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Kooperationen in der Automobilindustrie

Eine Effektivitäts- und Effizienzanalyse

Kooperationen in der Automobilindustrie
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Alexander Scholl
  • Abgabedatum: April 1998
  • Umfang: 90 Seiten
  • Dateigröße: 556,1 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-1651-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-1651-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-1651-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Scholl, Alexander April 1998: Kooperationen in der Automobilindustrie, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Automobilindustrie, Kosten, Kooperationen, Transaktionskosten, Strategische Allianzen

Diplomarbeit von Alexander Scholl

Einleitung:

Den Ausgangspunkt dieser Arbeit bilden zwei in der Realität zu beobachtende Entwicklungen: die zunehmende Kooperationshäufigkeit in den 90er Jahren und eine Diskrepanz zwischen anfänglichen Erwartungen und tatsächlichen Ergebnissen der Kooperationen.

Dabei liegt das Ziel der Arbeit nicht in der Nachzeichnung dieser Entwicklungen - es wird lediglich auf die entsprechende Literatur verwiesen -, sondern in einer Herausarbeitung der Motive für Punkt 1 bzw. der Ursachen für Punkt 2.

Die steigende Häufigkeit von Kooperationen als Antwort auf die strategische Frage nach der geeigneten Koordinationsform bei veränderten Wettbewerbsbedingungen (erhöhter wirtschaftlicher Verflechtungsgrad, verstärkte Integrationsbestrebungen, kürzere Produktlebenszyklen, Individualisierungen der Nachfrage sowie Überkapazitäten) ergibt sich aus dem theoretischen Anspruch, daß Kooperationen einen schnelleren und gezielteren Zugriff auf genau die Ressourcen ermöglichen, welche die jeweilige Umweltsituation erfordert, bei gleichzeitiger Senkung von Kosten und Risiko durch Verteilung auf alle Beteiligten und der prinzipiellen Möglichkeit einer Neuorientierung bei sich verändernden Rahmenbedingungen.

Diese grundsätzliche Eignung von Kooperationen als Instrument zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit (gegenüber Markttransaktionen, Akquisitionen und Eigenentwicklungen) wird anhand der Kernfunktionsbereiche F&E, Produktion und Beschaffung sowie Vertrieb auf die Automobilindustrie übertragen, wobei analytisch und anhand von Beispielen gezeigt wird, welche unterschiedlichen Motive (Erschließung von Märkten, Senkung von Kosten und Risiko, Zugriff auf externes Know-how, Zeitvorteile) je nach Wettbewerbs- und Umweltsituation für das Eingehen von Kooperationen dominieren.

Allerdings stellt sich nach einer anfänglichen Phase der Euphorie bei Kooperationen in deren Verlauf häufig eine Phase der Ernüchterung ein, die letztlich in hohen Mißerfolgsquoten zum Ausdruck kommt. Somit rückt neben der Frage nach der Effektivität von Kooperationen die nach der Effizienz in den Vordergrund. Einen theoretischen Erklärungsansatz für die Analyse der Effizienz von Koordinationsformen liefert die Transaktionskostenökonomie, deren zentrale Aussage ist, daß Transaktionskosten die Effizienz von Koordinationsformen erklären. Dies erweist sich als nützliches Instrumentarium für die Untersuchung des Scheiterns vieler Kooperationen im Automobilsektor.

Dieses Instrumentarium nutzend steht zunächst die Analyse von kooperationsfeldunabhängigen Einflußfaktoren auf die Effizienz von Automobilkooperationen im Vordergrund. Dabei finden die transaktionskostenerhöhenden Auswirkungen unterschiedlicher Landes- und Unternehmenskulturen als wesentliche Ursache für einen mangelnden "Fit" der Kooperationspartner besondere Beachtung. Bei der anschließenden Analyse der Kooperationsfelder können jeweils potentielle Ineffizienzen in den einzelnen Kooperationsphasen anhand der entstehenden Transaktionskostenarten aufgezeigt werden.

