Konzeption, Durchführung und Evaluation eines integrativen Trainings zum Abbau von Redeangst
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Antje Pollay
- Abgabedatum: Dezember 2010
- Umfang: 219 Seiten
- Dateigröße: 7,9 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität Koblenz-Landau, Abt. Landau Deutschland
- Bibliografie: ca. 179
- ISBN (eBook): 978-3-8428-1402-8
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Pollay, Antje Dezember 2010: Konzeption, Durchführung und Evaluation eines integrativen Trainings zum Abbau von Redeangst, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Redeangst, Redehemmungen, Integrative Verfahren, Training, Improvisationstheater
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Diplomarbeit von Antje Pollay
Einleitung:
‘Ich erinnere mich noch genau, wie ich mein erstes Rundfunkinterview geben wollte …. Ich hatte mir vorher genau überlegt, was ich sagen wollte. Und konnte nicht mehr. Also, mein erstes Rundfunkinterview kam nicht zustande …. Weil ich so aufgeregt war, dass ich nichts sagen konnte.’ (Schröder).
Sogar der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder gesteht in einem Zeitungsinterview mit Anne Will vom 14.5.2005, dass sein erstes Rundfunkinterview auf Grund seiner besonders starken Aufgeregtheit nicht zustande gekommen sei. Erst mit der Zeit habe er gelernt, mit seiner Nervosität umzugehen. Doch was ist, wenn die Angst, öffentlich durch einen Sprechakt hervorzutreten, anhält und zu einer dauerhaften extremen Belastung wird? Im heutigen Berufsleben, aber auch im Studium, ist das Sprechen vor einer Gruppe kaum zu vermeiden und Redefähigkeiten werden in der Regel vorausgesetzt. So werden zur Erbringung von Studienleistungen neben Klausuren und schriftlichen Hausarbeiten oftmals Referate erwartet. Nach Horwitz versuchen redeängstliche Studierende besonders häufig Referate zu vermeiden, mit der Folge, dass sich die Studiendauer verlängert und die Studienzufriedenheit, der Studienerfolg und sogar die Berufsaussichten gemindert werden können. Stein, Walker und Forde stellten fest, Redeängstliche besitzen im Vergleich zu Nicht-Redeängstlichen eine geringere Ausbildung und sie verfügen über ein niedrigeres Einkommen.
Obgleich Sprechangst das Hauptmotiv für den Besuch eines Rhetorik-Kurses darstellt, wird in der Literatur zu Rhetorik nur vereinzelt darauf Bezug genommen. Vielmehr fokussiert diese auf negative Beschreibungen des Phänomens und nur selten werden Bewältigungsmethoden zur Überwindung von Redeangst angeführt. Zwar existiert durchaus reichlich populärwissenschaftliche Literatur zum Abbau von Redeangst, allerdings hält diese mitunter unpraktikable Ratschläge für öffentliche Redesituationen bereit, wie das Trinken von Alkohol zur Auflockerung, das Vermeiden eines Mittelscheitels oder das Tragen einer Brille. Wissenschaftliche Studien zu der Erforschung des Konstrukts Redeangst liegen vor allem im amerikanischen Raum vor – hierzulande finden sich vergleichsweise nur wenige. Demzufolge mangelt es im deutschsprachigen Raum auch an vielseitig einsetzbaren, empirisch überprüften Trainingskonzepten zur Reduktion von Redeangst, die theorieübergreifend verschiedene Methoden integrieren. Mit der vorliegenden Arbeit soll ein Beitrag zu diesem Forschungsbereich geleistet werden, indem ein integratives Training zum Abbau von Redeangst auf der Basis aktueller psychologischer Forschungsergebnisse konzipiert, durchgeführt und evaluativ überprüft wird.
