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Kopräsenz von face-to-face und virtueller Kommunikation beim netzwerkbasierten Ideentausch

Am Beispiel der Koordinationsgruppe von Sonet

Kopräsenz von face-to-face und virtueller Kommunikation beim netzwerkbasierten Ideentausch
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Stefan Hannemann
  • Abgabedatum: Januar 2003
  • Umfang: 46 Seiten
  • Dateigröße: 602,0 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: FernUniversität in Hagen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6838-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6838-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6838-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hannemann, Stefan Januar 2003: Kopräsenz von face-to-face und virtueller Kommunikation beim netzwerkbasierten Ideentausch, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Medienwahl, Koordination, Kommunikation, Modellierung, Medium

Bachelorarbeit von Stefan Hannemann

Zusammenfassung:

Bei der Frage nach der Wahl von Kommunikationsmitteln werden durch die Weiterentwicklung der technischen Möglichkeiten neue Antworten nötig. Im arbeitspsychologischen Kontext wurde der Frage nachgegangen, welchen Anteil virtuelle und direkte Kommunikation bei der Bewältigung von Koordinationsaufgaben haben sollten. Die Koordinationsgruppe des Sozialorientierten Netzwerkes für Ideentausch (www.Sonet-Schweiz.CH), wo virtuell, branchen- und hierarchieübergreifend Ideen getauscht werden, diente als Untersuchunsgegenstand.

Zunächst wird der theoretische Hintergrund zur Kommunikation beleuchtet. Dazu wird im 2. Kapitel der Kommunikationsbegriff eingeführt und in den Arbeitskontext gestellt. Die Spezifik des Sonet-Projektes erfordert die Vorstellung der Konzepte Idee, Innovation und Kooperation sowie virtuelle Organisation im Kapitel 3. Dem Anliegen der Untersuchung entsprechend wird dem Vergleich cvK und f2f ein grosser Raum gewidmet. Dieser Vergleich erfolgt anhand von zehn Modellen zur cvK (Kap. 4). Den Theorien liegen unterschiedliche Betrachtungsweisen der beiden Kommunikationsformen zugrunde: Während die Theorie der Kanalreduktion cvK ausschliesslich die Defizite der cvK thematisiert, sehen Theorien wie die der Rationalen Medienwahl Kompensationsmöglichkeiten. Der Ansatz der Sozialen Informationsverarbeitung beschreibt die Lebendigkeit von face-to-face und computervermittelter Kommunikation als gleichwertig.

Ohne eine Wertung von Kommunikationsmitteln vorzunehmen, wurden Thesen zur Berücksichtigung beider Kommunikationswege (Kopräsenz) und zum Übergang von direkter zu virtueller Kommunikation bei Koordinationsaufgaben ins Zentrum der Arbeit gestellt. Mit Hilfe von halbstrukturierten Interviews (30 bis 60 min) mit allen Koordinatoren von Sonet sowie eines Fragebogens („Welche Medien sind für welche Aufgaben geeignet?”) wurden Daten erhoben, die zur Beantwortung der Thesen herangezogen werden.

Zentrale Aussagen aus den Interviews betreffen die folgenden Schwerpunkte:

- Erwartungen an das Netzwerk - Erfahrungen mit Kommunikationsmitteln - Einschätzung der Kommunikationsmittel mit persönlichen Vor- und Nachteilen - Aufgaben bei der Sonet-Koordinationsgruppe im Zusammenhang mit der Medienwahl Abschliessend wurden die Ergebnisse diskutiert, die Methoden hinterfragt und Verbesserungsvorschläge abgeleitet.

Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung 4
2 Grundlagen zur Kommunikation 6
2.1 Begriffsklärung 6
2.2 Kommunikation im Arbeitskontext 7
3 Grundlagen zu Innovation und Virtuelle Organisation 9
3.1 Idee 9
3.2 Innovation 9
3.3 Ideentausch, Kooperation 10
3.4 Virtuelle Organisation 10
4 Computervermittelte und face-to-face Kommunikation: Theoretische Grundlagen 11
4.1 Zehn Modelle zur computervermittelten Kommunikation 11
4.1.1 Kanalreduktion 12
4.1.2 Herausfiltern Sozialer Hinweisreize 13
4.1.3 Rationale Medienwahl 14
4.1.4 Normative Medienwahl 16
4.1.5 Interpersonale Medienwahl 18
4.1.6 Soziale Informationsverarbeitung 19
4.1.7 Simulation und Imagination 20
4.1.8 Digitalisierung 20
4.1.9 Kulturraummodell 21
4.1.10 Kritik an den zehn Modellen und Ableitung des Medienökologischen Rahmenmodells 21
4.3 Virtuelle Kommunikationssysteme 23
5 Ziel der Untersuchung 25
5.1 Der Untersuchungsgegenstand 25
5.2 Thesen 26
6 Durchführung der Untersuchung 27
7 Ergebnisse 28
7.1 Halbstrukturierte Interviews und Fragebogen 28
7.2 Schwerpunkte der Antworten 28
7.3 Einbezug der Beobachtungen 30
7.4 Bezugnahme zu den Thesen 30
8 Diskussion und Ausblick 31
8.1 Eignung der Methode 32
8.2 Ausblick 33
9 Danksagung 34
10 Abkürzungen, Abbildungs- und Tabellenverzeichnis 35
11 Literaturverzeichnis 36
12 Anhang 39
12.1 Interview-Leitfaden 39
12.2 Fragebogen 40
12.3 Ergebnisse der Interviews einschliesslich Fragebogen 41

