Kundenbindungsmanagement
Potentiale marketingpolitischer Instrumentarien am Beispiel der Fußball-Bundesliga
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Lars von Hugo
- Abgabedatum: Dezember 2004
- Umfang: 168 Seiten
- Dateigröße: 961,5 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Universität Siegen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9134-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9134-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9134-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: von Hugo, Lars Dezember 2004: Kundenbindungsmanagement, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Sportmarketing, Fußball, CRM, Kundenbindung, Sport
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Diplomarbeit von Lars von Hugo
Einleitung:
Die langfristige Bindung von Kunden an ein Unternehmen avanciert im Kontext einer dynamischen Aufgabenumwelt zunehmend zum kritischen Erfolgsfaktor. Verhaltensmuster der marktorientierten Unternehmensführung mit einem primär auf die Gewinnung neuer Kunden ausgerichteten Marketing-Mix werden vielfach als nicht mehr zielführend identifiziert und verstärkt durch eine ganzheitliche und prozessuale Perspektive abgelöst. Als zentraler Nutzentreiber wird vermehrt die Qualität der Beziehung zu den Kunden erkannt, die es entsprechend zu optimieren gilt.
Diskutiert wird diese Perspektive insbesondere unter dem Begriff Relationship Marketing. Dieser wurde von Berry im Kontext des Dienstleistungsmarketing eingeführt und als „attracting, maintaining and – in multi-service organizations –enhancing customer relationships“ definiert. Der prozessuale Charakter ist auch allen späteren Definitionsversuchen zum Relationship Marketing inhärent, wobei als zentrale Zielsetzung eines zunehmenden Denkens in Kundenbeziehungen die KB identifiziert wird. „Das Kundenbindungsmanagement kann in diesem Zusammenhang als ein Teilaspekt dieses umfassenden Ansatzes gesehen werden.“ Erfährt diese Thematik in der Wissenschaft allgemein eine verstärkte Diskussion, so kann sie für die Sportökonomie als weitgehend unerforschtes Feld deklariert werden. Im Zuge einer zunehmenden Kommerzialisierung und Professionalisierung des Sports ist allerdings ein gezielter Wissenstransfer betriebswirtschaftlicher Erkenntnisse anzustreben. Hierin konstituieren sich der grundlegende Rahmen und das Forschungsinteresse der vorliegenden Arbeit.
Der Fußball bildet in Europa und Deutschland, sowohl aktiv betrieben, als aus Zuschauersicht, den Mittelpunkt des Sportinteresses. Die in der abgelaufenen Bundesligasaison 2003/2004 erzielte Rekordzuschauerzahl von 11.469.167 Mio. verdeutlicht dabei nachhaltig das weiterhin steigende Interesse an professionellem Fußball in Deutschland und seine Stellung als signifikanter Bereich der Unterhaltungsindustrie. Die ökonomische Relevanz des Untersuchungsobjektes belegen z.B. Zahlen, nach denen sich der Umsatz der Vereine zwischen 1989/1990 und 2000/2001 von durchschnittlich 20,09 Mio. DM auf 95 Mio. DM erhöht und damit nahezu verfünffacht hat.
Gegenwärtig befindet sich die Fußball-Bundesliga allerdings in der größten Finanzkrise seit ihrer Gründung im Jahre 1963. Sind insbesondere die Erträge aus den TV-Übertragungsrechten bis 2001 sukzessive gestiegen, hat die Insolvenz der Kirch-Gruppe diese Wachstumsspirale durchbrochen und, verstärkt durch konjunkturell bedingte Einnahmerückgänge aus Sponsoring und Werbung, zu einer Finanzierungslücke der Vereine geführt. Denn neben den bis dato zu verzeichnenden Ertragszuwächsen sind insbesondere Gehälter und Transferaufwendungen als Folge des ‚Bosman-Urteils’ von 1995 in noch stärkerem Ausmaß gestiegen, was die „finanzielle Handlungsfähigkeit der Bundesligisten teilweise stark bedroht“. Die Ausführungen offenbaren den nachhaltigen Finanzierungsbedarf der Vereine. Der Stadionbesucher, bzw. die über seine Bindung zu erzielenden Wirkungseffekte und zu generierenden Einnahmen, erlangen in diesem Kontext zusätzliche Bedeutung.
