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Die Kosten mangelnder Finanzbildung am Beispiel deutscher Bundesschatzbriefe

Die Kosten mangelnder Finanzbildung am Beispiel deutscher Bundesschatzbriefe
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Johannes Jasper
  • Abgabedatum: November 2009
  • Umfang: 57 Seiten
  • Dateigröße: 790,6 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Deutschland
  • Bibliografie: ca. 18
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4386-3
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Jasper, Johannes November 2009: Die Kosten mangelnder Finanzbildung am Beispiel deutscher Bundesschatzbriefe, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Bundesschatzbriefe, Behavioral Finance, Zinsstrukturkurve, Svensson-Methode, Valuta-Bestimmung

Bachelorarbeit von Johannes Jasper

Einleitung:

In der vorliegenden Thesis soll der Frage nachgegangen werden, welche Kosten für Investoren aufgrund mangelnder Finanzbildung entstehen können und dabei erläutert werden, worin die Ursachen dafür liegen. Der Begriff der ‘mangelnden Finanzbildung’ ist im Folgenden so zu verstehen, dass Investoren aufgrund unzureichenden Wissens, inflexiblen Verhaltens oder aus anderen ähnlichen Gründen nicht in der Lage sind, die optimal erzielbare Rendite aus, wie in dieser Untersuchung dargestellt, einem öffentlichen Schuldtitel zu erwirtschaften und in Folge dessen ein Minimum an Ertrag generieren. Als empirische Grundlage für diese Analyse soll der deutsche Bundesschatzbrief dienen: Dieser staatliche Schuldtitel ist ein weithin beliebtes Anlageprodukt, das in erster Linie zur Finanzbildung in der breiten Bevölkerungsschicht dienen soll.

Der Bundesschatzbrief ist dabei mit einigen Ausstattungsmerkmalen versehen, die es uns ermöglichen zu zeigen, dass flexibel und clever agierende Anleger im Vergleich zu unerfahrenen Marktteilnehmern die besonderen Eigenschaften des betrachteten Schuldtitels zu ihrem Vorteil ausnutzen können und dementsprechend eine höhere Rendite erzielen können als ihre Mitstreiter. Ein weiterer Punkt, warum der Bundesschatzbrief sich für diese Analyse besonders gut eignet, ist die Tatsache, dass er nicht börsengehandelt ist und somit frei von externen Einflüssen, wie z.B. Kursänderungsrisiken ist. Zusätzlich bieten die charakteristischen Ausstattungsmerkmale dieses Schuldtitels einen Raum, der bei einem entsprechenden Zeithorizont für die möglichen Entwicklungen der jeweiligen Anlagestrategien eine signifikante Größe annimmt, um ein valides und aussagekräftiges Ergebnis zu liefern. Die nachfolgende Arbeit ist dabei so gestaltet, dass zunächst in Kapitel 2 ein genauerer Blick auf den deutschen Bundesschatzbrief geworfen werden soll. Dabei soll ein allgemeines, grundlegendes Bild vermittelt werden, dass uns Informationen zu der Historie, zu den geschäftlichen Konditionen und zu den besonderen Ausstattungsmerkmalen dieses Anlageprodukts liefert. In Kapitel 3 soll dann zunächst ein theoretisches Fundament gebildet werden, welches die eigentlichen Grundzüge der mangelnden Finanzbildung aufgreifen wird.

Dabei soll auf einige wichtige wissenschaftliche Monographien eingegangen werden, die sich mit diesem Thema auf den unterschiedlichsten wirtschaftswissenschaftlichen Gebieten auseinandersetzen. Aus diesen Thesen soll anschließend ein Konstrukt erstellt werden, dass dabei helfen wird, die nachfolgende empirische Untersuchung der Bundesschatzbriefe hinsichtlich der Investitionsentscheidungen der Anleger genauer zu analysieren und zu verstehen. Zuvor werden aber in dem Unterkapitel 4.1 einige allgemeine und spezielle Restriktionen aufgestellt, die dazu dienen sollen, die nachfolgende Simulation in einem wohldefinierten Rahmen durchlaufen zu lassen. Dabei sollen zunächst Annahmen getroffen werden, die das allgemeine Umfeld der Untersuchung und die speziellen Entscheidungsprozesse der zu vergleichenden Akteure festlegen. Kapitel 4.2 erläutert, aufbauend auf den zuvor festgelegten Restriktionen, den Werdegang der Simulation. Dabei wird zuerst der Anlageprozess des unerfahrenen Akteurs anhand des Bundesschatzbriefes Typ B und dann des Typ A simuliert. Da der Anlageprozess des Bundesschatzbriefes vom Typ A komplexer verläuft, wird daher zuerst mit dem Typ B begonnen, um so einen leichteren Einstieg in die Simulationen zu finden. Nach Abschluss der beiden Simulationen werden diese dann in dem Unterkapitel 4.3.2 auf entsprechende Art und Weise für den erfahrenen Anleger durchgeführt und analysiert. Aus den Erkenntnissen der vier durchgeführten Simulationen sollen diese dann im Unterkapitel 4.4 miteinander verglichen werden, um erste Ergebnisse festhalten zu können.

