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Kreditderivate

Instrumente und Einsatzmöglichkeiten bei Banken

Kreditderivate
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Thomas Riesack
  • Abgabedatum: Juni 1999
  • Umfang: 111 Seiten
  • Dateigröße: 792,5 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Köln Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4770-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4770-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4770-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Riesack, Thomas Juni 1999: Kreditderivate, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Portfoliomanagement, Credit Linked Notes, ISDA, Risikopolitik, Risikomanagement

Diplomarbeit von Thomas Riesack

Einleitung:

Im Zuge zunehmender Internationalisierung, wachsender Konkurrenz und fortschreitender Technisierung wächst einerseits der Kapitalbedarf der Unternehmen, andererseits sind sie gleichzeitig größeren Risiken ausgesetzt. Als eines dieser Risiken zeigt sich die Gefahr, verliehene Mittel nicht vollständig oder termingerecht zurückzuerhalten. Ferner bilden Staaten ein hohes Verlustpotential für Kreditgeber.

Anhand der von Creditreform vorgelegten Insolvenzzahlen werden die Risiken von Kreditvergaben deutlich: europaweit gab es 1998 190.100 Insolvenzfälle, die sich zu einem Gesamtgläubigerverlust von 165 Milliarden DM summierten. In Deutschland allein betrug die Zahl der Unternehmenspleiten 1998 fast 28.100.

Eine nähere Betrachtung des Bankensektors macht deutlich, daß bedeutsame Geschäftsbeziehungen und Spezialisierungsvorteile sowie rechtliche und geographische Beschränkungen zu hohen Konzentrationen auf einzelne Schuldner, Branchen oder Regionen geführt haben, bei deren Ausfall durch die positive Korrelation der Kredite besonders hohe Verluste zu verzeichnen wären. Außerdem entstanden Exposures gegenüber Marktteilnehmern im Derivatebereich (insbesondere im sog. Over-the-Counter-Geschäft), mit denen Marktrisiken auf Kosten von damit steigenden Ausfallrisiken abgesichert wurden.

Hinzuweisen ist weiterhin darauf, daß der Prozeß zunehmender Globalisierung, Liberalisierung und Deregulierung der internationalen Kapital- und Bankenmärkte einen wachsenden Wettbewerb mit immer neuen in- und ausländischen Kreditanbietern zur Folge hat. Dabei werden Banken aufgrund sinkender Kreditmargen nicht mehr ausreichend für ihr eingegangenes Kreditrisiko entschädigt und verlieren hochwertige Kredite mit zu geringer Rendite an die Kapitalmärkte (Disintermediation, Securitization). Gleichzeitig ziehen verschärfte Eigenkapitalanforderungen und Buchführungsvorschriften einen erhöhten Absicherungs- und Gewinnbedarf nach sich. Die „Banken stehen nicht nur wegen der Europäischen Währungsunion vor einer neuen Risikosituation. Asienkrise, Eigenkapitalunterlegung und Shareholder Value fordern eine Neuausrichtung der Unternehmenskonzeption, um langfristig Existenz und Marktorientierung zu sichern“.

Hieraus läßt sich ableiten, daß neben dem Management von Markt- und operativen Risiken eine aktive und effiziente Steuerung von Kreditrisiken zunehmend unumgänglich wird. „Finanzinstitute müssen [...] ihre Kreditrisiken unter Portfoliogesichtspunkten systematisch erfassen, quantifizieren und managen, um ihre eingegangenen Risiken immer zeitnah zu kennen und im Zeitablauf eine optimale Risiko-Chancen-Position einnehmen zu können.“ Andererseits sind auch Investoren mit sinkenden Renditen konfrontiert, die ihre Ursache in den niedrigen Zinsen und in der hohen Liquidität von institutionellen Anlegern wie Fonds und Versicherungen haben. Eine Vielzahl neuer ertragsversprechender Anlagemöglichkeiten finden sich im Bereich der forderungsunterlegten Wertpapiere.

Seitdem Kreditderivate 1992 auf einer ISDA-Konferenz vorgestellt und im selben Jahr von Bankers Trust angewandt wurden, haben sie sich als hervorragendes Instrument erwiesen, um Gläubiger und Investoren bei ihren Problemen im Kreditrisikomanagement zusammenzuführen. Aufgrund ihrer vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten sowohl zu Absicherungs- als auch zu Tradingzwecken haben Kreditderivate das Potential, zu den wichtigsten Finanzinnovationen aufzuschließen und diese sogar an Bedeutung und Transaktionsvolumen zu überholen.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, Kreditderivate anhand ihrer Konstruktion und ihrer Anwendungsmöglichkeiten unter besonderer Berücksichtigung der damit verbundenen Vor- und Nachteile darzustellen sowie einen Einblick in das Risikomanagement von Banken in bezug auf diese Instrumente zu geben.

