Langzeiteffekte eines tiergestützten Kompetenztrainings
Eine katamnestische Studie an einer Wiener Volksschule
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Yvonne Glaser
- Abgabedatum: April 2008
- Umfang: 144 Seiten
- Dateigröße: 1,3 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität Wien Österreich
- Bibliografie: ca. 93
- ISBN (eBook): 978-3-8366-4295-8
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Glaser, Yvonne April 2008: Langzeiteffekte eines tiergestützten Kompetenztrainings, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Kompetenztraining, Katamnese, Delphintherapie, Hippotherapie, tiergestützte Therapie
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Diplomarbeit von Yvonne Glaser
Einleitung:
Der Mensch und die Natur sind untrennbar miteinander verbunden – sie sind eins. Trotzdem scheint sich der Mensch, in vielen Teilen dieser Welt immer mehr von der Natur zu distanzieren und verschließt sich damit der grundlegenden Quelle für Wohlbefinden und Lebensfreude. Der Kontakt zu Tieren bereitet den meisten Menschen große Freude – so gut wie jeder kann eine Geschichte aus seinem Leben dazu erzählen. Die wissenschaftliche Erforschung dieser einzigartigen Beziehung ist allerdings ein relativ neues Gebiet. Das Thema verlangt nach methodischer und theoretischer Originalität, denn so wie alle Beziehungen ist auch die Beziehung zwischen Mensch und Tier alles andere als rein rational erklärbar. Mittlerweile gibt es zwar etliche Studien, die den positiven Einfluss von Tieren auf das Wohlbefinden des Menschen belegen – Langzeitstudien stellen auf diesem Forschungsgebiet allerdings mehr die Ausnahme als die Regel dar. Ziel dieser Diplomarbeit ist es, mögliche Langzeiteffekte eines tiergestützten Kompetenztrainings (MTI) an einer Wiener Volksschule zu evaluieren. Das Konzept MTI steht für ‘Multiprofessionelle tiergestützte Intervention’ und wurde im Jahr 2004 mit dem Ziel ins Leben gerufen, eine tiergestützte Intervention erstmals als Gesundheitsförderungsmaßnahme zu etablieren. Mittels Übungen an und mit einem speziell ausgebildeten Hund sollen bei den TeilnehmerInnen soziale, emotionale Kompetenzen und andere Fertigkeiten gefördert werden, da diese Konstrukte mit Wohlbefinden und daher mit Lebensqualität in Verbindung stehen. Das MTI Training hat sich als Förderungsmaßnahme für soziale und emotionale Kompetenzen bei Volksschulkindern bewährt.
Ob sich die positiven Effekte als stabil erweisen, wird in dieser Arbeit überprüft.
Im ersten Kapitel dieser Arbeit wird das Thema Katamnestik eingehend behandelt. Nach einer Definition und Begriffsabklärung (Abschnitt 1.1.) folgt die Begründung für die Notwendigkeit katamnestischer Studien (Abschnitt 1.2.) sowie eine Aufzählung von Problemen, die im Rahmen katamnestischer Studien entstehen können (Abschnitt 1.3.). Abschließend werden die Herangehensweise und Durchführung solcher Studien erörtert (Abschnitt 1.4.) und die dazugehörigen Qualitätskriterien charakterisiert (Abschnitt 1.5.). In Abschnitt 1.6. wird auf die Evaluation psychologischer Interventionsmaßnahmen im Allgemeinen, sowie auf die Konzepte der sozialen und emotionalen Kompetenz näher eingegangen.
Kapitel 2 dieser Arbeit behandelt das breit gefächerte Thema der Mensch-Tier-Beziehung. Es wird versucht anhand der Biophiliehypothese die Verbundenheit zwischen Mensch und Natur begreiflich zu machen (Abschnitt 2.1.). Es folgt eine Einführung in die Materie der Mensch-Tier-Kommunikation (Abschnitt 2.2.) – der Schwerpunkt liegt allerdings bei der Interaktion zwischen Mensch und Hund, da auf diesem Forschungsfeld in letzter Zeit beeindruckende Erkenntnisse gewonnen wurden (Abschnitt 2.2.1.).
