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Konzeptualisierung und Operationalisierung organisationaler Fähigkeiten

Theoretische Grundlagen und empirische Befunde

Konzeptualisierung und Operationalisierung organisationaler Fähigkeiten
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Oskar Schmidt
  • Abgabedatum: Mai 2003
  • Umfang: 84 Seiten
  • Dateigröße: 473,0 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: COLOGNE BUSINESS SCHOOL - International Campus Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7058-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7058-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7058-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schmidt, Oskar Mai 2003: Konzeptualisierung und Operationalisierung organisationaler Fähigkeiten, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Dynamische Fähigkeiten, Wissensmanagement, Resource Based View, Ressourcentheorie, Dynamische Routinen

Diplomarbeit von Oskar Schmidt

Einleitung:

Ein Studium aktueller Publikationen der strategischen Managementforschung zeigt, dass organisationalen Fähigkeiten zur Erklärung dauerhafter Wettbewerbsvorteile zentrale Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Das Konzept der Kernkompetenzen, dessen praktische Relevanz bei der Formulierung der Unternehmensstrategie unbestritten ist, wird aufgrund seiner tautologischen Grundaussage von Seiten der Forschung zunehmend in Frage gestellt. Angesichts zunehmender Marktturbulenzen bietet die aktuelle Diskussion um dynamische und wissensbasierte Fähigkeiten viel versprechende Ansätze zur Erklärung überdurchschnittlicher Renditen.

Die Umsetzung der jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Praxis erfordert eine (Re-)Konzeptualisierung und eine Operationalisierung organisationaler Fähigkeiten. Um den Gegenstandsbereich des Konstruktes vollständig zu erfassen werden in dieser Arbeit die zentralen Entwicklungslinien des Forschungsfeldes um organisationale Fähigkeiten aufgezeigt, wobei die aktuelle wissensbasierte und dynamische Perspektive im Mittelpunkt steht. Des Weiteren werden Möglichkeiten zur Beobachtung organisationaler Fähigkeiten dargelegt, die als Basis für ein Messinstrumentarium und zur Generierung generalisierbarer und empirisch fundierter Handlungsempfehlungen dienen.

Ziel der strategischen Managementforschung ist die Erforschung der Quellen ökonomischer Renten sowie der Ableitung generalisierbarer Aussagen darüber, welche Maßnahmen Unternehmungen zum Zwecke der Erfolgserzielung ergreifen müssen. In der jüngeren Zeit dominieren Forschungsbestrebungen die versuchen, nachhaltige Performanceunterschiede über die heterogene Ressourcenausstattung der Unternehmen zu erklären. Ein Studium aktueller Publikationen der strategischen Managementforschung zeigt, dass organisationalen Fähigkeiten, die als Teilmenge der Ressourcenausstattung verstanden werden können, zentrale Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Organisationale Fähigkeiten, so die Argumentation, sind nicht direkt beobachtbar sondern in die Tiefenstrukturen des Unternehmens eingebettet, stets unternehmensspezifisch und deshalb nicht am Markt handelbar. Sie bieten aufgrund ihrer Heterogenität die Möglichkeit zur Differenzierung im Wettbewerb und sind gleichzeitig aufgrund begrenzter Beobachtbarkeit und langjähriger Entwicklungsdauer weitgehend vor der Imitation und der Substitution durch Konkurrenzunternehmen geschützt. Aufgrund der genannten Eigenschaften wird in organisationalen Fähigkeiten ein wesentlicher Erklärungsbeitrag für dauerhafte Performanceunterschiede zwischen Unternehmen vermutet.

Trotz der gestiegenen Aufmerksamkeit, die organisationalen Fähigkeiten mittlerweile zukommt, herrscht in der Literatur Uneinigkeit darüber, wie das Konstrukt der organisationale Fähigkeiten zu konzeptualisieren ist. Zwar existieren zahlreiche Beiträge, die versuchen dessen Schlüssel-Dimensionen zu erfassen, eine einheitliche Vorstellung über den Gegenstandsbereich organisationaler Fähigkeiten ist jedoch nicht vorhanden. Dosi, Nelson und Winter beschreiben den Stand der Forschung treffend: „The term ’capabilities’ floats in the literature like an iceberg in a foggy Arctic sea, one iceberg among many, not easily recognized as different from several icebergs near by.“ Neben konzeptuellen Unklarheiten besteht ein weiteres grundsätzliches Problem des gegenwärtigen Forschungsstandes in der mangelnden empirisch Absicherung der auf konzeptueller Ebene getroffenen Aussagen über organisationale Fähigkeiten.