Zunächst erfolgt in Kapitel 2 eine umfassende Beschreibung des Konstrukts Redeangst. Dabei wird dieses gegenüber ähnlichen Erscheinungsformen abgegrenzt, seine Manifestationsebenen und Symptomatik sowie seine Epidemiologie werden geschildert und erläutert. In Kapitel 3 werden unterschiedliche Erklärungsansätze zur Entstehung und Aufrechterhaltung von Redeangst dargestellt und bewertet. Das 4. Kapitel beschäftigt sich mit einigen wichtigen therapeutischen Interventionsmethoden zur Reduktion von Redeangst, die unterschiedlich stark ihre Manifestationsebenen berücksichtigen und auf verschiedenen Erklärungsmodellen basieren. Verhaltenstherapeutische Methoden, kognitive Strategien, Skill-Trainings und besonders integrative Ansätze werden hinsichtlich ihrer Wirksamkeit anhand empirischer Belege einer ausführlichen Betrachtung unterzogen. In Kapitel 5 wird die im Rahmen dieser Arbeit geleistete Konzeption eines integrativen Gruppentrainings zum Abbau von Redeangst erläutert. Kapitel 6 eröffnet den empirisch-methodischen Teil der Arbeit durch die Darlegung der Hypothesen und Fragestellungen, des Versuchsdesigns, der Erhebungsinstrumente sowie der verwendeten Auswertungsverfahren. Außerdem wird die Zusammensetzung der Stichprobe ausführlich beschrieben. Die Untersuchungsergebnisse werden in Kapitel 7 präsentiert und in Kapitel 8 mit Referenz auf die im Rahmen der Arbeit gesetzten Ziele abschließend diskutiert.
Inhaltsverzeichnis:
| Zusammenfassung | 6 | |
| 1. | Einleitung | 8 |
| 2. | Beschreibung von Redeangst | 10 |
| 2.1 | Definition | 10 |
| 2.2 | Manifestationsebenen und Symptomatik | 11 |
| 2.2.1 | Kognitive Ebene | 12 |
| 2.2.2 | Behaviorale Ebene | 12 |
| 2.2.3 | Physiologische Ebene | 13 |
| 2.3 | Epidemiologie | 14 |
| 2.4 | Einflussfaktoren im Redeangstgeschehen | 15 |
| 2.4.1 | Dispositionelle Einflüsse | 15 |
| 2.4.2 | Situative Einflüsse | 16 |
| 2.5 | Phasen des Redeangstgeschehens | 17 |
| 3. | Erklärungsansätze für Redeangst | 18 |
| 3.1 | Lerntheoretisch-behaviorale Ansätze | 18 |
| 3.2 | Das defizitäre Skill-Modell | 19 |
| 3.3 | Genetische und neurobiologische Faktoren | 20 |
| 3.4 | Psychodynamischer Ansatz | 21 |
| 3.5 | Kognitive Theorien | 21 |
| 3.5.1 | Erklärungsansatz nach A. Ellis | 22 |
| 3.5.2 | Kognitives Modell von Clark und Wells | 23 |
| 3.6 | Zusammenfassung | 25 |
| 4. | Interventionsverfahren zur Reduktion von Redeangst | 26 |
| 4.1 | Verhaltenstherapeutische Ansätze | 26 |
| 4.1.1 | Entspannungsverfahren | 27 |
| 4.1.2 | Systematische Desensibilisierung | 28 |
| 4.1.3 | Implosion und Flooding | 29 |
| 4.1.4 | Verhaltensübung und Videofeedback | 29 |
| 4.2 | Verfahren der kognitiven Umstrukturierung | 30 |
| 4.2.1 | Rational-Emotive Therapie nach A. Ellis | 30 |
| 4.2.2 | Visualisierungen | 31 |
| 4.3 | Skill-Trainingsprogramme | 32 |
| 4.4 | Integrative Verfahren | 33 |
| 4.4.1 | ‘Integrative Approach’ von Rossi und Seiler | 34 |
| 4.4.2 | Integratives Gruppen- und Einzeltraining von Beushausen | 34 |
| 4.4.3 | Integrativer Modifikationsansatz nach Whitworth und Cochran | 36 |
| 4.5 | Bewertung und Effektgrößen der Interventionsverfahren | 37 |
| 5. | Das Trainingskonzept | 39 |
| 5.1 | Theoretische Ableitung und Konzeption des Trainings | 39 |
| 5.2 | Übungen des Improvisationstheaters als wesentlicher Baustein des Trainings | 40 |
| 5.2.1 | Definition und Ursprünge des modernen Improvisationstheaters | 40 |
| 5.2.2 | Improvisationsübungen als Interventionsmethode | 41 |
| 5.3 | Trainingsziele und Zielgruppe | 44 |
| 5.4 | Struktureller Rahmen und zeitlicher Ablauf | 44 |
| 5.5 | Haltung der Trainingsleiterin | 45 |
| 5.6 | Raum und Medien | 45 |
