Kultur- und Transformationsforschung über Ost-West-Differenzen und innere Einheit in Deutschland
Eine metatheoretische Betrachtung
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Birk Töpfer
- Abgabedatum: April 2005
- Umfang: 113 Seiten
- Dateigröße: 1,1 MB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Universität Leipzig Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9428-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9428-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9428-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Töpfer, Birk April 2005: Kultur- und Transformationsforschung über Ost-West-Differenzen und innere Einheit in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: politische Kultur, Identität, ostdeutsch, Wiedervereinigung
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Magisterarbeit von Birk Töpfer
Einleitung:
Vierzehn Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung scheinen die Deutschen in Ost und West von der so genannten „Inneren Einheit“ weiter entfernt zu sein als je zuvor. Insbesondere nationale Reformprojekte, die mit Einschnitten im Sozialsystem verbunden sind, machen dies immer wieder deutlich.
Die Transformationsforschung und die politische Kulturforschung hat im Laufe dieser eineinhalb Jahrzehnte eine Vielzahl von Erklärungsansätzen geliefert, die im einzelnen keine zufriedenstellende Erklärung des Problems liefern können und sich zum Teil sogar diametral gegenüberstehen, einander widersprechen oder gar das Problem der inneren Einheit als solches in Frage stellen. Obwohl die empirischen Befunde über das Transformations- und Einheitsprojekt im Prinzip recht eindeutig sind, wird die deutsche Einheit unterschiedlich bilanziert.
Jede Vereinigungsbilanz in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft bringt auch eine spezifische Position zum Stand der inneren Einheit hervor. Die Positionen verteilen sich dabei, je nach Blickwinkel des Betrachters, über ein weites Spektrum. Angefangen beim Standpunkt einer gelungenen Einheit, die auf dem richtigen Weg ist, bei der Wert- und Einstellungsdifferenzen zwischen den Deutschen im Osten und Westen des Landes als marginal bezeichnet werden und kaum über andere regionale Differenzen hinaus gehen, über die Position einer kulturellen Differenzierung über eine ostdeutsche Sonderidentität, die eine Normalisierung und Bereicherung der politischen Kultur der Bundesrepublik darstellt, bis hin zur Bilanz, dass fundamentale Wertunterschiede und eine Abgrenzungsidentität auf Seiten der Ostdeutschen ein hohes anomisches Potential besitzen, die die demokratische politische Kultur Deutschlands gefährden.
Es stellen sich folgende zentrale Fragen, die sehr unterschiedlich beantwortet werden: Wie verschieden sind, denken und handeln die Menschen in Ost und West? Wie notwendig ist eine Angleichung? Mit welchen Begriffen sind die Unterschiede zu fassen und wie wirkungsmächtig sind diese? Doch worin sind diese inkohärenten Urteile begründet, die als Antworten auf die gleichen Fragen mit der gleichen empirischen Datenbasis angeboten werden?
Ein Grund dafür stellt die mehrfach kritisierte mangelnde theoretische Fundierung der sozialwissenschaftlichen Analysen dar. Eine verbindliche Theorie liegt weder für die Transformation in Ost- und Mitteleuropa vor, noch für den spezifischen deutsch-deutschen Transformationsfall, weshalb Erfolg und Misserfolg beider Fälle nicht genau definiert werden können. Hinzu kommt, dass sich einzelne wirtschaftliche, soziale und kulturelle Tendenzen der Vereinigung überlagern und zum Teil widersprechen. Deshalb können sie nicht eindeutig klassifizieren werden. Solche unterschiedlichen Urteile wären in einem pluralen Wissenschaftsbetrieb kein Problem. Sie treten jedoch auch auf gesellschaftlicher und politischer Ebene dort auf, wo sie auffällig mit dem jeweiligen Standort des Urteilenden und dessen wahltaktischen Kalkülen korrelieren. Deshalb ist ein konzeptioneller und praktischer Bewertungsmaßstab mit nachvollziehbaren Indikatoren gefordert. Dazu gibt es allerdings weder eine gesamtdeutsche noch eine internationale Einigung in den Sozialwissenschaften und darüber hinaus.
