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Kunstsponsoring

Renaissance der Mäzene?

Kunstsponsoring
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Annekatrin Brinkmann
  • Abgabedatum: Juli 1999
  • Umfang: 90 Seiten
  • Dateigröße: 796,9 KB
  • Note: 2,3
  • Institution / Hochschule: Leuphana Universität Lüneburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7780-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7780-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7780-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Brinkmann, Annekatrin Juli 1999: Kunstsponsoring, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte:

Magisterarbeit von Annekatrin Brinkmann

Einleitung:

Der seit Jahren anhaltende Kulturboom, der auf ein gestiegenes Interesse an Kunst in der Bevölkerung hindeutet, macht das Kultursponsoring als alternatives Finanzierungsinstrument immer interessanter.

Um das Mäzenatentum und die Begriffsbildung besser zu beleuchten, gehe ich kurz auf die geschichtliche Entwicklung von der Antike bis zur Neuzeit ein. In wichtiger Teil der Arbeit liegt in der Motivsuche der jeweiligen Kunstfinanzierer.

Speziell bei den Sponsoren frage ich mich, ob sie bestrebt sind, durch das Kunstsponsoring, das enorme kulturelle Kapital im Bourdieuschen Sinne der Kunst zu erobern, um der reichen bürgerlichen Schicht ein Stück akademischen Ruf zu geben. Ich spiele hier auf die von Bourdieu entdeckte chiastische Verteilung von kulturellem und ökonomischem Kapital der beiden Fraktionen innerhalb der herrschenden Klasse an. Werden die den Marktmechanismen unterliegenden Unternehmen aufgewertet durch „das Heilige“ der Kunst?

Doch nicht nur die Motive der Sponsoren, sind zu diesem Thema zu untersuchen, sondern auch diejenigen der Mäzene, die sich auf den ersten Blick altruistisch und selbstlos geben. Der gewählte Titel „Kunstsponsoring, Renaissance der Mäzene?“ deutet darauf hin, daß es sich bei den Beweggründen der Mäzene auf dem zweiten Blick um ähnliche, wie die der Sponsoren handeln könnte.

In dem Versuch, die Grenzen zwischen den gesellschaftlichen Schichten neu anzulegen, liegen auch die Motive der Kunstförderer. Das führt zu der These, daß Kunst als Distinktionsinstrument zur Abgrenzung von anderen oder besser gesagt zu unteren Schichten benutzt wird.

