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Koordinationsmechanismen im Supply Chain Management

Koordinationsmechanismen im Supply Chain Management
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Jelena Kolesnewa
  • Abgabedatum: Juli 2008
  • Umfang: 107 Seiten
  • Dateigröße: 1,9 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 90
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3432-8
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Kolesnewa, Jelena Juli 2008: Koordinationsmechanismen im Supply Chain Management, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Koordination, Supply Chain Management, Vertragsdesign, Pharmaindustrie, Management

Diplomarbeit von Jelena Kolesnewa

Einleitung:

In den letzten Jahren ist dem Thema Supply Chain Management in der betriebswirtschaftlichen Forschung und der unternehmerischen Praxis viel Aufmerksamkeit zugekommen. Diese Entwicklung lässt sich auf die Dynamisierung des Wettbewerbsumfeldes zurückzuführen, die durch die anhaltende Tendenz zu Globalisierung, steigenden Effizienzdruck und immer weiter ansteigende Kundenanforderungen hinsichtlich Qualität, Zeit und Preis bestimmt wird. Ständig zunehmende Intensität und die Komplexität von internationalen Wirtschaftsbeziehungen führen dazu, dass immer mehr Unternehmen in grenzüberschreitende Wertschöpfungsketten eingebunden werden. Mit dem Ziel der Schaffung von Wettbewerbsvorteilen stellt die Koordination mehrstufiger, vernetzter Wertschöpfungsprozesse die zentrale Aufgabe des Supply Chain Managements dar. Bei der Koordination handelt es sich um eine wechselseitige Abstimmung einzelner Aktivitäten der Beteiligten in Bezug auf ein übergeordnetes Gesamtziel.

Die zielgerichtete Koordination aller Wertschöpfungsprozesse erfordert eine integrierte, abgestimmte, unternehmensübergreifende Planung der Leistungserstellung. Supply Chain Management bewegt sich dabei im Spannungsfeld zwischen einem zentralen Planungsansatz mit dem Ziel, der notwendigen simultanen Berücksichtigung aller an der Leistungserstellung beteiligten Prozesse gerecht zu werden, und einer in der Praxis etablierten und wesentlich einfacher durchsetzbaren dezentralen Herangehensweise. Bei der Auswahl des Koordinationsprinzips besteht das grundsätzliche Problem darin, dass die Supply Chain aus rechtlich und wirtschaftlich selbständigen Unternehmen besteht und die Unterschiede in der Zusammenarbeit im Supply Chain Management überwiegend durch die bestehenden Machtverhältnisse zwischen den Unternehmen in der Supply Chain bestimmt werden. Existiert in einer Supply Chain ein dominantes Unternehmen, von dem die anderen Unternehmen der Supply Chain abhängen, kann dieses direkten Einfluss auf die untergeordneten Unternehmen ausüben und damit die Supply Chain autonom steuern, so dass eine zentrale bzw. hierarchische Koordination vorliegt. Besteht eine Supply Chain aus gleichberechtigten Unternehmen, müssen die agierenden Unternehmen ihre Aktivitäten mit dem Ziel einer fairen Aufteilung des Nutzens gemeinsam aufeinander abstimmen, damit für alle Unternehmen die Zusammenarbeit attraktiv ist; so muss hier die Koordination der dezentral bzw. heterarchisch geplanten Leistungsprogramme erfolgen.

Je nachdem ob eine Supply Chain oder einzelne Kunde-Lieferantenbeziehung innerhalb einer Supply Chain eher zum hierarchischen oder heterarchischen Ansatz zur Steuerung von Netzwerkprozessen neigt, eignen sich unterschiedliche Koordinationsmechanismen. Außerdem kann das Vertrauen ergänzend zu den Machtverhältnissen zwischen den Supply Chain Partnern auf die Koordinationsform Einfluss ausüben, wobei die grundlegenden Machtverhältnisse zwischen den Unternehmen unverändert bleiben.

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit müssen somit die bestehenden Mechanismen zur Koordination in Bezug auf die Koordinationsrichtung (hierarchische bzw. heterarchische) zwischen den Unternehmen innerhalb der Supply Chain behandelt werden, um die Zusammenarbeit erfolgreich, mit dem Ziel der gemeinsamen Optimierung der Supply Chain, gestalten zu können.

