Kosten und Nutzen der EU-Osterweiterung: Eine Analyse Ihrer Wirkungen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Andreas Spannbauer
- Abgabedatum: August 2002
- Umfang: 120 Seiten
- Dateigröße: 846,7 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6049-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6049-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6049-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung: Die Studie wurde mit dem "Europa-Preis" des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) ausgezeichnet.
- Arbeit zitieren: Spannbauer, Andreas August 2002: Kosten und Nutzen der EU-Osterweiterung: Eine Analyse Ihrer Wirkungen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Aussenhandelstheorie, Regionale Integration, EU-Beitritt, Mitteleuropa, Osteuropa
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Diplomarbeit von Andreas Spannbauer
Zusammenfassung:
In dieser Arbeit werden die ökonomischen Auswirkungen der bevorstehenden Erweiterung der Europäischen Union nach Mittel- und Osteuropa bearbeitet. Die Bedeutung dieser Fragestellung liegt auf der Hand: Ängste vor uferlosen Transferzahlungen im Rahmen des EU-Haushalts, einer massenhaften Immigration von billigen Arbeitskräften und einem gnadenlosen „Export von Arbeitsplätzen“ durch Direktinvestitionen bestimmen häufig die öffentliche Diskussion. Die vorliegende Arbeit bietet daher eine umfassende Betrachtung der ökonomischen und fiskalischen Wirkungen einer Osterweiterung auf die EU: Führt die Erweiterung tatsächlich zu Wohlfahrtsverlusten für die bestehenden Mitglieder, und wenn ja, unter welchen Bedingungen?
Zur Beantwortung dieser Frage werden die klassischen Mechanismen Außenhandel, Ausländische Direktinvestitionen, Immigration von Arbeitskräften sowie fiskalische Transfermechanismen untersucht. Die Arbeit liefert für jeden dieser Bereiche zunächst das theoretische Rüstzeug, um die daraus abgeleiteten Hypothesen dann mit der Empirie sowie den Prognosen makroökonomischer Simulationen für den Fall eines EU-Beitritts zu konfrontieren. Das überraschende Ergebnis lautet: Entgegen den gängigen Vermutungen wird die Osterweiterung auf Aggregat-Ebene für die bisherigen EU-Mitglieder ebenso zu mehr Wohlfahrt führen wie für die Beitrittsländer. Spezifische Sektoren, Faktoren und Regionen müssen allerdings die Anpassungslasten tragen. Die Kosten der Osterweiterung ergeben sich nicht zwangläufig. Sie sind ein mögliches Produkt der Unfähigkeit der EU zu einer konsequenten Reform ihrer Institutionen, die sich aus dem supranationalen politischen Verhandlungsprozess ableiten lässt.
Die Arbeit gibt eine kompetente Übersicht über die Vielzahl der bereits durchgeführten Studien und bereitet gleichzeitig die theoretischen Grundlagen für einige zentrale Wirkungsmechanismen auf.
Inhaltsverzeichnis:
| VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN UND TABELLEN | 4 | |
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | 5 | |
| 1. | EINLEITUNG | 6 |
| 1.1 | Relevanz der Untersuchung | 6 |
| 1.2 | Fragestellung | 10 |
| 1.3 | Gang der Untersuchung | 12 |
| 2. | THEORETISCHE GRUNDLAGEN | 14 |
| 2.1 | Allokationseffekte durch den Außenhandel | 15 |
| 2.1.1 | Heckscher-Ohlin-Samuelson-Modell | 15 |
| 2.1.2 | Wohlfahrtswirkung des Außenhandels (Theorie der Zollunion) | 17 |
| 2.1.3 | Wohlfahrtswirkung bei unvollständiger Konkurrenz und steigenden Skalenerträgen | 21 |
| 2.2 | Faktorbewegungen | 24 |
| 2.2.1 | Wohlfahrtswirkung der Migration | 25 |
| 2.2.2 | Wohlfahrtswirkung von Ausländischen Direktinvestitionen | 27 |
| 2.3 | Wachstumseffekte | 29 |