Dabei erfolgt die Gegenüberstellung nach den Bundesschatzbrieftypen, so dass die Ergebnisse der beiden Anleger getrennt nach den Anlageklassen miteinander verglichen werden können. Anschließend erfolgt in Kapitel 5 ein Vergleich der Bundesschatzbriefe zu den vorliegenden Zinsstrukturkurven, um die gewonnenen Erkenntnisse aus den Simulationen in einen direkten Bezug zum Markt setzen zu können. Dabei erfolgt neben der speziellen Betrachtung der Simulationen im Bezug zur Zinsstrukturkurve auch ein allgemeiner Vergleich aller Bundesschatzbriefe zum Markt, die in dem gewählten Betrachtungszeitraum von 1988 bis 2008 vom Bund ausgegeben worden sind. Dabei lassen sich schon erste Rückschlüsse in Bezug auf die Aussagen aus Kapitel 2 und 4 ziehen, die dann zusätzlich in Kapitel 6 unter Berücksichtigung der theoretischen Modelle aus Kapitel 3 weiter ausgearbeitet werden sollen. Kapitel 6 untersucht dabei zunächst die Rolle des Bunds als Emittenten, um dann aus diesen Erkenntnissen die in Kapitel 3 aufgestellten Thesen hinsichtlich ihres Aussagegehalts zu bestätigen bzw. zu verwerfen. Zum Ende sollen dann in einem Fazit nochmal alle gewonnenen Ergebnisse in einen direkten Bezug zueinander gesetzt werden, um abschließend eine Aussage darüber treffen zu können, ob es in einem Markt für Bundesschatzbriefe möglich ist, Kosten einer mangelnden Finanzbildung zu definieren und wenn ja, wie diese ausfallen, welche Vorteile der erfahrene Anleger gegenüber seinem unerfahrenen Mitstreiter erwirtschaften kann und welche Strategien im Hinblick auf die Zinsstruktur eines Bundesschatzbriefes zu welchem Zeitpunkt sich als die beste herausstellt um mögliche Kosten bei der Finanzbildung zu vermeiden.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis III
Tabellenverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis V
1. Einleitung 1
2. Der Bundesschatzbrief 3
3. Definition einer mangelnden Finanzbildung 7
4. Empirische Betrachtung von Bundesschatzbriefen 12
4.1 Annahmen und Restriktionen der Untersuchung 12
4.2 Gewinnung und Ausarbeitung des Datensatzes 15
4.3 Auswertung und Analyse der gewonnenen Ergebnisse 22
4.3.1 Renditeentwicklung des unerfahrenen Anlegers 22
4.3.2 Renditeentwicklung des erfahrenen Anlegers 24
4.4 Gegenüberstellung der Renditeentwicklungen 28
4.4.1 Ergebnis der Typ B-Simulation 28
4.4.2 Ergebnis der Typ A-Simulation 31
5. Vergleich zur Zinsstrukturkurve 33
6. Gegenüberstellung der Marktteilnehmer 37
7. Abschlussbetrachtung / Fazit 41
Literaturverzeichnis 44
Anhang 46
Bundesschatzbriefemissionen seit 1988 46
Zinsstrukturkurvenberechnung nach Svensson 52

Textprobe:

Kapitel 4.3.1, Renditeentwicklung des unerfahrenen Anlegers:

Das Anlageprozedere des unerfahrenen Anlegers verläuft eher unspektakulär: Zu Beginn seines zwanzigjährigen Anlagezeitraums wählt der Anleger ‘Myope’ zunächst die erste der betrachteten Ausgaben mit der Wertpapierkennnummer 113 881. Sein Anlagebetrag beträgt dabei 1.000 Euro. Da er keinerlei Ambitionen aufweist, sich um seine Anlage zu kümmern, wird er entsprechend diese Ausgabe bis zur Fälligkeit am 31.01.1994 halten. Nach sieben Jahren kann er dabei eine stetige Wertsteigerung von 42,10% verbuchen und kommt auf einen Endbetrag von 1.421,00 Euro. Nach Ablauf dieser Ausgabe wechselt er automatisch in die zu dem Zeitpunkt anlaufende Ausgabe 113 952. Diese hält er wiederum bis zu ihrer Fälligkeit am 31.01.2002. Mit dem angelegten Betrag von 1.421,00 Euro beträgt nach Ablauf der weiteren sieben Jahre der Endwert seiner Anlage 2.159,92 Euro. Dies entspricht einer weiteren stetigen Wertsteigerung von 52,00%, die er aus dieser Ausgabe generieren konnte. Insgesamt kommt er nach 14 Jahren somit auf eine stetige Renditeentwicklung von insgesamt 115,99% seit Beginn der Kapitalanlage.

