönlichkeit integriert werden kann. Durch das Erlernen der Lautsprache erhalten die Kinder auch ein hohes Maß an Selbstständigkeit für ihr eigenes Leben und sind nicht ständig von Dolmetschern abhängig.
Problemaufriss:
Eine nicht behandelte oder vorrangig gebärdensprachlich-orientierte Hörschädigung hat einen Teufelskreis zur Folge, der seinen Anfang daran nimmt, dass das hörgeschädigte Kind durch die Hörschädigung seine noch vorhandene Hörfähigkeit nicht schult und dadurch auch keine Lautsprache aufbauen kann. Durch dieses Fehlen der Sprache wird es in seiner emotionalen und sozialen Entwicklung beeinträchtigt, wodurch auch die elterlichen Erwartungshaltungen nicht erfüllt werden, was das Kind entweder bewusst oder unbewusst auch zu spüren bekommt und dadurch zusätzlich noch auf psychosozialer Ebene gefährdet ist. Praxisberichte zeigen immer wieder den Befund, dass hörgeschädigte Kinder, die eine frühe pädagogische Förderung erhalten haben, sich besser entwickeln als hörgeschädigte Kinder ohne eine frühe pädagogische Förderung. Hierzu gehört eine frühe Diagnostik und eine lautsprachlich-hörgerichtete Förderung. Daher muss schon an dieser Stelle dieser Arbeit erwähnt werden, dass ich mich ausschließlich für die lautsprachlich-hörgerichtete Frühförderung ausspreche und somit in dieser Arbeit immer von einer Frühförderung ohne gebärdensprachliche oder visuelle Komponenten die Rede ist.
Im Laufe meines Praktikums beim Österreichischen Schwerhörigenbund bin ich mit vielen hörgeschädigten Personen in Kontakt getreten und habe mit Erstaunen festgestellt, welche Möglichkeiten es für hörgeschädigte Kinder gibt, das Hören und das Sprechen zu erlernen. Hierzu muss ich auch sagen, dass ich zuvor auch drei Jahre die Gebärdensprache gelernt habe und somit auch viele Gehörlose getroffen habe. Mir fiel auf, dass sich Gehörlose vorwiegend nur mit Ihresgleichen unterhalten konnten und somit in einer Subkultur leben. Man kann also wirklich sagen, dass man hier von zwei verschiedenen Welten sprechen kann, einerseits der ‘Hörenden Welt’, mit ihren Kommunikationsmittel der Lautsprache, und andererseits die ‘Welt der Gehörlosen’, mit der Gebärdensprache als Verständigungsmittel. Ich glaube, man braucht sich in diesem Zusammenhang nicht die Frage zu stellen, welche Gemeinschaft in unserer Gesellschaft größere Chancen und Möglichkeiten hat. Man sollte es hörgeschädigten Kindern also nicht verwehren alle möglichen Chancen, in die ‘Hörende Welt’ integriert zu werden, aufzugreifen. Auch bei einem Fortschritt der Integrations- und Inklusionsbewegung wird es jedoch nie so sein, dass die Gebärdensprache als zweites Kommunikationsmittel jeden Menschen geläufig wird, somit wird die Gehörlosengesellschaft weiterhin in einer Isolation leben.
Die zentrale Fragestellung dieser Arbeit ist, wie hörgeschädigte Kinder in die ‘Hörende Welt’ integriert werden können und welche Möglichkeiten die lautsprachlich-hörgerichtete Frühförderung bietet. Dabei steht vor allem die gesellschaftliche Dimension im Mittelpunkt des Interesses, sprich wie ein hörgeschädigtes Kind am besten auf ein Leben in der ‘Hörenden Welt’ vorbereitet werden kann, wie es ein eigenständiges und unabhängiges Leben führen kann und welche Rolle das Kommunikationsmittel Sprache in diesem Zusammenhang spielt.
