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Kreditderivate und Bankenregulierung

Kreditderivate und Bankenregulierung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Mario Juric
  • Abgabedatum: September 2001
  • Umfang: 104 Seiten
  • Dateigröße: 715,6 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Wien Österreich
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5264-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5264-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5264-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Juric, Mario September 2001: Kreditderivate und Bankenregulierung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kreditrisiko, Basel II, Bankenregulierung, Risikomanagement

Diplomarbeit von Mario Juric

Einleitung:

Alle Institutionen oder Private, die finanzielle Transaktionen tätigen, sehen sich zwei grundsätzlichen Risikoarten gegenüber. Einerseits tragen sie das Marktrisiko, das sich aus Ungewißheit über die zukünftigen Werte für die Parameter wie Zinssätze, Wechselkurse, Aktien- und Warenpreise, oder Ähnliches ergibt. Andererseits wissen sie zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses nicht, ob die Gegenpartei in der Lage sein wird, ihren vertraglich geregelten Zahlungen nachzukommen. Dies wird als Kreditrisiko bezeichnet.

So alt wie die Kreditvergabe selbst, bekam das Kreditrisiko jedoch erst vor wenigen Jahren zunehmende Aufmerksamkeit. Anfang der 90er Jahre tauchten erstmals Finanzinstrumente auf – sogenannte Kreditderivate – mit denen es gelang, das Kreditrisiko von der Referenzeinheit (Underlying) und von anderen Risiken zu trennen, und es separat zu handeln. Es sah so aus, als ob der gesamte Markt nur darauf gewartet hätte. Unterschiedliche Anwender zeigten ihr Interesse und lösten einen wahren Boom aus. Neue Modelle zur Quantifizierung des Kreditrisiko wurden und werden entwickelt; der Handel mit Kreditderivaten ist seitdem um ein Vielfaches angestiegen.

In der Vergangenheit konnte das Kreditrisiko nur beschränkt abgesichert werden. Mit den traditionellen Methoden, die oftmals über ein „Buy-and-Hold“ nicht hinausgingen, gelang es jedoch höchstens, das Risiko zu reduzieren, von einem wahren Management konnte aber noch keine Rede sein. In Kreditderivaten haben die Investoren die Möglichkeit, Kreditrisiken ganz bequem abzusichern oder ebenfalls einzugehen.

Auch der Basler Ausschuß, das internationale Gremium für die Unterlegung der Kreditrisiken, spricht den Kreditderivaten eine risikomindernde Fähigkeit zu. In seiner Neuen Eigenkapitalvereinbarung belohnt er ihren Einsatz und gibt damit dem Druck der Banken nach. Diese hatten von ihm lautstark verlangt, die neuen Managementmethoden zu ermutigen, und die Eigenmittelerfordernis risikogerechter zu gestalten.

Gang der Untersuchung:

Ich werde diese Arbeit mit einer Übersicht über das Kreditrisiko eröffnen. Kreditrisiko ist das Raison-d’être der Kreditderivate, daher seine Diskussion gleich an erster Stelle. In diesem Kapitel werden ebenfalls ein paar Indikatoren für das Kreditrisiko, sowie einige Ansätze zu seiner Messung besprochen. Dem einführenden Kapitel folgt eine Beschreibung der Kreditderivate, in der ihre wesentlichen Merkmale unterstrichen werden.

Das Kapitel 5 wird sich mit der Struktur des boomenden Marktes für Kreditderivate auseinandersetzen. Insbesondere werden die rasante Entwicklung der gehandelten Volumina und die dafür verantwortlichen Marktteilnehmer unter die Lupe genommen. Bevor ich im Kapitel 7 auf die Probleme aufgrund der Informationsasymmetrie aufmerksam mache, werde ich die Ursachen dafür suchen, warum es zur Entstehung dieser Wertpapiere kam. Das Kapitel 8 gehört ganz den meist gehandelten Arten von Kreditderivaten. Die vier gängigsten werden hinsichtlich ihrer Funktionsweise vorgestellt.

Im Kapitel 9 über die Bewertungsmodelle werden unterschiedliche Strömungen in Wissenschaft und Praxis präsentiert. Von den theoretischen Modellen werden wahrscheinlich die zwei bekanntesten ihrer Gruppen vorgestellt. Bei den Unternehmenswertmodellen ist dies die „Nabelschnur“ aller Bewertungsmodelle, nämlich jenes von Merton, während ich für die Intensitätsmodelle jenes von Jarrow-Lando-Turnbull gewählt habe. Das meist verbreitete aller praktischen Modelle, das KMV- Modell, schließt dieses Kapitel ab.

Der eigentliche Kern der Arbeit folgt dann im Kapitel 10. Nachdem ich die Grundprinzipien der Neuen Basler Eigenkapitalvereinbarung untersuche, werde ich mich insbesondere der Behandlung der Kreditderivate unter Basel II hinwenden. Von Interesse für die gesamte Arbeit ist der Einbezug von Kreditderivaten in die Berechnung der Risikogewichte für die Eigenkapitalunterlegung.