Inhaltsverzeichnis:

Tabellenverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis V
Symbolverzeichnis VII
1. Einleitung 1
1.1 Zielsetzung der Arbeit 1
1.2 Aufbau der Arbeit 2
2. Grundlagen 6
2.1 Supply Chain Management 6
2.2 Planungsaufgaben des Supply Chain Managements 7
2.3 SC-Verhalten bei fehlender Koordination: Bullwhip-Effekt 9
2.4 Koordinationshindernisse im SCM 11
2.5 Theoretische Konzepte zur SC-Koordination 13
3. Direkte Koordination bei der hierarchischen Koordinationsrichtung 14
3.1 Problemstellung 14
3.2 Hierarchisches Koordinationskonzept 15
3.3 Koordinationsmechanismen 18
3.3.1 Koordination durch Weisungen 19
3.3.2 Koordination durch Selbstabstimmung 19
3.3.3 Koordination durch Programme 20
3.3.4 Koordination durch Pläne 21
3.3.5 Hierarchische Koordinationsformen oder Differenzierung der hierarchischen Koordination nach Groll 22
3.4 Spezifische Ausprägung der hierarchischen Koordinations-mechanismen im Supply Chain Management 23
3.4.1 Koordination durch Programme: Standardisierung 23
3.4.2 Koordination durch Pläne 26
3.5 Beurteilung der hierarchischen Koordinationsformen 29
4. Direkte Koordination bei der heterarchischen Koordinationsrichtung 33
4.1 Problemstellung 33
4.2 Heterarchisches Koordinationskonzept 35
4.3 Koordinationsmechanismen 36
4.4 Supply Chain Koordination durch Vertragsdesign 38
4.4.1 Double Marginalization 40
4.4.2 Informationsasymmetrie zwischen Vertragspartnerpartnern 42
4.4.2.1 Typen von Informationsasymmetrie 43
4.4.2.2 Lösungsempfehlungen für erfolgsreiche Partnerschaft 45
4.4.2.3 Schlussfolgerung 47
4.4.3 Zeitungsjungenproblem 48
4.4.3.1 Problemstellung 48
4.4.3.2 Annahmen und Voraussetzungen des Modells 49
4.4.3.3 Formulierung des Modells 50
4.4.3.4 Beispiel 53
4.4.4 Vertragsgestaltung 54
4.4.4.1 Großhandelspreisvertrag 54
4.4.4.2 Vertrag mit Rücknahmegarantie 60
4.4.4.3 Vertrag mit Umsatzteilung 63
4.4.4.4 Zusammenfassung und Vergleichsanalyse alternativer Vertragsformen 66
4.5 Beurteilung der heterarchischen Koordination 69
5. Indirekte Koordination im SCM 71
5.1 Vertrauen und Netzwerkkultur als indirekte Koordinationsmechanismen 71
5.2 Vertrauen im theoretischen Kontext der Prinzipal-Agent-Theorie 72
5.3 Einfluss von Vertrauen auf die Koordinationsrichtung in der Supply Chain 73
5.3.1 Selbstabstimmung und Kontrollverzicht als Einflussfaktoren auf die Koordinationsform 74
5.3.2 Dynamische Veränderungen der Koordinationsformen 76
5.4 Beurteilung der indirekten Koordination 78
6. Fallstudie zur Analyse der Koordinationsformen der Supply Chain am Beispiel einer Supply Chain der Pharma-Industrie 80
6.1 Einleitung 80
6.2 Koordinationsformen im Rahmen des Supply Chain Planning 82
6.3 Analyse der Ergebnisse der Supply Chain Planning in Abhängigkeiten der Koordinationsformen 85
6.4 Probleme und Möglichkeiten des Übergangs von einer dezentralen zu einer zentralen Koordination 86
6.5 Schlussfolgerung 87
7. Zusammenfassung der Ergebnisse und Implikationen für die Praxis 88
Literaturverzeichnis 93

Textprobe:

Kapitel 4.4, Supply Chain Koordination durch Vertragsdesign:

In der Supply Chain hat die Entscheidung eines Akteurs einen großen Einfluss auf das Verhalten seiner Supply Chain Partner. Es ist also wichtig, diesen Einfluss zu berücksichtigen und die Leistung des gesamten Supply Chain zu optimieren und nicht nur die Leistung eines einzelnen Unternehmens. So beeinflusst die Produktionsmenge des Herstellers die maximale Bestellmenge des Händlers. Und nach Vorlage der bestimmten Bestellmengen plant der Hersteller seine Produktionsmenge ein. Diese Entscheidungen werden durch die Bestellmenge sowie durch weitere vertragliche Vereinbarungen beeinflusst.

