Kundenbindungsmanagement bei Großbanken
Erhöhung der Kundenbindung vor dem Hintergrund der zunehmenden räumlichen Entfernung vom Kunden im Zuge der Optimierung des Filialnetzes
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Anke Franke
- Abgabedatum: Juli 2000
- Umfang: 98 Seiten
- Dateigröße: 660,1 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8254-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8254-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8254-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Franke, Anke Juli 2000: Kundenbindungsmanagement bei Großbanken, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Kundenzufriedenheit, Kundenbindungsinstrumente, Beschwerdemanagement, Kundenwert, kommunikations-Mix
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Diplomarbeit von Anke Franke
Einleitung:
Nicht erst seit der vollzogenen Fusion der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank und der Bayerischen Vereinsbank werden in Deutschland Diskussionen um die Filialkonzepte der Banken geführt. Die Bundesrepublik besitzt das dichteste Zweigstellennetz in Europa und gilt im internationalen Vergleich mit ihren 63.000 Filialen als overbanked. Da die Großbanken zunehmend zu der Erkenntnis gelangen, dass sie über ein zu teures und in den meisten Fällen zu ineffizientes Zweigstellennetz verfügen, sehen sie die Notwendigkeit, die gewachsenen Strukturen zu überprüfen. Seit etwa 1982 kann eine Straffung des Filialnetzes beobachtet werden. Ein Ende des Konzentrationsprozesses ist noch nicht in Sicht; ganz im Gegenteil ist damit zu rechnen, dass sich dieser noch verstärken wird. Die Ursachen für diesen Wandel und das Bemühen um eine optimale Gestaltung eines Vertriebswegemix‘ liegen u.a. in der hohen Fixkostenbelastung, den veränderten Kundenanforderungen und im wachsenden Angebot elektronischer Finanzdienstleistungen über Telefon und Internet. Die Banken sehen sich einer großen Herausforderung gegenüber. Auf der einen Seite müssen sie Geschäftsstellen zusammenlegen und damit eine physische Entfernung vom Kunden in Kauf nehmen, auf der anderen Seite gilt es, den Privatkunden, der zu einem hart umkämpften Zielobjekt geworden ist, langfristig an sich zu binden. Die vorliegende Arbeit greift diesen Konflikt auf und versucht, Ansätze aufzuzeigen, wie dieser durch Einsatz von Kundenbindungsinstrumenten gelöst werden kann. Dabei finden auch solche Maßnahmen und Ideen Erwähnung, die von Filialleitern, die am Entscheidungstropf der jeweiligen Zentralen in Frankfurt, München etc. hängen, eigenverantwortlich umgesetzt werden können.
Die Rahmenbedingungen bankwirtschaftlichen Handels haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Durch den Eintritt von Direktbanken, Non- und Near-Banks in den Markt, der durch weitgehende Homogenität und damit durch Austauschbarkeit seiner Produkte gekennzeichnet ist, ist die Konkurrenzsituation komplexer geworden. Die Margen verfallen, der Preiswettbewerb in der Kreditwirtschaft wurde wiederbelebt. Eine diesen Effekt verstärkende Rolle spielt dabei die multimediale Revolution, die zu einer Transparenz der Märkte geführt hat. Der nächste Anbieter, bei dem sich der Kunde über Konditionen etc. informieren kann, ist quasi nur noch einen Mausklick entfernt. Mit den erweiterten Konkurrenzangeboten und dem immer schwieriger werdenden Zufriedenstellen der gestiegenen Kundenerwartungen sinkt die dauerhafte Nachfrage nach Leistungen genau eines Kreditinstitutes. Die Bankloyalität bzw. die Kundentreue, die diesen Sachverhalt ausdrückt, nimmt tendenziell ab. Dieser Trend lässt sich auch anhand der existierenden Mehrfachbankverbindungen belegen: 1985 verfügte ungefähr jeder dritte private Bankkunde über mehr als eine Bankverbindung, kaum zehn Jahre später bereits jeder zweite.
Die Banken sehen sich derzeit mit einem ‚Produktivitäts-Dilemma‘ konfrontiert. In Zweigstellen alter Art steuern 70 Prozent der Kunden lediglich marginale oder sogar negative Deckungsbeiträge bei. Konventionelle Bankfilialen geraten zunehmend unter Rentabilitätsdruck. Teuer ausgebildetes und hochbezahltes Personal bearbeitet am Schalter oft einfache Vorgänge und ist damit beschäftigt, Formulare auszufüllen, Daueraufträge abzuändern etc. In 10 Prozent der Arbeitszeit befassen sich Banken direkt, d.h. beratend, mit ihren Kunden. Administrative Arbeitsabläufe beanspruchen die restlichen 90 Prozent! Daher laufen die Banken Gefahr, sich durch ihre kostenintensiven Filialnetze ertragsmäßig zu strangulieren. Als Ausweg könnte eine Standardisierung von Produkten und Dienstleistungen in Betracht gezogen werden. Jedoch impliziert diese einen Verlust persönlicher Kundenkontakte, was wiederum zu einer sinkenden Loyalität führen würde. In einer Zeit, in der der Kundenorientierung entscheidende Bedeutung zur Erzielung von Wettbewerbsvorteilen zukommt, sollte vielmehr eine Intensivierung der Kundenschnittstelle forciert werden. Die Banken bewegen sich damit in einem Spannungsfeld zwischen Standardisierung einerseits und Individualisierung andererseits. Der Kostenexplosion im Zahlungsverkehrsservice sowie den anderen soeben beschriebenen Veränderungen begegnen die Banken nun mit einer Optimierung ihres Zweigstellennetzes. Die folgende Abbildung 1 zeigt, wie die Filialstruktur einiger Banken in Deutschland in den kommenden Jahren aussehen wird.