| 2.4 | Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse | 31 |
| 3. | AUSSENHANDEL | 34 |
| 3.1 | Bisheriger Außenhandel mit den MOEL | 34 |
| 3.1.1 | Politische Regulierung | 34 |
| 3.1.2 | Entwicklung und Relevanz des Außenhandels | 36 |
| 3.2 | Spezialisierungsmuster im Außenhandel | 38 |
| 3.2.1 | Analyse nach Faktorintensitäten | 39 |
| 3.2.2 | Analyse der Handelsstruktur (Intra-industrieller Handel) | 42 |
| 3.3 | Zukünftiges Außenhandelspotenzial | 43 |
| 3.3.1 | Beobachtung früherer Erweiterungen | 45 |
| 3.3.2 | Schätzungen durch Gravitationsmodelle | 46 |
| 3.4 | Wirkung auf Einkommen und Beschäftigung | 47 |
| 3.5 | Beurteilung der Außenhandelseffekte | 50 |
| 4. | AUSLÄNDISCHE DIREKTINVESTIONEN | 51 |
| 4.1 | Umfang der Direktinvestitionen in den MOEL | 51 |
| 4.2 | Bestimmungsfaktoren der Direktinvestitionen | 53 |
| 4.2.1 | Kostenmotiv versus Absatzmotiv | 53 |
| 4.2.2 | Politische, rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen | 56 |
| 4.3 | Regionale Agglomerationseffekte | 58 |
| 4.4 | Wirkung auf Einkommen und Beschäftigung | 60 |
| 4.5 | Beurteilung der Effekte durch ADI | 61 |
| 5. | MIGRATION | 62 |
| 5.1 | Entwicklung der Migration aus den MOEL | 62 |
| 5.2 | Determinanten der Migration aus den MOEL | 64 |
| 5.2.1 | Lohn- und Einkommensdifferenz | 64 |
| 5.2.2 | Erträge auf Humankapital | 66 |
| 5.2.3 | Asymmetrische Information und Netzwerke | 67 |
| 5.2.4 | Diskriminierung und Risikoaversion | 68 |
| 5.3 | Schätzungen der künftigen Migration | 68 |
| 5.4 | Wirkung auf Einkommen und Beschäftigung | 71 |
| 5.5 | Übergangsregelungen | 73 |
| 5.6 | Beurteilung der Immigrationseffekte | 74 |
| 6. | WACHSTUM | 76 |
| 7. | FISKALISCHE KOSTEN | 81 |
| 7.1 | Folgen der Osterweiterung für den Haushalt der Europäischen Union | 81 |
| 7.2 | Kosten des Beitritts nach der Agenda 2000 | 85 |
| 7.3 | Finanzierung der Erweiterung bis 2006 | 89 |
| 7.3.1 | Kosten der Erweiterung nach Beitragsquoten | 90 |
| 7.3.2 | Kosten durch Neuverteilung der Zuwendungen | 91 |
| 7.4 | Kosten der Erweiterung nach 2006 | 92 |
| 7.5 | Beurteilung der fiskalischen Effekte | 94 |
| 8. | ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNGEN | 97 |
| 9. | ANHANG | 104 |
| 10. | LITERATUR | 107 |
Bei Standortentscheidungen ist daher das Prinzip der Pfadabhängigkeit von Bedeutung. So kann bei gleichen Ausgangsbedingungen zweier Standorte A und B die Entscheidung für Standort A dort wegen des oben beschriebenen Mechanismus zu einer Agglomeration der Produktion durch die Ansiedung weiterer Unternehmen führen, während sich Standort B zur industriellen Peripherie entwickelt (Baldwin 1994, S. 46). In diesem Zusammenhang spielen Erwartungen über zukünftige wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle, da eine einmal getroffene Standortentscheidung nur unter hohen Kosten revidiert werden kann. Damit können Standortentscheidungen die Form von selbsterfüllenden Prophezeiungen annehmen (Baldwin 1994, S. 47). Die Konzentration des verarbeitenden Gewerbes in den Regionen mit den größten Märkten ist auch empirisch nachgewiesen worden (Quaisser et al. 2000, S. 19). Bei einer Betrachtung der ADI in Mittel- und Osteuropa ist in diesem Zusammenhang eine deutliche Konzentration festzustellen. So ist die Konzentration der ADI in denjenigen Ländern am höchsten, welche die geringste Distanz zu den EU-Grenzen aufweisen. So wurden 1999 rund 38% der gesamten ADI in den MOEL in Polen, 29% in der Tschechischen Republik und 10% in Ungarn getätigt; insgesamt entfielen rund 85% der ADI auf die früheren Beitrittsländer der