Nach einem immensen Forschungsboom bis Mitte der neunziger Jahre, der eine große Anzahl empirischer Forschungen und einige tausend Publikationen zum Thema der postsozialistischen Transformation und der deutschen Einheit hervorgebracht hat, ist in den letzten Jahren die sozialwissenschaftliche Forschung und Theorienbildung zu diesen Themen nahezu zum Erliegen gekommen, obwohl – wie einige Wissenschaftler anmerken – noch immer weiterer Forschungsbedarf besteht und man nicht von einem wissenschaftlichen Konsens über Bilanz und Perspektiven von Transformation und Einheit auf Grund erschöpfender empirischer Datenbasis und theoretischer Fundierung sprechen kann.
In dieser Arbeit wird der Versuch unternommen, einen Überblick über die Forschungen zur deutschen Einheit und postsozialistischen Transformation in Ostdeutschland in ihrem historischen Verlauf und ihren theoretischen Debatten zu skizzieren. Wegen der großen Zahl von Forschungsarbeiten und Publikationen zu diesem Themenkomplex muss eine erschöpfende Darstellung ausgeschlossen und eine Fokussierung auf die politikwissenschaftliche Forschung, insbesondere auf die politische Kulturforschung sowie die Soziologie, vorgenommen werden. Eine weitere Spezifizierung findet die Arbeit in der Konzentration auf die Erforschung und die theoretische Debatte zur sozialen und kulturellen Einheit Deutschlands. Für diese Studie wurden Veröffentlichungen zum Thema innere Einheit respektive den damit zusammenhängenden Begrifflichkeiten wie (ostdeutsche) Sondermentalität oder (kollektive) Identität untersucht, um eine theoretische Spurensuche nach sozialwissenschaftlich operationalisierbaren Begriffen zu unternehmen, auf deren Grundlage eine Einschätzung von Stand und Perspektiven der Einheit Deutschlands erst ermöglicht wird. Zusätzlich wurden multidisziplinäre Ansätze in den Blick genommen und herausgearbeitet, inwieweit diese ein höheres Erklärungspotential besitzen als unidisziplinäre Zugänge.
Ziele dieser Arbeit sind, den Stand der Forschung und die theoretische Debatte zur inneren Einigung Deutschlands zu reflektieren und zu klären, inwieweit die inzwischen weitgehend marginalen sozialwissenschaftlichen Bemühungen um diesen Untersuchungsgegenstand gerechtfertigt werden können, wo Bedarf nach weitergehender Forschung besteht und an welchen theoretisch-methodischen Modellen diese anknüpfen sollten.
Gang der Untersuchung:
Im Einzelnen werden dafür zunächst die Ostdeutschlandforschung in ihrer Entwicklung seit 1989/90 und die dabei zu Grunde gelegten theoretisch-methodischen Fundierungen sowie Bilanzen des Einigungsprozesses resümiert. (Kap. 1) Im Anschluss werden die theoretischen Konzepte der Transformationsforschung und die Aufspaltungen in die verschiednen Theorieschulen vorgestellt. Dieser Darstellung wird eine kritische Beleuchtung der Modelle und Konzepte und ihre jeweils spezifischen Vereinigungsbilanzen gegenübergestellt (Kap. 2).
Das dritte Kapitel widmet sich dem Begriff der „Inneren Einheit“ und den entsprechenden Positionen der Forschung. Für die Einschätzungen zum Status quo der inneren Einheit in Deutschland sind im Wesentlichen drei Modellannahmen bestimmend, die – der einschlägigen Literatur zum Thema folgend – zusammenfassend als Sozialisationsthese, Situationsthese und Kompensationsthese bezeichnet werden. Alle drei werden hier kurz vorgestellt. Vor dem Hintergrund der Zuordnung der Positionen der Forschung zur jeweiligen methodischen Konzeption soll eine Zwischenbilanz zum Stand der inneren Einheit versucht werden. Dabei wird der folgenden These nachgegangen: Das Problem der kulturellen und sozialen Einheit Deutschlands wird durch die Beobachtung der Herausbildung eigenständiger'Wir'-Gruppen besser erfasst als mit dem Begriff der „Inneren Einheit“ oder dem bloßen Instrumentarium der politischen Kulturforschung über die Untersuchung von Wert- und Einstellungsdifferenzen (Kap. 3).