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die Darstellung dieser beiden Theorien in einem Abschnitt wird ihrem engen Bezug gerecht. Die Beschränkung auf die Textvermittlung ermöglicht es den Akteuren, die Informationen über sich und ihr Leben geziehlt zu vermitteln oder auch nach Belieben zu konstruieren bzw. zu simulieren (Döring 2000b). Nahezu alle Merkmale (Alter, Erfahrungen, Aussehen) lassen sich vom Sender bestimmen und können ersteinmal in der cvK nicht überprüft werden. Ein Kontrollgewinn ergibt sich durch die freie Gestaltung der eigenen Identität, während das Gegenüber einen Kontrollverlust (Übereinstimmung Identität/virtuelle Identität unklar) verzeichnet. Auf der Empfängerseite werden die Lücken in der Personenwahrnehmung (cvK) auch durch kognitive Konstruktion verringert. Das Imaginationsmodell sieht die Veränderung des Bildes einer Person durch kognitive Konstruktion situations-, beziehungs- und motivationsabhängig. Diese Einschränkung auf den textbasierten Kanal wird bei den Modellen als Vorteil gesehen: Walther (1996) arbeitet hyperpersonale Interaktion als die von vornherein positiv gefärbte Meinung von anderen Teammitgliedern in auf längere Zeit ausgelegter virtueller Zusammenarbeit heraus. Die Mitgleider werden positiver behandelt und dieser Gesamteindruck wird von der positiven Grundeinstellung viel stärker beeinflusst als in f2fGruppen. Möglichkeiten, dass uns dissonante Nebensächlichkeiten (unangenehme Erscheinung) auffallen, gibt es in der cvK kaum. Unsere Imagination wertet unter diesen Bedingungen die soziale Wirklichkeit positiv auf. Die Wirklichkeitsveränderungen durch cvK durch die Freiheitsgrade zur Selbstdarstellung sind zentral für das Simulationsmodell. Die Projektionsprozesse (Imagination) können als Folge gesehen werden. Auf die Information an sich konzentriert sich die Digitalisierung: [...]

Der Mensch ist danach nicht einer technisch bedingten Kommunikationsveränderung ausgesetzt (Kanalreduktion, Filtermodell) oder kann ihr durch sein Handeln ausweichen (Rationale Medienwahl), wenn nicht sozialer Druck (Normative Medienwahl) oder Mediengewohnheiten (interpersonale Medienwahl) entgegenwirken, sondern kann sich auch entsprechend anpassen (Walther, 1992, social information processing perspective). Die Medialen Einschränkungen werden durch Anpassung an die Systemeigenschaften kompensiert, womit dieses Modell als Antwort auf die starke Kritik des Kanalreduktionsmodell gesehen werden kann. Der zugrunde liegende Gedanke der Kompensation von Defiziten der Kommunikation subsumiert das Modell der Sozialen Informationsverarbeitung unter die schwache Kritik des Kanalreduktionsmodells. Fürs Telefonieren entwickelte Rutter (1987) analog das Cuelesness-Modell: Die Partner konzentrieren sich nicht auf die fehlenden, sondern auf die vorhandenen sozialen Hinweisreize. Die psychologische Distanz wird dementsprechend wahrgenommen und resultiert in unterschiedlichen Verhaltensanpassungen. Das restriktive Hauptmerkmal der cvK – keine non-verbalen Kanäle – führt nicht pauschal zu den o.g. Einschränkungen, vielmehr können diese fehlenden Kanäle mit Textzeichen ( ;)), ☺ als Bsp.) repräsentiert werden (Walther & Burgoon, 1992). Eine Verarmung tritt nur auf, falls die Beteiligten nicht über ausreichend Zeit bzw. Kompetenz verfügen, um die medienspezifischen Möglichkeiten aktiv auszuschöpfen. Solche Kompetenzen werden durch entsprechende Textproduktion und -interpretation gewonnen. Der Sender übermittelt durch cvK unbewusst (Nuancen bei der Wortwahl, kleine Fehler) und bewusst (Aktionswörter, Akronyme) para- und nonverbale Botschaften, die den Aufbau eines vielfältigen sozialen Handlungsraumes ermöglichen. Es lassen sich vielfältig Stimmungen/Gefühle ausdrücken und soziale Fähigkeiten erlernen, ohne dass Kommunikationsstörungen vorliegen. Viele Mails werden einfach geschrieben, nicht um den Unterschied zur direkten Kommunikation zu minimieren, sondern um einen Zuwachs an Möglichkeiten zu erleben. Störungen der Kommunikation haben ihre Ursache vielmehr in (nach Döring, 1999, S. 227): • • • • mangelnder Kompetenz (Zeichen werden nicht verstanden.) mangelnder Motivation Unterdrückung expressiver Gesten durch soziale Normen (Bsp. Zwang zur Sachlichkeit) Zeitmangel (z.B.: Aufbau einer lebendigen Atmosphäre ohne Zeit kaum möglich) [...]