| 5.7 | Inhalte der einzelnen Sitzungen | 46 |
| 5.7.1 | Sitzung 1 | 46 |
| 5.7.2 | Sitzung 2 | 51 |
| 5.7.3 | Sitzung 3 | 53 |
| 5.7.4 | Sitzung 4 | 58 |
| 5.7.5 | Sitzung 5 | 62 |
| 5.7.6 | Sitzung 6 | 66 |
| 5.7.7 | Sitzung 7 | 67 |
| 6. | Methode | 71 |
| 6.1 | Hypothesen und Fragestellungen | 71 |
| 6.2 | Untersuchungsdesign | 73 |
| 6.3 | Erhebungsinstrumente | 75 |
| 6.3.1 | Redeängstlichkeitsfragebogen | 75 |
| 6.3.2 | Skala Einschätzung der eigenen Redekompetenz | 77 |
| 6.3.3 | Trainingsbeurteilung | 78 |
| 6.3.4 | Soziodemographische und weitere Angaben | 79 |
| 6.4 | Rekrutierung der Stichprobe | 79 |
| 6.5 | Beschreibung der Stichprobe | 81 |
| 6.6 | Datenanalyse | 82 |
| 6.6.1 | Überprüfung der Hypothese 1 und Hypothese 5 | 84 |
| 6.6.2 | Überprüfung der Hypothesen 2 bis 4 und 6 bis 8 | 84 |
| 6.6.3 | Exkurs: Signifikanzniveau der zu prüfenden Hypothesen | 85 |
| 7. | Ergebnisse | 86 |
| 7.1 | Deskriptive Analyse | 86 |
| 7.1.1 | Trainingsbeurteilung | 86 |
| 7.1.1.1 | Feedbackbögen im Anschluss der Sitzungen | 86 |
| 7.1.1.2 | Gesamtbewertung des Trainings | 88 |
| 7.1.2 | Redeangst | 97 |
| 7.1.3 | Einschätzung der eigenen Redekompetenz | 98 |
| 7.2 | Hypothesenprüfende Analyse | 99 |
| 7.2.1 | Hypothesen zu Redeangst | 99 |
| 7.2.2 | Hypothesen zur Einschätzung der eigenen Redekompetenz | 101 |
| 8. | Diskussion | 104 |
| 8.1 | Interpretation der zentralen Ergebnisse | 104 |
| 8.1.1 | Trainingsbeurteilung | 104 |
| 8.1.1.1 | Feedbackbögen im Anschluss der Sitzungen | 104 |
| 8.1.1.2 | Gesamtbewertung des Trainings | 106 |
| 8.1.2 | Redeangst | 110 |
| 8.1.3 | Einschätzung der eigenen Redekompetenz | 112 |
| 8.2 | Methodenkritische Reflektion | 113 |
| 8.3 | Ausblick | 115 |
| Literaturverzeichnis | 118 | |
| Tabellenverzeichnis | 133 | |
| Abbildungsverzeichnis | 135 | |
| Abkürzungsverzeichnis | 136 | |
| Anhang | 137 |
Textprobe:
Kapitel 5.2, Übungen des Improvisationstheaters als wesentlicher Baustein des Trainings:
Da auch Übungen des Improvisationstheaters Teil des integrativen Trainings sind, diese aber bislang nur selten hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bei Redeängstlichen untersucht wurden, soll im Anschluss an den Versuch einer Definition überlegt werden, inwiefern Improvisationsübungen bei einem Abbau von Redeangst hilfreich sein können.
5.2.1, Definition und Ursprünge des modernen Improvisationstheaters:
Improvisation leitet sich von dem lateinischen Wort improvisus ab, was mit ‘unvorhergesehen’ übersetzt werden kann. Dementsprechend geht es beim Improvisationstheater um das ‘ungebundene, spontane Spiel mit nur geringen Vorgaben, ohne festgelegten Handlungsfaden und mit unerwartetem Ausgang’. So fallen die Textfindung (Autor), die Handlungsgestaltung (Regie) und die Darstellung (Schauspiel) bei den improvisierenden Akteuren zusammen. Die Ursprünge des modernen Improvisationstheaters gehen zurück in die 60er Jahre nach Chicago, wo sich die erste Improvisationstheatergruppe zusammen fand. Seither haben sich viele unterschiedliche Varianten dieser Theaterform entwickelt. Eine der populärsten Formen des Improvisationstheaters ist der von dem Theaterpädagogen und Schauspiellehrer Keith Johnstone in den 70er Jahren in Kanada ausgearbeitete ‘Theatersport’. Bei diesem treten zwei oder mehrere ‘Theaterteams’ gegeneinander an und erfinden abwechselnd – inspiriert durch knappe Vorgaben des Publikums hinsichtlich bestimmter Handlungsinhalte, des Genres, etc. – spontan Texte, Handlungen sowie deren Darstellungsweise. Techniken des Improvisationstheaters werden jedoch nicht nur im Schauspiel und Theater eingebunden, sondern zunehmend auch in der pädagogischen und therapeutischen Arbeit.
