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Kunstkritik

Versuch einer Kausalitätsbestimmung

Kunstkritik
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Adam Ernst
  • Abgabedatum: Februar 2005
  • Umfang: 118 Seiten
  • Dateigröße: 674,8 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Wien Österreich
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9470-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9470-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9470-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Ernst, Adam Februar 2005: Kunstkritik, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Künstler, Kausalität, Kommunikation, Werturteil, Kultur

Diplomarbeit von Adam Ernst

Einleitung:

Die forschungsleitende Frage „Wie beeinflusst Kunstkritik das aktuelle und zukünftige Kunstgeschehen?“ gibt gleichsam den Roten Faden für diese Arbeit vor. Zunächst wird auf die Begriffsbestimmungen in diesem Umfeld eingegangen um Begrifflichkeiten für den weiteren Verlauf klar abstecken zu können. Die einzelnen Eckpunkte - Künstler, Kritiker und Kritik - werden separat ausgefasst und mittels der Literatur modelliert; auf die Relevanz für die Kommunikationswissenschaft wird besondere Rücksicht genommen.

Mittels des empirischen Teiles werden nun die einzelnen Begriffe miteinander in Beziehung gebracht und diskursiv behandelt. Aus vier Experteninterviews wird die Richtung der Kausalität der wechselseitigen Beeinflussung von Künstlern und Kritikern eruiert.

Die zahlreichen Definitionsbemühungen, die versuchen das Phänomen der Kultur und das der Kunst klar begrifflich zu erfassen, sind in der Wissenschaftsliteratur bereits Legion. Trotzdem, oder gerade wegen der verbaldefinitorischen „Uneinnehmbarkeit“ dieser Begriffe, ist die diskursive Auseinandersetzung mit Kultur, Gesellschaft und Kunst bereits zu Beginn dieser Arbeit unerlässlich. Es soll hierbei nicht versucht werden Position für die eine oder andere Theorie oder Definition zu beziehen, sondern die eigene Sicht auf diese begrifflichen Problemstellungen, welche schließlich eine Grundlage für diese Arbeit bilden, zu vermitteln.

„Der Begriff Kultur weckt verschiedene Assoziationen, je nachdem, ob wir an die Entwicklung eines einzelnen, einer Gruppe oder Klasse oder einer ganzen Gesellschaft denken. Es gehört zu meiner These, dass die Kultur des Individuums auf die Kultur einer Gruppe oder Klasse angewiesen ist und dass die Kultur einer Gruppe oder Klasse von der Kultur der Gesamtgesellschaft abhängt, zu der diese Gruppe oder Klasse gehört. Das Grundlegende ist also die Kultur der Gesellschaft; es muss daher zuerst untersucht werden, was ,Kultur’ in Bezug auf die Gesellschaft als Ganzes bedeutet“ (Eliot 1961).

Schon 1961 weist Eliot in seinem Essay eindringlich auf die „Zersetzung“ des Begriffs „Kultur“ im Zusammenhang mit seiner immer verbreiteteren Aufnahme in den journalistischen Wortschatz hin. Weiter setzt er sich mit den vielschichtigen Bedeutungen dieses Wortes auseinander und begibt sich damit auf die semantische Ebene des Kulturproblems an sich: die Angleichung des Inhalts von Kultur an die benötigten Maßstäbe der jeweiligen Gesellschaftsordnung. Mittels dieser Assimilation lässt sich „Kultur“ in der geisteswissenschaftlichen Forschung als Raster operationalisieren unter dem die Anordnung von mit einander in Beziehung gebrachten, gesellschaftsrelevanten Komponenten untersucht werden kann Darunter auch selbstverständlich die Kommunikation. Der Begriff der Kultur ist also durch seinen intrinsischen Gehalt geprägt, der von der Gesamtgesellschaft und ihren Strukturen nicht zu trennen ist. Das Zu-Hilfe-Nehmen des Kulturbegriffs im Rahmen von sozialer Ordnung, Gesellschaftssystem und Wertewandel erschließt hierbei wesentlich universellere Strukturen: „Kultur“ kann neben der gesellschaftlichen Ordnung auch als symbolische Ordnung verstanden werden, wobei die Kommunikation eine Vermittlerrolle einnimmt und individuellen Sinn oder Bedeutung generiert.

