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Kundenbindung im Lebensmitteleinzelhandel

Eine Analyse der Möglichkeiten und Instrumente zur Quantifizierung, Implementierung und Optimierung als Entscheidungsgrundlage für Unternehmen mit konkreten Fallbeispielen (ALDI Süd und TESCO)

Kundenbindung im Lebensmitteleinzelhandel
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Jens Lindner
  • Abgabedatum: Oktober 2002
  • Umfang: 123 Seiten
  • Dateigröße: 805,5 KB
  • Note: 1,6
  • Institution / Hochschule: Munich Business School (MBS) Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8226-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8226-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8226-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Lindner, Jens Oktober 2002: Kundenbindung im Lebensmitteleinzelhandel, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: ALDI, Kundenorientierung, Einzelhandel, TESCO, Handel

Diplomarbeit von Jens Lindner

Zusammenfassung:

Der Einzelhandel in der Bundesrepublik Deutschland sieht sich seit Jahren mit einem tief greifenden strukturellen Wandel konfrontiert. Die Unternehmen agieren in hochgradig gesättigten Märkten, wodurch sich Marktanteilsgewinne nahezu ausschließlich über einen Verdrängungswettbewerb unter Anwendung einer Preis-Mengen-Strategie erzielen lassen, was im deutschen LEH zu einem intensiven, zum Teil ruinösen Preiskampf führte und sich im weltweit geringsten Niveau der Umsatzrendite widerspiegelt.

Die zunehmende Austauschbarkeit der Sortimentskategorien, die in den verschiedenen Einzelhandelsbranchen angeboten werden, mindern für die agierenden Unternehmen die Möglichkeit der Generierung von Alleinstellungsmerkmalen über das Sortiment und münden oftmals in eine Profillosigkeit und Austauschbarkeit der Einzelhandelsunternehmen aus Kundensicht.

Es besteht in Wissenschaft und Praxis heute kein Zweifel mehr daran, dass die Fähigkeit von Unternehmen, Kundenorientierung intern wie extern durchzusetzen, einen der zentralen Erfolgsfaktoren der Unternehmensführung darstellt, besonders angesichts der demografischen Entwicklung der kommenden Dekaden mit signifikant abnehmenden Umsatzpotentialen.

Vor dem Hintergrund sich stetig verändernder Rahmenbedingungen - Globalisierung, Individualisierung des Konsums, hohes Ausrüstungsniveau der Haushalte, Verschiebung des Konsums von Waren hin zu Dienstleistungen oder sinkende reale Kaufkraft seien exemplarisch genannt – nimmt die Kundenbindung als strategisches Marketingziel branchenübergreifend einen stetig wachsenden Stellenwert ein.

Im LEH, der von demografisch bedingten Marktsättigungserscheinungen in besonderem Maße betroffen sein wird, da Bevölkerungsentwicklung und Lebensmittelkonsum positiv korrelieren, gewinnt die Pflege und Erhaltung bestehender Kundenbeziehungen zunehmend an Bedeutung.

Vor diesem Hintergrund besteht die Aufgabe vorliegender Arbeit darin, kritisch zu untersuchen, welche Möglichkeiten und Instrumente im LEH existieren, freiwillige Kundenbindung im Sinne echter Kundenloyalität zu quantifizieren, zu optimieren und als strategische Option im Sinne marktorientierter Unternehmensführung zu nutzen. Dazu werden diverse, in der Literatur als besonders wirksam angesehene Kundenbindungsmaßnahmen und Messmethoden dargestellt und kritisch beleuchtet. Zudem werden elementare Verhaltensmuster von Kunden im LEH aufgezeigt, um denkbare, kundentypenorientierte Grundstrategien der Kundenbindung zu erläutern. Zwei kontrastiv gewählte, praxisorientierte Fallbeispiele von Unternehmen im In- und Ausland stellen die jeweiligen Kernelemente verschiedenartiger Bindungsansätze im LEH dar und verdeutlichen die Flexibilität in der strategischen und operativen Gestaltung dauerhafter Kundenbeziehungen. Dabei wird sich vorliegende Arbeit punktuell auf persönlich erhobene Erkenntnisse aus einer unveröffentlichten Studie zum Einkaufsverhalten von Kunden der Unternehmensgruppe ALDI Süd beziehen, die in Exzerpten dem Anhang dieser Arbeit beigefügt ist.