Die Betrachtung des individuellen Medienverhaltens blieb bisher auf eine Richtung beschränkt. Die wechselseitige Beeinflussung in Dyaden bis hin zu grossen sozialen Einheiten wird von Höflich (1996, S. 102) im Modell technisch vermittelter interpersonaler Kommunikation thematisiert. Die Verbindung von Medien und damit die Kommunikationssituation werden auf eine intersubjektive Grundlage, die antizipierte Medienregeln (situationsangepasste Medienverwendung) erfordert, gestellt. Durch die Verbindung zweier Partner ist die Koordinierungsproblematik noch nicht gelöst. Je nach Medienwahl müssen bestimmte Regeln gekannt, beherrscht und angewandt werden. Gerade bei neuen Medien sind Anfangsschwierigkeiten zu erwarten. Fehlt dann der adequate normative Bezug, kann cvK als defizitär erlebt werden. Höflich nennt prozedurale Regeln, die sich auf den formalen Ablauf der Kommunikation beziehen, und Medienregeln. Letzgenannte setzten eine gemeinsame Definition der Mediensituation voraus, die eine situationsadequate Verwendung der Medien ermöglicht. Der sozial normierte Gebrauch – häufig als Folge von interpersonalen Verhandlungen – führt weiterhin zur Erwartung einer medienbezogenen Gratifikation. Die Gratifikation wirkt aber in eine weitere Richtung: Ist ein Medium im Kollegium erfolgreich im Einsatz, so kann sozialer Druck auf zögerliche Anwender ausgeübt werden und es erhöht sich auch der Nutzen der eigenen Kommunikation, z.B. bei regelmässigen Antworten per Mail, wenn eine “kritische Masse” überschritten wird (Markus, 1987, Höflich, 1996). Ab der Überschreitung dieser Masse lohnt sich der Austausch für fast alle und die Kommunikation bricht ersteinmal nicht mehr ab. Als allgemeines Beispiel für die Interpersonale Medienwahl folgendes: Person A will B, der erst am Folgetag wieder präsent sein wird, etwas mitteilen und muss die Dringlichkeit der Mitteilung abschätzen. Sie wird einschätzen, ob ein Fax, Mail, Telefonat oder persönliches Aufsuchen angebracht ist. A wird aber auch den Kommunikationszweck, persönliche Relevanz, Beziehung zu B und die Antizipation von Bs Verhalten einbeziehen. Hat A das Medium gewählt, wird der Erfolg der Kommunikation auch von der Befolgung der jeweiligen prozeduralen Regeln, also dem formalen Ablauf der Kommunikation, abhängen (Höflich, 1996). A wird sich vielleicht freuen, dass sie/ihn B telefonisch an ein Vorhaben erinnert hat, zudem A die Unterlagen dann mitbringen wird. Metakommunikation wirkt insbesondere auf interpersonaler Ebene. Wird eine Nachricht sehr aufwendig überbracht, so kann damit besonderes Interesse, Entgegenkommen oder Dringlichkeit kommuniziert werden. Die Interpersonale Medienwahl betrachtet den konkreten Partner. Wegen des weitgehenden Fehlens von empirischen Ergebnissen stehen detaillierte Informationen zu individuellen Nutzungsstilen und deren gegenseitige Beeinflussung noch aus (Döring, 1996, S. 225). Scholl et al., 1996 erfassen im Sozialpsychologischen Modell der Medienwahl und Mediennutzung neben Geräteverfügbarkeit, Medienwissen, Medieneinstellung und –nutzung sowie Bedürfnissbefriedigung auch das Verhalten der (potentiellen) Kommunikationspartner. Deren wahrgenommenes und erwartetes EmailNutzungsverhalten wird dabei grob erfasst. Ein Vorteil der Interpersonalen Medienwahl ist die Offenheit. Weil wir nicht alle Kanäle der f2f bei der cvK nutzen können, ist nicht automatisch die Kommunikation verarmt. Regeln und deren Einübung ermöglichen uns erfolgreiche Kommunikation mit dem jeweiligen Medium. Computerexperten haben sicher auch Probleme mit f2fKommunikation, wenn sie diese nicht regelmässig nutzen und schreiben dann lieber Mails. [...]

Arbeit zitieren:
Hannemann, Stefan Januar 2003: Kopräsenz von face-to-face und virtueller Kommunikation beim netzwerkbasierten Ideentausch, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Medienwahl, Koordination, Kommunikation, Modellierung, Medium

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