Konzeptentwicklung in der Suchtprävention
Anhand des Praxisprojektes "Phat for fun"
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Heiko Streuff, Kay Eckhoff
- Abgabedatum: Juli 2003
- Umfang: 132 Seiten
- Dateigröße: 1,3 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Evangelische Fachhochschule Berlin (EFB) Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-0040-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-0040-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-0040-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Heiko Streuff, Kay Eckhoff Juli 2003: Konzeptentwicklung in der Suchtprävention, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Risikoverhalten, Drogenmündigkeit, Jugendhilfe, Gruppenarbeit, Ex-User
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Diplomarbeit von Heiko Streuff, Kay Eckhoff
Einleitung:
Diese Diplomarbeit will den Stand der aktuellen Diskussion in der Suchtprävention darstellen soll dadurch unsere bisherigen Überlegungen und die geleistete praktische Arbeit unseres Projektes bewerten helfen.
1999 entwickelten wir in Reaktion auf die Problematik des Drogengebrauchs in der stationären Jugendhilfe ein erstes Gruppenarbeitskonzept zur Bearbeitung des Themas mit den Jugendlichen. Dies geschah – flankiert durch Inhalte unseres Studiums und durch Beratungsgespräche mit Experten – in erster Linie auf dem Hintergrund unserer eigenen Lebenserfahrung als ehemalige Konsumenten harter Drogen.
Ausgehend von der Überlegung, was für uns im Jugendalter (und mit unseren damaligen Konsummustern) annehmbar gewesen wäre, wollten wir ohne erhobenen Zeigefinger eine offene Auseinandersetzung mit dem Thema bei den Jugendlichen anregen.
Wir wollten Abstinenz nicht zum Ziel unserer Arbeit machen, weil wir es für wichtig halten, dass Menschen ihre eigenen Erfahrungen machen und lernen mit ihnen umzugehen. Problembewusstsein war unser Schlagwort, wir wollten die Jugendlichen darin unterstützen eine Wahrnehmung dafür zu entwickeln, wann Drogengebrauch beginnt inadäquat oder dysfunktional zu werden.
Außerdem wollten wir die Kommunikation über Persönlichkeit, Bedürfnisse, Ziele und (Konsum-)Verhalten unterstützen und fördern. Wir wollten die Jugendlichen nicht „volltexten“, sondern ihnen in ihren Interessen begegnen und eine spielerische, erlebnisorientierte Form der Zusammenarbeit finden, um sie zur aktiven Teilnahme zu motivieren.
In der Folge gründeten wir unser Projekt Phat for fun und überarbeiteten in den folgenden Jahren unser Konzept aufgrund unserer Arbeitserfahrungen mehrfach. Was jedoch bisher ausblieb, war eine intensive Auseinandersetzung mit der wissenschaftlichen Diskussion zu Risikoverhalten und Suchtprävention.
Bei der Beschäftigung mit aktuellen Präventionsansätzen zeigte sich nun, dass wir mit unseren Überlegungen einen durchaus zeitgemäßen und progressiven Ansatz verfolgen. Wir wissen heute, dass sich unsere Haltung und viele unserer Ziele und Methoden in Aspekten der Gesundheitsförderung, der Risikoprävention und auch der Drogenmündigkeit wiederfinden.
Zum anderen führte uns in der Beschäftigung mit der theoretischen Diskussion vor allem das letztgenannte Konzept, das aus dem Hintergrund der akzeptierenden Drogenarbeit entwickelt wurde und seiner Zeit wohl noch weit voraus ist, zu einer Neuorientierung in Bezug auf gesellschaftliche Bedingungen von Drogenkonsum, Sucht, und Gesundheit.
Als Ergebnis findet in dieser Arbeit auch der Gedanke an die Möglichkeit einer kulturellen Einbindung des Konsums psychoaktiver Substanzen Eingang.
Gang der Untersuchung:
Bei dem Thema Suchtprävention erscheint es uns sinnvoll, etwas weiter auszuholen und in Kapitel 2 zunächst das Phänomen Sucht und Drogen in einen kulturgeschichtlichen Zusammenhang zu stellen sowie die für unsere Arbeit relevanten Begrifflichkeiten zu erörtern. Dem folgt eine Darstellung der Epidemiologie des Konsums psychoaktiver Substanzen, um den Bedarf an der Vermittlung risikobewusster Umgangsformen deutlich zu machen.
Kapitel 3 enthält Erklärungsansätze zu Suchtentwicklung und jugendlichem Drogenkonsum aus verschiedenen theoretischen Zusammenhängen, die (ohne jeweils Suchtentstehung schlüssig erklären können) jeder für sich eigene Perspektiven eröffnen und Anregungen für eine ursachenorientierte Prävention geben.
