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Kritische Beurteilung ausgewählter Methoden zur Messung, Bewertung und Steuerung von Liquiditätsrisiken in Banken

Kritische Beurteilung ausgewählter Methoden zur Messung, Bewertung und Steuerung von Liquiditätsrisiken in Banken
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Stefanie Goder
  • Abgabedatum: Oktober 2006
  • Umfang: 94 Seiten
  • Dateigröße: 522,0 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Paderborn Deutschland
  • Bibliografie: ca. 76
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0620-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8366-0620-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0620-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Goder, Stefanie Oktober 2006: Kritische Beurteilung ausgewählter Methoden zur Messung, Bewertung und Steuerung von Liquiditätsrisiken in Banken, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Risikomanagement, Kreditinstitut, Liquidität, Finanzwirtschaft, Banken

Diplomarbeit von Stefanie Goder

Einleitung:

Liquidität, Rentabilität und Sicherheit stellen die finanzwirtschaftlichen Ziele von Kreditinstituten dar. Die Liquidität kann dabei als unabdingbare Nebenbedingung für das unternehmerische Handeln angesehen werden, weil die Aufrechterhaltung der jederzeitigen Zahlungsfähigkeit die Voraussetzung für die Erwirtschaftung von Gewinnen verkörpert. Da bei Nichterfüllung von fälligen Zahlungsverpflichtungen unmittelbar die Existenz des Kreditinstitutes bedroht ist, scheint es sinnvoll zu sein, das Liquiditätsrisiko innerhalb des Risikomanagements eines Kreditinstitutes zu betrachten und geeignete Maßnahmen zu finden, dieses Risiko minimieren. Allerdings spielte das Liquiditätsrisikomanagement in der Vergangenheit eine eher untergeordnete Rolle im Risikomanagement von Banken. Zurückführen lässt sich dieses u. a. auf die These: „Die Liquidität folgt der Bonität“. Es wurde davon ausgegangen, dass jedes Kreditinstitut mit entsprechender Bonität bei einem Liquiditätsengpass am Kapitalmarkt die notwendigen Mittel beschaffen kann. Mit Hilfe dieser These wurde in der Vergangenheit gegen die explizite Messung, Bewertung und Steuerung von Liquiditätsrisiken argumentiert. Die These kann jedoch aufgrund von aktueller Entwicklungen nicht weiter aufrecht gehalten werden. Es führen beispielsweise der Strukturwandel an den internationalen Finanz- und Kapitalmärkten sowie der Strukturwandel in der Art der Finanzierungsquellen zu erhöhten Liquiditätsrisiken und damit auch zu erhöhten Liquiditätskosten, so dass die Betrachtung des Liquiditätsrisikos für die Kreditinstitute an Bedeutung gewinnt. Auch aufsichtsrechtlich wird zukünftig durch die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) eine Betrachtung aller wesentlichen Risiken – somit auch die Betrachtung des Liquiditätsrisikos – gefordert. Die MaRisk fokussieren dabei insbesondere eine qualitative Betrachtung der Risiken und fordern „angemessene Systeme für die Messung, Überwachung und Kontrolle“ derselben. In der Literatur wird aber darauf hingewiesen, dass anerkannte Methoden und Konzepte im Liquiditätsrisikomanagement fehlen. Diese Problemstellung wird in den folgenden Ausführungen aufgegriffen.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Methoden im Liquiditätsrisikomanagement vorzustellen und zu beurteilen. Es werden dabei neben den traditionellen auch die innovativen – neu entwickelten – Methoden zur Liquiditätsrisikomessung vorgestellt und kritisch begutachtet. Zudem werden die Methoden und Instrumente zur Bewertung und Steuerung von Liquiditätsrisiken in Banken erläutert und ebenfalls bewertet.

Gang der Untersuchung:

Die Vorgehensweise wird im Folgenden dargestellt: Im Anschluss an diese Einleitung werden im zweiten Kapitel grundlegende theoretische Abgrenzungen und Definitionen bereitgestellt und die aktuelle Bedeutung des Themas aufgezeigt. Deshalb werden zu Beginn wichtige Begriffe – die für die weiterführenden Ausführungen von zentraler Bedeutung sind – definiert und erläutert. Ferner werden die Entwicklungen im Liquiditätsrisikomanagement aufgezeigt, indem neben den traditionellen Liquiditätstheorien und den aktuellen Anforderungen im Bereich Liquiditätsmanagement die gegenwärtig gestiegene Bedeutung des Liquiditätsmanagements aufgezeigt wird.