Ziel dieser Arbeit sollte es sein, die lautsprachlich-hörgerichtete Frühförderung in den Mittelpunkt des Interesses zu rücken und dabei meine Annahme, dass je früher die Kinder lautsprachlich gefördert werden, desto mehr Chancen haben sie in der Schule, im Beruf und im gesamten Leben, zu untermauern. Das Hören muss in die Persönlichkeit integriert werden und somit zu einer Selbstverständlichkeit werden. Die Lautsprachentwicklung ist ein wichtiges Medium, um erfolgreich in unsere Gesellschaft integriert zu werden. Genau diese Problematik wird in dieser Arbeit näher erläutert und anhand von Studien aufgezeigt.
Aufbau meiner Arbeit:
Um mich an die Problematik heranzutasten, habe ich meine Arbeit in sieben Kapitel gegliedert. Ich habe diese Reihenfolge gewählt, da sie schrittweise an das Thema heranführt und auf das gesamte Ausmaß eines Hörverlustes bei hörgeschädigten Kindern aufmerksam macht. Vorrangig wird die soziale Situation hörgeschädigter Menschen beschrieben, bevor ein theoretischer Teil mit der allgemeinen Beschreibung des Hörens und der Hörstörung folgt. Zusätzlich wird in einem weiteren Kapitel auf die Sprachentwicklung und dessen Bedeutung näher eingegangen. In einem vierten wichtigen Kapitel wird nun auf die lautsprachlich-hörgerichtete Frühförderung und deren immense Vorteile für die gesamte Lebensgestaltung eines hörgeschädigten Kindes eingegangen und im anschließenden Kapitel durch eine selbst durchgeführte qualitative Studie untermauert.
An dieser Stelle werden die einzelnen Kapitel kurz beschrieben, um einen Überblick über die Themenbereiche dieser Arbeit zu bekommen:
Das Leben mit einer Hörschädigung stellt den Betroffenen und vorrangig dessen Eltern vor Entscheidungen, die ein normal Hörender oder Eltern eines normal hörenden Kindes nicht kennen. Die Problematik der bestmöglichsten Förderung für eine erfolgreiche Integration ihres Kindes steht im Mittelpunkt der Diskussion. Genau damit beschäftigt sich das erste Kapitel ‘Das Leben mit einer Hörschädigung – Zur sozialen Situation hörgeschädigter Menschen in unserer Gesellschaft’. Dabei wird zuerst erklärt, was man unter Integration und Inklusion überhaupt verstehen kann und wie die Integration in Österreich im Allgemeinen aussieht. Zusätzlich wird natürlich dem Thema entsprechend auch die Integration hörgeschädigter Kinder näher beschrieben. Um die soziale Situation Hörgeschädigter ausreichend verstehen zu können, müssen auch die Sozialisation und die schwierigen Themen der Identitätsfindung und Diskriminierung Hörgeschädigter angesprochen werden, die sich massiv auf die Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen auswirken können. Hierbei liegt das Hauptinteresse dieses Kapitels darin, die Problematiken, denen ein Hörgeschädigter gegenüber steht, aufzuzeigen und dies als Grundlage zur Verbesserung durch eine lautsprachlich-hörgerichtete Frühförderung heranzuziehen.
Als zweiten Schritt hin zur besseren Verständlichkeit einer lautsprachlich-hörgerichteten Frühförderung muss man erst die gesamten Abläufe des Hörens verstehen. Daher folgt anschließend an die soziale Situation das großteils theoretische Kapitel ‘Grundlagen rund ums Hören’, welches sich mit der anatomischen Beschreibung des Ohres und des Hörens und den Grundlagen zum Thema Hörstörung, wie etwa dessen Formen, Ursachen und Auswirkungen und den möglichen Hörhilfen beschäftigt. Dieses Kapitel soll aufzeigen, welches Ausmaß eine Hörstörung annehmen und wie heutzutage durch technologische Mittel Abhilfe geschaffen werden kann.