Hierzu erläutere ich anhand von Bourdieus Lebensstilmodell, wie und warum gerade die Kunst sich hervorragend zur Distinktion eignet.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung und Begründung des Themas 3
2. Begriffsabgrenzung 6
2.1 Mäzenatentum / Sponsoring 6
2.2 Staatliche Förderung 10
3. Geschichtliche Entwicklung 12
3.1 Antike 13
3.2 Mittelalter 16
3.3 Renaissance 20
3.3.1 Das Mäzenatentum der Kaufmannsfamilien 21
3.3.2 Auftragskunst 23
3.3.3 Staatliche Förderung 24
3.3.4 Kunstsammler: Erste Ansätze zur autonomen Entwicklung 24
3.4 Neuzeit 26
3.4.1 Kunstmarkt, Selbstfinanzierung 26
3.4.1.1 Ausstellungskünstler 27
3.4.1.2 Der Kunstmarkt 30
3.4.2 Fürstliche und staatliche Kunstfinanzierung 31
3.4.2.1 Weimarer Republik: 33
3.4.2.2 Bundesrepublik Deutschland (staatliche Kunstförderung heute) 34
3.4.3 Private Förderung 37
3.4.3.1 Private Sammlungen 39
3.4.4 Sponsoring 40
3.5 Zur Entwicklung der „Autonomen Kunst“ 43
3.6 Das Heilige der Kunst: 46
3.7 Zusammenfassung der geschichtlichen Entwicklung der Kunstfinanzierung 47
3.7.1 Die Rückentwicklung zur Auftragskunst 49
4. Motive zur Kunstfinanzierung heute 51
4.1 Der wachsende Kulturkonsum 51
4.1.1 Ausgaben für Kultur 51
4.2 Ursachen des „Kunst-Booms“ 55
4.2.1 Kunst als Religion 57
4.3 Motive der Mäzene des 19. Jahrhunderts 58
4.4 Motive der Sponsoren heute 61
4.4.1 Absatzpolitische Motive 63
4.4.1.1 Imagebildung 63
4.4.1.2 Effektive Zielgruppenansprache 65
4.4.1.3 „Gentrification“ 66
4.4.1.4 Kultur als „weicher“ Standortfaktor 66
4.4.1.5 Zusammenfassung 66
4.4.2 Motive der Mäzene 67
4.4.2.1 Das Steuerrecht 67
4.4.2.2 Die Elitebildung 69
4.4.2.3 Goodwill bei den Behörden 70
4.4.3 Zusammenfassung 70
5. These: Kunst als Instrument zur Machterhaltung: 71
5.1 Zur Kunst als Instrument der Abgrenzung: 71
5.1.1 Distinktion, eine Frage des Lebensstils 72
5.1.2 Bourdieus Ansatz 74
5.1.2.1 Zum Motiv der Uneigennützigkeit; zum Kapitalbegriff Bourdieus 76
5.1.3 Warum Kunst als Distinktionsinstrument 77
5.1.3.1 Distinktion zwischen den Klassen / Distinktion innerhalb der Klasse 78
5.1.3.2 Kapitalumformungsstrategien 80
5.1.4 Resümee 82
5.2 Kunst als Instrument zur Herrschaftslegitimation 82
5.2.1 Die Macht des symbolischen Kapitals 82
5.2.1.1 Die „unhinterfragte Autorität“ 84
6. Abschließende Betrachtung 86
7. Literaturverzeichnis 90

Automatisiert erstellter Textauszug:

stellt, mußte die Legitimation der Kunst durch sich selbst aus dem Wegfall der Auftraggeber, dem Wegfall der Regeln für Ausbildung und Produktion, sowie dem Wegfall der Naturnachahmung entstehen.158. Das Problem der Legitimation wurde von vielen Künstlern durch einen Genie- und Märtyrerkult gelöst. Die innere Notwendigkeit des Künstlers, Kunst zu schaffen und sich gegen alle Widrigkeiten durchzusetzen, ist dabei das entscheidende Motiv. Das Genie, das schon während der Renaissance bewundert wurde, zerbreche bestehende Regeln und würde, da seiner Zeit Voraus, diesen gar nicht unterstehen. So meinte Kant in der Kritik der Urteilskraft 1790, daß das Genie der Natur die Regel gibt und daß durch die Ausübung von Zwangsfreiheit von Regeln in der Kunst, die Kunst dadurch selbst eigene Regeln bekommt.159 In Frankreich dagegen war die Legitimation des Künstlers recht einfach. Nur die finanzielle Unabhängigkeit konnte einen wahren Künstler hervorbringen. Dies konnte nach Davids Auffassung nur der finanzielle Erfolg eigener Ausstellungen gewährleisten, wobei er dem öffentlichen Publikum den notwendigen Kunstsachverstand unterstellte. Ähnlich argumentierte auch Courbet.160 Aus der deutschen, idealistischen Kunsttheorie, die das Schöne vom Zweck trennt, ist die Formel "l'art pour l'art" entstanden. Anfang des 19. Jahrhunderts proklamierte zunächst Benjamin Constant und später Théophile Gautier die Autonomie der Kunst. Die Formel des l'art pour l'art wird von Nietzsche in der „Götzen-Dämmerung“ 1888 wieder diskutiert. Auch in "Nietzsche Contra Wagner" rechnet er mit der, auf Wirkung abzielenden, Kunst (hier Musik) ab161. Den Künstlern erschien es wichtig, sich von gesellschaftlichen Konventionen und der herrschenden Politik unabhängig zu machen und sich von der Normen angepaßten Kunst zu distanzieren, so daß zunächst nur eine völlig apolitische Kunst als autonome Kunst angesehen wurde. Ende des 19. Jahrhunderts war die Institutionalisierung der Autonomie auf dem Feld kultureller Produktion soweit abgeschlossen, daß Künstler wieder anfingen, in die Politik zu intervenieren. Das autonom abgeschlossene Feld der Kunst versuchte nun seine Wertvorstellungen und Normen, wie Uneigennützigkeit, Reinheit und Wahrheit, in das Feld der Politik einzubringen. Diese Autonomie der Felder der kulturellen Produktion ist nach Bourdieus Meinung gefährdet und wird von äußeren und inneren Kräften angegriffen. Kirche, Staat und Wirtschaft nehmen besonders im Zuge der neuen kunstfördernden Maßnahmen, wie privates Mäzenatentum, Sponsoring oder staatliche Kulturpolitik, immer mehr Einfluß auf die kulturelle Produktion. Im Inneren wird die Autonomie durch Bedingungen der Massenproduktion, journalistische Kriterien oder andere Anforderungen an Kommunikationsformen- oder mittel beeinflußt 162. Bis Ende des 19. Jahrhunderts konnte der Staat einen gewissen Einfluß auf die Kunstproduktion- und Ausstellung ausüben, indem er gewisse, seinen politischen Vorstellungen entsprechende, Vorgaben machte. Die auf die Freiheit der Kunst abzielende Tendenz in der Bevölkerung wurde 1919 letztendlich auch staatsrechtlich mit dem Artikel 142 der Weimarer Verfassung garantiert. Heute wird sie im Artikel 5 Abs. 3 der Grundgesetzes garantiert. [...]