Nachdem im Kapitel 11 die sehr interessanten, vielfältigen und nützlichen Einsatzmöglichkeiten dieser neuartigen Instrumente erläutert werden, wird noch Licht auf die potentiellen Risiken dieser Geschäften geworfen. Im abschließenden 13. Kapitel wird eine Schlußbetrachtung gezogen. Dem folgt ein Blick in die Zukunft, der die Perspektiven des Marktes erfassen soll.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einführung 6
2. Vorgehensweise 7
3. Kreditrisiko 9
3.1 Methoden zur Messung des Kreditrisikos 11
3.2 Traditionelle Absicherungsmethoden 17
4. Kreditderivate 19
4.1 Kurze Beschreibung 19
4.2 Wesentliche Merkmale der Kreditderivate 20
4.2.1 Bestimmung der Referenzeinheit 20
4.2.2 Definition des Kreditereignisses (Credit Event) 21
4.2.3 Bestimmung des Deafault Payment (Ausgleichszahlung) 22
4.2.4 Bestimmung der Default Protection Fee (Prämie) 23
4.2.5 Nennwert 23
4.2.6 Laufzeit 23
5. Marktstruktur 24
5.1 Marktgröße 24
5.2 Marktteilnehmer 25
6. Warum kam es zur Entstehung der Kreditderivate? 27
7. Adverse Selection 29
8. Arten von Kreditderivaten 31
8.1 Total (Rate of) Return Swap 32
8.2 Credit Spread Derivate 34
8.3 Credit Default Swaps 36
8.4 Credit Linked Notes (CLN) 37
9. Bewertungsmodelle 40
9.1 Bewertung des Kreditrisiko 40
9.2 Theoretische Ansätze 41
9.2.1 Unternehmenswertmodelle 42
9.2.1.1 Merton-Modell 43
9.2.1.1.1 Anwendung 46
9.2.1.1.1 Probleme 46
9.2.2 Intensitätsmodelle 47
9.2.2.1 Jarrow-Lando-Turnbull Modell (JLT) 48
9.2.2.1.1 Schwachstellen des Modells 50
9.3 Bewertungsmodelle aus der Praxis 53
9.3.1 Das KMV-Modell 53
10. Basel II 59
10.1 Mindestkapitalanforderungen 61
10.1.1 Standardmethode im Detail 62
10.1.1.1 Forderungen an Staaten 64
10.1.1.2 Forderungen an Banken 65
10.1.1.3 Forderungen an Unternehmen 66
10.1.1.4 Behandlung von risiko-mindernden Instrumenten 67
10.1.1.4.1 Behandlung von Kreditderivaten 68
10.1.1.4.1.1 Operationale Anforderungen an Kreditderivate 68
10.1.1.4.1.2 Wer ist ein anerkennungsfähiger Sicherungsgeber? 70
10.1.1.4.1.3 Risikogewichte 70
10.1.2 Der IRB-Ansatz 73
10.1.2.1 Berechnung der risikogewichteten Aktiva 74
10.1.2.1.1 Risikogewichtung der Aktiva bei Krediten an Unternehmen 75
10.1.2.1.1.1 Berechnung von Ausfallwahrscheinlichkeiten 76
10.1.2.1.1.1.1 Kein Kreditderivat oder Garantie 76
10.1.2.1.1.1.2 Abgesichert durch ein Kreditderivat oder eine Garantie 76
10.1.2.1.1.1.2.1 IRB-Basisansatz 77
10.1.2.1.1.1.2.2 Fortgeschrittener IRB-Ansatz 77
10.1.2.1.1.2 Berechnung des Verlusts bei Ausfall (Loss Given Default, LGD) 78
10.1.2.1.1.2.1 LGD im Basisansatz 78
10.1.2.1.1.3 Bestimmung der Restlaufzeit (M) 79
10.1.2.1.2 Risikogewichtung der Aktiva bei Krediten an Privatkunden 79
10.1.2.1.2.1 Eingangsparameter 80
11. Einsatzmöglichkeiten von Kreditderivaten 81
11.1 Risikomanagement 81
11.2 Erweiterung der Kreditlinien und Spezialisierung 83
11.3 Risikosteuerung und Generierung von Prämien 83
11.4 Spekulation 84
11.5 Diversifikation 84
11.6 Arbeitnehmer 85
11.7 Relationship-Banking 85
11.8 Eigenmittelersparnis 86
12. Risiken aus Kreditderivaten 87
12.1 Gegenparteirisko 87
12.2 Liquiditätsrisiko 88
12.3 Basisrisiko 88
12.4 Korrelationsrisiko 89
12.5 Dokumentationsrisiko 89
12.6 Risiken für eine Bank 90
12.6.1 Auswirkungen der Kreditderivate auf Kundenbeziehungen 90
12.6.2 Vervielfachung des Nominales 91
12.7 Modellrisiko 91
12.8 Vertraulichkeit 92
12.9 Übertragbarkeit 92
13. Abschließendes Urteil und Perspektiven für den Markt 94
14. Literatur 97

