Kundenbindung durch Corporate Citizenship
Dargestellt am Projekt „Handelsblatt macht Schule“ der Handelsblatt GmbH
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Anika Pohl
- Abgabedatum: Juli 2005
- Umfang: 119 Seiten
- Dateigröße: 1,5 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg, Standort Sankt Augustin Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9107-9
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9107-9 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9107-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Pohl, Anika Juli 2005: Kundenbindung durch Corporate Citizenship, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Bildung, Loyalität, CSP, Zeitung, Leser
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Diplomarbeit von Anika Pohl
Einleitung:
Wir leben in einer Zeit der Reizüberflutung. Eine Unzahl von Werbebotschaften wirken Tag für Tag auf die Konsumenten ein. Zusätzlich erscheinen fast täglich neue Produkte auf dem Markt, die versprechen noch besser und günstiger zu sein. Der Kunde weiß sich in der Angebotsvielfalt nicht zu orientieren, kann die Masse an Produkten schlichtweg nicht mehr unterscheiden und wird konsummüde. Wo sich informieren, wie unterscheiden und worauf vertrauen, das sind Fragen die in immer mehr Konsumenten aufkommen. Produktpreise sind heutzutage zwar Kaufanreize aber nicht das entscheidende Kriterium – gibt es die Geizpreise doch von nahezu jedem Anbieter. Und nach nunmehr drei Jahren „Geiz ist geil“ stößt die Discounterwelle in Deutschland langsam an ihre Grenzen und die Abwanderung der Markenkäufer ist gestoppt.
So muss zum Beispiel Aldi seine nicht verkauften Aktionsartikel in Ramschläden weiterverkaufen. Doch Verbraucher werden auch künftig von der Möglichkeit Gebrauch machen, auf manchen Konsum zu verzichten. Das heißt Verbraucher werden bei ihren Kaufentscheidungen in Zukunft noch wählerischer sein und nicht mehr scheinbar wahllos in Massen konsumieren. Im Zeitalter des Internet nähern sich Märkte der vollständigen Transparenz. Die Deutschen haben gelernt Preise zu vergleichen und zu feilschen. Die Wirtschaft hat diese Veränderung des Kaufverhaltens in den vergangenen Jahren verstärkt spüren müssen. Zurückhaltung, Unsicherheit und Konsumverzicht haben in allen Branchen für hohe Einbußen gesorgt. „Für viele Anbieter hat sich die Marktsituation durch eine höhere Wettbewerbsintensität und ein geändertes Kundenverhalten wesentlich verschärft. In vielen Branchen ist eine sinkende Loyalität und Bindungsbereitschaft von Nachfragern festzustellen.” Neben der Reizüberflutung hat eine weitere Entwicklung die Konsumenten und ihr Kaufverhalten beeinflusst. Nachdem die Entwicklung vom Verkäufer zum Käufermarkt längst abgeschlossen ist, verlieren nun auch etablierte Marken immer mehr an Wert. Das Vertrauen der Kunden zu Unternehmen an sich ist nicht mehr das gleiche wie früher.
Viele Kunden mussten feststellen, dass die Unternehmen ihres Vertrauens gar nicht mehr dem Bild gerecht werden, das sie von ihnen hatten. Die kürzlich entfachte Kapitalismusdebatte und der Streit über die Offenlegung von Managergehältern verfestigen das entstandene Misstrauen.
Der zunehmende Vertrauensverlust in Firmen und Werbebotschaften schafft den Bedarf nach neuen Differenzierungsmerkmalen und nach neuen Methoden zur Herbeiführung von Kundenbindung. „In den Margen- und Marktanteilsschlachten der Zukunft wird es immer mehr um Loyalität gehen. Wir Käufer ziehen uns stillschweigend zurück und streiken heimlich. Wenn uns was nicht passt, bleibt das Portemonnaie eben zu! Käuferethik ist im Kommen. Und die Sehnsucht nach der heilen Welt. Damit rücken Emotionen, Vertrauen und Loyalität in den Vordergrund.” Diese Käuferethik schließt auch ein, dass Verbraucher immer mehr darauf achten, ob Unternehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung aktiv wahrnehmen. Schon im Grundgesetz steht: Eigentum verpflichtet. Dessen sind sich die Kunden bewusst. Überall dort wo Unternehmen Berührungspunkte zur Gesellschaft haben, wird ein verantwortungsvoller Umgang erwartet. Den Marktanteilsschlachten und wachsendem internationalen Wettbewerbsdruck zum Trotz, sollte die gesellschaftliche Verpflichtung neben dem primären Unternehmenszweck der Gewinnerzielung wahrgenommen werden. Und auch gerade wegen des gestiegenen Wettbewerbsdrucks.