Im dritten Kapitel werden die aufsichtsrechtlichen Anforderungen und gesetzlichen Bestimmungen im Liquiditätsmanagement von Banken mit dem Ziel dargestellt, einen Überblick über die derzeitigen Regelungen zu geben und auf aktuelle Veränderungen – z. B. die Einführung der MaRisk – hinzuweisen.

Den Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit bildet Kapitel vier. In diesem werden die Methoden zur Messung, Bewertung und Steuerung von Liquiditätsrisiken untersucht. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Methoden zur Messung von Liquiditätsrisiken. Hier hat aufgrund der neuen qualitativen Anforderungen durch die MaRisk, eine starke Weiterentwicklung stattgefunden, indem z. B. neue Methoden zur Messung von Liquiditätsrisiken entwickelt wurden. Die Vorgehensweise zeichnet sich im ersten Teil des vierten Kapitels dadurch aus, dass zuerst – insbesondere auf Grundlage der Ansprüche der MaRisk – Anforderungen an die Methoden der Liquiditätsrisikomessung formuliert werden und auf die Risikomaße eingegangen wird. Im Anschluss daran werden Methoden zur Messung von Liquiditätsrisiken vorgestellt und kritisch auf Basis der formulierten Anforderungen beurteilt. Der zweite Teil beschäftigt sich im Anschluss mit der Bewertung von Liquiditätsrisiken. Die zentrale Frage lautet hier: Mit welchen Methoden kann das Ergebnis der Risikomessung bewertet werden, um Handlungsempfehlungen für angemessene Steuerungsmaßnahmen ableiten zu können? Nach Darstellung dieser Methoden liegt der Fokus auf den Steuerungsmaßnahmen. Es erfolgt eine Vorstellung der verschiedenen Steuerungsalternativen und eine Beurteilung im Hinblick auf deren Eignung zur Beeinflussung von Liquiditätsrisiken.

Das Kapitel fünf gibt einen Einblick in die Praxis, indem verschiedene empirische Datenquellen kombiniert werden. Anhand öffentlicher Quellen, wie z. B. dem Risikobericht in Geschäftsberichten, nimmt sich diese Kapitel vor, eine Antwort auf die Frage zu liefern, welche der vorgestellten Methoden in der Praxis des Liquiditätsrisikomanagements Relevanz besitzen.

Die Arbeit schließt im Kapitel sechs mit einem Fazit ab, in dem die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst werden und ein kurzer Ausblick gegeben wird.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis V
1. Einleitung 1
2. Grundlagen 4
2.1 Begriffsabgrenzungen 4
2.1.1 Risiko und Liquidität 4
2.1.2 Liquiditätsrisiken in Banken 7
2.1.3 Liquiditätsrisikomanagement im Kontext des Risikophasenmodells 13
2.2 Entwicklungen im Liquiditätsmanagement von Banken 16
3 Aufsichtsrechtliche Anforderungen und gesetzliche Bestimmungen 20
3.1 Quantitative Anforderungen 20
3.2 Qualitative Anforderungen 24
4. Methoden im Liquiditätsrisikomanagement von Banken 29
4.1 Messung von Liquiditätsrisiken 29
4.1.1 Anforderungen an die Methoden 30
4.1.2 Risikomaße 31
4.1.3 Methoden zur Messung von Liquiditätsrisiken 34
4.1.3.1 Liquiditätskoeffizienten des Grundsatzes II 35
4.1.3.2 Risikostrukturkennzahlen 35
4.1.3.3 Liquiditätsablaufbilanz 37
4.1.3.4 Liquidity at Risk Konzept 39
4.1.3.5 Money at Risk Konzept 44
4.1.4 Beurteilung der Methoden zur Messung von Liquiditätsrisiken 47
4.1.4.1 Liquiditätskoeffizienten des Grundsatzes II 47
4.1.4.2 Risikostrukturkennzahlen 48
4.1.4.3 Liquiditätsablaufbilanz 49
4.1.4.4 Liquidity-at-Risk-Konzept 51
4.1.4.5 Money at Risk Konzept 53
4.1.5 Zusammenfassende Beurteilung 54
4.2 Bewertung von Liquiditätsrisiken 55
4.3 Steuerung von Liquiditätsrisiken 60
4.3.1 Methoden zur Steuerung von Liquiditätsrisiken 60
4.3.1.1 Aktive Steuerungsmaßnahmen und deren Instrumente 61
4.3.1.2 Passive Steuerungsmaßnahmen und deren Instrumente 63
4.3.2 Beurteilung der Methoden zur Steuerung von Liquiditätsrisiken 65
5. Liquiditätsrisikomanagement in der Praxis 69
6. Fazit 72
Anhang 75
Literaturverzeichnis 82