Automatisiert erstellter Textauszug:

In Folgendem, werde ich die Grundgedanken43 des Modells von Jarrow, Lando und Turnbull (1997) vorstellen, das als ein klassischer Vertreter der Intensitätsmodelle gilt. Um den Wert einer ausfallbedrohten Anleihe herauszufinden, stellen sie folgende Überlegungen an: Angenommen der Wert einer risikolosen Nullkuponanleihe, die zu ihrer Fälligkeit (Zeitpunkt T) 1$ auszahlt, beträgt heute (zum Zeitpunkt t) p (t, T). Dann – so behaupten sie – kann man den Wert einer ausfallbedrohten Nullkuponanleihe (v) mit dem Rating44 i, die ansonsten dieselben Charakteristika aufweist, wie die risikolose Anleihe, d.h. dieselbe Laufzeit, dasselbe Nominale, etc., folgendermaßen berechnen:45 vi (t, T) = p (t, T) [Φ +(1 – Φ) Qi (t, T)] wobei Φ Qi (t, T) Restwert (Prozentsatz, der ausgezahlt wird nach dem Ausfall zum T) Wahrscheinlichkeit d. Ausfalls d. Anleihe (mit Rating i) erst nach T Aus der Formel läßt sich herauslesen, daß der Wert der Anleihe steigt, je höher die Wahrscheinlichkeit für den Ausfall nach dem Zeitpunkt T, d.h. nach der Fälligkeit ist. [...]

Intensitätsmodelle unterscheiden sich von den Firmenwertmodellen dahingehend, daß sie den Ausfallzeitpunkt nicht direkt von den Firmenassets abhängig machen, sondern – ohne explizit die Ursachen zu modellieren – annehmen, daß das Unternehmen jederzeit mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ausfallen kann.41 Der Ausfallprozeß ist als ein Sprungprozeß (Poisson-Prozeß) definiert, und wird durch exogene Zufallsvariable herbeigeführt. Sobald ein Sprung eintritt, fällt die Firma aus. Die Wahrscheinlichkeit eines Sprungs in einem Zeitintervall wird durch die Ausfallintensität bestimmt und ist für jedes Zeitintervall größer als Null.42 Die Intensitätsrate gibt die Wahrscheinlichkeit des Kreditausfalls zu einer bestimmten Zeit an, unter der Annahme, daß bis dahin kein Kreditausfall eingetreten ist. Intensitätsmodelle nehmen an, daß diese Wahrscheinlichkeit mit der Zeit variiert und manche gehen davon aus, daß sie von der Zinsstruktur abhängig ist. Diese Modelle verzichten drauf, die Ursachen und die Höhe der Credit Spreads zu erklären, und werden daher auch Reduced-Form-Modelle genannt. Die Einführung solcher Modelle ist vielseitig motiviert. Einerseits schaltet man damit die Schwächen der Unternehmenswertkonzepte, die sich dadurch ergeben, daß der Firmenwert und seine Volatilität Größen sind, die nur ungenau beobachtet werden können. [...]

Das Modell von Merton wird von der KMV Corporation aufgegriffen, um Ausfallwahrscheinlichkeiten (sog. Expected Default Frequencies, EDF) für verschiedene Zeithorizonte zu berechnen. Dabei werden wichtige Firmendaten (wie Firmenwert und seine Volatilität) herausgefiltert, um damit den Abstand zur sog. Ausfallschranke zu ermitteln.40 9.2.1.1.1. Probleme Das ursprüngliche Modell von Merton ist ein sehr einfaches und einleuchtendes Modell. Allerdings hat es ein paar Schwachstellen, die gegen eine Verbreitung seiner Anwendung sprechen. Ein Schwachpunkt liegt in der Annahme, daß nur Nullkuponanleihen emittiert werden, und daß der Schuldner nur bei Fälligkeit ausfallen kann, was sehr realitätsfern ist. In Wirklichkeit kann es dazu zu irgendeinem Zeitpunkt zwischen dem Ankauf der Anleihe und ihrer Fälligkeit kommen. Darüber hinaus, wird das Modell um ein Vielfaches komplexer, wenn ein Unternehmen mehr als eine Schuldgattung herausgegeben hat, weil dann die Senioritätsregeln bei der Auszahlung genau geklärt werden müssen. Man stößt auf Schwierigkeiten, wenn man versucht den Wert des Unternehmens zu bestimmen. Was ist denn der genaue Wert eines Unternehmens? Idealtypischerweise, ist es der Wert der Vermögensgegenstände vermindert um die Verbindlichkeiten. [...]

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Juric, Mario September 2001: Kreditderivate und Bankenregulierung, Hamburg: Diplomica Verlag

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