Lampenfieber
Probleme und Bewältigungsstrategien bei Musikschulschülern. Erfahrungen aus einer Instrumentalklasse.
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Uwe Henke
- Abgabedatum: August 1999
- Umfang: 35 Seiten
- Dateigröße: 308,3 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Hochschule für Musik "Carl Maria von Weber" Dresden Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5097-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5097-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5097-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Henke, Uwe August 1999: Lampenfieber, Hamburg: Diplomica Verlag
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Diplomarbeit von Uwe Henke
Einleitung:
Das „ Lampenfieber“ ist wohl das bekannteste Bühnenphänomen. Es wird als Begleiterscheinung spätestens mit dem „revolutionären“ Lebensabschnitt sich entwickelnder und verändernder Emotionen der Pubertät bewusst empfunden und lässt auch den routinierten Musiker und Referenten nicht mehr gänzlich los. Die meisten Menschen, die sich auf ein Podium begeben, werden den Zustand situativ ausgelöster Gefühle, mit denen sich „Lampenfieber“ oberflächlich beschreiben lässt, kennen. Dabei spielt es keine Rolle, ob man sich als Musiker oder in irgend einer anderen Weise den Erwartungen eines Publikums stellt. Jede öffentliche Äußerung ist zugleich Selbstoffenbarung - wir geben uns zu erkennen, ob wir das wollen oder nicht. „Lampenfieber“, das ist die Summe aus emotionalen Spannungen, welche auch die Merkmale des Gefühls zur Podiumsangst auslösen. „Lampenfieber“ ist zwiespältig: Zum einen kann es als ein Erregungszustand erlebt werden, als positives Stimulans, das zu erhöhter Wachsamkeit, zu stärkerer Konzentration und damit zur Leistungssteigerung führt, zum anderen als ein Verhindert- oder Gebremst werden und Blockiert sein in der Leistungsfähigkeit. „Lampenfieber“ kann Belastung oder auch positiver Nervenkitzel sein. Es ist die verständliche Reaktion auf eine Situation, in der man sich dem Urteil und dem Echo der Umwelt aussetzt.
„Lampenfieber“, meist als ein von Spannung, Unruhe, unangenehmen Angst- und Schamgefühlen geprägter Zustand vor und auch noch während eines Auftritts beschrieben, hat körperlich-seelische Folgen auf Denken, Wahrnehmung und Bewegung. Ängste sind wie Freude, Trauer oder Zorn Gefühlszustände, die aus wissenschaftlicher Sicht mit spezifischen Veränderungen von Denkvorgängen, mit Handlungsimpulsen und mit physiologischen Körperreaktionen und deren Wahrnehmungen einhergehen.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung/Definition | 3 | |
| Wie entsteht Lampenfieber? Warum? | 6 | |
| Wie äußert sich Lampenfieber? | 7 | |
| Äußere Bedingungen und Situationen zur Entstehung von Lampenfieber | 8 | |
| Wie lässt sich Lampenfieber in Grenzen halten? | 10 | |
| Entspannungstechniken | 13 | |
| Eigene Erfahrungen im Umgang mit Lampenfieber | 15 | |
| Positive Wirkung von Lampenfieber | 16 | |
| Unterschiede (emotional) bei Schülern unterschiedlicher Altersgruppen | 17 | |
| Training zur Bewältigung von Lampenfieber | 19 | |
| Medikamente: natürliche und synthetische Mittel/Alkohol | 21 | |
| Wirkung von Lampenfieber auf Zuhörer/Publikum | 25 | |
| Prüfungen | 26 | |
| Lampenfieber Stimmungsabhängig? | 26 | |
| Lampenfieber in Wartezeiten | 27 | |
| Lampenfieber beim Musizieren im Ensemble, in der Gruppe, im Orchester | 27 | |
| Versagen durch Lampenfieber | 28 | |
| Schlussfolgerungen für meine weitere berufliche Tätigkeit | 29 | |
| Literatur zur Arbeit | 31 |
Lampenfieber ist niemandem angeboren, es bildet sich aus eigenen, individuellen Erfahrungen. >>Mit wachsender Funktionsreife und den damit einhergehenden Lernprozessen auf der motorischen, emotionalen, sozialen und kognitiven Ebene bildet sich das Ich als Instanz bewußter Selbstwahrnehmung und Handlung. Das Ich nimmt wahr, wer oder wie ich bin, im Unterschied zum Selbst, das wahrnimmt, daß ich bin. Das Ich erkennt das Selbst, oder umgekehrt; durch das Ich vermag sich das Selbst zu erkennen: „Ich nehme mich selbst wahr“ oder „Das habe ich selbst getan“. Das Ich als wahrnehmendes, handelndes, fühlendes und denkendes vermag auf das Selbst zu reflektieren, nimmt dessen Ausrichtung wahr und belegt sie mit Bildern und Vorstellungen über das Selbst: „Ich sehe mich selbst“, „Ich nehme mich wahr“. Durch die Wahrnehmungen nach innen und Bewertungsprozesse entstehen Selbstbilder, die die Quelle für den Aufbau von Identität bilden.<< [...]