Textprobe:

Kapitel 4, Methoden im Liquiditätsrisikomanagement von Banken:

Zahlreiche Autoren weisen in der aktuellen Literatur auf fehlende anerkannte Methoden und Konzepte zur Messung, Bewertung und Steuerung von Liquiditätsrisiken hin. Daher ist es das Ziel dieses Kapitels, die Methoden im Liquiditätsrisikomanagement von Banken vorzustellen und kritisch im Bezug auf ihre Möglichkeiten und Grenzen zu betrachten. Im ersten Teil erfolgen Ausführungen zur Messung von Liquiditätsrisiken. Der zweite Teil dieses Kapitels behandelt anschließend die Bewer-tung von Liquiditätsrisiken, bevor im dritten Teil die Steuerung von Liquiditätsrisiken im Fokus steht.

Kapitel 4.1, Messung von Liquiditätsrisiken:

Die Intention dieses Abschnitts ist es, die Methoden zur Messung von Liquiditätsrisiken vorzustellen und zu beurteilen. Einleitend werden die Hauptziele der Liquiditätsrisikomessung beschrieben. Anschließend werden Anforderungen an die Methoden der Liquiditätsrisikomessung formuliert und Erläuterungen zu der Auswahl des Risikomaßes gemacht. Weiterhin wird eine Auswahl an Methoden zur Messung von Liquiditätsrisiken in Banken vorgestellt, sowie im Hinblick auf die beschriebenen Anforderungen beurteilt.

Hauptziele der Messung von Liquiditätsrisiken sind die Quantifizierung auf Einzelrisikoebene und die Filterung von bedeutenden Risiken, die einer weitergehenden Betrachtung bedürfen. Ebenfalls dient die Risikomessung als Entscheidungsgrundlage für die Risikobewertung und -steuerung. Auch die Messung aggregierter Risiken – beispielsweise Risiken für einzelne Geschäftsbereiche – kann als Ziel der Risikomessung genannt werden.

Kapitel 4.1.1, Anforderungen an die Methoden:

Die MaRisk fordern von den Kreditinstituten, dass sie angemessene Risikosteuerungs- und Risikocontrollingprozesse einrichten, die eine Identifizierung, Beurteilung, Steuerung, Überwachung und Kommunikation der wesentlichen Risiken gewährleisten. Diese sollen in ein integriertes System zur Ertrags- und Risikosteuerung eingebunden werden. In Bezug auf Liquiditätsrisiken müssen also institutsindividuelle Methoden gefunden werden, die den Anforderungen des Risikomanagementprozesses entsprechen und es zugleich ermöglichen, die Liquiditätsrisiken in den Risikomanagementprozess der Gesamtbank zu integrieren. Deshalb werden folgende Anforderungen an die Methoden zur Messung von Liquiditätsrisiken formuliert:

- Eine Integration in den Risikomanagementprozess der Gesamtbank setzt voraus, dass die angewandten Methoden die Einzelrisiken zu einem Gesamtrisiko zusammenfassen können, d.h. es müssen Methoden verwendet werden, die kompatible Risikomaße benutzen.

- Eine weitere Anforderung ist, dass die Kennzahl bzw. der Ergebniswert der verwendeten Methode die negativen Zahlungsabweichungen des Aktiv- und Passivgeschäfts in einer festgelegten Zeitspanne oder zu einem festgelegten Zeitpunkt beschreiben sollte. Somit ist gewährleistet, dass drohende Zahlungsschwierigkeiten frühzeitig erkannt werden.

