Koordinationsmechanismen bei der Entstehung und Stabilisierung grenzüberschreitender Kooperationen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Henrik Frese
- Abgabedatum: April 1998
- Umfang: 96 Seiten
- Dateigröße: 568,7 KB
- Note: 3,3
- Institution / Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-1199-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-1199-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-1199-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Frese, Henrik April 1998: Koordinationsmechanismen bei der Entstehung und Stabilisierung grenzüberschreitender Kooperationen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Kommunikationssysteme, Netzwerke, Opportunismus, Verhandlungen, Informationssysteme
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Diplomarbeit von Henrik Frese
Einleitung:
Der verschärfte Wettbewerb greift in den Wandel von der Dienstleistungsgesellschaft zur Informationsgesellschaft ein. Er zwingt die Unternehmen aller Branchen zu neuen Strategien, um in den Weltmärkten bestehen zu können. Nicht zuletzt durch die nahende europäische Union und das Zusammenwachsen weltweiter Märkte fallen immer mehr Handelsschranken und Restriktionen. Die Produktlebenszyklen verkürzen sich und sind einer hohen Dynamik unterworfen.
Stärkere Kundenorientierung zwingt die Unternehmen, Entwicklungs- und Lieferzeiten zu verkürzen und Schnittstellenprobleme zu verringern. Starre interne wie externe Unternehmensstrukturen sind nicht mehr aktuell. Auch das Bild des Menschen als reiner Funktionserfüller wird aufgegeben. Neben den Ansprüchen der Käufer an die Produktqualität steigen auch die Ansprüche der Mitarbeiter an den eigenen Arbeitsplatz. Die Restrukturierung der Arbeitsprozesse soll anhand ausgewählter Beispiele näher erläutert werden.
Nicht die Unternehmung löst sich auf, sondern ihre Grenzen. Eine Folge davon ist die Entstehung von weitreichenden Kooperationen, die das Wirkungsfeld einer Unternehmung um ein vielfaches erhöht. Möglich gemacht wird dieser Wandel erst durch die beschleunigte Leistungsfähigkeit der Informations- und Kommunikationssysteme für den stärkeren überbetrieblichen Informationsaustausch über standardisierte Schnittstellen.
Gang der Untersuchung:
In der vorliegenden Arbeit werden die Vorgänge der Entstehung und die Motive der Kooperation untersucht. Sie generiert Ergebnisse, die zur reibungsfreien Zusammenarbeit von Wirtschaftssubjekten beitragen. Der Begriff der grenzüberschreitenden Kooperation bezieht sich auf das Überschreiten von Unternehmensgrenzen. Bisher wurde der Mechanismus der Verhandlungen in der Literatur zur Kooperation nicht entsprechend seiner Bedeutung untersucht, deshalb werden Taktiken in Verhandlungen aufgezeigt.
Im zweiten Kapitel werden innerhalb der Transaktionskostenökonomik die zentralen Umweltfaktoren und Verhaltensannahmen identifiziert, die eine Koordination durch alternative Organisationsstrukturen effizient machen. Die Principal-Agent-Theorie behandelt die Situationen und Konfliktpotentiale bei der Trennung von Eigentum und Leistung in der Wertschöpfungsaktvität. Die Vertragstheorie bildet eine weitere Grundlage für die Abstimmung der unterschiedlichen Interessen der kooperierenden Unternehmen.
Das dritte Kapitel analysiert die Vorgänge, die eine Zusammenarbeit einleiten und in entsprechende Bahnen lenken. Daraus resultiert der organisatorische Handlungsbedarf. Verhandlungen werden als Chance gesehen, unterschiedliche Interessen zu Beginn anzugleichen. Daraufhin wird die Unternehmenskultur im Hinblick auf die Etablierung von Verhaltensregeln untersucht.
Die Entwicklungen innovativer Kooperationsformen werden im vierten Kapitel zu einem vorläufigen Ergebnis zusammengeführt. Nachdem technologische Voraussetzungen für eine intensive Zusammenarbeit von Unternehmen dargestellt werden, findet die Verbindung zwischen Netzwerken und telekooperativen Arbeitsformen ihren Niederschlag im erstmals Anfang der Neunziger Jahre beschriebenen Konzept der virtuellen Unternehmung. Auf die veränderte Rolle der Mitarbeiter wird kurz eingegangen. Durch praktische Beispiele werden auch die transaktionskostentheoretischen Vorteile dieser Form als mögliche Antwort auf die globale Herausforderung im Wettbewerb herausgestellt.