Die Verträge im Rahmen des Supply Chain Management dienen als Koordinationsmechanismen, welche die Entscheidungen der einzelnen Akteure der Supply Chain im Sinne einer Gewinnmaximierung aufeinander abstimmen. Unter der Koordination, die in diesem Zusammenhang in der Literatur als channel coordination bezeichnet wird, ist zu verstehen, dass die Summe der Gewinne aller in der Supply Chain beteiligten Wertschöpfungspartner genau dem Gewinn entspricht, der sich bei der Maximierung des gesamten Gewinns der Supply Chain ergeben würde. Allgemein handelt es sich um die Vertragsgestaltung innerhalb der Supply Chain. So formuliert Zimmermann den Leitgedanken der Vertragsgestaltung: „Kontrakte definieren bindende Vereinbarungen zwischen den Vertragspartnern, zu deren Einhaltung und Erfüllung man sich freiwillig verpflichtet. Akzeptabel sind daher nur Verträge, die das Erreichen der Anspruchsniveaus beider Supply Chain-Partner ermöglichen (Win-Win Situation).“ Zur Befriedigung des Interesses der kooperierenden Supply Chain Partner und zur besseren Anpassung an die individuellen Unternehmenssituationen soll die Festlegung relevanter Vertragsparameter in mehreren Sitzungen ausführlich ausgehandelt werden. Gegenstände eines Vertrags können verschiedenste Vertragsparameter wie Lieferflexibilität, Mengenvereinbarungen, Rücknahmegarantie, Rabatte, Boni oder Umsatzbeteiligungen sein. Cachon beschreibt eine Vielzahl unterschiedlicher Verträge, mit denen eine Supply Chain koordiniert werden kann und die in der Praxis anzutreffen sind. In dieser Arbeit werden nur drei Typen von Verträgen betrachtet: Großhandelspreisvertrag, Vertrag mit Rücknahmegarantie und Vertrag mit Umsatzteilung, wobei sich das Design von Verträgen als Instrument zur Bestellmengenplanung in der Supply Chain darstellt. Die Ausführungen des Abschnittes 4.4.4 lehnen sich stark an eine Literaturquelle an. Es geht sich um einen Text von Ulrich Thonemann, der im Buch: „Operations Management“, herausgegeben von Pearson Studium im Jahre 2005, erschienen ist. Es wird gezeigt, wie durch die Wahl passender Verträge zwischen den beteiligten Partnern und durch das Verhalten der Entscheidungsträger die Supply Chain koordiniert werden kann, d.h. eine systemweite Effizienzsteigerung in der Supply Chain erzielt wird. Es werden lediglich zwei Entscheidungseinheiten beziehungsweise zwei Entscheidungsstufen betrachtet, die je nach Aufgabe als Lieferant und Abnehmer, Lieferant und Hersteller oder Hersteller und Händler bezeichnet werden können. Es wird von der Annahme der vollkommenen Information ausgegangen, also kennen Hersteller und Händler gegenseitig ihre Gewinnmaximierungskalküle. Das Verhalten zwischen einem Hersteller und einem Händler wird vor dem Hintergrund der konkreten Problemstellung betrachtet, inwieweit Entscheidungen von den Supply Chain Akteuren durch Verträge gesteuert werden können. Da die Nachfrage nach einem Produkt nicht immer exakt prognostiziert werden kann, also nicht immer eine deterministische Nachfrage besteht, wird aus diesem Grund mit der stochastischen Verteilung der Nachfrage nach einem Produkt in Form einer Dichtefunktion gearbeitet, in der alle verfügbaren Informationen über zukünftige Nachfragen enthalten sind.

Vor der Entwicklung geeigneter Vertragsformen werden im Abschnitt 4.4.1 die zu lösenden Probleme betrachtet. Zum einen wird das oben erwähnte Double Marginalization Problem an einem Beispiel dargestellt. Zum anderen wird die Informationsasymmetrie zwischen Vertragspartnern mit ihren möglichen Lösungsvorschlägen ausführlich betrachtet. Zur Lösung des Koordinationsproblems im Sinne der channel coordination wird ein einperiodiges Grundmodell der stochastischen Lagerhaltung, als Zeitungsjungenproblem bekannt, benutzt, das im Abschnitt 4.4.3 vorgestellt wird.

Arbeit zitieren:
Kolesnewa, Jelena Juli 2008: Koordinationsmechanismen im Supply Chain Management, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Koordination, Supply Chain Management, Vertragsdesign, Pharmaindustrie, Management

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