5.2.2, Improvisationsübungen als Interventionsmethode:
‘Wir alle haben eine Phobie, nämlich die, auf einer Bühne zu stehen und angestarrt zu werden, und diese Phobie ist heilbar’, sagt Johnstone, der Erfinder des Theatersports. Der Autor hat sein eigenes pädagogisches Konzept der (Schauspiel-)Lehre entwickelt, das bei der Behandlung einer solchen ‘Phobie’ helfen soll. Sein Konzept besteht aus einer Vielzahl an Improvisationsübungen zur Förderung verschiedener Kompetenzen, die auch hinsichtlich des Umgangs mit Redesituationen von Bedeutung sein können. So zielen die Improvisationsübungen vor allem darauf ab, Spontaneität bei den Akteuren freizusetzen, was bedeutet, ganz im Moment zu sein und sämtliche Sicherheitsverhaltensweisen abzulegen. Gerade Redeängstliche wenden häufig ein Sicherheitsverhalten an, um möglichst die Situation zu kontrollieren und befürchtete negative Konsequenzen zu umgehen, was jedoch eher noch zu einer Aufrechterhaltung der Angst beitragen kann. Gelingt es hingegen, solches Sicherheitsverhalten zu reduzieren, kommt es in der Regel auch zu einem Abbau der Angst. Da im Improvisationstheater in der Interaktion mit weiteren Akteuren kaum etwas planbar ist und keiner weiß, was als nächstes passiert, sind Sicherheitsverhaltensweisen hier nur schwerlich anwendbar. Schließlich erfordert die Spielsituation, sich mit größtmöglicher Offenheit auf sie einzulassen und Vertrauen in die eigenen Einfälle zu setzen.
Gemäß A. Ellis besteht Redeangst aufgrund des Vorhandenseins irrationaler Gedanken, die in Form von ‘Muss-Sätzen’ abgespeichert sind. Gerade hier können Improvisationsübungen ansetzen, die darauf ausgerichtet sind, sich von internalisierten Zwängen zu befreien und physische und psychische Blockaden im Spiel zu überwinden.
Johnstone möchte mit seinen Improvisationsübungen automatisiertes Verhalten durchbrechen, seine Schüler sollen sich selbst als veränderlich erfahren und erkennen, dass sie ihre Wahrnehmung, Gefühle und ihr kommunikatives Verhalten jederzeit wieder ändern können. Dies scheint auch im Zusammenhang mit Redeangst ein wichtiger Aspekt zu sein, denn laut Beushausen gehen Sprechängstliche häufig von dem Mythos der Unveränderlichkeit von Sprechängsten aus. Im Improvisationstheater ist es möglich, neue Verhaltensmuster in einer wertfreien Atmosphäre auszuprobieren. Demnach können Redeängstliche auch Verhaltensweisen erproben, die möglicherweise auch den Umgang mit Redesituationen erleichtern.
Improvisationsübungen konfrontieren die Akteure mehrfach mit Situationen, die auf verschiedene Weise gedeutet werden können. Inkongruente Erwartungen, nicht eindeutige Mitteilungen und verschiedene Wertungen treffen hier zusammen, die es zu tolerieren gilt, um die eigene Handlungs- und Spielfähigkeit zu bewahren. Dadurch jedoch, dass sich der Spieler der Vielzahl an möglichen Blickwinkeln und Perspektiven der Zuschauer und Mitspieler bewusst wird, wächst sein Wissen um die Relativität der eigenen Erwartungen und der Erwartungen anderer. Somit baut sich eine Ambiguitätstoleranz des Spielers auf, das heißt, seine Fähigkeit, Unsicherheiten und Vieldeutigkeiten in einer Situation zur Kenntnis zu nehmen und diese auszuhalten. Auch Redesituationen sind häufig doppeldeutig und erfordern vom Redner eine Ambiguitätstoleranz. Diese scheint bei Personen mit großer Kommunikationsbesorgnis besonders niedrig auszufallen, wie McCroskey, Daly und Sorensen in einer Studie herausfanden, und auch deshalb leisten Improvisationsübungen einen sinnvollen Beitrag innerhalb eines integrativen Trainings zur Reduktion von Redeangst.