Die entscheidenden Erfolgsfaktoren sind nicht einzig und allein für die hier angesprochenen Kooperationsformen gültig. Neben der Möglichkeit zur Minderung von Opportunismusneigungen werden auch die Instrumente zur Absicherung von Opportunismusspielräumen erläutert. Der erwähnte Strukturwandel in den Innovationsprozessen, den Spezialisierungstendenzen und der Ausbreitung von Kommunikationsnetzen hat einen großen Einfluß auf Anwendungsmöglichkeiten der Informationstechnologie in der zwischenbetrieblichen Zusammenarbeit. Ergänzt wird diese Betrachtung durch das Managementkonzept der Kernkompetenzen, welches in jüngster Zeit zu einer Vielzahl von Publikationen geführt hat.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | II | |
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| Abbildungsverzeichnis | VII | |
| 1. | Einleitung und Abgrenzung des Themas | 1 |
| 2. | Theoretische Grundlagen zur Kooperation | 4 |
| 2.1 | Transaktionskostentheorie | 5 |
| 2.1.1 | Definition und Begriffserklärung | 5 |
| 2.1.2 | Verhaltensannahmen: beschränkte Rationalität - Opportunismus | 7 |
| 2.1.3 | Determinanten der Transaktion: Faktorspezifität, Häufigkeit und Unsicherheit | 8 |
| 2.2 | Positive Agency-Theorie | 11 |
| 2.3 | Vertragstheorie | 14 |
| 3. | Die Anbahnung und Entstehung der unternehmensgrenzüberschreitenden Kooperation | 17 |
| 3.1 | Definition und Entstehung | 17 |
| 3.1.1 | Partnersuche und Partnerauswahl | 18 |
| 3.1.2 | Innovative Unternehmensgründung und Kooperation | 19 |
| 3.2 | Der Prozeß der Verhandlungen | 22 |
| 3.2.1 | Inhalte der Verhandlungen | 22 |
| 3.2.2 | Eine Darstellung von Verhandlungstaktiken | 23 |
| 3.2.3 | Das Gefangenendilemma | 25 |
| 3.3 | Die Entwicklung einer flexiblen Unternehmenskultur | 27 |
| 3.3.1 | Definition und Beschreibung | 27 |
| 3.3.2 | Gestaltungsansätze und Kritik | 29 |
| 3.3.3 | Ein Beispiel informalen Gestaltens: Clans | 31 |
| 4. | Vernetzte Organisationsformen als Maßnahme zur Reduzierung von Koordinationsproblemen | 33 |
| 4.1 | Standardisierung der Kommunikation am Beispiel EDI | 33 |
| 4.2 | Netzwerke als Grundlage virtueller Strukturen | 36 |
| 4.3 | Abstimmungsinstrumente in Netzwerken | 38 |
| 4.4 | Telekooperation | 41 |
| 4.4.1 | Telearbeit | 42 |
| 4.4.2 | Telemanagement | 44 |
| 4.5 | Die virtuelle Unternehmung | 46 |
| 4.5.1 | Definition und Motive | 46 |
| 4.5.2 | Abgrenzung und Charakterisierung | 48 |
| 5. | Erfolgsfaktoren bei der Stabilisierung einer langfristigen Geschäftsbeziehung | 50 |
| 5.1 | "Weiche" Beziehungsfaktoren als Ergänzung zu relationalen Verträgen | 50 |
| 5.1.1 | Vertrauen und Selbstverpflichtung als transaktionskostensenkende Faktoren | 51 |
| 5.1.2 | Überbetriebliche Teamarbeit zur Festigung der Zusammenarbeit | 54 |
| 5.2 | Asymmetrische Informationsverteilung und die Folgen für die Vertragspartner | 55 |
| 5.2.1 | Moral Hazard in einer Vertragsbeziehung | 55 |
| 5.2.2 | Absicherungsinstrumente gegen opportunistisches Verhalten | 56 |
| 5.3 | Die Informations- und Kommunikationstechnik als stützender Faktor in einer Netzwerkbeziehung | 58 |
| 5.4 | Der strategische Einfluß von Kernkompetenzen | 60 |
| 6. | Ausblick | 64 |
| Anhang: Protokolle der Experten-Interviews | 63 | |
| Literaturverzeichnis | 71 |
Die Stabilität der Preise über einen längeren Zeitraum verhindert ihren Einsatz als Koordinationsmechanismus, so daß die Verhandlungen des jeweiligen Leistungsniveaus und der Servicegrad als Marktmechanismus beim Leistungsaustausch benutzt werden.162 Letztendlich besteht ein Wettbewerb um mehr Service bei gleichen Preisen. Der interorganisationale Charakter der Beziehung erfordert ein reibungsloses Wechseln der Transaktionssphäre beim Leistungsaustausch über standardisierte Schnittstellen. Gemeinsam können die relevanten Meßpunkte für eine Maß-, Festigkeitsoder Materialprüfung vereinbart werden, die Ergebnisse der Prüfprotokolle werden dann an alle Netzwerkpartner weitergegeben. Zudem können die Zulieferer z.B. in einen festen Lieferrhythmus eingebunden werden.163 Außerdem kann die räumliche Spezifität von Industrieparks dazu beitragen, Transportkosten für Güter zu senken. Ein Beispiel effektiver Koordination in vertikalen Netzwerken stellen die Entwicklungsteams der BMW AG dar. Sie bestehen zur Hälfte aus BMW - Mitarbeitern und zur Hälfte aus Mitarbeitern der Zulieferer. Der Hersteller überträgt ihnen die Kompetenz, ihre Module unabhängig zu entwickeln und die Produktion zu betreuen. Dadurch entfällt die doppelte Konstruktionsarbeit und Qualitätskontrolle beim Hersteller und Zulieferer.164 Die gegenseitige Abhängigkeit fordert opportunistische Verhaltensweisen in Form von Erpressung etc. geradezu heraus, weil die spezifische Leistungserstellung den Kreis der Wertschöpfungspartner einengt. Weitere Formen der Ausnutzung asymmetrischer Informationsverteilung und wie man ihnen durch geeignete Absicherungsinstrumente begegnet, wird in Kapitel 5 erläutert. Das Netzwerk basiert auf langfristigen, häufig bilateralen Verträgen.165 Wird das Netzwerk um die Komponenten „Telearbeit“ und „Telemanagement“ erweitert, so ist die Bildung einer virtuellen Unternehmung (VU) möglich. Beide Komponenten stei- [...]