Diesen Bedeutungen wird heute ihr prozessualer Charakter nicht mehr abgesprochen und weitgehend hat man sich auch von ihrem Objektivitätsanspruch gelöst. Ideologien sind ihrerseits nur Bestandteile dieses dynamischen Kulturbegriffes, den Albert Dresdner als einen von der Gesellschaft als übergeordnetes Orientierungssystem erachteten, relativen Gemeinschaftssinn sieht, welcher dem historischen Wandel unterliegt. So beruhte früher etwa das ideologisierte Konzept der Kultur verstärkt auf Kontinuität und Tradition, während wir heute in Zeiten der Postmoderne aus einem fast schon Überangebot an Konfessionen wählen können, was das Festlegen eindeutiger Bezugsrahmen kaum mehr ermöglicht.

Auch die verwaschene Verwendung der einzelnen Begriffe führt zu einer anhaltenden Orientierungslosigkeit in diesem Bereich. Die Abgrenzung der Kultur von anderen Aktivitätsebenen einer Gesellschaft verdünnt diesen Begriff in einem solchen Maße, dass er fast mit dem Begriff „Kunst“ deckungsgleich wird, womit er zum Synonym degradiert wäre. Diesem Deutungsmissverständnis unterliegt ein großer Teil des öffentlichen Kulturdiskurses. Das wird zum Beispiel an dem als Kulturseiten deklarierten Teil einzelner Zeitungen evident, wo ausnahmslos Kunstprodukte und Präsentationen thematisiert werden. Kultur sollte jedoch als ein übergeordnetes, universell integratives Wertesystem gesehen werden, welches das Wesen anderer Teilbereiche unseres Lebens, wie etwa der Wirtschaft und Politik, in gleichem Maße prägt.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort 1
1. Kulturphilosophische Standortbestimmungen 2
1.1 Die Kunst der Kultur 2
1.1.1 Kulturbegriff, gesellschaftliche Kommunikation und symbolische Ordnung 2
1.1.2 Bildende Kunst und ihr Standort im Kulturgefüge 4
1.1.3 Situation der Gegenwartskunst im Zeitalter der Postmoderne 5
1.2 Der moderne Kunstbegriff und seine Problematik 9
1.2.1 Die kunstbegriffliche Problematik 9
1.2.2 Exkurs: Die Kommentarbedürftigkeit moderner Kunst 11
1.2.3 Das Problem der Interpretation des Emotionalen 13
1.2.4 Der Kommunikationsbegriff in Hinblick auf das Phänomen des modernen Kunstbegriffs 14
2. Der Künstler 17
2.1 Der Künstler im gesellschaftlichen Kontext 17
2.2 Der Künstler im medienspezifischen Kontext 20
2.2.1 Missverständnisse im Kommunikationsprozess 21
2.2.2 Der mediengerechte Künstler 23
3. Der Kritiker 26
3.1 Der Kunstkritiker als Instanz 26
3.1.1 Modelle 29
3.2 Der Kunstkritiker als Journalist 32
3.2.1 Der Kunstkritiker als Multirollenspieler 35
4. Die Kritik 38
4.1 Kunstkritik im historischen Kontext 38
4.1.1 Kunstgeschichte vs. Kunsttheorie vs. Kunstkritik 38
4.1.2 Entstehung der Kunstkritik 41
4.1.3 Probleme der Kunstkritik heute 46
4.2 Kunstkritik im kommunikativen Kontext 49
4.2.1 Kunstkritik als Kommunikationsprozess 49
4.2.2 Werturteile in der Kunstkritik 51
4.3 Kunstkritik im massenmedialen Kontext 58
4.3.1 Fernsehen als Träger von Kunstkritik 58
4.3.2 Printmedien als Träger von Kunstkritik 62
5. Empirische Untersuchungen 66
5.1 Methodologische Überlegungen 66
5.1.1 Meinungen der Experten (Problemzentriertes Interview) 66
5.1.2 Vorgangsweise und Selektion 69
5.2 Diskurstheoretische Auswertung 71
5.2.1 Beschreibung der Interviewsituation 72
5.2.2 Gliederung der Sinnabschnitte 73
5.2.3 Weitere thematisierte Begriffe 76
5.2.4 Charakterisierung der „Künstler“/ Eigenschaften 78
5.2.5 Charakterisierung der „Kritiker“/ Eigenschaften 79
5.2.6 Narrative Strukturen 81
5.2.7 Schlussfolgerungen 85
Literaturverzeichnis 88
Anhang 94
Kurzfragebogen I
Gesprächsleitfaden & Interviews II