Gang der Untersuchung:
Zielsetzung der vorliegenden Arbeit ist es, zunächst die theoretischen Grundlagen von KB sowie den Prozess eines Kundenbindungsmanagements (im Folgenden kurz: KBM) darzustellen. Danach gilt es, unter Berücksichtigung zentraler Produktmerkmale und Determinanten der Zuschauernachfrage in der Fußball-Bundesliga, geeignete Kundenbindungsinstrumente am Beispiel des Untersuchungsobjektes - verstanden als ein Schritt des Kundenbindungsprozesses – herauszuarbeiten. Im Erkenntnisinteresse dieser Arbeit steht dabei der Stadionbesucher als Privatkunde. Gestaltungsmaßnahmen zur Bindung institutioneller Kunden werden, insbesondere aufgrund anders gelagerter Interessensgrundlagen bei dieser Zielgruppe, nur peripher tangiert.
Kapitel 2 stellt als Grundlagenteil zunächst in der Literatur diskutierte, positive Wirkungseffekte und Zielgrößen von KB heraus und skizziert damit die der Thematik inhärente wissenschaftliche Relevanz. Danach gilt es, die dem Begriff zu Grunde liegenden heterogenen Auffassungen zu systematisieren, um zu einem einheitlichen Verständnis im Sinne der weiteren Ausführungen beizutragen. Da sich KB als hypothetisches Konstrukt einer direkten Messung verschließt, müssen daran anschließend Möglichkeiten einer Operationalisierung identifiziert werden. Hiernach gilt es, die verschiedenen Formen und Ausprägungen von KB anhand geeigneter Strukturierungsmerkmale zu charakterisieren, insbesondere um im Rahmen des Kundenbindungsmanagementprozesses gezielte Strategien formulieren zu können. Abschließend ist zu eruieren, inwieweit in der Literatur Erkenntnisse über zentrale Determinanten von KB bestehen.
Kapitel 3 versucht, die in der Literatur oft spezifisch formulierten Teilaspekte eines KBM zu integrieren und unter Rückgriff auf den entscheidungsorientierten Ansatz als idealtypischen Prozess aus Analysephase, strategischer und operativer Steuerungsphase, Implementierungs- und Kontrollphase darzustellen. Dieser Prozess stellt den Handlungsrahmen dar, in den die in Kapitel 5 zu leistende Herleitung von Kundenbindungsinstrumenten für die Fußball-Bundesliga einzuordnen ist. Das Kapitel schließt mit zentralen Hinweisen zu Grenzen eines KBM.
In Kapitel 4 sollen zunächst wesentliche Merkmale des Produktes Profifußball, die für die Implementierung eines KBM relevant erscheinen, identifiziert werden. Daran anschließend wird der Zuschauermarkt als Erkenntnisobjekt der vorliegenden Arbeit von weiteren Absatzmärkten der Fußball-Bundesliga abgegrenzt und seine Bedeutung herausgearbeitet. Nachdem kurz auf allgemeine Spezifika der Präferenzbildung und Nachfrage nach Sportveranstaltungen eingegangen wird, ist das Zuschauerinteresse an der Fußball-Bundesliga anhand einiger prägnanter Daten zu dokumentieren.
Als zentraler Bestandteil des vierten Kapitels soll geklärt werden, inwieweit in der Wissenschaft fundierte Erkenntnisse darüber bestehen, was die Nachfrage nach Sportveranstaltungen und insbesondere Profifußballspielen determiniert. Werden im Grundlagenteil allgemein als signifikant erachtete Indikatoren von KB herausgearbeitet, geht es hier um die Analyse sportspezifischer Faktoren. Abschließend sind diese Ergebnisse im Kontext eines KBM zu bewerten sowie die Bedeutung und die spezifischen Anforderungen an diesen Prozess aus der Perspektive von Bundesligavereinen darzustellen.
In Kapitel 5 gilt es, geeignete kundenbindungspolitische Instrumentarien am Beispiel der Fußball-Bundesliga herauszuarbeiten, durch innovative Lösungen aus der Praxis zu verdeutlichen und hinsichtlich ihrer Kundenbindungspotentiale zu beurteilen. Die Darstellung erfolgt dabei idealtypisch analog zu den Elementen des Marketing- Mix, ergänzt um besondere integrative Maßnahmen.