- Weiterhin ist eine Abbildung der Zahlungsabweichung in Geldeinheiten erstrebenswert. Dadurch erfolgt eine monetäre Abbildung des Liquiditätsrisikos und es besteht eine Basis, um den notwendigen Geldbetrag z. B. durch die Liquiditätsreserve zu decken.

- Da das Liquiditätsrisiko nicht nur von der Tragweite abhängig ist, sondern auch von der Wahrscheinlichkeit mit der es eintritt, ist die Abbildung einer Wahrscheinlichkeit mit der die negative Zahlungsabweichung auftritt ebenfalls wichtig.

- Ebenfalls sollten die Methoden die autonomen Zahlungen berücksichtigen, da die Güte des Ergebnisses zunimmt, wenn nicht nur von den geplanten Zahlungen ausgegangen wird, sondern auch vertragswidrige, vorzeitige Verfügungen von Kunden miteinbezogen werden.

- Die MaRisk fordern, dass bei der Erstellung von Liquiditätsübersichten regelmäßig angemessene Szenariobetrachtungen durchgeführt werden. Deshalb sollten die Methoden zur Messung von Liquiditätsrisiken verschiedenen Szenariobetrachtungen ermöglichen.

- Weitere Gütekriterien von Messmethoden für das Liquiditätsrisiko stellen die Objektivität, die leichte Nachvollziehbarkeit und die einfache Interpretation der Messergebnisse dar. Diese haben den positiven Effekt, dass die Methoden z. B. besser von den Mitarbeitern akzeptiert werden und einfacher implementiert werden können.

Die hier dargestellten Anforderungen bilden die Grundlage für die Beurteilung der im weiteren Verlauf vorzustellenden Methoden zur Liquiditätsrisikomessung. Zunächst erfolgen aber Überlegungen zu den verschiedenen Risikomaßen.

Kapitel 4.1.2, Risikomaße:

Das Risikomaß macht es möglich, interessante Risiken in einer Maßgröße abzubilden, um somit deren Bedeutung und Entwicklung ablesen zu können. „Risikomaße sind statistische Kennzahlen, mit denen die unterschiedlichen Momente (z. B. Varianz […]) einer empirisch gemessenen, symmetrisch oder asymmetrischen Häufigkeitsverteilung charakterisiert und auf eine einheitliche Weise beschrieben werden können.“ Die Auswahl des Risikomaßes ist für die Bestimmung des Liquiditätsrisikos von großer Bedeutung, da es nicht nur das Risiko quantitativ abbilden soll, sondern auch erheblichen Einfluss auf z. B. die Integration des Einzelrisikos in das Gesamtbankrisiko hat. Der Einfluss kann hier als erheblich bezeichnet werden, da unter Umständen verschiedene Risikomaße bei den Einzelrisiken eine Zusammenfassung zu einem Gesamtbankrisiko verhindern und somit die Integration zu einem durch die MaRisk geforderten Risikosteuerungs- und Risikocontrollingprozess auf Gesamtbankebene nicht ermöglichen.

Bei einer Systematisierung bedeutender Risikomaße kann zwischen Streuungsmaßen und DownsideRisikomaßen unterschieden werden. Zu den Streuungsmaßen zählen z. B. die Varianz und die Standardabweichung. Die Varianz beschreibt die Summe der mittleren quadratischen Abweichung von ihrem Erwartungswert, während die Standardabweichung, als Quadratwurzel der Varianz, die Entfernungen der möglichen Ausprägungen vom Erwartungswert im Mittel angibt. Entscheidend für diese Betrachtungen ist aber, dass die Varianz und auch die Standardabweichung zwar einfach zu berechnen und leicht verständlich sind, dass sie aber neben den negativen Abweichungen vom Erwartungswert auch die positiven berücksichtigen. Somit sind diese beiden Risikomaße für die Untersuchung nicht weiter zu betrachten, da das zu untersuchende Liquiditätsrisiko sich nur auf die negativen Abweichungen vom Erwartungswert konzentriert.