Diese Arbeit soll am Beispiel des Projektes „Handelsblatt macht Schule“ aufzeigen, wie Firmen durch Corporate Citizenship (CC) die Werteorientierung ihrer Kunden und das Bedürfnis nach Emotionalität und Vertrauen stillen können. Dazu ist es notwendig eine zur Vision und zum Daseinsverständnis des Unternehmens kohärente CC-Strategie zu entwickeln. Durch wirklich glaubwürdiges Engagement können Unternehmen ihren Kunden Sicherheit und Gewissheit zurückgeben und ein neues, starkes Vertrauen in ihre Marken schaffen. Die im Kunden vorhandenen Werte und Normen können als „Hebel“ angesetzt werden, um die eigene Botschaft zu verstärken. Das Unternehmen gewinnt den Kunden als Verbündeten auf emotionaler Ebene, da beide die gleichen Werte teilen und anstreben. Noch weitergehend zeigt das Unternehmen Vorbildcharakter, da es die positiven Werte tatsächlich lebt.
Gang der Untersuchung:
Zunächst wird die Ausgangsituation näher beschrieben, die zu vermehrtem Bedarf unternehmerischer Verantwortung führt. Corporate Citizenship, Nachhaltigkeit, Corporate Social Responsibility – drei Begriffe die oft synonym Verwendung finden, werden abgegrenzt und Corporate Citizenship wird als erfolgreiches unternehmerisches Engagement definiert. Dabei gilt ein besonderer Fokus dem Thema Glaubwürdigkeit, die besonders für Bildungsengagement wichtig und dennoch schwer zu erlangen ist.
Im nächsten Schritt wird das Konsumverhalten betrachtet und die Notwendigkeit neuer Kundenbindungsstrategien aufgezeigt. Die Begriffe Kundenbindung, Kundentreue und Kundenloyalität werden voneinander abgegrenzt und ein Verständnis markt- und zeitgerechter Kundenbindung dargelegt. Aus der Bedeutung von Marken generell und dem Potential starker Marken im Besonderen wird die kundenbindende Wirkung von Corporate Citizenship abgeleitet. Als Grundlage für die Analyse von Engagement im Bildungsbereich wird das Segment „junge Leser“ genauer betrachtet. Da die Definition von jungen Lesern gerade in der Zeitungsbranche nicht einheitlich ist, wird hier auf eine nähere Eingrenzung verzichtet.
In Kapitel 6 werden die vorhergehenden Ergebnisse zusammengetragen. Anhand des Projektes „Handelsblatt macht Schule“ wird untersucht, wie das Modell „Kundenbindung durch Corporate Citizenship“ erfolgreich angewandt werden kann. In einer Situationsanalyse werden zunächst bestehende Bildungsinitiativen von Unternehmen vorgestellt. Darauf folgt eine Ist-Analyse des Projekts „Handelsblatt macht Schule“. In einem Benchmark werden dann die vorgestellten Initiativen verglichen. Im Ergebnis werden die Unterschiede in der strategischen Anwendung gesellschaftlichen Engagements aufgewiesen und der Vergleich zu „Handelsblatt macht Schule“ aufgestellt.
In einer abschließenden Betrachtung werden die Erfolgschancen von „Handelsblatt macht Schule“ eruiert und Schlussfolgerungen für die allgemeine Anwendung neuer Kundenbindungsinstrumente wie Corporate Citizenship diskutiert.