Die Lautsprache dient als Hauptkommunikationsmittel in unserer Gesellschaft, um soziale Kontakte aufzubauen. Die umfassende Bedeutung der Lautsprache ist kaum jemandem bewusst, der diese versteht und beherrscht und somit als vollwertiges Mitglied unserer Gesellschaft fungiert. Das Kapitel ‘Die Bedeutung der Lautsprache für die Entwicklung des Kindes – Auswirkungen einer Hörstörung auf die kindliche Sprachentwicklung’ soll genau diese Thematik ins Bewusstsein rufen. Dabei werden Punkte wie die Ausnutzung der sensiblen Phase bei der Sprachentwicklung, wie auch der Einfluss der mütterlichen Babysprache diskutiert, bevor die Lautsprachentwicklung normal hörender Kinder und die hörgeschädigter Kinder näher beschrieben wird. An diesem Punkt der Arbeit sollte klar werden, dass die Auswirkungen einer Hörstörung viel weitreichender sind als der reine Hörverlust.
Die vorherigen Kapitel haben klar gemacht, dass die Problematiken denen Hörgeschädigte gegenüberstehen, eine lautsprachlich-hörgerichtete Frühförderung notwenig machen, um dem hörgeschädigten Kind die besten Möglichkeiten im Leben bieten zu können. Damit beschäftigt sich das Kapitel ‘Lautsprachlich-hörgerichtete Frühförderung – Der Weg zur Integration in die hörende Gesellschaft’. In diesem Zusammenhang ist es interessant, die Entwicklung der Förderung hörgeschädigter Menschen näher zu betrachten, um die ständige Verbesserung die durch den lautsprachlich-hörgerichteten Ansatz gegeben ist, aufzuzeigen. Der lautsprachlich-hörgerichtete Ansatz wird anhand seiner Prinzipien genauer erklärt und es wird auch auf die aufwendige Arbeit mit dem hörgeschädigten Kind, vorrangig durch die Eltern, in der Praxis eingegangen. Zusätzlich werden auch Organisationsformen der lautsprachlich-hörgerichteten Frühförderung erwähnt. Um auch einen örtlichen Bezug zum Thema lautsprachlich-hörgerichtete Frühförderung aufzubauen, habe ich anschließend den AVS-Förderkindergarten Maiernigg-Alpe etwas genauer unter die Lupe genommen. Dieses Kapitel soll nun den lautsprachlich-hörgerichteten Ansatz näher beleuchten, dabei soll auch auf den enormen Aufwand der Methode und die Erfolge, welche das Leben eines hörgeschädigten Kindes verändern können, hingewiesen werden.
Anschließend an den ausführlichen theoretischen Teil folgt ein empirischer Teil, indem anhand einer selbst durchgeführten qualitativen Studie einzelne Erfahrungsberichte von Eltern hörgeschädigter Kinder mit Hilfe von Einzelfallanalysen aufgearbeitet werden. Vorweg werden die methodologischen Vorüberlegungen beschrieben und die Methode näher erklärt, um anschließend in einem weiteren Kapitel mit dem Titel ‘Und dann hat sie endlich ‘Tomate’ gesagt…’, zwei Interviews ausführlich auszuwerten und zu interpretieren. Um die Individualität jeder einzelnen Person zu gewährleisten, beschränkt sich mein Versuch einer Generalisierung anschließend nur auf eine kurze Zusammenfassung, die jedoch nicht als empirisch gesichert angesehen werden darf.
Zusätzlich muss vorweg noch erwähnt werden, dass ich in meiner Arbeit auf die weibliche Benennung in manchen Formulierungen verzichtet habe, da dies meiner Meinung nach den Lesefluss unterbricht und vom eigentlichen Thema ablenkt. Um nicht gegen die Emanzipationsregeln zu verstoßen, möchte ich im Voraus klären, dass mit jenen Benennungen sowohl die weibliche als auch männliche Form gemeint ist, dies jedoch nicht explizit bei jeder Benennung angeführt ist.