Es ist weder möglich - noch wünschenswert, Lampenfieber gänzlich zum Verstummen zu bringen, denn es ist ein wertvoller Begleiter, der unseren Körper mit einer Extraportion Energie versorgt und mit Intensität, Spannung und Enthusiasmus für das öffentliche Musizieren vorbereitet. Lampenfieber wirkt meist stimulierend auf die Leistungsbereitschaft des Betreffenden. Es gibt viele Schüler, die erst im Hinblick auf ein Vorspiel oder auf eine anstehende Prüfung ihre ganze Kraft einsetzen und plötzlich ungeahnte Fortschritte auf ihrem Instrument erzielen. Ein bißchen Streß kann zum Wachsen der Kräfte führen, die Tätigkeit aktivieren und eine besondere Klarheit und Schärfe der Gedanken hervorrufen. Um überhaupt als Instrumentalist auf einem Podium motiviert zu sein und durch Auftreten und Haltung angenehm auf das Publikum zu wirken, ist ein bestimmtes Maß an Spannung sogar notwendig. Würde jemand völlig ohne Lampenfieber auftreten, könnte er wahrscheinlich kaum Begeisterung, Energie und Intensität ausstrahlen – drei wichtige Eigenschaften, die notwendig sind, ein Publikum zu fesseln und zu begeistern. Wenn man sich öffentlich zeigt, braucht man ein bestimmtes Energieniveau. Das Publikum würde sich auch betrogen und mißachtet vorkommen, wenn sich der im Rampenlicht stehende all zu lässig oder neutral zeigt. Allgemein muß man den mit Lampenfieber begleiteten öffentlichen Bewährungssituationen im Hinblick auf die damit für Schüler vermittelten Zielorientierungen, die gebotenen Vergleichsmöglichkeiten und die zu erwartenden Erfolgserlebnisse eine stark mobilisierende und motivierende Funktion zuerkennen. Freude als ein Glücksgefühl entsteht nach einem gelungenen Konzert, an dem man maßgeblich beteiligt war. Gegen seine eigene Angst öffentlich anzugehen und diese zu überwinden ist ein großes Erfolgserlebnis mit Erinnerungswert. [...]
Für mich selbst konnte ich die Erfahrungen machen, daß ich mich unter Einfluß und Wirkungen von Lampenfieber meist zu höheren Leistungen mobilisieren kann. Voraussetzung dafür ist jedoch, daß ich mir ein gewisses Maß an Selbstsicherheit durch intensive und gezielte Vorbereitung erarbeitet habe oder ich der festen Überzeugung bin, den Erwartungen an mich auch spontan gewachsen zu sein. Die größte Klippe auf einer Bühne ist im allgemeinen der erste Teil eines Vortrages. Hemmungen und die Ablenkungen durch Publikum und Räumlichkeit wirken im ersten Moment zusammen. Kleine Pannen in Vorspielsituationen registriere ich und versuche, wenn möglich, schnell auf die Ursachen einzuwirken, aber eine eigene Wertung versuche ich zeitlich zu verschieben, um mich auf das Gegenwärtige weiter zu konzentrieren. Akute Erregungszustände erlebe ich, wenn während meines öffentlichen Auftritts für mich im Wissen und in Fähigkeiten peinliche Mängel deutlich werden und ich erst aus einer Situation der Verunsicherung heraus Strategien suchen muß, diese selbsterkannten Unzulänglichkeiten für die Öffentlichkeit nicht so offensichtlich zu demonstrieren. Erlebnisse solcher ärgerlichen Momente gaben mir aber auch immer wieder den Antrieb zu neuen Überlegungen und Initiativen, mich zukünftigen Anforderungen erfolgreicher zu stellen. Zu einem weiteren wichtigen Punkt, Versagensängsten und Befürchtungen entgegenzuwirken, gehört für mich, die Gewißheit über eine optimale Funktionalität meines Instrumentes zu haben. Um mir in Erregungssituationen etwas mehr Sicherheit zu verschaffen, füge ich an entsprechenden Stellen der Notenliteratur Atemzeichen, dynamische Zeichen, sowie zusätzliche Vortrags- und Tempobezeichnungen als Gedächtnisstütze ein. Meine Gemütsstimmung versuche ich am Tag geplanten Bewärungssituation ganz bewußt mit einer streßfreien Gestaltung und Organisation positiv zu beeinflussen. Um ein gesundes Verhältnis zwischen Spannung und Entspannung vorzubereiten, ist es für mich wichtig, in den Nächten vor einem Konzert ausreichend zu schlafen und vor zu erwarteten außergewöhnlichen Erregungszuständen eine Möglichkeit zu finden, jeglicher Hektik und anderen streßauslösenden Einflüssen aus dem Wege zu gehen. Ein ausgeglichener Wechsel zwischen Aktivität und Ruhe des menschlichen Gesamtorganismus schafft wichtige Voraussetzungen für eine Leistungsfähigkeit von Körper und Geist. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832450977
Arbeit zitieren:
Henke, Uwe August 1999: Lampenfieber, Hamburg: Diplomica Verlag
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