Kapitel 6 resümiert die gewonnen Erkenntnisse, beschreibt zentrale Defizite und Verbesserungspotentiale für das KBM eines Fußball-Bundesligisten sowie die in diesem Kontext als notwendig erachteten zukünftigen Forschungsanstrengungen.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Tabellenverzeichnis | IV | |
| Abkürzungsverzeichnis | V | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Einführung in die Thematik | 1 |
| 1.2 | Zielsetzung und Aufbau der Arbeit | 3 |
| 2. | Grundlagen der Kundenbindung | 5 |
| 2.1 | Marketingpolitische Bedeutung der Kundenbindung | 5 |
| 2.2 | Begriff der Kundenbindung und des Kundenbindungsmanagements | 9 |
| 2.3 | Operationalisierung der Kundenbindung | 13 |
| 2.4 | Strukturierungsansätze der Kundenbindung | 16 |
| 2.5 | Determinanten der Kundenbindung | 19 |
| 2.5.1 | Kundenzufriedenheit | 22 |
| 2.5.1.1 | Konzeptualisierung der Kundenzufriedenheit | 22 |
| 2.5.1.2 | Zusammenhang von Kundenzufriedenheit und Kundenbindung | 23 |
| 2.5.2 | Commitment | 25 |
| 2.5.3 | Attraktivität des Konkurrenzangebotes | 26 |
| 2.6 | Determinanten im Kontext des Untersuchungsobjektes | 27 |
| 3. | Der Prozess eines Kundenbindungsmanagements | 28 |
| 3.1 | Analysephase des Kundenbindungsmanagements | 30 |
| 3.1.1 | Situationsanalyse | 30 |
| 3.1.2 | Kundenbindung im Zielsystem der Unternehmung | 31 |
| 3.1.3 | Kundenwert und Kundensegmentierung | 33 |
| 3.1.3.1 | Begriffliche und methodische Bestimmung des Kundenwertes | 35 |
| 3.1.3.2 | Determinanten des Kundenwertes | 37 |
| 3.2 | Strategische Steuerungsphase - Planung der Kundenbindungsstrategie | 40 |
| 3.3 | Operative Steuerungsphase - Instrumente der Kundenbindung | 44 |
| 3.4 | Implementierungsphase des Kundenbindungsmanagements | 46 |
| 3.5 | Ansätze zur Kontrolle des Kundenbindungsmanagements | 49 |
| 3.6 | Grenzen des Kundenbindungsmanagements | 52 |
| 4. | Der Zuschauermarkt in der Fußball-Bundesliga als Objekt der Kundenbindung | 53 |
| 4.1 | Zentrale Merkmale des Produktes Fußball-Bundesliga | 54 |
| 4.2 | Der Zuschauermarkt als Absatzmarkt der Fußball-Bundesliga | 57 |
| 4.3 | Spezifika der Präferenzbildung und Nachfrage nach Sportveranstaltungen | 58 |
| 4.4 | Zuschauerinteresse an der Fußball-Bundesliga | 58 |
| 4.5 | Ansätze zur Erklärung von Zuschauerverhalten im Sport | 60 |
| 4.5.1 | Motive | 62 |
| 4.5.2 | Identifikation | 63 |
| 4.5.3 | Regelmäßiges vs. gelegentliches Zuschauen | 66 |
| 4.5.4 | Ergebnisse integrativer Studien | 68 |
| 4.6 | Determinanten der Zuschauernachfrage im Kontext eines Kundenbindungsmanagements | 71 |
| 4.7 | Bedeutung und Anforderungen an ein Kundenbindungsmanagements in der Fußball-Bundesliga | 73 |
| 5. | Potentiale kundenbindungspolitischer Instrumentarien in der Fußball-Bundesliga | 77 |
| 5.1 | Kundenbindungsinstrumente der Leistungspolitik | 78 |
| 5.2 | Kundenbindungsinstrumente der Kommunikationspolitik | 87 |
| 5.3 | Kundenbindungsinstrumente der Preispolitik | 95 |
| 5.4 | Kundenbindungsinstrumente der Distributionspolitik | 97 |
| 5.5 | Integrierte Maßnahmen der Kundenbindung | 99 |
| 6. | Zusammenfassung und Ausblick | 106 |
| 7. | Anhang | 111 |
| 8. | Literaturverzeichnis | 125 |
63 Untersuchung, die die Bedeutung der einzelnen Motive nach Sportarten differenziert ausweisen, lassen sich allerdings kaum auf das Untersuchungsobjekt dieser Arbeit übertragen, da die Sportart Fußball in der Studie keine Berücksichtigung findet. Es lässt sich lediglich die Annahme äußern, dass die über alle untersuchten Sportarten hinweg zentrale Bedeutung sportbezogener Bedürfnisse365 auch für den Besuch von Spielen der Fußball-Bundesliga Gültigkeit hat.366 Dies geht wiederum kaum mit Ergebnissen einer aktuellen Studie von Pfaff konform. Hier werden auf der Basis von Expertenaussagen die anders gelagerten Motive Entertainment und Erlebnisorientierung als zentral für den Besuch von Sportveranstaltungen identifiziert. Der sportliche Aspekt tritt demzufolge zunehmend in den Hintergrund.367 Letztendlich existiert bislang noch kein empirisch verifiziertes Modell, das die Relationen zwischen Zuschauermotiven und Verhaltensvariablen im Sport erklären oder voraussagen kann.368 [...]