Die Downside-Risikomaße, z. B. der Value at Risk (VaR), berücksichtigen lediglich die negativen Abweichungen vom Erwartungswert und erfüllen somit ein wichtiges Kriterium für die Auswahl des Risikomaßes zur Bestimmung von Liquiditätsrisiken in Banken. Der VaR ist der „in Geldeinheiten bewertete Verlust eines Finanzinstru-ments oder eines Portfolios von Finanzinstrumenten, der innerhalb einer bestimmten Frist (der sog. Haltedauer) mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit (dem sog. Konfi-denzniveau) und unter Zugrundelegung einer bestimmten Wahrscheinlichkeitsvertei-lung (z. B. […] Normalverteilung) nicht überschritten wird“ definieren. Er wurde auf Basis mathematisch-statistischer Überlegungen entwickelt und ist häufig Grundlage für die Modelle zur Messung bankbetrieblicher Risiken. Ursprünglich konzipierten Banken den VaR zur Messung des Marktpreisrisikos, nutzen ihn heute aber auch mit gewissen Modifikationen zur Messung anderer Risikoarten. Geeignet ist der VaR so-wohl zur Messung von Einzelrisiken, als auch zur Messung des Gesamtrisikos. Basierend auf den VaR haben sich daher zahlreiche weitere Risikomaße gebildet, wie z. B. der Liquidity at Risk (LaR), der als Pendant zum VaR anzusehen ist, aber das Liquiditätsrisiko beschreibt und somit für diesen Kontext als Risikomaß in Frage kommt. Der LaR beschreibt im kurzfristigen Liquiditätsmanagement den erwarteten Nettofinanzierungsbedarf aus allen Zahlungen einer Bank, der in einem bestimmten Zeitraum mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit nicht überschritten wird. Er ver-wendet als Risikogröße den Saldo autonomer Zahlungen , der die Grundlage zur Schätzung des Liquiditätsrisikos bildet und dem geschäftstäglichen Nettofinanzie-rungsbedarf entspricht.

Außerdem können auch die Verhältniszahlen – also die Liquiditätskoeffizienten und die Risikostrukturkennzahlen – als Risikomaße genannt werden. Sie erfüllen zwar die oben genannten Kriterien in der Definition für Risikomaße nicht, sind aber durchaus – wie Kapitel fünf zeigt – in der Praxis relevant und lassen Schlüsse auf die Liquiditätslage eines Kreditinstitutes zu. Auch in der Zukunft könnten sie insbesonde-re für kleine Kreditinstitute durch die Öffnungsklauseln der MaRisk von Bedeutung sein, da. bei entsprechender Begründung die Möglichkeit des Ausschlusses von Liquiditätsrisiken bei der Gesamtrisikobetrachtung besteht. Insbesondere die Liquidi-tätskennzahl des Grundsatzes II, deren Einhaltung aufsichtsrechtlich überprüft wird und eine Bewertung der Liquidität aufgrund einer Verhältniszahl vornimmt, behält weiterhin seine Gültigkeit und wird durch die neuen qualitativen Anforderungen er-gänzt.

Abschließend kann zur Auswahl des Risikomaßes festgehalten werden, dass es sich immer um eine institutsindividuelle Entscheidung handelt und hauptsächlich von den folgenden drei Faktoren abhängig ist: Erstens wird die Beschaffbarkeit notwendiger Informationen bzw. Daten für die Berechnung des ausgewählten Risikomaßes vor-ausgesetzt. Zweitens ist die Entscheidung von der Art des gewählten Risikobegriffs abhängig, so dass es bei dem hier zugrunde gelegten Risikobegriff nicht in Frage kommt die Varianz oder die Standardabweichung auszuwählen. Der dritte Aspekt ist der Zweck, den die Risikomessung verfolgt. Hier gibt es Unterschiede, ob z. B. die autonomen Zahlungen im Fokus der Risikomessung stehen, oder ob beispielswei-se die Geschäftsstruktur im Hinblick auf bestimmte vorgegebene Limite näher be-trachtet werden soll.

Arbeit zitieren:
Goder, Stefanie Oktober 2006: Kritische Beurteilung ausgewählter Methoden zur Messung, Bewertung und Steuerung von Liquiditätsrisiken in Banken, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Risikomanagement, Kreditinstitut, Liquidität, Finanzwirtschaft, Banken

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