ersten Erweiterungsrunde (Boeri und Brücker 2000, S. 62). Dabei investieren skandinavische Firmen mehr im Baltikum, deutsche Firmen mehr in Mitteleuropa und italienische Firmen mehr auf dem Balkan (Caetano et al. 2002, S. 23). Die Unterschiede in der ADI-Ausstattung reflektieren neben der geographischen Distanz erneut die unterschiedliche Glaubwürdigkeit der institutionellen und ökonomischen Reformen der MOEL sowie unterschiedliche Privatisierungsstrategien (Boeri und Brücker 2000, S. 62). Damit können im Zusammenhang mit den ADI deutliche Agglomerationseffekte festgestellt werden. Es ist zu erwarten, dass sich die ADI auch in Zukunft auf diese Staaten konzentrieren werden. Für Länder wie Bulgarien oder Rumänien besteht dagegen die Gefahr, langfristig auf dem Niveau einer ökonomischen Peripherie zu verharren. Eine glaubwürdige Beitrittsperspektive würde die Investitionsbedingungen in diesen Ländern verbessern. Dies könnte möglicherweise dazu beitragen, die Marginalisierung dieser Länder zu verringern. Weitgehend ohne Einfluss bleibt die Erweiterung Untersuchungen zufolge dagegen auf die Direktinvestitionen in Südeuropa. Grundsätzlich ist durch die Öffnung Osteuropas eine Umlenkung von ADI weg von den südlichen EU-Mitgliedsstaaten 59 [...]
Produktionskosten in der Nähe des größten Marktes ansiedeln, um die Handelskosten zu minimieren (Baldwin 1994, S. 44). Für die Standortwahl ist daher der gute Marktzugang für den Absatz- und den Faktorbeschaffungsmarkt entscheidend. Dabei kann es zu einem selbstverstärkenden Prozess kommen, der zu einer Konzentration der Produktion verschiedener Unternehmen führt: Firmen siedeln sich in der Nähe von anderen Firmen an. Dieser Agglomerationseffekt ergibt sich aus der Tatsache, dass die Hersteller von Konsumgütern ihre Konsumenten gerade dort finden werden, wo ein hoher Grad von Beschäftigung und eine entsprechende Kaufkraft vorhanden sind (Baldwin 1994, S. 44). Ein ähnlicher Mechanismus ergibt sich aus dem Ziel der Senkung von Transportkosten für den intra-industriellen Handel. 58 [...]
Neuere Theorieansätze betonen die Bedeutung von geographischer Distanz und Konzentrationsvorteilen bei der Erklärung von ADI. Nach Baldwin (1994, S. 43f.) bestehen die Konzentrationsvorteile demnach in steigenden Skalenerträgen, also sinkenden Durchschnittskosten bei der Produktion durch gleichbleibende Fixkosten bei höherer Stückzahl (Bau einer Fabrik, Forschung, Marketing etc.). Geographische Entfernung dient dagegen als Annäherung an die Kosten, die durch Handel und Transport entstehen. Demnach nehmen mit steigender Entfernung nicht nur die Transportkosten zu, sondern auch der Einfluss von sprachlichen und kulturellen Unterschieden, die Kosten des Personaleinsatzes im Ausland sowie die Informationskosten über lokale Eigentumsrechte, Regulationen, Steuersysteme (Bevan und Estrin 2000, S. 10). Damit kommt es bei Standortentscheidungen zu einem Zielkonflikt zwischen Konzentration und Dezentralisierung. Wenn die Vorteile der Marktnähe die Konzentrationsvorteile aufwiegen, kommt es ceteris paribus zu einer Dezentralisierung der Produktion in Form von ADI (Buch et al. 2001, S. 5f.). Unternehmen, Konzentration die der steigende Skalenerträge bevorzugen, verzeichnen werden und sich damit bei eine [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832460495
Arbeit zitieren:
Spannbauer, Andreas August 2002: Kosten und Nutzen der EU-Osterweiterung: Eine Analyse Ihrer Wirkungen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Aussenhandelstheorie, Regionale Integration, EU-Beitritt, Mitteleuropa, Osteuropa