Die fehlende empirische Absicherung theoretischer Erkenntnisse ist auf die unzureichende Operationalisierung des Konstruktes zurückzuführen, welches sich aufgrund fehlender Beobachtbarkeit einer direkten Messung entzieht. Um im Hinblick auf das Gestaltungsziel der strategischen Managementforschung generalisierbare und empirisch fundierte Handlungsempfehlungen geben zu können, muss ein Messinstrumentarium entwickelt werden, mit dem sich organisationale Fähigkeiten auf ihren Erklärungsbeitrag zum Unternehmenserfolg hin überprüfen lassen. Die Konzeptualisierungs- und Operationalisierungsaufgabe organisationaler Fähigkeiten ist folglich vor dem Hintergrund des Erkenntnis- und Gestaltungszieles der strategischen Managementforschung zu sehen. Das Ziel der Arbeit besteht zum einen darin, das Konstrukt der organisationalen Fähigkeiten aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten, die zentralen Entwicklungslinien des Forschungsfeldes um organisationale Fähigkeiten aufzuzeigen und den Gegenstandsbereich des Konstruktes möglichst vollständig zu erfassen. Des Weiteren geht es darum, Möglichkeiten einer empirischen Beobachtung des Konstruktes aufzuzeigen. Zum Stand der Forschung ist anzumerken, dass die Operationalisierung organisationaler Fähigkeiten aufgrund der Konstruktkomplexität sowie der konzeptuellen Uneinigkeit noch am Anfang steht. Aufgrund dieser Tatsache liegt der Schwerpunkt dieser Arbeit auf der konzeptuellen Ebene. Aufbauend auf einer aus der Ressourcentheorie abgeleiteten theoretischen Definition sind verschiedene Ansätze zu erläutern, die die Konzeptualisierung organisationaler Fähigkeiten vorantreiben. Die Ansätze sind miteinander in Beziehung zu setzen und auf ihren Beitrag zur Operationalisierung des Konstruktes kritisch zu würdigen. Aussagen auf theoretischer Sprachebene sind durch empirische Befunde zu untermauern, soweit diese vorhanden sind.

In Kapitel B werden zunächst Grundlagen zur Konzeptualisierung und Operationalisierung organisationaler Fähigkeiten erläutert. Neben der Präzisierung und Abgrenzung der Aufgabenbereiche der Konzeptualisierung und der Operationalisierung wird der theoretische Bezugsrahmen für die Auseinandersetzung mit organisationalen Fähigkeiten vorgestellt. In den anschließenden drei Hauptkapiteln wird die Konzeptualisierung und Operationalisierung organisationaler Fähigkeiten vorgenommen.

In Kapitel C wird zunächst, aufbauend auf ressourcentheoretischen Grundaussagen, eine theoretische Definition organisationaler Fähigkeiten erläutert, die sich aufgrund des hohen Abstraktionsniveaus für eine Auseinandersetzung auf empirischer Ebene als unzureichend erweisen wird. Eine Präzisierung der ressourcentheoretischen Definition erfolgt im anschließenden Kapitel mittels des Konzeptes der organisationalen Routine. Schließlich werden in Kapitel E die dynamischen Charakteristika organisationaler Fähigkeiten in den Vordergrund gestellt. In der Schlussbetrachtung werden die Ergebnisse der Arbeit reflektiert und Überlegungen für weitere Forschungsmöglichkeiten angestellt.