Um die genannte Zielsetzung zu erreichen, wird im ersten Abschnitt einleitend die historische Entwicklung der Kundenbindung als Marketingziel dargestellt, um dem Leser zu verdeutlichen, dass Kundenbindung erst im Zuge von Marktveränderungsprozessen als Unternehmensziel Bedeutung erlangte.

Da eine Optimierung der Kundenbindung unmöglich wäre, ohne diese quantifizieren zu können beziehungsweise elementare Bestimmungsgrößen zu kennen, werden im nächsten Schritt zentrale konzeptionelle Grundlagen der Kundenbindung dargestellt. Außerdem wird eine für die weiteren Ausführungen dieser Arbeit sinnvolle Definition der Kundenbindung festgelegt. Schließlich werden die zentralen Begriffe Kundenorientierung und Kundenzufriedenheit hinsichtlich Funktion und Begriffzusammenhang mit der Thematik dieser Arbeit untersucht.

Im Sinne weiter gehender Fokussierung wird in Kapitel 3 die Kundenbindung im deutschen LEH untersucht und es werden grundlegende Bindungsstrategien, die sich aus verschiedenen Loyalitätsverhaltensmustern ableiten, entwickelt, um zu unterstreichen, dass die Wirksamkeit diverser Bindungsinstrumente maßgeblich vom jeweiligen Kundentypus abhängt.

Darauf aufbauend, stellt Kapitel 4 die aus Sichtweise der Unternehmenspraxis wirksamsten Instrumente zur Optimierung der Kundenbindung aus den Bereichen Sortimentspolitik, Kommunikationspolitik und Preispolitik dar und untersucht diese kritisch.

Zwei Fallbeispiele der Unternehmen TESCO und ALDI Süd erweitern vorliegende Arbeit um eine praxisorientierte wie aktuelle Dimension, indem die jeweiligen Kernelemente der Bindungsstrategien zweier Marktführer herausgestellt und, im Falle ALDI Süd, durch konkrete Handlungsvorschläge, abgeleitet aus einer eigenen empirischen Arbeit, ergänzt werden. Mit der Zusammenfassung der Ergebnisse und dem Ausblick schließt diese Arbeit.