Gang der Untersuchung:

Wie im Verlauf der Arbeit sichtbar wird, bildet das Kreditrisiko den zentralen Bestandteil eines Kreditderivats. Aus diesem Grund wird es im folgenden Kapitel als Teil des Gesamtrisikomanagements einer Bank dargestellt. Zur weiteren Abgrenzung werden die klassischen Steuerungsinstrumente einer Bank aufgeführt und eine Übersicht über die traditionelle Kreditrisikopolitik gegeben.

Kreditderivate sind als OTC-Instrumente in ihren Vertragsbedingungen weitestgehend frei gestaltbar, wobei sie sich aber grundsätzlich an bestimmten Grundtypen orientieren. In Kapitel 3 werden diese vier Grundformen von Kreditderivaten vorgestellt und einige exotischere Instrumente aufgezeigt. Dabei wird Wert auf die Darstellung und möglichen Ausprägungen der verschiedenen Vertragsbestandteile gelegt.

Im Rahmen des Risikomanagements in Kreditinstituten wird nach verbesserten Möglichkeiten zur Quantifizierung und Steuerung von Kreditrisiken gesucht. In diesem Umfeld etabliert sich mehr und mehr ein portfolioorientierter Ansatz, zu dessen Instrumentarium auch der Einsatz von Kreditderivaten zählt. Kapitel 4 widmet sich den Einsatzmöglichkeiten dieser Instrumente im Bankenbereich mit besonderer Berücksichtigung auf die Abgrenzung einzelner Einheiten innerhalb der Bank (Portfoliomanagement, Passivmanagement und Eigenhandel). Im Rahmen der Darstellung der Anwendungsmöglichkeiten werden auch die hiermit verbundenen Vorteile gegenüber den traditionellen Steuerungsinstrumenten erläutert.

In Kapitel 5 schließlich erfolgt ein Überblick über das Risikomanagement und die Risikopolitik in bezug auf Kreditderivate bei Banken, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf den sich entwickelnden deutschen Markt gelegt wird. In diesem Teil der Arbeit werden, ausgehend von einer Darstellung der mit Kreditderivaten zusammenhängenden Risiken und Nachteile, die externen Rahmenbedingungen aufgezeigt und eine bankinterne Infrastruktur für das Risikomanagement von Kreditderivaten skizziert.

Kapitel 6 gibt nach einer kurzen Zusammenfassung der Ergebnisse einen Ausblick auf die mögliche weitere Entwicklung des Kreditderivatemarktes.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis VI
Tabellenverzeichnis VII
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Zielsetzung und Gang der Überlegungen 3
2. Kreditrisiko als zentraler Faktor beim Einsatz von Kreditderivaten 5
2.1 Der Markt für Kreditderivate 5
2.2 Kreditrisiko als Bestandteil des Gesamtrisikos einer Bank 6
2.3 Abgrenzung des Begriffes „Kreditrisiko“ 7
2.4 Risikomanagement in Banken 9
2.4.1 Messung von Kreditrisiken 9
2.4.1.1 Interne Verfahren 9
2.4.1.2 Externe Maßstäbe zur Risikomessung 11
2.4.2 Traditionelle Steuerung von Kreditrisiken 13
3. Merkmale und Ausgestaltung von Kreditderivaten 17
3.1 Definition und Vertragselemente 17
3.2 Systematische Darstellung ausgewählter Instrumente 22
3.2.1 Credit Options 23
3.2.2 Swaps 24
3.2.3 Forwards 26
3.2.4 Credit Linked Notes 26
3.2.5 Exotische und Hybrid-Varianten 27
4. Einsatzmöglichkeiten von Kreditderivaten in Kreditinstituten 29
4.1 Portfoliomanagement mit Kreditderivaten 30
4.1.1 Kreditrisikoverkauf 33
4.1.2 Kreditrisikokauf 34
4.1.3 Kreditlinienmanagement 35
4.2 Passivmanagement 36
4.3 Eigenhandel mit Kreditderivaten 37
4.3.1 Spekulation 38
4.3.2 Arbitrage 39
4.4 Vorteile gegenüber traditionellen Steuerungsinstrumenten 39
5. Risikomanagement von Kreditderivaten in Banken 45
5.1 Risiken im Rahmen von Kreditderivatgeschäften 45
5.1.1 Kreditrisiko 46
5.1.2 Liquiditätsrisiko 48
5.1.3 Marktrisiko 49
5.1.4 Operationales Risiko 49
5.2 Externe Vorgaben für das Risikomanagement 52
5.2.1 Vorschläge zur aufsichtsrechtlichen Behandlung von Kreditderivaten 53
5.2.2 Standardisierte Vertragsdokumentation 55
5.3 Entwurf einer Infrastruktur für den Einsatz von Kreditderivaten in Banken 57
5.3.1 Organisation, Mitarbeiter, EDV-Systeme 57
5.3.2 Analyse- und Bewilligungsprozeß 59
5.3.3 Risikomessung und -limitierung 60
5.3.4 Richtlinien für das Risikomanagement 61
6. Entwicklungsperspektiven des Marktes für Kreditderivate 62
7. Anhang 65
7.1 Tabellarische Darstellung der Entwicklung von Insolvenzen 65
7.2 1997/98 BBA Credit Derivatives Survey 66
7.3 Ratingsymbole und deren Bedeutung 67
7.4 Beispiel für eine Rating-Übergangsmatrix 67
7.5 ISDA-Rahmenvertrag für Credit Default Swaps 68
7.6 Gegenüberstellung der wesentlichen Kreditderivate 87
7.7 Darstellung der Vorschläge zur aufsichtsrechtlichen Behandlung von Kreditderivaten 88
7.7.1 Berücksichtigung von Kreditderivaten im Anlagebuch 88
7.7.2 Berücksichtigung von Kreditderivaten im Handelsbuch 88
7.7.3 Beispielhafte Rechnung für einen Credit Default Swap (CDS) 89
Literaturverzeichnis 90