Inhaltsverzeichnis:
| I | EINLEITUNG | 9 |
| II | PROBLEMAUFRISS | 10 |
| III | AUFBAU MEINER ARBEIT | 12 |
| 1. | ‘Das Leben mit einer Hörschädigung’ - Zur sozialen Situation hörgeschädigter Menschen in unserer Gesellschaft | 15 |
| 1.1 | ‘INTEGRATION’ – Ein Weg aus unserer segregierenden Gesellschaft | 17 |
| 1.1.1 | Was bedeutet Integration? | 18 |
| 1.1.2 | Was bedeutet Inklusion? | 25 |
| 1.1.3 | Die Integration in Österreich | 29 |
| 1.1.4 | Die Integration hörgeschädigter Kinder | 35 |
| 1.2 | Sozialisation hörgeschädigter Menschen | 41 |
| 1.3 | Identitätsfindung hörgeschädigter Menschen | 45 |
| 1.4 | Diskriminierung hörgeschädigter Menschen | 49 |
| 2. | Grundlagen Rund ums Hören | 51 |
| 2.1 | Allgemeine Grundlagen des Hörens | 52 |
| 2.1.1 | Die anatomische Beschreibung des Ohrs | 52 |
| 2.1.2 | Das Ohr und seine Funktion | 55 |
| 2.1.3 | Die Entwicklung des Hörens | 56 |
| 2.2 | Allgemeine Grundlagen zum Thema Hörstörung | 58 |
| 2.2.1 | Welche Formen von Hörstörungen gibt es? | 58 |
| 2.2.1.1 | Die Schallleistungsstörung | 59 |
| 2.2.1.2 | Die Kombinierte Schallleitungs-Schallempfindungsschwerhörigkeit | 59 |
| 2.2.1.3 | Die Sensorineurale Hörstörung oder Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung | 60 |
| 2.2.2 | Das Ausmaß des Hörverlustes | 62 |
| 2.2.3 | Die Hörsituation des Schwerhörigen | 64 |
| 2.2.4 | Die Ursachen einer Hörstörung | 65 |
| 2.2.5 | Die Auswirkungen einer Hörstörung | 67 |
| 2.2.6 | Die Personengruppen mit Hörstörungen | 68 |
| 2.2.7 | Das Erfassen einer Hörstörung | 71 |
| 2.2.8 | Die hörgeschädigte Population in Österreich | 73 |
| 2.2.9 | Die Hörhilfen | 74 |
| 2.2.9.1 | Das Hörgerät | 74 |
| 2.2.9.2 | Das Cochlea-Implantat | 76 |
| 2.2.9.3 | Das Knochenleitungshörgerät | 78 |
| 2.2.9.4 | Die Kombination Hörgerät und Cochlea-Implantat | 78 |
| 3. | Die Bedeutung der Lautsprache für die Entwicklung des Kindes - Auswirkungen einer Hörstörung auf die kindliche Sprachentwicklung | 79 |
| 3.1 | Was bedeutet ‘Sprache’? | 80 |
| 3.2 | Nativismus vs. Epigenese | 81 |
| 3.2.1 | Streitpunkt: Gibt es eine ‘sensible Phase’? | 84 |
| 3.2.2 | Streitpunkt: Gibt es einen Einfluss der so genannten ‘Babysprache’? | 86 |
| 3.3 | Die Entwicklung der Lautsprache | 88 |
| 3.3.1 | Die Lautsprachentwicklung hörgeschädigter Kinder | 91 |
| 3.3.2 | Die Lautsprachentwicklung CI-implantierter Kinder | 94 |
| 3.4 | Exkurs: Sprachstörungen | 94 |
| 4. | Lautsprachlich-hörgerichtete Frühförderung – Der Weg zur Integration in die hörende Gesellschaft | 101 |
| 4.1 | Die Förderung hörgeschädigter Kinder im Rückblick | 102 |
| 4.1.1 | Die Entwicklung des lautsprachlich-hörgerichteten Ansatzes | 104 |
| 4.2 | Die Notwendigkeit einer lautsprachlich-hörgerichteten Frühförderung | 106 |
| 4.3 | Die Prinzipien einer lautsprachlich-hörgerichtete Frühförderung | 109 |
| 4.3.1 | Frühzeitige Diagnostik und Versorgung mit einer Hörhilfe | 110 |
| 4.3.2 | Intensive Mitarbeit und Bereitschaft der Eltern | 113 |
| 4.3.3 | Antlitzgerichtetheit vs. Hörgerichtetheit | 116 |
| 4.3.3.1 | EXKURS: ‘total communication’ | 117 |