Auch Klehr, Mitglied der bekannten Berliner Improvisations-Theater-Gruppe ‘Die Gorillas’, bietet gemeinsam mit einer Logopädin Workshops für Stotterer an, in denen sie Atem-, Sing- und Entspannungsübungen mit Improvisationsübungen kombiniert. In einem im Rahmen dieser Arbeit geführten Telefoninterview betonte sie, mittels Improvisationsübungen könnten nicht nur Selbstbewusstsein aufgebaut und soziale Kompetenzen entwickelt, sondern auch die Eigen- und Fremdwahrnehmung geschult werden. Improvisationsübungen führten zu einer Aufmerksamkeitsumlenkung, das heißt, der Fokus der Akteure liege weniger auf der Sprache als solche, sodass sogar starke Stotterer in ihren Workshops fließend zu sprechen begannen. Die Übungen reduzierten darüber hinaus eine erhöhte Selbstaufmerksamkeit, wie sie häufig bei Redeängstlichen besteht. Nach Ansicht Klehrs fördert Improvisations-Theater außerdem das Empfinden von Leichtigkeit, da es auch anrege, über sich selbst zu lachen. Dies könne für einige Teilnehmer sehr entlastend sein, was die Improvisationskünstlerin als einen besonders heilsamen Aspekt von Improvisationsübungen in diesem Kontext wertet.
Obwohl viele Autoren argumentieren, dass improvisiertes Reden eine lehrreiche Aktivität darstellt, liegt bislang nur wenig Forschung vor, die sich im Allgemeinen mit der Wirkung von Improvisationsübungen sowie im Speziellen mit dem Nutzen dieser hinsichtlich eines Abbaus von Redeangst beschäftigt. Eine Ausnahme stellt eine Studie von Rumbough dar, in der die Redeangstwerte von zwei Gruppen von Studierenden, die unterschiedliche Aufgaben erhielten, miteinander verglichen wurden: Während die eine Gruppe von Studierenden zwei bewertete Reden hielt, sollte die andere Gruppe neben dem Halten von zwei bewerteten Reden noch eine Sprech-Improvisationsaufgabe lösen. Es zeigte sich, dass die State-Redeangst signifikant bei den Studierenden gesenkt werden konnte, die zusätzlich noch die Improvisationsübung durchführten. Berücksichtigt man diese Ergebnisse und folgt den bisherigen theoretischen Ausführungen zu dem Nutzen von Improvisationsübungen, so scheint es durchaus sinnvoll, sie in ein integratives Training zum Abbau von Redeangst einzubinden.
Abschließend lässt sich zusammenfassen: Für Hoch-Redeängstliche besteht im Improvisationstheater womöglich die Gelegenheit, zu erfahren, dass eine Redesituation trotz dem Ablegen von Sicherheitsverhaltensweisen bewältigt werden kann. Solche Bewältigungserfahrungen können helfen, Selbstvertrauen zu entwickeln und bestehende Hemmschwellen gegenüber Redesituationen abzubauen. Darüber hinaus werden die Spontaneität im Verhalten sowie eine Ambiguitätstoleranz gefördert. Nicht zuletzt helfen Improvisationsübungen, sich von internalisierten Imperativen zu lösen und in einer wertfreien Umgebung spielerisch neue Verhaltensweisen zu erproben. Im Rahmen dieser Arbeit wurden einige Improvisationsübungen in das Training integriert, die der Autorin dieser Arbeit teilweise auch aus eigenen Theatererfahrungen bekannt waren.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783842814028
Arbeit zitieren:
Pollay, Antje Dezember 2010: Konzeption, Durchführung und Evaluation eines integrativen Trainings zum Abbau von Redeangst, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Redeangst, Redehemmungen, Integrative Verfahren, Training, Improvisationstheater