Automatisiert erstellter Textauszug:

besseren Verständnis der Arbeit der Künstler und eröffnen neue Sichtweisen. Problem der Sympathie. Manche Kritiker wollen deshalb die Künstler auch nicht kennen lernen 4.1 Notwenigkeit eines selbstreflexiven Prozesses, der auch durch diese Gespräche gesteuert wird: V: 108-109, S: 19, 43-45, K: 237-242, DS: 53-55, 63-66, Hintergrundgespräche sollen auch Künstlern als eine Standortbestimmung dienen 5. Reaktion der Künstler auf Kritik: V: 69-72, S: 104-108, DS: 132-137, 299-320, Viele Künstler fühlen sich persönlich getroffen und differenzieren nicht zwischen Kritik an ihrem Werk und an ihnen als Person. 5.1 Lesen Künstler Kritiken über sich? S: 247-258, K: 132, 134-138, DS: 287-292, Hier gehen die Meinungen auseinander. Grundlegend unterschätzen die Kritiker ihren Einfluss und die Künstler verfolgen das über sie Geschriebene sehr wohl. 6. Inwieweit steuern die Künstler die Rezeption über sich selbst? Wo hört der Selbstdarstellungsdrang und wo beginnt die Arbeit für die Medien? V: 53-60, 98-101, 125, 153-154, S: 149-156, 161-166, K: 57-62, 73-82, DS: 139-141, Die mediale Präsentation wird zunehmend als wichtiges Tool für den künstlerischen Prozess angesehen. Für Kritiker hält sich diese bewusste Steuerung in Grenzen, da sie meinen, Künstler könnten sich nicht langfristig „verstellen“. Künstler versuchen vermehrt mediengerecht zu arbeiten und agieren im Umgang mit den Medien weitgehend professionell. 7. Sympathie und Freundschaft: V: 194, S: 87-94, 165-167, K: 44-54, 143-144, DS: 85-91, Wird von beiden Seite als Problem beim professionellen Arbeiten angesehen. Kritiker sind sich dieses Problems bewusster. Die Szene in Österreich wird als zu klein angesehen um es sich mit jemandem ernsthaft zu „verscherzen“. 8. Künstler als ihre eigenen Manager: V: 129-130, 372, DS: 63-65, Der Ansatz, demnach Künstler ihre eigenen Manager werden sollen, geht zu weit. Die Arbeit steht nach wie vor im Vordergrund; dies wird aber durch andere Aussagen relativiert. [...]

erwies sich als äußerst hilfreich, überraschend war jedoch, dass die Interviewten teilweise Punkte selbst vorwegnahmen, die ich zum gleichen Zeitpunkt anzusprechen beabsichtigte. Demnach erwies sich der Leitfaden als logisch und lässt darauf schließen, dass die Befragten sich schon in Vorfeld Gedanken zu diesem Thema gemacht hatten, was erstens durch ihre Arbeit zu erklären ist, und zweitens durch den Umstand, dass ich nach der ersten Kontaktaufnahme einige Schwerpunkte und Themen des Interviews per Email verschickt hatte. Nach der generellen Beurteilung der Situation der österreichischen Gegenwartskunst durch meine Gesprächspartner, ging das Interview über zu den Themenkreisen der Künstler, der Kritiker und der Kritik. Durch Nachfragen konnten die Interviewten zum Thema der Beeinflussung durch und der Macht von Kunstkritik gebracht werden, was die zweite Hälfte der Interviews ausmacht. [...]

5.2.1. Beschreibung der Interviewsituation Drei der Interviews wurden im Umfeld eines Wiener Kaffeehauses durchgeführt. Hintergundgeräusche erwiesen sich zunächst als störend, haben bei der konkreten Transkription jedoch keinen Einfluss auf das Ergebnis genommen. Das Gespräch mit K wurde telefonisch vorgenommen, da die Künstlerin in Vorarlberg lebt und zum Zeitpunkt des Gespräches eine Ausstellung in Lech am Arlberg vorbereitete. Dementsprechend ist das Interview klarer verständlich und bedingte größere Konzentration der Gesprächspartner, was als durchwegs positiv zu bewerten ist. Die Interviewten waren gespannt und gesprächsbereit. Durch das gemeinsame Ausfüllen des Kurzfragebogens konnte der Untersuchungsgegenstand für die Teilnehmer nochmals klar konkretisiert werden und er sorgte zusätzlich dafür, dass ein lockerer Gesprächseinstieg möglich war. Die Aufnahmesituation störte nur DS anfänglich, nahm im Laufe des Gespräches jedoch kontinuierlich ab. Der Leitfaden [...]

Arbeit zitieren:
Ernst, Adam Februar 2005: Kunstkritik, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Künstler, Kausalität, Kommunikation, Werturteil, Kultur

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