Motivation kann allgemein als aktivierende Ausrichtung eines Individuums in Bezug auf ein Ziel definiert werden.360 In der Literatur zum Zuschauersport existieren mittlerweile verschiedene motivationstheoretische Erklärungsansätze.361 Empirische Untersuchungen mit einem Anspruch auf Quantifizierung liegen allerdings kaum vor, „und diese entbehren zudem der theoretischen Grundlage, d. h., sie sind eher heuristischer Art, basierend auf Items, die der phänomenologischen Perspektive entsprechen.“362 Den umfassendsten Versuch einer systematischen Erfassung und Messung von Motiven des Zuschauens im Sport stellt eine Untersuchung von McDonald u.a. dar.363 Die Autoren leiten hier aus den in der Literatur bestehenden Motivationstheorien 12 Motivtypen ab, die sie den Kategorien ‚mental well-being’, ‚social needs’, ‚basic sport needs’ und ‚personal needs’ zuordnen.364 Die Ergebnisse der [...]
61 Ohne auf das Modell von Messing im Rahmen dieser Arbeit näher eingehen zu können, wird allein durch dessen Grundstruktur offenkundig, dass es mehrere Zugänge zur Erklärung von Zuschauerverhalten (im Sport) gibt, was in der Literatur zur Herausbildung einer Vielzahl heterogener Erklärungsversuche anhand unterschiedlicher Faktoren geführt hat. Mit Stewart kann dabei die Skepsis geteilt werden, dass die dem Phänomen inhärente Komplexität „challenges the view that sport consumption can be reduced to a narrow set of homogeneous traits.“353 Gleichermaßen wird in der Literatur jedoch, begründet durch eben diese Komplexität, vielfach konstatiert, dass bislang kein integratives Modell vorliegt, dass Zuschauerverhalten im Sport theoretisch fundiert und empirisch validiert erklären kann.354 Hierdurch konstituiert sich der Rahmen nachfolgend darzustellender Ergebnisse.355 Zum einen können Untersuchungsresultate generell aufgrund der ihnen zu Grunde liegenden selektiven Auswahl an untersuchten Einflussfaktoren, allenfalls als Indizien für eine bessere Kundensegmentierung bzw. Ausgestaltung kundenbindungspolitischer Maßnahmen bewertet werden. Zum anderen, und dies erweist sich als zentrales Problem, resultieren aus den Studien teils disparate Ergebnisse.356 Dies und die begrenzte Anzahl an Studien, welche die Relevanz verschiedener Faktorengruppen vergleichen, machen es grundsätzlich schwierig, zentrale Determinanten der Nachfrage nach sportlichen Wettkämpfen zu bestimmen. Da zudem nur wenige empirische Arbeiten für das Untersuchungsobjekt Fußball-Bundesliga vorliegen,357 müssen vermehrt branchenübergreifende Ergebnisse herangezogen werden, die wiederum Spezifika der Fußball-Bundesliga nicht berücksichtigen und deshalb hinsichtlich ihrer Übertragbarkeit generell zu hinterfragen sind. [...]
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von Hugo, Lars Dezember 2004: Kundenbindungsmanagement, Hamburg: Diplomica Verlag
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Sportmarketing, Fußball, CRM, Kundenbindung, Sport