Inhaltsverzeichnis:

ABBILDUNGS- UND TABELLENVERZEICHNIS 4
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS 5
A. Einleitung 6
B. Grundlagen zur Konzeptualisierung und Operationalisierung organisationaler Fähigkeiten 9
1. Konzeptualisierung und Operationalisierung theoretischer Konstrukte 9
2. Theoretischer Bezugsrahmen zur Konzeptualisierung und Operationalisierung organisationaler Fähigkeiten 11
C. Klassischer Ressourcenansatz zur Konzeptualisierung und Operationalisierung organisationaler Fähigkeiten 14
1. Ressourcen als Grundlage von Wettbewerbsvorteilen 14
1.1 Positionierung des Ressourcenansatzes 14
1.2 Merkmale und Entstehung strategisch relevanter Ressourcen 17
2. Organisationale Fähigkeiten als Ressourcenkombination 19
2.1 Konzeptualisierung der Beziehung zwischen Fähigkeiten und Ressourcen 19
2.2 Überindividueller Charakter organisationaler Fähigkeiten 21
3. Konstruktdimensionen organisationaler Fähigkeiten 22
3.1 Organisationale Fähigkeiten als multidimensionales Konstrukt 22
3.2 Wettbewerbsrelevante Eigenschaften organisationaler Fähigkeiten 26
4. Kritische Würdigung der ressourcentheoretischen Definition 30
D. Evolutionsökonomischer Ansatz zur Konzeptualisierung und Operationalisierung organisationaler Fähigkeiten 33
1. Routinen als Grundlage der Unternehmensfähigkeit 33
1.1 Funktion und Wesen von Routinen 33
1.2 Organisationale Routinen als Netzwerk dezentraler Wissensbasen 36
2. Operationalisierung von Routinen 41
2.1 Indikatoren kollektiver Handlungsregeln 41
2.2 Grenzen der Erfassbarkeit organisationaler Fähigkeiten 43
3. Kritische Würdigung der evolutionsökonomischen Definition 46
E. Dynamic Capabilities Ansatz zur Konzeptualisierung und Operationalisierung organisationaler Fähigkeiten 49
1. Bezugsrahmen zur Erklärung dynamischer Fähigkeiten 49
2. Dynamische Routinen als Fähigkeiten höherer Ordnung 53
3. Dynamische Fähigkeiten als wissensgenerierende Prozesse 56
3.1 Handlungswissen und erfahrungsbasierte Lerntheorien 58
3.2 Das Modell der Wissensspirale 59
3.3 Dynamische Fähigkeiten als zweidimensionales Konstrukt 62
4. Würdigung der dynamischen Definition 65
F. Schlussbetrachtung 69
LITERATURVERZEICHNIS 70

Automatisiert erstellter Textauszug:

34 on von Nelson und Winter zeigt, dass der Begriff der Routine, ähnlich wie der Ressourcenbegriff, unscharf abgegrenzt ist: „We use „routine“ in a highly flexible way, much as „program“ [...] is used in discussion of computer programming. It may refer to a repetitive pattern of activity in an entire organization, to an individual skill, or, as an adjective, to the smooth uneventful effectiveness of such an organizational or individual performance.”113 Demnach können zunächst Routinen auf individueller und organisationaler Ebene unterschieden werden. Routinen auf individueller Ebene bilden einen wesentlichen Baustein organisationaler Routinen. Ferner wird durch eine Analogiebildung zwischen individueller und organisationaler Ebene zum Verständnis organisationalen Verhaltens beigetragen.114 Vor diesem Hintergrund werden zunächst die Funktion und die zentralen Eigenschaften von Routinen dargelegt, bevor die Diskussion explizit auf die organisationale Ebene gerichtet wird. Es wurde bereits auf das Komplexitätsproblem, das sich aus der unüberschaubaren Vielzahl von Koordinationsmöglichkeiten von Ressourcen ergibt, verwiesen. Die evolutionäre ökonomische Theorie geht von der Annahme begrenzter Informationsverarbeitungskapazität der Wirtschaftssubjekte aus.115 Als Konsequenz begrenzter Rationalität bei gleichzeitig quasi unbegrenzter Entscheidungskomplexität sind die Entscheidungsträger zur Sicherung der Handlungsfähigkeit auf Routinen angewiesen: „All decisions [...] depend on frameworks: the preselection of phenomena and of the methods by which to handle them. No one can cope with an unlimited decision space; partial closure is essential, and routines may provide such closure.”116 [...]