Nach der Fälligkeit dieser Ausgabe wechselt der Anleger wiederum automatisch in den zum Fälligkeitszeitpunkt aktuell gehandelten Bundesschatzbrief mit der Wertpapierkennnummer 110 600. Diesen wird er dann bis zum Ende des Betrachtungszeitraumes am 01.01.2008 halten und bekommt aus den letzten zwei Jahren Laufzeit eine Renditezahlung in Höhe von 503,35 Euro, so dass er nach den 20 Jahren schließlich auf eine Endsumme von 2.663,27 Euro kommt. Dies entspricht einer gesamten stetigen Rendite von 166,33% und einem Nettoertrag von 1.663,27 Euro seit Auflage. Bei einer Anlage in den Bundesschatzbrief des Typs A ist der Verlauf ähnlich, nur dass hier der Anleger seinen Ertrag in Form von jährlichen Ausschüttungen erhält. Entsprechend zu der Kapitalanlage in den Typ B beginnt der Anleger ‘Myope’ sein Investitionsvorhaben am 01.02.1988 mit der Ausgabe 113 881 und legt anfangs 1.000 Euro in diese an. Wie die Kennnummer 113 881 vermuten lässt, ist diese Typ A-Ausgabe das Pendant zu der zuvor beschrieben Typ B-Ausgabe mit der Kennnummer 113 882.

Nach einem Anlagezeitraum von sechs Jahren endet die Laufzeit dieser Ausgabe am 31.12.1999, und der Anleger ‘Myope’ hat über die Zeit Ausschüttungen in Höhe von insgesamt 343,00 Euro erhalten. Nach der Fälligkeit dieser Ausgabe wird wieder automatisch in die nächstgehandelte Ausgabe gewechselt. Dabei handelt es sich um die Ausgabe Nummer 113 941, in die der Investor ‘Myope’ seinen anfangs festgelegten Nennwert von 1.000 Euro anlegt, den er zum Ende der vorherigen Ausgabe zuzüglich der letzten Ausschüttung zurückerhalten hat. Bis zur Fälligkeit dieser Ausgabe hat der Investor inzwischen Ausschüttungen in Höhe von insgesamt 674,82 Euro erhalten, so dass seine Anlage in zwei aufeinanderfolgenden Bundesschatzbriefausgaben nach 14 Jahren eine stetige Rendite von insgesamt 67,48% aufweisen kann. Für die folgenden sechs Jahre legt der Anleger ‘Myope’ seinen ursprünglichen Nennwert von 1.000 Euro in die Ausgabe 110 575 an. Aus dieser erhält er eine Ausschüttungssumme in Höhe von 310,50 Euro, so dass sich sein bis dato angewachsener Ertrag auf 985,32 Euro beläuft. Die letzten zwei Jahre des Betrachtungszeitraumes legt der Anleger ‘Myope’ nochmal den Nennwert in die Ausgabe 110 655 an, aus der er abschließend weitere Ausschüttungen in Gesamthöhe von 42,90 Euro erhält. Nach Beendigung des Beobachtungszeitraumes kommt der Anleger ‘Myope’ auf einen Nettoertrag aus Ausschüttungen in Höhe von 1.028,22 Euro, was einer stetigen Rendite von 102,82% entspricht. Somit fällt der Ertrag aus einer Investition in den Bundesschatzbrief Typ A um 635,05 Euro geringer aus, als aus einer Anlage in den Typ B.

Das zeigt, dass ein Verzicht auf die jährlichen Ausschüttungen einen recht hohen Mehrertrag aus der Anlage in den Typ B bedeutet. Berücksichtigt man aber die Länge des Investitionszeitraumes, fällt die Differenz doch recht harmlos aus. Betrachten wir dazu die ersten sechs Jahre des Gesamtintervalls: Wie schon angesprochen hat der Anleger ‘Myope’ aus dieser Zeit eine Ausschüttung von 343,00 Euro erhalten. Bei einer Anlage in den Bundesschatzbrief Typ B läge sein Nettoertrag nach sechs Jahren bei 345,10 Euro, also einem Mehrbetrag von lediglich 2,10 Euro. Betrachtet man diesen Vergleich andersherum, sprich man nimmt die Laufzeit des Typ B als Beobachtungsgrundlage, dann lässt sich feststellen, dass die Differenz nach sieben Jahren auf 34,28 Euro angestiegen ist. Es ist offensichtlich, dass das unterschiedliche Zinsniveau zu diesem sprunghaften Anstieg beiträgt, da der Typ-A Titel im siebten Jahr aufgrund seiner Wiederanlage wieder auf einem viel niedrigeren Niveau starten muss und daher der Vergleich aus dieser Perspektive nicht sehr aussagekräftig ist. Betrachtet man die Differenz von 635,06 Euro mit Hinblick auf die 2,10 Euro aus den ersten sechs Jahren, führt dies zu dem Schluss, dass ein wesentlicher Beitrag zu diesem Differenzbetrag aus den unterschiedlichen Zinsstrukturen der Ausgaben zurückzuführen ist, die sich aus den unterschiedlichen Laufzeiten ergeben, wogegen der Zinseszinseffekt an sich einen weitaus geringeren Beitrag leistet.

Arbeit zitieren:
Jasper, Johannes November 2009: Die Kosten mangelnder Finanzbildung am Beispiel deutscher Bundesschatzbriefe, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Bundesschatzbriefe, Behavioral Finance, Zinsstrukturkurve, Svensson-Methode, Valuta-Bestimmung

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