Automatisiert erstellter Textauszug:

Unter dem Passivmanagement von Banken wird im weitesten Sinne das Refinanzierungsgeschäft verstanden. Im Rahmen des Passivmanagements obliegt dem Unternehmen187 die Aufgabe, die Refinanzierungskosten möglichst gering zu halten, wobei diese aber davon abhängig sind, in welcher Weise es vom Kapitalmarkt beurteilt wird.188 Als Indikator für die Refinanzierungskosten dient der Credit Spread des Unternehmens, also der Prozentsatz, mit dem der Geldaufnahmezinssatz des Unternehmens über dem Zins für ein risikoloses Investment liegt. Der Credit Spread kann sich aus verschiedenen Gründen ausweiten und damit zu einer Verschlechterung der Refinanzierung führen. Zum einen kann das Land oder die Branche, in dem das Unternehmen tätig ist, vom Kapitalmarkt nicht mehr positiv eingeschätzt werden. Mit einem Total Return Swap (TRS)189 auf einen Basket als Underlying kann dieses Länder- bzw. Branchenrisiko abgesichert werden. Der Basket sollte [...]

von Basketderivaten möglich, so daß in dem jeweiligen Segment zusätzliches Geschäft und damit zusätzlicher Ertrag realisierbar ist.184 Die aufgezeigten Anwendungsmöglichkeiten von Kreditderivaten lassen das aktive und dynamische Management von Schuldnern und den mit ihnen verbundenen Kreditrisiken erkennen. Durch diese Instrumente wird erkennbar, wie sich die spezifischen Vor- und Nachteile von Kreditengagements gegenüber festverzinslichen Anlagen nutzen lassen. So bietet ein Kredit „[...] unter Berücksichtigung der Risikokosten oftmals eine höhere Verzinsung als eine Schuldverschreibung und [...] eine geringere Volatilität in der Performance auf. Auf der anderen Seite erfordert eine Kreditengagement einen erheblichen administrativen Aufwand.“185 Die Anwendung eines Credit Swaps oder einer Credit Option geben dem Investor die Möglichkeit, das Rendite-Risiko-Profil eines Kredites zu erwerben, ohne eine direkte Investition in diesen tätigen zu müssen. Neueste Transaktionen mit diesen Instrumenten beinhalten z.B. Swaps, die am Markt nicht existierende synthetische Positionen aufbauen.186 4.2 Passivmanagement [...]

Ein weiteres Anwendungsgebiet erfahren diese Hedgingtechniken beim Management von Kreditlinien. Hierbei soll eine Kundenbeziehung von der Bank aufrecht erhalten werden, gleichzeitig ist aber das interne Risikolimit, das die Kreditvergabe regelt, erschöpft, so daß einem weiteren Kreditwunsch eigentlich nicht entsprochen werden kann.179 Mit dem Ziel der Aufrechterhaltung der Kundenbeziehung verkauft die Bank einen Teil oder das gesamte Kreditrisiko durch ein Kreditderivat (z.B. einen Credit Default Swap) an eine andere Bank, die wiederum ein solches Exposure benötigt, um ihr eigenes Kreditportefeuille optimal zu gestalten. Auf diese Weise ist die Bank in der Lage einen weiteren Kredit an den Kunden zu vergeben.180 Weiterhin wird der Aspekt der Kundenbeziehung (client relationship) nicht gestört, da der Kunde nur das Endergebnis sieht (erfüllter Kreditwunsch), aber nicht in die Kreditderivat-Transaktion involviert ist.181 „The corporate client [...] need never know that the loan has been effectively written off the bank’s balance sheet.“182 „Being able to provide virtually any amount of credit lines, albeit at a cost, and to do this quickly can result in a superior client relationship and more profitable client business.“183 Das Management von Kreditlinien ist auch für definierte Schuldnergruppen, bestimmte Branchen oder ganze Länder über den Einsatz [...]

Arbeit zitieren:
Riesack, Thomas Juni 1999: Kreditderivate, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Portfoliomanagement, Credit Linked Notes, ISDA, Risikopolitik, Risikomanagement

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