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Kulturelle Norm und semantischer Wandel

Die Bedeutung von Anredepronomina in literarischen Übersetzungen am Beispiel Englisch - Deutsch

Kulturelle Norm und semantischer Wandel
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Franziska Strobl
  • Abgabedatum: November 2004
  • Umfang: 105 Seiten
  • Dateigröße: 735,4 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Bielefeld Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8531-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8531-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8531-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Strobl, Franziska November 2004: Kulturelle Norm und semantischer Wandel, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Übersetzen, Linguistik, Sprache, Anredeformen, Literatur

Magisterarbeit von Franziska Strobl

Einleitung:

Umgangsformen.

Mich ichze ich.

Dich duze ich.

Sie sieze ich.

Uns wirze ich.

Euch ihrze ich.

Sie sieze ich.

Ich halte mich an die Regeln (Kurt Marti).

Welche semantischen Veränderungen ergeben sich bei der subjektiv-interpretativen Übersetzung der Anredepronomina durch den Übersetzer? Wirken nicht die Charaktere im Plot häufig anders, wenn sie einen unbeholfenen Umgang mit den deutschen Höflichkeitsnormen aufweisen? Welche Wirkung hat die Verwendung des Du oder Sie in situationsspezifischen Dialogen auf den Leser/ für den Plot?

Da mich diese Fragen zu interessieren begannen, habe ich beschlossen, meine Magisterarbeit darüber zuschreiben. Dabei wurde mir deutlich, dass eine adäquate Bearbeitung Methoden aus Soziolinguistik (Anredepronomen), Textlinguistik (Diskursanalyse) und Literaturwissenschaft (Struktur- und Wirkungsveränderung innerhalb der Werke) erfordert und insofern in hohem Maße interdisziplinär angelegt sein muss. Dennoch sehe ich nur in dieser Weise eine der Problematik angemessene Herangehensmöglichkeit.

Erst durch Betrachtung der Historie, durch Bestimmung der gesellschaftlichen Anrede- und Übersetzungsnormen, durch Analyse der in der Literatur vorkommenden Situationen und der dort verwendeten Anredeformen kann auf die eventuell entstandenen Veränderungen eingegangen werden.

Ziel dieser Arbeit ist anhand der dargelegten Analysen und Beispielen aus ausgewählten literarischen Werken einen normativen Weg zur Übersetzung linguistisch ambivalenter Textstellen im Bereich der Anrede zu finden.

Gang der Untersuchung:

Zu Beginn wird eine kurze historische Darstellung der Entwicklung der Anredepronomina im Englischen und Deutschen gegeben, welche fürderhin mit der heutigen Situation kontrastiert wird.

Daraus ergeben sich Schemata für die gebräuchlichen Anredenormen und situativen Bräuche. Dafür werden verschiedene Werke aus Sozio- und Psycholinguistik konsultiert sowie Umgangsformen- und Fremdsprachenlehrwerke beider Sprachen aus der heutigen Zeit.

Ziel dieses Vorgehens ist es Kriterien herauszuarbeiten, die den jeweiligen Gebrauch der Anredepronomen einleiten, erfordern oder möglich machen und deren Bedeutung zu untersuchen. Anhand dieser Kriterien und diskursanalytischer Unterteilungen wird dann auf Textstellen ausgewählter literarischer Werke eingegangen: Lolita (Nabokov), Disgrace (Coetzee), The Human Stain (Roth), The Weight of Water (Shreve).

Die Charaktere werden vorgestellt sowie (in schematischer Form) ihr Verhältnis zueinander. Hierauf werden für das Thema der Arbeit relevante Stellen herausgearbeitet und beschrieben sowie die Originalversion mit der deutschen Übersetzung verglichen.

Nach einer "normativ-neutralen" Betrachtung in der Originalsprache werden die nämlichen Segmente in der Übersetzung eingeteilt und kategorisiert, um dadurch zu ihren sprachlichen Unterschieden und somit dem damit einhergehenden Bedeutungswandel zu gelangen.

Als Fazit wird anhand der dargestellten Kategorien und Untersuchungen eine Methode vorgeschlagen, semantische Kohärenz in interkulturellen Übersetzungen bezüglich der Anredepronomina zu erlangen.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINFÜHRUNG 5
2. DIE BEDEUTUNG, LEISTUNG UND FUNKTION VON ANREDEPRONOMINA 7
2.1 GESCHICHTE DER DEUTSCHEN ANREDEPRONOMINA AB DEM 18. JAHRHUNDERT 13
2.2 GESCHICHTE DER ENGLISCHEN ANREDEPRONOMINA BIS 1800 16
2.3 KONTRASTIVE DARSTELLUNG DER GEGENWARTSNORMEN ENGLISCH - DEUTSCH 20
3. ANREDEFORMEN IN LITERARISCHEN TEXTEN 27
3.1 BEDEUTUNG VON FIGURENREDE IN LITERARISCHEN TEXTEN 29
3.2 DIE BEDEUTUNG VON ANREDEFORMEN IN FIGURENREDE 32
3.3 ASPEKTE UND PROBLEME BEIM ÜBERSETZUNGSPROZESS 36
4. ANALYSEKRITERIEN ZUR BETRACHTUNG DER WERKE 39
5. AUSWAHLKRITERIEN UND ÄUßERE DARSTELLUNG DER VERWENDETEN WERKE 42
5.1 LOLITA (NABOKOV) 44
5.1.1 DIE HANDLUNG 45
5.1.2 DIE BEZIEHUNGEN DER CHARAKTERE 46
5.1.3 DIE RELEVANTEN SITUATIONEN 49
5.1.4 SPRACHKONTRASTIVE INTERPRETATION DER SITUATIONEN 53
5.2 DISGRACE (COETZEE) 58
5.2.1 DIE HANDLUNG 58
5.2.2 DIE BEZIEHUNGEN DER CHARAKTERE 59
5.2.3 DIE RELEVANTEN SITUATIONEN 63
5.2.4 SPRACHKONTRASTIVE INTERPRETATION DER SITUATIONEN 66
5.3 THE HUMAN STAIN (ROTH) 72
5.3.1 DIE HANDLUNG 73
5.3.2 DIE BEZIEHUNG DER CHARAKTERE 74
5.3.3 DIE RELEVANTEN SITUATIONEN 76
5.3.4 KONTRASTIVE INTERPRETATION IN BEIDEN SPRACHEN 79
5.4 THE WEIGHT OF WATER (SHREVE) 83
5.4.1 DIE HANDLUNG 83
5.4.2 DIE BEZIEHUNG DER CHARAKTERE 84
5.4.3 DIE RELEVANTEN SITUATIONEN 87
5.4.4 SPRACHKONTRASTIVE INTERPRETATION DER BEIDEN SPRACHEN 89
6. FAZIT 93
LITERATURVERZEICHNIS 97
PRIMÄRLITERATUR 97
SEKUNDÄRLITERATUR 97
AUFSÄTZE 100