Inhaltsverzeichnis:
| Vorwort | II | |
| Abkürzungsverzeichnis | V | |
| Abbildungsverzeichnis | VI | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung | 1 |
| 1.2 | Situation der Großbanken | 2 |
| 2. | Grundlagen des Kundenbindungsmanagements | 4 |
| 2.1 | Kundenzufriedenheit | 4 |
| 2.2 | Erläuterungen zum Konstrukt Kundenbindung | 5 |
| 2.2.1 | Kundennähe | 6 |
| 2.2.2 | Kundenbindung | 7 |
| 2.2.3 | Bedeutung der Kundenbindung | 9 |
| 2.3 | Zusammenhang Kundenzufriedenheit - Kundenbindung | 12 |
| 2.4 | Gründe für Kundenverluste | 14 |
| 3. | Konzept des Kundenbindungsmanagements | 17 |
| 3.1 | Segmentierung und Bestimmung des Kundenwertes | 18 |
| 3.1.1 | Deckungsbeitragsrechnung | 19 |
| 3.1.2 | Portfolio-Technik | 20 |
| 3.1.3 | Kundenlebenszykluskonzept und Lebenszeitwert | 21 |
| 3.2 | Ermittlung der Kundenerwartungen und der Kundenzufriedenheit | 23 |
| 3.2.1 | Ereignisorientierte Meßansätze | 26 |
| 3.2.2 | Merkmalsorientierte Meßansätze | 28 |
| 3.3 | Instrumente der Kundenbindung | 33 |
| 3.3.1 | Maßnahmen aus dem Produkt-Mix | 34 |
| 3.3.1.1 | Servicegarantien | 34 |
| 3.3.1.2 | Kundenschulungen | 35 |
| 3.3.1.3 | Merchandising | 36 |
| 3.3.2 | Maßnahmen aus dem Preis-Mix | 37 |
| 3.3.3 | Maßnahmen aus dem Kommunikations-Mix | 38 |
| 3.3.3.1 | Aktives Beschwerdemanagement | 38 |
| 3.3.3.2 | Mitarbeiter | 42 |
| 3.3.3.3 | Database-Marketing | 45 |
| 3.3.3.4 | Kundenclubs | 49 |
| 3.3.3.5 | Telefonbanking / Call Center | 54 |
| 3.3.3.6 | Kundenzeitschrift | 56 |
| 3.3.3.7 | Eventmarketing | 59 |
| 3.3.3.8 | Kundenkonferenzen | 60 |
| 3.3.4 | Maßnahmen aus dem Distributions-Mix | 61 |
| 3.3.4.1 | Außendienst | 61 |
| 3.3.4.2 | Bankautomaten | 64 |
| 3.3.4.3 | Bankshops und andere neue Filialtypen | 65 |
| 3.3.4.4 | Internet | 67 |
| 3.4 | Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen | 69 |
| 4. | Zusammenfassung und Fazit | 71 |
| Literaturverzeichnis | VII | |
| Verzeichnis der Expertengespräche | XXII | |
| Ehrenwörtliche Erklärung | XXIII |
Seit Direktbanken und Non-Banks (z.B. Versandhäuser) den Preis in den Mittelpunkt ihrer Kommunikationsstrategie stellen, um etablierten Instituten Kunden abzuwerben, wird auch im deutschen Finanzsektor mit Preisen geworben. Preisdifferenzierungen nach persönlichen wie auch nach quantitativen Kriterien gibt es schon lange, wie die kostenlose Kontoführung für Studenten und die Zinsstaffelung nach Guthabenhöhe bei 175 Geldanlagen beweisen. Weniger üblich sind dagegen zeitliche und räumliche Differenzierungen. Um Kunden, die von Filialzusammenlegungen betroffen sind oder die in ländlich strukturierten Gegenden leben, dauerhaft an das Unternehmen zu binden, könnte diesen als Ausgleich für das in Kauf nehmen weiterer Wege zur nächsten 176 Zweigstelle ebenfalls ein kostenfreies Girokonto offeriert werden. Ebenso wäre zu überlegen, ob - eventuell alternativ - für eine beschränkte Anzahl von Vorgängen die Gebühren dieser Kunden für die Nutzung hausfremder Geldautomaten übernommen werden könnten, falls das Institut in diesem Einzugsbereich nicht mit eigenen Geräten präsent ist. Auch bei Beratungsleistungen wird es in Zukunft zu Preisdifferenzierungen kommen. Bisher wurden die Kosten für diesen Service mit den Depot- und Kontoführungsgebühren abgegolten. Um aber zu verhindern, dass sich Kunden in ihrer Filiale von hochqualifiziertem und teurem Personal beraten lassen, um anschließend das Geschäft bei der günstigeren Direktbank abzuwickeln, wird der Kunde künftig für den Service zahlen 177 müssen, den er auch tatsächlich nutzt. Merrill Lynch verfügt über ein ausgefeiltes Programm im Wertpapierbereich. „Je nach zu investierendem Anlagebetrag erreicht der Investor den Bronze-, Silber- oder Goldlevel, auf denen [sic!, Anm. d. Verf.] jeweils an [...]