Um die Bedingungen der Möglichkeit dieser „Wir“-Gruppen untersuchen zu können, werden die Ergebnisse der politischen Kulturforschung interdisziplinär betrachtet. Eingang finden besonders historische und sozialpsychologische Ansätze der kulturellen respektive sozialen Identität. In dieser Weise wird versucht einen operationalisierbareren Begriff zu finden und damit dem Umstand Rechnung getragen, dass der Identitätsbegriff auf Grund seiner semantischen Breite vielfach als diskreditiert gilt. Verschiedene Forschungsansätze, bei denen der Identitätsbegriff bereits Eingang gefunden hat, werden aufgegriffen und auf ihr Potential zur Erklärung ostdeutscher Wir-Gruppen-Identifikation untersucht (Kap. 4).
Die gesamte Darstellung soll schließlich eine Einschätzung ermöglichen inwieweit die inzwischen weitgehend marginalen Forschungsanstrengungen zur Vereinigung in Deutschland als gerechtfertigt gelten können oder ob weiterer Forschungsbedarf besteht und an welche Konzepte dieser anknüpfen sollte.
Inhaltsverzeichnis:
| Danksagung | 2 | |
| Einleitung | 5 | |
| 1. | DIE OSTDEUTSCHLANDFORSCHUNG | 8 |
| 1.1 | Historischer Verlauf | 9 |
| 1.2 | Die Entwicklung der theoretisch-methodischen Konzepte | 13 |
| 1.3 | Bilanzen der deutschen Einheit | 18 |
| 2. | BEGRIFFSKLÄRUNG UND THEORETISCHE ZUGÄNGE | 20 |
| 2.1 | Transformationsforschung | 20 |
| 2.2 | Transformationstheorie | 25 |
| 2.3 | Theoretische Konzepte der Transformationsforschung | 27 |
| 2.3.2 | Systemtheoretische Konzepte | 29 |
| 2.3.2.1 | Kritische Anmerkungen | 30 |
| 2.3.2.2 | Vereinigungsbilanzen | 31 |
| 2.3.2.3 | Validität | 31 |
| 2.3.3 | Modernisierungstheoretische Konzepte | 32 |
| 2.3.3.1 | Kritische Anmerkungen | 35 |
| 2.3.3.2 | Vereinigungsbilanzen | 37 |
| 2.3.3.3 | Validität | 40 |
| 2.3.4 | Akteur. und institutionentheoretische Konzepte | 41 |
| 2.3.4.1 | Kritische Anmerkungen | 43 |
| 2.3.4.2 | Vereinigungsbilanzen | 43 |
| 2.3.4.3 | Validität | 47 |
| 2.3.5 | Handlungstheoretische Konzepte | 48 |
| 2.3.5.1 | Kritische Anmerkungen | 50 |
| 2.3.5.2 | Vereinigungsbilanzen | 50 |
| 2.3.5.3 | Validität | 51 |
| 2.4 | Zwischenbilanz zu Transformationstheorie und –forschung | 51 |
| 3. | INNERE EINHEIT | 53 |
| 3.1 | „Innere Einheit“ – Begriffsklärung | 53 |
| 3.2 | Positionen der Forschung | 55 |
| 3.2.1 | Die vollzogene innere Einheit | 57 |
| 3.2.2 | Kulturelle Differenz als Chance | 60 |
| 3.2.2.1 | Wurzeln der politisch kulturellen Differenz | 63 |
| 3.2.2.2 | Zwei politische Kulturen der Einheit? | 65 |
| 3.2.3 | Ostdeutsche Teilgesellschaft als Entwicklungsblockade | 69 |
| 3.2.4 | Ostdeutsche als postfordistische Avantgarde | 71 |
| 3.3 | Gründe für die Ost-West-Differenzierungen | 73 |
| 3.3.1 | Sozialisationsthese | 74 |
| 3.3.2 | Situationsthese | 76 |
| 3.3.3 | Kompensationsthese | 78 |
| 3.4 | Zwischenbilanz zu innerer Einheit | 78 |
| 4. | OSTDEUTSCHE IDENTITÄT | 80 |
| 4.1 | Personale Identität | 82 |
| 4.2 | Kollektive und kulturelle Identität | 84 |