Automatisiert erstellter Textauszug:

notwendigerweise bei der Wahrheit bleibt. „’So what do you do’? ‘Export Import’ he says.” (S.8, neue Prostituierte im Gespräch mit Lurie). Bei Melanie sind die Verhältnisse deutlich, ihr ist die Asymmetrie ihres Verhältnisses von Anfang an bewusst „’Are you worried about the two of us?’. ‚May be’ she says.”. (S.19, Gespräch Lurie, Melanie) Sie verhält sich durchweg passiv, fast unterwürfig „Though she is passive throughout, he finds the act pleasurable“ (S.19 Lurie), lässt sich von ihm verführen, benutzen. Sie ist zurückhaltend und gibt nichts von sich preis. Dennoch ist sie sich ihrer emotionalen Machtposition bewusst und verwendet diese nun gegen Lurie, indem sie ohne Erklärung bei ihm einzieht. Das Blatt wendet sich im zweiten Teil des Buches, wenn Lurie bei seiner Tochter wohnt, und nun, enthoben von Amt und Ehre, sich als Bauer, Marktverkäufer und ehrenamtlicher Tierarzthelfer seinen Lebensinhalt schafft. Seine nächste Affäre ist ihm, im Rahmen der Situation betrachtet, ebenbürtig: Äußerlich unattraktiv, fast entstellt, so wie er nach dem Überfall, beschmutzt von Tierkot und Blut und vom Lebensstandard und der gesellschaftlichen Annerkennung nicht mehr höher als er selbst. [...]

ihrerseits zum einen angetan von dieser Aufmerksamkeit, zum anderen hält sie sich bedeckt. „She is behaving badly, getting away with too much; she is learning to exploit him and will probably exploit him further. But if she has got away with much, he has got away with more. if she is behaving badly, he has behaved worse. To the extent that they are together […] he is the one who leads, she is the one who follows.” (S.28 ) Diese Beziehungsstruktur wird aber bald revidiert. Als sie ihn der sexuellen Belästigung anklagt, merkt er schnell, dass er keine Macht mehr hat. Dazu kommt der junge Mann, Ryan, welcher mit Melanie liiert zu sein scheint. Er bedroht Lurie, warnt ihn, indem er seinem Auto Schaden zufügt, und ist vermutlich einer der Initiatoren der Anklage. Lurie gibt sich geschlagen und verlässt Kapstadt. [...]

Zimmers „an affection has grown up in him for her“ (S.2 Lurie). Von Seiten Sorayas ist Vertrautheit oder emotionales Interesse an einer tieferen Bindung nicht vorhanden „Of her life outside Windsor Mansions Soraya reveals nothing.“ (S.3). Des weiteren ist der Vorname der Prostituierten nur ein Pseudonym, womit ihre Identität verschlossen bleibt. Das Verhältnis ist also eindeutig asymmetrisch. Auf beruflicher Ebene gestattet sie ihm Zugang zu ihrem Körper, wofür er bezahlt. Nachdem er sie jedoch in ihrem privaten Umfeld entdeckt, mit zwei Kindern an der Hand, distanziert sie sich merklich von ihm, bis sie ihm eines Tages jeglichen Kontakt verweigert „I don’t know who you are. You are harrassing me in my own house. I demand you will never phone me here again, never“. (S.10, Soraya) Lurie muss sich somit erneut auf die Suche nach einer Frau begeben, welche bereit ist, sich seinen sexuellen Gelüsten zu stellen. Er gerät an eine attraktive Studentin aus einer seiner Vorlesungen und bereitet den Grund für eine eventuelle Affäre “Can I invite you for a drink” (S.12) / ”Will you join me (for supper), come on, say yes” (S.13) / “You’re very lovely. I’m going to invite you to do something very reckless. Stay, spend the night with me!” (S.16). Die Studentin, der Situation wohl bewusst, verhält sich zurückhaltend „I must leave, I’m expected“ (S.16 Melanie). Er insistiert jedoch weiter und hat kurzer Zeit später sein Ziel erreicht. Die Affäre beruht jedoch erneut auf einem sexuellen und emotionalen Verlangen seinerseits, welches von ihr nicht erwidert wird. Sie ist zurückhaltend, fast ablehnend und versucht sich von ihm zu [...]

Arbeit zitieren:
Strobl, Franziska November 2004: Kulturelle Norm und semantischer Wandel, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Übersetzen, Linguistik, Sprache, Anredeformen, Literatur

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