Die Herangehensweise an die Themenstellung wird durch die duale Funktion der selbst erstellten, empirischen Studie zum Einkaufsverhalten von ALDI Süd - Kunden bestimmt: Einerseits werden dadurch bestimmte theoretische Konstrukte, wie beispielsweise die Bindungswirkung der Preispolitik, empirisch belegt, andererseits bietet die Erhebung zahlreiche Ansatzpunkte für denkbare Handlungsoptionen zur Verbesserung der Kundenbindung, die punktuell in der Fallstudie ALDI Süd dargestellt werden. Aufgrund eigener Erfahrungen im Zuge der empirischen Erhebung, unterstützt durch zahlreiche Gespräche mit Mitarbeitern unterschiedlicher Hierarchieebenen des Unternehmens ALDI Süd und somit dank der besseren Informationslage, steht der deutsche LEH unter besonderer Berücksichtigung des Discount-Segments im Vordergrund der Betrachtungen.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis I
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis IV
Anhangsverzeichnis V
Abkürzungsverzeichnis VII
1. ZIEL, AUFBAU UND HINTERGRUND DIESER ARBEIT 1
1.1 Problemstellung und Zielsetzung 1
1.2 Vorgehensweise und Aufbau 2
1.3 Entwicklung der Kundenbindung als Marketingziel 3
2. KONZEPTIONELLE GRUNDLAGEN DER KUNDENBINDUNG 5
2.1 Definition und begriffliche Abgrenzung 5
2.2 Messkonzepte zur Quantifizierung 7
2.2.1 Behavioristische Ansätze 8
2.2.2 Einstellungsorientierte Ansätze 11
2.2.3 Kombinierte Verfahren 13
2.3 Bestimmungsfaktoren 14
2.3.1 Involvement 15
2.3.2 Commitment 16
2.3.3 Vertrauen 17
2.4 Kundenorientierung als Grundvoraussetzung 17
2.5 Kundenzufriedenheit als Indikator für Kundenorientierung 19
3. KUNDENBINDUNG ALS ZIELGRÖßE IM LEH 22
3.1 Begriffliche Abgrenzung und aktuelle Situation in Deutschland 22
3.2 Integration in das Zielsystem 26
3.3 Auswirkung auf die Rentabilität 28
3.4 Kundentypenbezogene Loyalitätsverhaltensmuster 31
3.4.1 Das notorische Ladenwechseln 32
3.4.2 Das unregelmäßige Ladenwechseln 33
3.4.3 Die eingefahrene Ladentreue 34
3.4.4 Das unvermeidbare Ladenwechseln 35
3.5 Kundentypenspezifische Grundsatzstrategien 35
4. INSTRUMENTE ZUR VERBESSERUNG DER KUNDENBINDUNG IM LEH 38
4.1 Produktpolitische Ansatzpunkte 39
4.1.1 Sortimentspolitik als Basis langfristiger Geschäftsbeziehungen 39
4.1.2 Handels- und Gattungsmarkenpolitik 41
4.1.3 Serviceleistungen 42
4.2 Kommunikationspolitische Aktivitäten1 44
4.2.1 Interne Kommunikation 44
4.2.2 Aktives Beschwerdemanagement 46
4.2.3 Kundenclub 49
4.2.4 Kundenzeitschrift 50
4.2.5 Database-Marketing 51
4.3 Preispolitische Optionen 52
4.3.1 Preispolitik 52
4.3.2 Konditionspolitik 54
4.3.2.1 Kundenkartensysteme 55
4.3.2.2 Bonus- und Treueprogramme 57
4.4 Kundentypenspezifische Grundraster für Instrumentalentscheidungen 58
5. ANWENDUNGSBEISPIELE VON KUNDENBINDUNGSSTRATEGIEN IM LEH 60
5.1 Fallbeispiel TESCO 61
5.1.1 Individualisierung von Loyalitätskonzepten 61
5.1.2 Integrative Analyse kundenbezogener Informationen 63
5.1.3 Mehrdimensionales Kunden-Controlling 64
5.1.4 Kundensegmentbezogene Bindungsstrategien 66
5.2 Fallbeispiel ALDI Süd 68
5.2.1 Qualität 70
5.2.2 Vertrauenswürdigkeit 72
5.2.3 Convenience 73
5.2.4 Abwechslung 76
5.2.5 Zufriedenheits-Matrix zur Ableitung weiterer Handlungsoptionen 77
6. SCHLUSSBEMERKUNGEN 79
6.1 Zusammenfassung 79
6.2 Ausblick 80
Anhang VIII
Literatur- und Quellenverzeichnis XXIX

Automatisiert erstellter Textauszug:

40 Die Sortimentsdimension wird durch die Breite und Tiefe des Sortiments bestimmt, wodurch ein Unternehmen seinen so genannten sortimentspolitischen Vorteil gegenüber Konkurrenzanbietern determiniert, der letztlich die Grundlage nachhaltiger Kundenbindung darstellt.145 Wird jener Sortimentsvorteil explizit herausgestellt und weist dieser zudem ein hohes Übereinstimmungspotential mit der erwarteten Soll-Leistung der anvisierten Zielgruppe auf, so sind die Voraussetzungen für langfristige Geschäftsbeziehungen gegeben. Neben der Sortimentsdimension ist das Niveau des Sortiments für die Schaffung langfristiger Kundenbeziehungen von Bedeutung. Das Sortimentsniveau wird durch das durchschnittliche Qualitätsniveau aller angebotenen Artikel bestimmt, wobei die Zufriedenheit eines Kunden, wie bereits in Abschnitt 3.5 dargelegt, nicht vom Betriebstypen abhängt, sondern von der Fähigkeit, ein definiertes und den Kunden kommuniziertes Leistungsversprechen zu erfüllen.146 Die Entwicklung im Discountbereich des deutschen LEH zeigt beispielhaft, dass neben dem traditionell stark ausgeprägten Preisbewusstsein deutscher Kunden der Qualitätsaspekt zunehmende Bedeutung erlangt und auf die Bindung an eine Einkaufsstätte maßgeblichen Einfluss ausübt.147 Exemplarisch kann dieser Aspekt durch eine empirische Studie, die sich mit dem Einkaufsverhalten von Kunden im Bereich der Handels- und Gattungsmarken beschäftigte, belegt werden. Demzufolge sind Kunden selbst bei Artikeln der untersten Preiskategorie nicht bereit, unterdurchschnittliche Produktqualität hinzunehmen. 71 Prozent der Befragten gaben an, zumindest gelegentlich Produkte der untersten Preislage zu erwerben, wovon lediglich 10 Prozent bereit wären, eine geringere Qualität zu akzeptieren. Mehr als 90 Prozent der Probanden gab an, „nie oder selten“ geringere Qualität einkaufen zu wollen.148 Dem Qualitätsaspekt innerhalb der Sortimentspolitik kommt somit signifikante Bedeutung im Rahmen von Bindungsbestrebungen zu. Welches Qualitätsniveau ein Kunde zugrunde legt, ist von dessen individuellem Anspruchsniveau bezüglich der jeweiligen Kaufsituation abhängig. Hieraus folgt, dass mit der Erfüllung eines klar definierten und kommunizierten Qualitätsniveaus, das den Erwartungen des relevanten Marktes entspricht, die Grundlagen für Kundenzufriedenheit und langfristige Geschäftsbeziehungen geschaffen werden. Die Maßnahmen der [...]