| 4.3 | Gedächtnis und kulturelle Erinnerung | 86 |
| 4.3.1 | Gedächtnis | 86 |
| 4.3.2 | Erinnerung | 88 |
| 4.3.3 | Geteilte kollektive Erinnerung der Deutschen | 90 |
| 4.4 | Soziale Identität | 93 |
| 4.4.1 | Ostdeutsche soziale Identität | 94 |
| 4.4.2 | Ost-Nostalgie | 98 |
| 4.5 | Bilanz: Ostdeutsche Identität – ein multidimensionales Phänomen | 100 |
| 5. | SCHLUSSBETRACHTUNGEN | 103 |
| Literaturverzeichnis | 105 | |
| Verzeichnis der Sammelbände | 112 |
3.2.1 Die vollzogene innere Einheit Das Konzept der inneren Einheit wird meist dann bemüht, wenn Mentalitäten und fundamentale Wert-, Ordnungs- und/oder Gerechtigkeitsvorstellungen verglichen und spezifische Identifikationen daraus abgeleitet werden. Die bereits erwähnte mangelnde theoretische Einbettung des Konzepts ist vielfach kritisiert worden.177 So umfassen die Forschungsansätze zur inneren Einheit, „tendenziell alle Lebensfelder und Ebenen menschlicher Existenz, Politik, Gesellschaft, Psyche und Wirtschaft“.178 Veen kritisierte den Vorschlag Max Kaases, auf Grundlage repräsentativer Bevölkerungsumfragen die beiden deutschen Bevölkerungen zu vergleichen, indem die zu verschiedenen Zeitpunkten ermittelten Veränderungen der Ähnlichkeiten und Unterschiede in Mentalitäten und politischen Orientierungen untersucht werden,179 da der prozessuale Charakter dieses Ansatzes der Forschung ein geradezu beliebig weites Feld eröffne. So weit soll der Kritik gefolgt werden. Dies tat auch Max Kaase, der zu bedenken gibt, dass innere Einheit „in erster Linie ein politischer und nicht ein sozialwissenschaftlich fundierter Begriff“180 ist. Wegen der normativen Ambivalenzen will er nicht weiter die Zustimmungswerte zur staatlichdemokratischen Ordnung der Bundesrepublik zum Kriterium der inneren Einheit machen, sondern zielt verstärkt auf die Selbst- und Fremdwahrnehmungen.181 Den Mentalitäten und Einstellungen vergleichenden Forschungen, die Unterschiede herausstreichen und so innere Einheit in Frage stellen, unterstellt Veen, allesamt in bedenklich unreflektierter Art und Weise einem antipluralistischen Gemeinschaftsmythos das Wort zu reden. Da es in Deutschland immer regional verschiedene identitätsbezogene Orientierungen gegeben hat, die nie die politisch-demokratische Identität gefährdet haben, zieht Veen für der Frage der inneren Einheit eine positive Bilanz. Den größten Erklärungswert gesteht der Autor noch den Ansätzen der politischen Kulturforschung zu. Die Fragen nach Akzeptanz der und subjektiven Zustimmungswerten zur Demokratie und ihren Basisinstitutionen, nach politischen Wertorientierungen und der Akzeptanz sozialer Ungleichheit berühren oft auch objektive Einschätzungen der Systemperformanz und -stabilität. Indessen ist auch dabei zu beachten, dass die „komplexe Mehrebenenstruktur moderner demokratischer Gesellschaften keine einfachen Rückschlüsse von individuellen Einstellungen auf die Persistenz politischer [...]