Zur Veröffentlichung dieser Diplomarbeit wurden in Absprache mit der Handelsblatt GmbH einige Textpassagen gesperrt, die vertraulichen Daten enthalten. Betroffen sind die Seiten 57, 70, 71 und 72. Der Umfang der Streichungen liegt unter zwei Textseiten.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | iii | |
| Tabellenverzeichnis | iv | |
| Abkürzungsverzeichnis | v | |
| 1. | Loyalität und Bindungsbereitschaft deutscher Konsumenten | 1 |
| 2. | Ziel der Arbeit | 4 |
| 3. | Grundlagen und Hintergründe | 6 |
| 3.1 | Ökonomische Bildung als Bestandteil der Allgemeinbildung | 6 |
| 3.2 | Kundenbindung: Eine Definition | 7 |
| 3.3 | Corporate Citizenship: Eine Definition | 8 |
| 4. | Corporate Citizenship – Notwendigkeit und Potential | 13 |
| 4.1 | Ausgangsituation gesellschaftliche Verantwortung | 13 |
| 4.2 | Aktueller Handlungsbedarf im Bildungssektor | 16 |
| 4.3 | Good Corporate Citizenship: Die Kriterien | 19 |
| 4.3.1 | Abgrenzung und Bewertung des Engagements | 19 |
| 4.3.2 | Kriterien für „Good Corporate Citizenship“ | 23 |
| 4.3.3 | Faktor Glaubwürdigkeit: Wichtiger Aspekt für Engagement im Bildungssektor | 24 |
| 4.4 | Corporate Citizenship als Erfolgsfaktor | 25 |
| 4.4.1 | Von der Konkurrenz abheben | 25. |
| 4.4.2 | Werte für das Unternehmen schaffen | 27 |
| 5. | Kundenbindung in der Zeitungsbranche | 30 |
| 5.1 | Ausgangssituation | 30 |
| 5.1.1 | Allgemeine Trends: Auf die Spitze der Bedürfnispyramide | 30 |
| 5.1.2 | Kundenverlust in der Zeitungsbranche | 31 |
| 5.2 | Kundenbindung: Das Konzept | 32 |
| 5.3 | Die Bedeutung starker Marken | 38 |
| 5.3.1 | Das Konzept „Marke“ | 38 |
| 5.3.2 | Markenidentität und Markenwert | 41 |
| 5.3.3 | Emotionaler Mehrwert | 43 |
| 5.4 | Kundenbindende Wirkung von Corporate Citizenship | 45 |
| 5.5 | Kundenbindung und junge Leser | 48 |
| 5.5.1 | Signifikanz junger Leser für Zeitungsverlage | 48 |
| 5.5.2 | Gewinnung junger Leser | 49 |
| 6. | „Handelsblatt macht Schule“: Entwicklung eines integrierten Konzeptes | 52 |
| 6.1 | Kundenbindung bei der Handelsblatt GmbH | 52 |
| 6.1.1 | Handlungsgrundlage: Kundenorientierung | 52 |
| 6.1.2 | Erfüllungskomponenten: geforderte Verantwortungsübernahme | 53 |
| 6.1.3 | Steuerungsgrößen: neu definieren | 54 |
| 6.1.4 | Endziel: Kundenloyalität | 57 |
| 6.2 | Verantwortung für die Bildung in Deutschland | 60 |
| 6.2.1 | Handelsblatt und Bildung: Entstehung einer Initiative | 60 |
| 6.2.2 | Situationsanalyse: Bildungsprojekte in Deutschland | 62 |
| 6.3 | Ist-Analyse „Handelsblatt macht Schule“ | 63 |
| 6.3.1 | Vorstellung des Projekts | 63 |
| 6.3.2 | Evaluation der Projektbestandteile nach GCC-Kriterien | 68 |
| 6.4 | Benchmarking | 72 |
| 6.4.1 | Vorgehensweise | 72 |
| 6.4.2 | Ergebnisse des Benchmarks | 74 |
| 6.4.3 | Evalutation der Ergebnisse | 76 |
| 6.5 | Forführung des Projektes – Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten | 78 |
| 7. | Perspektiven von Corporate Citizenship Projekten der Handelsblatt GmbH | 81 |
| Anhänge | 83 | |
| Literaturverzeichnis | 107 | |
| Eidesstattliche Erklärung | 112 |
Unternehmen, mit dessen Werten sie sich identifizieren können. Kunden interessiert immer öfter die Art und Weise auf die Produkte hergestellt wurden.111 Partner achten darauf, ob sich die Unternehmen mit denen sie zusammenarbeiten entsprechend der eigenen Wertvorstellungen verhalten. Und die kritische Gesellschaft hinterfragt immer mehr das Handeln von Unternehmen. Werte und die Wahrnehmung einer sozialökologischen Verantwortung112 sind gefragt und für den dauerhaften Erfolg von Unternehmen überlebenswichtig113. „Unternehmen können sich bürgerschaftliches Engagement leisten und sie müssen es sich sogar leisten, wenn sie dauerhaft ihre Glaubwürdigkeit gegenüber den Verbrauchern und auch den Kapitalgebern erhalten wollen.“114 Es besteht der Bedarf nach Investitionen in Marken und die Reputation des Unternehmens115 um das Vertrauen der Stakeholder (im Besonderen der Kunden) zu gewinnen und zu halten. Genauso kann öffentliche Kritik diese aufgebauten Werte wieder vernichten.116 Corporate Citizenship in Form von strategischen Investitionen in die Gesellschaft und gezielter Kommunikation kann die Treue der Stakeholder zu Marken und dem Unternehmen stärken und dem Risiko plötzlichen Vertrauensverlustes vorbeugen. [...]