Kundenpolitische Instrumente zur Erhöhung der Kundenbindung im deutschen LEH können vorab in zwei Kategorien unterteilt werden: Einerseits sind dies die klassischen Instrumente aus den Bereichen der Produkt- und Preispolitik, die von jeher existieren und aus Sicht des Verfassers im deutschen LEH aufgrund der hohen Preis- und Qualitätssensibilität der Verbraucher in ihrer Wirkung auf das Kundenvertrauen als Bindungsdeterminante keineswegs unterschätzt werden sollten. Andererseits ermöglichen innovative Instrumente nach angelsächsischem Vorbild, die vorwiegend aus dem Bereich der Kommunikationspolitik stammen, eine Steigerung von Involvement, Commitment und Transparenz des Kundenverhaltens. Mehr als fünfhundert europäische Handelsmanager attestierten im Rahmen einer in dieser Form einmaligen Befragung aus dem Jahre 1994 denjenigen Instrumenten die höchste Bindungseignung, die aus deren „best practice“ – Sichtweise der Zielsetzung einer Optimierung langfristiger Kundenbeziehungen am effektivsten und effizientesten gerecht werden.140 Wie Abbildung 8 veranschaulicht, erwarten etwa 86 Prozent der befragten Manager von einer kulanten Beschwerdebehandlung die höchste Bindungswirkung. [...]

37 Erfüllung der Marktstandards, ein aktives Beschwerdemanagement und freundliches Personal Unzufriedenheit zu vermeiden und durch Kontinuität des Angebots Sorge dafür zu tragen, dass kundenseitig die Vorteile der Bequemlichkeit des Einkaufs in der angestammten Einkaufsstätte verstärkt wahrgenommen werden. Bei „unregelmäßig wechselnden“ Kunden sollte die strategische Vorgehensweise auf zwei Kernpunkte ausgerichtet werden. Einerseits steht das Gewinnen von „unregelmäßigen Wechslern“ der Mitbewerber im Vordergrund, die aufgrund entstehender Langeweile bezüglich ihrer angestammten Einkaufsstätte aktiv oder passiv nach alternativen Einkaufsstätten suchen. Andererseits ist eine Unterschreitung der optimalen Reizschwelle beim bestehenden Kundenkreis zu vermeiden, beispielsweise durch ein wechselndes Angebot an Aktionsartikeln oder periodische Sortimentsadaptionen, um „unregelmäßige Wechsler“ im eigenen Kundenkreis zu binden. In diesem Fall ergibt sich ein enger Zusammenhang zwischen Neukunden-Akquisition und Kundenbindung.137 Der Lebensmitteleinzelhändler sollte dabei versuchen, den Kunden zu inspirieren und durch kundenorientierte Problemlösungen das Schaffen von Erlebnissen zu unterstützen, da dieser Kundentyp den LEH als Problemlöser im Haushaltsbereich ansieht, der ihn im Idealfall in die Lage versetzt, mit wenig Aufwand in zeitlicher, psychischer und pekuniärer Hinsicht zu Hause für Abwechslung zu sorgen.138 Diese lässt sich beispielsweise durch wechselnde Sortimentsbestandteile, gezielte Kommunikation am POS oder eine überraschende Abfolge von Produktgruppen aufbauen. Eine ähnliche Strategieausrichtung erscheint bei Kunden sinnvoll, die ein [...]

Arbeit zitieren:
Lindner, Jens Oktober 2002: Kundenbindung im Lebensmitteleinzelhandel, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
ALDI, Kundenorientierung, Einzelhandel, TESCO, Handel

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