Das Konzept der organisationalen Routine geht auf die evolutionäre ökonomische Theorie von Nelson und Winter zurück.108 Während Ressourcentheoretiker das Unternehmen als Bündel komplementärer Ressourcen betrachten, wird es aus evolutionstheoretischer Sicht als Bündel von Routinen modelliert.109 Zwischen den Konzepten der organisationalen Routine und der organisationalen Fähigkeiten bestehen wesentliche Parallelen, da letztlich beide zur Erklärung immaterieller Unternehmensfähigkeit beitragen.110 Ressourcentheorie und Evolutionstheorie können demnach über das Konstrukt der organisationalen Fähigkeiten miteinander in Verbindung gebracht werden.111 Durch die Synthese der beiden Forschungsrichtungen werden neue Erkenntnisse über organisationale Fähigkeiten gewonnen. In Kapitel D.1 soll zunächst das Konzept der organisationalen Routine erläutert und die Verbindung zum Konstrukt der organisationalen Fähigkeit hergestellt werden. Aufbauend auf den aus der Evolutionstheorie gewonnenen Erkenntnissen werden in Kapitel D.2 Indikatoren für die empirische Beobachtung des Konstruktes aufgezeigt sowie Überlegungen hinsichtlich der Operationalisierbarkeit wettbewerbsrelevanter organisationaler Fähigkeiten angestellt. Schließlich erfolgt eine Würdigung der in den Kapiteln C und D gewonnenen Erkenntnisse über organisationale Fähigkeiten und es wird auf die Notwendigkeit einer Erfassung dynamischer Aspekte des Konstruktes hingewiesen. [...]

31 organisationaler Fähigkeiten einher.102 Die Heterogenität organisationaler Fähigkeiten ist einerseits Ursache für die hohe Wettbewerbsrelevanz organisationaler Fähigkeiten, da sie mit dem Potential zur Differenzierung im Wettbewerb verbunden ist.103 Andererseits führt sie zu dem Problem, dass die Anzahl der Merkmalsdimensionen organisationaler Fähigkeiten unerschöpflich ist. Das Aufzeigen von Dimensionen hat folglich den Charakter einer Systematisierung oder einer Dekomposition organisationaler Fähigkeiten, da eine signifikante Komplexitätsreduktion nicht erreicht wird und keine allgemeingültige Variablen zur Messung der Dimensionen abgeleitet werden.104 Im Hinblick auf die Operationalisierung des theoretischen Konstruktes werden somit keine wesentlichen Erkenntnisse herbeigeführt. Das Problem kann anhand von Operationalisierungsansätzen nachvollzogen werden, die Fähigkeiten nach Funktionsbereichen oder nach der Position innerhalb der Wertschöpfungskette unterscheiden. Es werden lediglich spezifische Beispiele für die jeweiligen Dimensionen aufgezeigt. Das Vorgehen, Listen kontextspezifischer Fähigkeiten zu erstellen, die als Grundlage für normative Handlungsempfehlungen dienen, ist aufgrund des angesprochenen Heterogenitätsproblems als problematisch zu sehen und wird im Folgenden nicht weiter diskutiert.105 Als Umkehrschluss kann gefolgert werden, dass organisationale Fähigkeiten nach der bisherigen theoretischen Definition ein eindimensionales Konstrukt darstellen, da keine relevanten Merkmalsdimensionen zur Operationalisierung aufgezeigt werden können. Relevant sind Merkmalsdimensionen in diesem Zusammenhang, wenn sie wesentliche Gesichtspunkte des Gegenstandsbereiches des Konstruktes erfassen, sodass bereits mit einer geringen Anzahl von Dimensionen das Kon- [...]

Arbeit zitieren:
Schmidt, Oskar Mai 2003: Konzeptualisierung und Operationalisierung organisationaler Fähigkeiten, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Dynamische Fähigkeiten, Wissensmanagement, Resource Based View, Ressourcentheorie, Dynamische Routinen

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