Konsumenten denkbar ungeeignet, da sie originär auch nicht im Sinne von Verbraucherinformationen konzipiert sind.107 Da Kunden sich vor dem Kauf nicht ausgiebig mit den bisher angebotenen Unternehmensinformationen auseinandersetzen, müssen Unternehmen aktiver über ihr Engagement berichten. Wichtig ist daher eine breiten- und öffentlichkeitswirksame Ansprache, die neben Informationen zum Verhalten des Unternehmens auch für Themen wie Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung sensibilisiert. Die Verbraucher müssen für einen umwelt- und sozialverträglichen Lebens- und Konsumstil sensibilisiert werden.108 So können gesellschaftlich verantwortlich handelnde Unternehmen den Bedarf nach ihren Produkten und Dienstleitungen erhöhen. Nach Grünewald109 werde aktives gesellschaftliches Engagement der Unternehmen allerdings von den Konsumenten gar nicht belohnt: „Der Erfolg von ‚Geiz ist geil’Kampagnen und der Siegeszug der Discounter sprechen eine eindeutige Sprache.“ Existentielle Sorgen würden bei der Mehrzahl der Konsumenten die Themen Nachhaltigkeit und Verantwortungsübernahme überlagern. Allerdings sind die Discounter untereinander in ihren Preisen und Qualitäten kaum zu unterscheiden. Auf die „Geiz ist geil“-Kampagne von Saturn fand zum Beispiel Media Markt mit „der Mutter aller Schnäppchen“ eine Antwort. Die Produktsonderposten die Aldi einst ausmachten sind mittlerweile in allen Discountern zu finden – der „Aldi-Computer“ wird nun im Abstand weniger Wochen auch bei Lidl und Co. angeboten. Als Mittel zur Differenzierung kann CC-Engagement also durchaus angesehen werden. [...]
4.3.3. Glaubwürdigkeit: Wichtiger Aspekt für Engagement im Bildungssektor Im Bildungssektor ist die Vermittlung von Glaubwürdigkeit besonders groß. Die Schule ist eine werbefreie Zone und soll es auch bleiben. Darauf wird von allen Seiten – Lehrern, Eltern und Ministerien – geachtet, wenn Unternehmen und Schulen in Kontakt treten. Der Ansturm auf die Schulen durch Unternehmen und Marketingagenturen, hat Misstrauen verursacht. Unternehmen treffen auf Skepsis gegenüber ihren Bemühungen, Sinn und Zweck des Engagements werden sofort hinterfragt. Während der offensichtliche Nutzen für die Schulen erkennbar ist, sind die Beweggründe der Unternehmen für Lehrer nicht eindeutig. Dem Punkt „Referenzen“ kommt hier eine besonders große Bedeutung, zu. Werden Initiativen in Zusammenarbeit mit Ministerien gestartet, haben Lehrer die Gewissheit, dass es sich nicht um Werbeveranstaltungen der Unternehmen handelt. Wichtig ist aber auch eine zielgruppengerechte Kommunikation. Eine Aussage wie „wir machen das im Rahmen unseres Global Corporate CitizenshipProgramms“ ist für Lehrer und auch Schüler nicht greifbar. Lehrer haben von Unternehmen die pragmatische Vorstellung, dass ihr einziger Zweck die [...]
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