Unter Merchandising wird die Vermarktung von Zusatzprodukten verstanden, die mit dem eigentlichen Produkt bzw. Leistungsangebot „zwar etwas zu tun haben, aber im 173 Kern eigenständige Nutzenvorstellungen der Verbraucher ansprechen.“ Da das Ziel dieses Marketing-Instrumentes darin besteht, Kunden durch Nebenprodukte enger an das Unternehmen zu binden, sollte es besonders dann zur Anwendung kommen, wenn das Unternehmen beabsichtigt, sich aus der Fläche zurückzuziehen. Die Tatsache, dass 81% der Kinder ihre Eltern immer wieder zu Mc Donald’s ziehen, weil es dort die Juni174 ortüte mit den Überraschungen gibt, macht deutlich, welch enormes Potential in Merchandising-Produkten steckt. Nun ist es sicherlich für das Management der Großbanken einfacher als für einen Filialleiter, Zusatznutzenprodukte zu entwickeln, herzustellen und anschließend durch Werbung bekannt zu machen. Trotzdem ist Merchandising auch zur selbstständigen Umsetzung in einer Bankgeschäftsstelle zu empfehlen. Sicherlich lassen sich mittels Arbeitskreis von den Mitarbeitern Ideen finden, die anschließend auch kostengünstig realisiert werden können, wie z.B. mit dem Firmenlogo oder dem Unternehmensmaskottchen bedruckte stabile Ordner, Transporthüllen für Disketten, Zollstöcke für die potentiellen Hausbauer, Euro-Rechner. Auch täuschend echte Schokoladen-Geldmünzen, Marzipanbären und –stiere (als Börsenzeichen) sowie CallManager können in die Produktpalette aufgenommen werden. Kunden, die über die Bank ein Haus finanziert haben, könnten z.B. jeweils nach Abzahlung eines vorher definierten DM-Betrages eine bestimmte Anzahl von Steinen eines Haus-Modellbausatzes erhalten. Analog kann mit Kunden verfahren werden, die den Wunsch nach einem Eigenheim geäußert haben und die nun dabei sind, das nötige Eigenkapital anzusparen. Die Kunden haben bestimmt Spaß daran, zu sehen, wie sie ihrem Traum näher kommen bzw. wie das Haus langsam in ihr Eigentum übergeht. Da es beim Merchandising weni- [...]
Da Unternehmen ihren Kunden über das (austauschbare) Produktangebot hinausgehend zusätzlichen Nutzen anbieten sollten, um diese an sich zu binden, empfiehlt es sich, 170 Kundenseminare zu veranstalten. Die Mitarbeiter der Filialen verfügen über Fachund Sachkompetenz in bestimmten Themenbereichen, die sicherlich auch für die Kun171 den von Interesse sind. Das vorhandene Know How zu Themen wie Aktien, Fonds, Altersvorsorge, Familienabsicherung, der Weg zum Immobilieneigentum könnte so in Seminaren an die Kunden weitergegeben werden. Da davon ausgegangen werden kann, dass seitens der Bank auch Kontakte zu Steuerberatern, Notaren und Industrie- und Handelskammern unterhalten werden, könnten auch Schulungen zu den Themen „Steuerfreies Schenken“, “Erben und Vererben“ bzw. „Existenzgründungen“ in das Programm aufgenommen werden. Jugendliche Kunden könnten zu einem Bewerberseminar eingeladen werden. Personalmanager, die in der Bank oder in anderen Unternehmen über Neueinstellungen entscheiden, vermitteln den Gästen, worauf es tatsächlich bei einer Bewerbung ankommt. [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832482541
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Schlagworte:
Kundenzufriedenheit, Kundenbindungsinstrumente, Beschwerdemanagement, Kundenwert, kommunikations-Mix