Kapitel 3 stellt eine Abhandlung der Thematik ‘Tiere im Einsatz zum Wohle des Menschen’ dar. Neben einem historischen Abriss über die Entwicklungen auf diesem Forschungsgebiet (Abschnitt 3.3.), werden die am weltweit populärsten Formen der tiergestützten Therapie ausführlich vorgestellt (Abschnitt 3.4.): Das therapeutische Reiten, die Delphintherapie und der (therapeutische) Einsatz von Hunden. Das Kapitel wird abgeschlossen mit einem Appell an einen artgerechten Umgang mit Tieren (Abschnitt 3.5.) und einem Überblick über den Stand der Forschung in Bezug auf den Einfluss von Tieren auf soziale und emotionale Kompetenzen sowie auf das allgemeine Wohlbefinden (Abschnitt 3.6.).
Kapitel 4 ist der Präsentation des Konzeptes ‘MTI’ gewidmet. In den darauf folgenden Kapiteln wird der empirische Teil dieser Arbeit vorgelegt, das heißt, es werden die Untersuchungsinstrumente vorgestellt, das Untersuchungsdesign skizziert, die Hypothesen und Fragestellungen dargestellt, die Verfahren der Auswertung umrissen und zuletzt die Resultate dargelegt. Alle relevanten Ergebnisse werden abschließend in Kapitel 7 interpretiert und diskutiert. Eine kritische Betrachtung der Studie und eine Zusammenfassung bilden den Abschluss dieser Arbeit (Abschnitt 8. und 9.).
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 3 | |
| 1. | Mensch - Tier - Beziehung | 4 |
| 1.1 | BIOPHILIE ALS GRUNDLAGE DER MENSCH - TIER - BEZIEHUNG | 5 |
| 1.2 | KOMMUNIKATION ZWISCHEN MENSCH UND TIER | 8 |
| 1.3 | DER HUND ALS BESONDERER WEGBEGLEITER DES MENSCHEN | 9 |
| 1.3.1 | Kommunikation zwischen Mensch und Hund | 11 |
| 2. | Der Einsatz des Tieres zum Wohle desMenschen | 16 |
| 2.2 | BEGRIFFSABGRENZUNG | 17 |
| 2.3 | HISTORISCHER ABRISS | 18 |
| 2.4 | EINSATZBEREICHE | 19 |
| 2.4.1 | Therapeutisches Reiten | 20 |
| 2.4.1.2 | Heilpädagogisches Voltigieren/Reiten (HPV/R) | 22 |
| 2.4.1.3 | Behindertenreiten | 23 |
| 2.4.2 | Delphintherapie | 23 |
| 2.4.3 | Einsatz von Hunden | 27 |
| 2.5 | ARTGERECHTER UMGANG MIT TIEREN | 29 |
| 2.6 | AUSGEWÄHLTE STUDIEN ZUM EINSATZ VON TIEREN ZUR FÖRDERUNG SOZIALER UND EMOTIONALER KOMPETENZEN | 31 |
| 3. | Projektbeschreibung | 34 |
| 3.1 | KATAMNESTIK | 34 |
| 3.1.1 | BEGRIFFSABKLÄRUNG UND DEFINITION | 34 |
| 3.1.2 | NOTWENDIGKEIT VON KATAMNESTIK | 35 |
| 3.1.3 | PROBLEME DER KATAMNESEFORSCHUNG | 36 |
| 3.1.4 | HERANGEHENSWEISE UND DURCHFÜHRUNG | 37 |
| 3.1.5 | QUALITÄTSKRITERIEN | 38 |
| 3.2 | EVALUATION PSYCHOLOGISCHER INTERVENTIONSMAßNAHMEN | 39 |
| 3.2.1 | Kompetenzen | 40 |
| 3.2.1.1 | Definition und Begriffsabklärung | 40 |
| 3.2.1.2 | Soziale und emotionale Kompetenzen | 42 |
| 3.3 | KONZEPT DER MTI | 44 |
| 3.3.1 | ECKPFEILER DER MTI | 44 |
| 3.3.2 | AUFBAU UND ABLAUF DES TRAININGS | 46 |
| 4. | METHODIK | 47 |
| 4.1 | STICHPROBE | 47 |
| 4.2 | ABLAUF DER INTERVENTION DER KATAMNESEUNTERSUCHUNG | 48 |
| 4.3 | UNTERSUCHUNGSINSTRUMENTE | 49 |
| Um die Einstellung und Empathie der Schülerinnen und Schüler Tieren gegenüber zu erheben, kamen folgende zwei Verfahren zum Einsatz: | 55 | |
| 4.4 | FRAGESTELLUNGEN UND HYPOTHESEN | 56 |