Da die Autonomie und die Freiheit, der Kunst heute wesentliche Kriterien zur Beurteilung angemessener Kunstfinanzierungsformen sind, möchte ich noch kurz erläutern, wie es zu einer beginnenden Entinstrumentalisierung der Kunst kommen konnte. Wie entband man sie ihrem ehemaligen Zweck, wie stellte man sie in einen eigenen Raum mit eigenen Gesetzen und wie ging man soweit zu behaupten, daß alles, was dieses Kriterium der Zweckfreiheit nicht erfüllt, auch nicht als Kunst anzuerkennen sei. Ende des 18. Jahrhunderts hatte die staatliche Akademie in Deutschland den Ruf, Handwerker aber keine echten Künstler hervorzubringen.157 Nach der Auffassung vieler erwarb der echte Künstler seine Legitimation nur durch die Kunst selbst und nicht durch die Gunst des Publikums. Wie Bätschmann fest152 153 [...]

Quelle: Püttmann, Michael, 1991, S. 263 Die private Kulturförderung expandierte, einer Studie von Marlies Hummel und Cornelia Waldkircher zufolge, Ende der 80er Jahre mit zweistelligen Wachstumsraten152. Das zunehmende Interesse der Bürger wird am Beispiel steigender Besucherzahlen der Museen und der dynamischen Entwicklung der Umsätze des Kunsthandels belegt.153 Die Studie zur Kulturfinanzierung durch Unternehmen von Marlies Hummel zeigt, daß der in den 80er Jahren einsetzende Kulturboom durch den konjunkturellen Einbruch in den 90ern zwar gebremst wurde, die Unternehmen jedoch ihre Kurturetats "trotz ökonomischer Sachzwänge" nicht aufgegeben, sondern sie "effektiver" und "zielorientierter" und somit "kostensparender" eingesetzt haben. Die Ausgaben der Unternehmen sind, ihrer Untersuchung zufolge, sogar in den Jahren 1993 bis 1994 gestiegen.154 Kunst und Kultur seien im Wertesystem breiter Kreise der Wirtschaft fest verankert und in diesem Zusammenhang weist sie darauf hin, daß "...die Gesamtheit des Unternehmenssektors im Jahr 1994 deutlich höhere Kulturausgaben finanzierte als zu Beginn des Jahrzehnts."155 1991 wurden nach Hummel und Walliser156 weltweit schätzungsweise 8,3 Mrd. US Dollar für Kultursponsoring ausgegeben. [...]

Arbeit zitieren:
Brinkmann, Annekatrin Juli 1999: Kunstsponsoring, Hamburg: Diplomica Verlag

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