Kooperieren die Partner bspw. auf dem Feld der F&E können hohe Transaktionskosten entstehen, da der Kooperationsgegenstand "Wissen" verhältnismäßig einfach opportunistischem Verhalten zugänglich ist. Produktions- und Beschaffungskooperationen können aufgrund hoher einseitiger spezifischer Investitionen zu Ineffizienzen führen. Zudem sind i.d.R. die erforderlichen Verhandlungen und die Anzahl der abzustimmenden Koordinationsfragen besonders umfangreich. Bei Vertriebskooperationen besteht eine hohe Opportunismusgefahr infolge der nur aufwendig zu reduzierenden Informationsasymmetrien zwischen dem eintretenden Hersteller und den vertreibenden Händlern. Als zentrales Fallbeispiel dient die Kooperation eines europäischen mit einem asiatischen Automobilhersteller, deren Motive, Verlauf und Konsequenzen aus dem Interview mit dem verantwortlichen Kooperationsmanager auf europäischer Seite entnommen werden können.

Trotz der aus hohen Transaktionskosten resultierenden z.T. ernüchternden Erfahrungen mit Kooperationen ist davon auszugehen, daß die Automobilindustrie auch weiterhin auf dieses Instrument zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit setzen wird. Insofern kommt der Ableitung von Gestaltungsempfehlungen zur Verringerung der Transaktionskosten hohe praktische Relevanz zu. Neben Ausführungen zum Einsatz von Informations- und Kommunikationssystemen und kulturellen Sensibilisierungen wird v.a. auf allgemeine Anmerkungen zur Wahl der effizientesten Koordinationsform in Abhängigkeit von den jeweiligen Transaktions-Dimensionen (Investitionsspezifität, Häufigkeit von Transaktionen, Umweltunsicherheit, partnerbezogene Merkmale, Infrastruktur, ...) hingewiesen.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis VI
Tabellenverzeichnis VI
Einleitung 1
I. Kooperationen als Wettbewerbsinstrument der Automobilindustrie 4
A. Abgrenzung und Typologisierung des Kooperationsbegriffs 4
1. Abgrenzung der Kooperation von Markttransaktion, Akquisition und Eigenentwicklung 4
2. Typologisierung von Kooperationen 6
B. Leitende Motive für Kooperationen anhand der unterschiedlichen Kooperationsfelder 8
1. F&E-Kooperationen 9
2. Produktions- und Beschaffungskooperationen 13
3. Vertriebskooperationen 15
II. Die Transaktionskostenökonomie als theoretischer Erklärungsansatz für die Effizienz von Kooperationen 19
A. Einordnung und Grundzüge 19
B. Elemente der Transaktionskostenökonomie 21
1. Transaktionen als Analyseeinheit 21
2. Transaktionskosten als Erklärungsgrößen 21
C. Dimensionen der Transaktion 23
1. Individualverhalten 24
2. Transaktions- und Umweltmerkmale 26
3. Transaktionsatmosphäre 29
D. Effizienzvergleich der Koordinationsformen 31
1. Charakteristika von Markt, Hierarchie und Kooperation 32
2. Einfluß der Transaktions-Dimensionen 34
E. Bedeutung und Grenzen der Transaktionskostenökonomie für die Kooperationsanalyse 36
III. Übertragung des transaktionskostentheoretischen Erklärungsansatzes auf internationale Kooperationen in der Automobilindustrie 38
A. Anwendbarkeit der Transaktionskostenökonomie auf Kooperationen in der Automobilindustrie 38
B. Analyse der Effizienz von Kooperationen 39
1. Kooperationsfeldunabhängige Einflußfaktoren 39
a) Infrastruktur der Transaktion 39
b) Partnerbezogene Merkmale 43
2. Kooperationsfeldabhängige Einflußfaktoren 48
a) F&E-Kooperationen 48
b) Produktions- und Beschaffungskooperationen 52
c) Vertriebskooperationen 56
IV. Schlußbetrachtung 60
Anhang I: Interview mit europäischen Kooperationspartner 63
Literaturverzeichnis 70

Automatisiert erstellter Textauszug:

• Eine hohe strategische Bedeutung erfordert eine eher hierarchische Koordination, die für die erforderlichen Absicherungs-, Kontroll- und Geheimhaltungsanforderungen grundsätzlich besser geeignet ist. • Eine konfliktträchtige Transaktionsatmosphäre wird durch eine eher hierarchische Koordination bewältigt, da sie besser den Gefahren opportunistischem Verhaltens begegnen kann. • Einer hohen Umweltunsicherheit wird mit einer eher hierarchischen Koordination begegnet, die wiederholte Vertragsformulierungs- und Nachverhandlungskosten, wie sie zwischen externen Transaktionspartnern entstehen, verringert. Sind die Transaktions-Dimensionen hingegen eher niedrig ausgeprägt, ist eine eher marktliche Koordinationsform transaktionskostenminimierend, da stärkere Anreize für ein effizientes Handeln gesetzt werden und weniger Transaktionsprobleme drohen.137 Die nachfolgende Abbildung 3 visualisiert die Transaktionskosten der einzelnen Koordinationsformen in Abhängigkeit von der Ausprägung der einzelnen Transaktions-Dimensionen. [...]

zienzen in Form von Koordinationsschwierigkeiten und wahrscheinlicher werdenden Fehlentscheidungen.129 Andererseits besitzt die hierarchische Koordination Effizienzvorteile gegenüber dem Markt durch bessere Kontroll-, Absicherungs- und Anpassungsmöglichkeiten. Da bei einer zentralen Entscheidungskompetenz teure Verhandlungen vermieden und schnelle Durchsetzbarkeit gewährleistet ist,130 kann flexibler auf externe und interne Transaktionsprobleme reagiert werden. Opportunistischem Verhalten wird durch gemeinsamen Ressourcenbesitz und angenäherte individuelle Erwartungen innerhalb eines Unternehmens entgegengewirkt, wodurch bspw. die unkontrollierte Verbreitung von relevantem Know-how unwahrscheinlich wird.131 Durch die Berücksichtigung kooperativer Koordinationen wird ein fließender Übergang zwischen den gegensätzlichen Koordinationsformen Markt und Hierarchie möglich, bei dem je nach Ausgestaltung entweder Anreizwirkungen oder Eingriffsmöglichkeiten stärker betont werden. 132 Bei einer Kooperation sind die Anreize für eine effiziente Ressourcenallokation weniger stark ausgeprägt als bei marktlicher Koordination, da bei fallweisen Ineffizienzen die Kooperation nicht gleich beendet wird. Hingegen sind die Anreize höher als bei hierarchischer Koordination, da i.d.R. eine stärkere Kopplung der Leistungserbringung an die Ergebnisverteilung erfolgt. [...]

Koordinationsformen mit ihren zwei Extremen Markt und Hierarchie unterscheiden sich v.a. hinsichtlich ihrer Fähigkeit, bei der Abwicklung von Transaktionen Anreize für einen sparsamen Ressourceneinsatz zu geben und bestimmte Transaktionsprobleme kostengünstig zu lösen. Eine marktliche Koordination, bei der Leistungs- und Austauschprozesse über den Preismechanismus des Marktes abgewickelt werden, zeichnet sich durch starke Anreize für eine effiziente Ressourcenallokation aus.126 Diese Anreize wirken um so stärker, je standardisierter die Leistung ist. Die damit verbundene hohe Konkurrenz in Verbindung mit einem wirksamen Preismechanismus führt zu einer effizienten Ressourcenallokation.127 Bei der hierarchischen Koordination sind hingegen die Anreize für eine effiziente Ressourcenallokation geringer ausgeprägt.128 Die geringeren Anreize basieren v.a. auf den für hierarchische Koordinationen üblichen Fall, daß derjenige, der die Ressource Arbeit in eine Unternehmung einbringt, wenig bis gar nicht von dem Ergebnis seiner Leistung profitiert. Somit besteht für ihn ein im Verhältnis zum Markt geringerer Anreiz, die effizienteste Ressourcenallokation zu finden bzw. umzusetzen. Zudem führt die Abwesenheit von Konkurrenz und marktlichem Preissystem im Fall von zunehmenden oder komplexen internen Transaktionen zu Ineffi- [...]

Arbeit zitieren:
Scholl, Alexander April 1998: Kooperationen in der Automobilindustrie, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Automobilindustrie, Kosten, Kooperationen, Transaktionskosten, Strategische Allianzen

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