| 4.4 | Die lautsprachlich-hörgerichteten Frühförderung in der Praxis | 119 |
| 4.4.1 | Der ganzheitliche Ansatz von Susanna SCHMID-GIOVANNINI | 124 |
| 4.4.2 | Die ‘Listening-Reading-Speaking’Methode von Ethel EWING | 128 |
| 4.4.3 | Die Hörerziehung und Denkschulung von Leahea GRAMMATICO | 129 |
| 4.5 | Organisationsformen der lautsprachlich-hörgerichtete Frühförderung | 130 |
| Pädaudiologische Beratungsstellen | 130 | |
| Wechselgruppen | 132 | |
| Förderkindergarten | 133 | |
| 4.6 | AVS-Förderkindergarten MAIERNIGG-ALPE | 134 |
| Historischer Rückblick | 134 | |
| Pädagogisches Konzept | 134 | |
| Angebote für Eltern und hörgeschädigte Kinder | 136 | |
| 5. | Anlage und Methode der Untersuchung | 137 |
| 5.1 | Methodologische Vorüberlegungen | 137 |
| 5.1.1 | Die Auswahl der Probanden | 138 |
| 5.1.2 | Das problemzentrierte Interview | 139 |
| 5.1.3 | Die Gestaltung des Interviewleitfadens | 140 |
| 5.1.4 | Das Ziel meiner Untersuchung | 141 |
| 5.1.5 | Die Einzelfalldarstellung | 142 |
| 5.2 | Die Interviewsituation | 143 |
| 6. | ‘Und Dann hat sie Endlich ‘Tomate’ Gesagt…’ | 144 |
| 6.1 | Fallbeispiel A: | 144 |
| Die Diagnose | 145 | |
| Der anfängliche Umgang mit der Hörstörung in der Familie | 146 | |
| Die institutionelle Förderung des hörgeschädigten Kindes | 147 | |
| Die elterliche Förderung des hörgeschädigten Kindes | 147 | |
| Die Erfolge und Misserfolge der Förderung | 148 | |
| Der Lautspracherwerb | 149 | |
| Die Einstellung zur Gebärdensprache | 149 | |
| Die Akzeptanz der Hörhilfe seitens des Kindes | 150 | |
| Die Zugehörigkeit des hörgeschädigten Kindes | 151 | |
| Die Erfahrungen im Kindergarten | 151 | |
| Die Entscheidung für die geeignete Schule | 152 | |
| Die Freizeitgestaltung des hörgeschädigten Kindes | 152 | |
| Die Entwicklung von Stärken in der Familie durch die Hörschädigung des Kindes | 153 | |
| 6.2 | Fallbeispiel B: | 154 |
| Die Diagnose | 154 | |
| Der anfängliche Umgang mit der Hörstörung in der Familie | 155 | |
| Die institutionelle Förderung des hörgeschädigten Kindes | 156 | |
| Die elterliche Förderung des hörgeschädigten Kindes | 157 | |
| Die Erfolge und Misserfolge der Förderung | 158 | |
| Der Lautspracherwerb | 158 | |
| Die Einstellung zur Gebärdensprache | 159 | |
| Die Akzeptanz der Hörhilfe seitens des Kindes | 160 | |
| Die Zugehörigkeit des hörgeschädigten Kindes | 161 | |
| Die Erfahrungen im Kindergarten | 161 | |
| Die Entscheidung für die geeignete Schule | 162 | |
| Die Freizeitgestaltung des hörgeschädigten Kindes | 163 | |
| Die Entwicklung von Stärken in der Familie durch die Hörschädigung des Kindes | 164 | |
| 6.3 | Diskussion der Ergebnisse | 165 |
| Die Lebenssituation | 165 | |
| Die Diagnose | 166 | |
| Die Reaktion der Familie auf die Hörschädigung | 166 | |
| Die institutionelle Förderung des hörgeschädigten Kindes | 168 | |
| Die elterliche Förderung des hörgeschädigten Kindes | 169 | |
| Die Einstellung zur lautsprachlich-hörgerichteten Frühförderung | 170 | |
| Der Lautspracherwerb | 170 | |
| Die Akzeptanz der Hörhilfe des hörgeschädigten Kindes | 171 | |