| 4.4.1 | Hypothesen zur Erfassung des Selbstkonzeptes und des Selbstwertes (Soziale Kompetenzen) | 57 |
| 4.4.1.1 | Vergleich Versuchsgruppe und Kontrollgruppe zu T2 | 57 |
| 4.4.1.2 | Vergleich der Versuchsgruppe zu T0, T1 und T2 | 58 |
| 4.4.1.3 | Vergleich der Kontrollgruppe zuT0, T1 und T2 | 59 |
| 4.4.2 | Hypothesen zur Erfassung des Wohlbefindens | 60 |
| 4.4.2.1 | Vergleich Versuchsgruppe und Kontrollgruppe zu T2 | 61 |
| 4.4.2.2 | Vergleich der Versuchsgruppe zu T0, T1 undT2 | 61 |
| 4.4.2.3 | Vergleich der Kontrollgruppe zu T0, T1 undT2 | 62 |
| 4.4.3 | Hypothesen zur Erfassung der emotionalen Kompetenzen | 62 |
| 4.4.3.1 | Vergleich Versuchsgruppe und Kontrollgruppe zu T2 | 62 |
| 4.4.3.2 | Vergleich der Versuchsgruppe zu T0, T1 und T2 | 63 |
| 4.4.3.3 | Vergleich der Kontrollgruppe zu T0, T1 und T2 | 64 |
| 4.4.4 | Hypothesen zur Einstellung und Empathie gegenüber Tieren | 66 |
| 4.4.4.1 | Vergleich Versuchsgruppe und Kontrollgruppe zu T2 | 66 |
| 4.4.4.2 | Vergleich Versuchsgruppe zu T0, T1 und T2 | 67 |
| 4.4.4.3 | Vergleich der Kontrollgruppe zu T0, T1,Tt2 | 67 |
| 4.5 | UNTERSUCHUNGSDESIGN | 68 |
| 4.6 | AUSWERTUNG | 68 |
| 5. | Ergebnisdarstellung | 70 |
| 5.1 | SOZIALE KOMPETENZEN | 70 |
| 5.2 | ALLGEMEINES WOHLBEFINDEN | 82 |
| 5.3 | EMOTIONALE KOMPETENZEN | 86 |
| 5.4 | EINSTELLUNG UND EMPATHIE TIEREN GEGENÜBER | 98 |
| 6. | Interpretation und Diskussion | 101 |
| 6.1 | SOZIALE KOMPETENZEN | 101 |
| 6.2 | ALLGEMEINES WOHLBEFINDEN | 104 |
| 6.3 | EMOTIONALE KOMPETENZEN | 106 |
| 6.3.1 | Einstellung und Empathie gegenüber Tieren | 106 |
| 6.3.2 | Erfassung emotionaler und sozialer Schulerfahrungen | 106 |
| 6.3.3 | Erkennen von Emotionen | 106 |
| 6.3.4 | Emotionsregulation | 107 |
| 7. | Kritik und Ausblick | 110 |
| 8. | Zusammenfassung | 112 |
| 9. | Abstracts | 115 |
| 10. | Literaturverzeichnis | 117 |
| 11. | Tabellenverzeichnis | 127 |
| 12. | Abbildungsverzeichnis | 128 |
| Anhang | 129 | |
| Lebenslauf | 143 |
Textprobe:
Kapitel 2.4.1, Therapeutisches Reiten:
Therapeutisches Reiten ist die Form der tiergestützten Therapie, die schon am längsten in Europa durchgeführt wird. Die Wurzeln des Therapeutischen Reitens liegen in zahlreichen ärztlichen Zeugnissen des 16. bis 18. Jahrhunderts, die wiederholt eine Gesundheit erhaltende als auch eine gesundheitsfördernde Wirkung des Reitens postulieren. Somit stand das therapeutische Reiten anfangs noch weitgehend unter medizinisch-bewegungstherapeutischen Aspekten. Die heilende Wirkung von Pferden ist also im Vergleich zu anderen tiergestützten Therapien in Deutschland und Österreich schon lange bekannt. Deutschland hat sogar eine Vorreiterrolle auf diesem Gebiet. Das Pferd hat sich im Laufe der Jahre unter den Menschen den wahrscheinlich höchsten Rang in der sozialen und emotionalen Wertschätzung von Tieren erobert. Die sehr sympathische Natur und die schöne Gestalt dieser Tiere haben sicher viel dazu beigetragen. Weiters sind Pferde als Fluchttiere nicht aggressiv und können berechtigterweise als große Kuscheltiere beschrieben werden, da sie sehr auf Pflege und Fürsorge angewiesen sind.