Aufgrund der langfristigen Auslegung der Netzwerke besteht die Gefahr, daß ein Ausschluß aus der Vereinigung nicht mehr als wirksamer Sanktionsmechanismus funktioniert. Das hat einen steigenden Opportunismusspielraum zur Folge und damit eine Beeinträchtigung des Wettbewerbscharakter. Dadurch kann das Netzwerk seinen dynamischen Charakter verlieren und in eine starre Unternehmensstruktur übergehen. Um der kompetetiven und kooperativen Ausrichtung gerecht zu werden, könnte eine Art „Last Call“- Mechanismus dem bisherigen Transaktionspartner nach Kenntnisnahme des Konkurrenzangebotes die Chance geben, sein Angebot zugunsten des Abnehmers zu verbessern. Die Instrumente lassen sich nach Handlungsspielraum der Netzwerkunternehmen und nach gegenseitige Abhängigkeit unterteilen: Abbildung 7: Instrumente zur Allokation von Leistungsumfängen [...]
Die Aufweichung der Unternehmensgrenzen erfordert einen Wandel in den interorganisationalen Abstimmungsinstrumenten. Die Netzwerke versuchen unter Einsatz wenig koordinationsaufwandsverursachender Mechanismen, z.B. des Preises, die maximale Differenz zwischen Erträgen und Aufwand der Zusammenarbeit zu erreichen. Die Gefahr, daß die eigene Leistungserstellung durch einen anderen Anbieter ersetzt wird, stellt den Anreiz zur Anstrengung dar.155 Die Abstimmung des eigenen Handelns mit den anderen Teilnehmern kann durch Anweisung und Planung oder durch den Einsatz von neutralen Gremien erfolgen. Voraussetzung für die Zuweisung von Produktionsaufträgen durch Weisung ist ein hohes Maß an Abhängigkeit von diesen Aufträgen. Eine solche Anwendung stellt die jährliche Reduzierung des Stückpreises im Rahmen von Mehrjahresverträgen dar.156 Eine Maßnahme zur Gewährung größerer Handlungsspielräume in ihren Aktivitäten ist die reine Zielvorgabe, z.B. eine Kapitalrendite oder die Fertigstellung eines Projektes.157 Dies kann einen Ausweg aus dem Spannungsfeld zwischen freier Handlung und extern vorgegebenen Strukturen bedeuten.158 Ein großer Handlungsspielraum reduziert die Transaktions- und Vertragskosten, weiterhin bewirkt er eine hohe Mitarbeitermotivation.159 Um allerdings die große Handlungsfreiheit überwachen zu können, kann ein Benchmarking dienen. Darunter versteht man den Vergleich eigener Teilbereiche, Funktionsbereiche oder Prozesse zumeist branchenübergreifend mit anderen Unternehmen, die in bezug auf den zu untersuchenden Teilbereich als weitgehend führend gelten.160 Diese Zusammenkünfte ermöglichen eine Verhaltensüberwachung der Organisationseinheiten, Individuen oder Systeme, auch „monitoring“ genannt.161 [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832411992
Arbeit zitieren:
Frese, Henrik April 1998: Koordinationsmechanismen bei der Entstehung und Stabilisierung grenzüberschreitender Kooperationen, Hamburg: Diplomica Verlag
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Kommunikationssysteme, Netzwerke, Opportunismus, Verhandlungen, Informationssysteme