| Die Zugehörigkeit der hörgeschädigten Kinder | 172 | |
| Die Erfahrungen im Kindergarten | 173 | |
| Die Entscheidung für die geeignete Schule | 173 | |
| Die Freizeitgestaltung | 174 | |
| 6.4 | Persönliche Einschätzung | 175 |
| 7. | Resümee | 177 |
| 8. | Abbildungsverzeichnis | 179 |
| 9. | Literaturverzeichnis | 180 |
Textprobe:
Kapitel 2.2, Allgemeine Grundlagen zum Thema Hörstörung:
Dieser Abschnitt beschäftigt sich nun eingehender mit dem Thema Hörstörungen. Nachdem im vorherigen Kapitel erklärt wurde, wie ein Ohr aufgebaut und ist wie das Hören anatomisch funktioniert, kann nun in diesem Kapitel darauf aufgebaut werden und die Fehler in der Funktion des Ohres und des Hörens genauer erläutert werden. Zusätzlich werden auch die Hörsituation von Hörgeschädigten, die sich von der Normalhörender stark unterscheidet, die Ursachen und Auswirkungen einer Hörstörung und ihre Population beschrieben. Abschließend wird auf die Möglichkeiten, welche hörgeschädigte Menschen haben, um ein besseres Hörerlebnis zu erzielen, eingegangen.
2.2.1, Welche Formen von Hörstörungen gibt es?
Grundsätzlich ist zu sagen, dass ‘Funktionsstörungen im Bereich des Hörorgans, der Hörbahnen oder der Hörzentren […] eine Schwerhörigkeit oder eine Gehörlosigkeit [bewirken]’. Eingangs werden nun die Arten von Hörschäden erläutert. Grundsätzlich ist zu sagen, dass man zwischen drei Arten von Schwerhörigkeit und zwischen der Gehörlosigkeit unterscheidet. Da die Gehörlosigkeit, sofern sie nicht mit einem Cochlea-Implantat versucht wird zu umgehen, eine andere Art der pädagogischen Intervention und Frühförderung erfordert, werde ich in dieser Arbeit nicht spezifischer darauf eingehen.
Diese Arbeit konzentriert sich auf die Förderung von Menschen mit einer Hörstörung, die, wenn auch nur mit Hilfe von Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten, akustisch wahrnehmen können. Besprochen werden auch die Arten der Schwerhörigkeit: die Schallleitungsstörung, die Sensorineurale Schwerhörigkeit und die Kombinierte Schallleitungs-Schallempfingsschwerhörigkeit.
2.2.1.1, Die Schallleistungsstörung:
Bei der Schallleitungsstörung kommt der Schall nicht ungehindert zum Innenohr. Dies bedeutet, dass man es hier mit einer Störung des Gehörgangs, der Elastizität des Trommelfells oder der Beweglichkeit der Gehörknöchelchen im Mittelohr zu tun hat. Hierbei funktioniert das Innenohr mit all seinen Funktionen völlig normal. Diese Art von Hörstörung ist meist eine Folge von Mittelohrentzündungen oder Infektionskrankheiten. Hierbei findet ein auf allen Frequenzen etwa gleich großer Hörverlust statt, was zu einem leiseren Hören des Betroffenen führt und daher nicht immer sofort von den Betroffenen erkannt wird. Diese Art der Schwerhörigkeit kann und soll sehr einfach mit Hilfe von Hörgeräten verbessert werden.
2.2.1.2, Die Kombinierte Schallleitungs-Schallempfindungsschwerhörigkeit:
Die Kombinierte Schallleitungs-Schallempfindungsschwerhörigkeit wird oft vereinfacht in der Fachliteratur nur als Kombinierte Schwerhörigkeit oder auch als kombinierte Mittelohr- und Innenohrschwerhörigkeit bezeichnet.