Weiters sind sie in ihrem Verhalten überwiegend konstant und verlässlich und somit gut in Erziehungsprozesse integrierbar. Pferde haben ein ausgesprochen feines Gespür für Stimme und Stimmungen und reagieren schnell auf falsche Behandlung, wodurch sie die Menschen um sie herum zum Handeln und Reagieren auffordern. Das Pferd ‘…spiegelt in einem multidimensionalen Bewegungs- und Beziehungsdialog die Echtheit oder auch die Nicht-Echtheit des Beziehungsangebots des Menschen einschließlich seiner unbewussten Anteile’.
Im Jahre 1978 erschien in der Zeitschrift ‘Praxis der Psychomotorik’ ein Artikel, in dem die fachliche Ausrichtung des therapeutischen Reitens in die drei Bereiche, Hippotherapie (medizinischer Bereich), Heilpädagogisches Voltigieren und Reiten (pädagogischer Bereich) und Reiten (sportlicher Bereich) für Behinderte beschrieben und definiert wurde.
2.4.1.1, Hippotherapie:
Bei der Hippotherapie steht die medizinische Verwendung des Pferdes im Vordergrund, denn sie basiert in erster Linie auf einem Transfer von Bewegungen von Pferd zu Patient. Allerdings kann und wird über diese Bewegungsübertragung (aber auch aufgrund anderer Faktoren) die Psyche des Patienten angesprochen beziehungsweise beeinflusst. Basierend auf jenen Erfahrungen/Überlegungen definiert die American Hippotherapy Association (AHA) Hippotherapie folgendermaßen:
‘Hippotherapy is used primarily to achieve physical goals but may also effect psychological, cognitive, behavioral and communication outcomes’.
Zurück den Faktoren, die, neben der Bewegungsübertragung, dem Menschen von Nutzen sein können. Das Vertrauen zu einem so großen und imponierenden Tier herzustellen, ist mit Sicherheit eine wichtige und große Erfahrung für jeden Klienten. Zu den Hauptzielen in der equine-assisted psychotherapy zählen unter anderem die Ego-Stärkung und der Aufbau beziehungsweise die Stärkung von Selbstbewusstsein und sozialer Kompetenz. Pferde zeichnen sich Menschen gegenüber durch Zurückhaltung aus, doch es ist genau diese Eigenschaft, die sozial beeinträchtigten Menschen (vor allem Kindern) eine Chance bietet zu wachsen, denn für eine Beziehung bedarf es einem gewissen Ausmaß an Einfühlungsvermögen und aktivem Beobachten. Der Umgang mit Pferden kann also unter Umständen dazu beitragen, positive Sozialisationsprozesse anzukurbeln und Störungen zu beheben, in dem das Bedürfnis nach positiver Zuwendung befriedigt wird und soziale Fertigkeiten trainiert werden. Das Pferd bietet weit mehr als nur seinen Körper an. Alle Ausdrucksformen wie Körperhaltung, Gestik, Mimik und Stimmäußerungen sind bei einem Zusammentreffen beteiligt und somit wird der Mensch direkt zu einer emotionalen und verbalen Kontaktaufnahme und Auseinandersetzung herausgefordert. Es bietet sich im Umgang mit Tieren die Möglichkeit, Körperbewusstsein zu entwickeln, das wiederum eine Grundform des Selbstbewusstseins darstellt. Die dreidimensionale, diagonal verlaufende Bewegung des Pferdes spielt eine entscheidende Rolle, denn sie kommt der menschlichen Bewegungsform sehr nahe und kann demzufolge Prozesse in Gang bringen beziehungsweise unterstützen, die zum Beispiel bei Multiple-Sklerose-Kranken oder Spastikern nicht vorhanden oder unterentwickelt sind. Das ist einer der großen Vorteile bei der Arbeit mit Pferden: Der Körperkontakt ist einer der dichtesten im Rahmen von Therapien mit Tieren.