Frageformulierungen abhängen und dadurch einer größeren Schwankungsbreite zwischen den verschiedenen Erhebungen unterliegen. Es hat jedoch eine große Zahl von Erhebungen gegeben, von denen die Mehrzahl signifikant in die hier dargestellte Richtung einer Regionalspezifik weisen.169 Andere Forscher sehen die Differenzen weniger in den Wertunterschieden, sondern untersuchen die verschiedenen Vorurteile in den Selbst- und Fremdzuschreibungen170 beider deutscher Teilgruppen und kommen so zu Ergebnissen, wie der Herausbildung einer ostdeutschen Teilkultur171 oder einer Abgrenzungsidentität.172 Bei der Interpretation der Daten spielen die theoretischen Voraussetzungen und Modellannahmen eine besondere Rolle, weil damit forschungsleitende methodische Herangehensweisen verbunden sind, die zu unterschiedlichen Einschätzungen führen. Die Fragestellungen, die auf die Erforschung der inneren Einheit abzielen, sind äußerst vielfältig, ebenso wie die daraus resultierenden Bilanzen. Auf vier wesentliche Richtungen soll im Folgenden eingegangen werden. Das Spektrum erstreckt sich von einem bereits hergestellten Zustand innerer Einheit, in seiner legitimerweise möglichen Bedeutung, nämlich gesteigerte Vielfalt,173 über kulturelle Differenz als Chance für das vereinigte Deutschland174 bis hin zum Postulat der Herausbildung einer ostdeutschen Teil-Gesellschaft mit eigenen Strukturmerkmalen, die eine weitere wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung blockiert175 oder als „Transfergesellschaft“ zur Avantgarde des Experiments einer Gesellschaft nach der Arbeitsgesellschaft wird.176 [...]
In der Sozialforschung läuft die Erforschung der inneren Einheit im Prinzip auf einen Vergleich der Menschen in Ost- und Westdeutschland mit ihren Mentalitäten, Lebensweisen, politischen Orientierungen und zunehmenden Selbst- und Fremdkategorisierungen sowie dem zeitlichen Verlauf dieser Werte hinaus.166 Das führt nicht selten zum Hervorheben der Unterschiede und damit zu einer ex-negativo-Definition von innerer Einheit mittels der Wendung von der „Mauer in den Köpfen“,167 weil die konstatierten Unterschiede häufig als Mangel an Einheit interpretiert werden. Am häufigsten zielen die Untersuchungen dabei auf Unterschiede in der Wertschätzung von Gleichheit, auf die Gerechtigkeitsvorstellungen und die damit jeweils präferierten Demokratiemodelle ab, womit die „klassischen“ Felder der politischen Kulturforschung markiert sind. Die Umfrageforscher haben bei den Ostdeutschen eine höhere Wertschätzung der Gleichheit vor der Freiheit festgestellt, somit werden die Demokratievorstellungen eines „demokratischen Sozialismus“ oder „dritten Weges“ von den Bürgern im Osten eher befürwortet, als das bundesrepublikanische Modell der liberalen Demokratie. Ebenso bevorzugt man im Osten eher eine versorgungsbezogene Gerechtigkeitsvorstellung gegenüber der leistungsbezogenen Verteilungsgerechtigkeit, die in Westdeutschland häufiger beobachtet wird. Unterschiede wurden auch bei den Werten der politischen Mitbestimmung und der Erziehungsideale gemessen. Bei diesen sind inzwischen keine nennenswerten Differenzen mehr feststellbar, die es bezüglich der Religiosität noch gibt, da die Säkularisierung der DDR-Gesellschaft durch das damalige Regime ganze Wirkung gezeigt hat.168 Hierzu muss kritisch angemerkt werden, dass es sich hierbei meist um Ergebnisse [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832494285
Arbeit zitieren:
Töpfer, Birk April 2005: Kultur- und Transformationsforschung über Ost-West-Differenzen und innere Einheit in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
politische Kultur, Identität, ostdeutsch, Wiedervereinigung