Hierbei wird der Schall durch den natürlichen Weg über das äußere Ohr zum Innenohr, wie bei der Schallleitungsschwerhörigkeit, und auch bei der Übertragung durch den Schädelknochen zum Innenohr vermindert wahrgenommen. Dabei ist der Hörverlust vom äußeren Ohr über das Mittelohr zum Innenohr jedoch größer als bei der Übertragung durch den Schädelknochen.
2.2.1.3, Die Sensorineurale Hörstörung oder Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung:
Bei der Sensorineuralen Hörstörung ist die auditive Wahrnehmung gestört. ‘Die auditive Wahrnehmung ist nicht das Hören an sich, sondern die Erfassung des Gehörten und die Verarbeitung im Gehirn.’.
Hierbei unterscheidet man zwischen zwei Formen: der sensorischen oder cochleären Schwerhörigkeit und der neuronalen oder retrocochleären Schwerhörigkeit, die anschließend noch genauer beschrieben werden. Beide Formen können jedoch auch gemeinsam auftreten. Der Ursprung der Störung liegt bei beiden Formen entweder im Innenohr oder im Hörnerv auf dem Weg zum Gehirn, wobei die Ursachen der sensorineuralen Hörstörung unterschiedlich sind. Sie kann durch eine Rötelnerkrankung oder Toxoplasmoseerkrankung (Infektionskrankheit) der Mutter während der Schwangerschaft, durch Atemnot oder Atemstillstand des Kindes während der Perinatalen Phase (Phase zwischen der 28. Schwangerschaftswoche und dem 7. Tag nach der Geburt), durch Hirnhautentzündungen, Entzündungen des Gehirns, durch toxische Stoffwechselstörungen oder lang andauernden Lärm entstehen. Hierbei sind die höheren Frequenzen des Hörens stärker von der Störung betroffen, dies bedeutet, dass die Lautsprache nur verzerrt wahrgenommen werden kann. Diese Hörstörung erfordert eine gründliche audiologische Diagnostik und Anpassung der Hörgeräte, wie auch eine intensive Hörerziehung bzw. eine lautsprachlich-hörgerichtete Frühförderung!
Die sensorineurale Hörstörung kann in Form einer sensorischen oder neuronalen Hörstörung auftreten. Beides sind Formen überschwelliger Hörstörungen, dies bedeutet, dass höhere Frequenzen nur erschwert wahrgenommen werden können.
Die sensorische oder cochleäre Schwerhörigkeit:
Bei dieser Form von Schwerhörigkeit kommt es zu einem Recruitment. Ein Recruitment ist die Folge einer Innenohr-Haarzellenstörung und hat einen pathologischen Lautheitsausgleich zur Folge. Dies bedeutet, dass leise Geräusche, die unter der Hörschwelle liegen, überhaupt nicht wahrgenommen werden, während alle Geräusche oberhalb der Hörschwelle gut wahrgenommen werden können. Hierbei erkennt man, dass die sensorische Schwerhörigkeit nur einen bestimmten Frequenzbereich betrifft, nämlich jenen geschädigten Sinneshaarzellenabschnitt in der Cochlea.
Zusätzlich verringert sich bei dieser Form der Hörschädigung auch der Abstand zwischen Hörschwelle und Schmerzschwelle, was zu einem Unwohlsein beim Betroffenen führt. Die Ursache eines Recruitments liegt an einer speziellen Innenohrschädigung.
Die neuronale oder retrochochleäre Hörstörung:
Das Hauptmerkmal der neuronalen Hörstörung ist die pathologische Verdeckung. Hierbei kommt es zu einer pathologischen auditiven Ermüdung, wobei die Hörschwelle von der Geräuschbelastung abhängig ist. Den Betroffenen fällt es schwer zwischen Störschall, wie z.B. Nebengeräuschen, und Nutzschall, wie etwa der Sprache, zu unterscheiden, was ein Verstehen von Sprache erschwert. Die Ursache einer pathologischen Verdeckung ist eine Schädigung des Hörnervs.
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