Ausschließlich diplomierte Physiotherapeuten mit abgeschlossener Zusatzausbildung in der Hippotherapie dürfen in dieser Weise arbeiten. Diese Behandlung muss ärztlich verordnet, für den Patienten individuell angepasst und dem Therapieplan entsprechend aufgebaut sein. Wie bereits erwähnt, ist einer der Hauptpunkte, der AAT von AAA unterscheidet jener, dass bei AAT zielgerichtet gearbeitet wird. Dies wird auch in der Literatur zum Thema Hippotherapie wiederholt betont: ‘If the evaluation indicates that the client is a candidate for hippotherapy, the equine-based treatment programm is planned and initial goals are established. (…). The therapist sets the client goals and decides how the client and horse will interact to achieve those goals’.
2.4.1.2, Heilpädagogisches Voltigieren/Reiten (HPV/R):
Unter dem Begriff Heilpädagogisches Reiten und Voltigieren werden vornehmlich pädagogische, psychologische, psychotherapeutische, rehabilitative und soziointegrative Angebote mit Hilfe des Pferdes bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit verschiedenen Behinderungen oder Störungen zusammengefasst. Beim heilpädagogischen Voltigieren/Reiten (HPV/R) steht die individuelle Förderung über das Medium Pferd im Vordergrund, das heißt vor allem eine günstige Beeinflussung der Entwicklung, des Befindens und des Verhaltens. Beim HPV/R wird der Mensch ganzheitlich, sprich körperlich, emotional, geistig und sozial gefördert. HPV/R ist demnach eine sehr komplexe Maßnahme, da der Mensch intensiv über alle Sinne auf mehreren Ebenen angesprochen wird. HPV/R verfolgt Ziele im motorischen (z.B. Verbesserung der Eigenwahrnehmung als Grundvoraussetzung für den Aufbau eines Körperschemas), im emotional-kognitiven (z.B. Stärkung des Selbstwertgefühls und des Vertrauens in die eigene Leistungsfähigkeit) und im sozialenBereich (z.B. Anerkennen und Einhalten gemeinsam erstellter Regeln). Wie bei allen Formen der tiergestützten Therapie ist auch das Pferd nur als ‘Co-Therapeut’ zu sehen. Es nimmt jeden so an, wie er ist, wertet nicht und ist frei von Vorurteilen. Es reagiert aber sehr wohl artgerecht und spontan auf gute oder schlechte Behandlung und setzt somit natürliche Grenzen.
Auch HPV/R darf nur von ausgebildeten Personen (HeilpädagogInnen, PsychologInnen, SonderpädagogInnen etc. mit Zusatzausbildung im HPV/R) auf einem speziell ausgebildeten Therapiepferd durchgeführt werden, um größtmögliche Erfolge und minimalstes Risiko zu gewährleisten. Als ‘Vater des heilpädagogischen Voltigierens’ ist Antonius Kröger zu nennen, dessen Artikel ‘Mit Pferden erziehen’ bereits 1969 veröffentlicht wurde. Für Kröger gibt es kein besseres Medium als das Pferd, das Motivation zum und Freude am Lernen erzeugt. Das Pferd besitzt über die Fähigkeit Selbstsicherheit zu geben, da es am Menschen liegt, das Pferd zu beruhigen, das heißt ihm den Fluchtimpuls zu nehmen und somit sich selbst in eine sichere Lage zu bringen. Diese Erfahrung, als kleiner Mensch ein so großes Tier beschwichtigen zu können, ist von essentieller Bedeutung.
2.4.1.3, Behindertenreiten:
Der Behindertenreitsport bildet den dritten Bereich des therapeutischen Reitens und kann sowohl als Freizeitbeschäftigung als auch als Leistungssport betrieben werden. Wenn die entsprechenden Hilfsmittel eingesetzt werden, sind im Behindertenreitsport alle Formen des Reitens (Dressur, Gelände, Springen) möglich. Reitlehrer oder Reitlehrerinnen sollten geschult sein, was die Bedürfnisse von Reitern mit Behinderungen betrifft, um angemessene Hilfsmittel oder Lehrmethoden einsetzen zu können.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836642958
Arbeit zitieren:
Glaser, Yvonne April 2008: Langzeiteffekte eines tiergestützten Kompetenztrainings, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Kompetenztraining, Katamnese, Delphintherapie, Hippotherapie, tiergestützte Therapie