In Kapitel 4 wird die vorrangige Zielgruppe von Suchtpräventionsbemühungen - das Jugendalter - untersucht und ihre besonderen Neigungen und Anforderungen in den Zusammenhang mit sog. Risikoverhalten (wie z.B. Drogenkonsum) gestellt, um daraus ebenfalls Schlussfolgerungen für die Präventionsarbeit zu ziehen.
In Kapitel 5 erfolgt nach Darstellung der verschiedenen Präventionsarten ein kurzer Abriss der Geschichte der Suchtprävention, um den entscheidenden Paradigmenwechsel in der Präventionsarbeit vom krankheitsorientierten Ansatz zur Gesundheitsförderung zu verdeutlichen. Im Anschluss werden spezifische Ansätze in der suchtpräventiven Arbeit vorgestellt.
Den inhaltlichen Schwerpunkt unserer Arbeit stellt das Kapitel 6 mit der Vorstellung der Konzeptentwicklung unseres Projektes Phat for fun dar. In diesem Rahmen stellen wir unseren Ansatz, Ziele und Methoden in verschiedenen Arbeitsfeldern sowie Rahmenbedingungen und Evaluationsinstrumente vor.
Kapitel 7 dient dann der Verlaufsdarstellung und Auswertung eines Praxiseinsatzes mit Jugendlichen im betreuten Jugendwohnen.
Im Fazit in Kapitel 8 nehmen wir eine Bewertung unseres Arbeitsansatzes aus Sicht der vorangegangenen Überlegungen vor, um schließlich einen Ausblick auf Möglichkeiten und Zielsetzungen unserer Weiterentwicklung zu geben.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 4 |
| 2. | Sucht und Gesellschaft | 7 |
| 2.1 | Definitionen | 7 |
| 2.1.1 | Genuss | 7 |
| 2.1.2 | Rausch | 9 |
| 2.1.3 | Droge | 11 |
| 2.1.4 | Gebrauch vs. Missbrauch | 11 |
| 2.1.5 | Sucht und Abhängigkeit | 13 |
| 2.1.6 | stoffungebundene Abhängigkeiten | 15 |
| 2.1.7 | Zusammenfassung | 15 |
| 2.2 | Epidemiologie des Konsums psychoaktiver Substanzen | 16 |
| 2.2.1 | Alkohol | 16 |
| 2.2.2 | Tabak | 17 |
| 2.2.3 | Medikamente | 17 |
| 2.2.4 | Illegale Drogen | 18 |
| 3. | Erklärungsansätze zu Suchtentwicklung und Drogenkonsum | 20 |
| 3.1 | Annahmen aus Psychiatrie und Psychoanalyse | 20 |
| 3.2 | Beiträge der Lerntheorie | 22 |
| 3.3 | Systemtheoretische Überlegungen | 23 |
| 3.4 | Soziokulturelle Erklärungen | 24 |
| 3.4.1 | Anomie-Theorie | 24 |
| 3.4.2 | Subkulturtheorie und differentielle Assoziation | 25 |
| 3.4.3 | Etikettierungstheorie | 26 |
| 3.4.4 | Normative Entfremdung | 27 |
| 3.4.5 | Theorie des Problemverhaltens | 28 |
| 3.5 | Multikausale Erklärungsmodelle | 28 |
| 3.6 | Schlussfolgerungen für die Präventionsarbeit | 30 |
| 4. | Jugend und Risikoverhalten | 32 |
| 4.1 | Jugendalter | 32 |
| 4.1.1 | Entwicklungsaufgaben | 33 |
| 4.1.2 | Identität | 35 |
| 4.2 | Risikoverhalten | 37 |
| 4.2.1 | Definition | 37 |
| 4.2.2 | Bedingungen der Entstehung von Risikoverhalten | 40 |
| 4.2.3 | Funktionalität von Risikoverhalten in der Adoleszenz | 43 |
| 4.2.4 | Risikoverhalten und Gesundheitserziehung | 45 |
| Exkurs: horizontale Kommunikation | 46 | |
| 4.2.5 | Geschlechtsspezifische Besonderheiten | 47 |
| 4.2.5.1 | Unterschiede der Geschlechter im Risikoverhalten | 47 |
| 4.2.5.2 | Ansätze zur Erklärung der geschlechtlichen Differenzen | 48 |
| 4.3 | Schlussfolgerungen für die Präventionsarbeit | 50 |
| 5. | Suchtprävention | 54 |
| 5.1 | Definitionen | 54 |
| 5.2 | Geschichte der Suchtprävention | 54 |
| 5.3 | Ziele und Haltungen aktueller Präventionsmodelle | 58 |
| 5.3.1 | Ottawa Charta / Gesundheitsförderung | 58 |
| 5.3.2 | Salutogenese | 60 |
| 5.3.3 | Risikoprävention und Risikomanagement | 64 |
| 5.3.4 | Drogenmündigkeit | 65 |
| 5.3.5 | Risikoprävention und Drogenmündigkeit im Vergleich | 67 |
| 5.4 | spezifische Ansätze | 69 |
| 5.4.1 | Lebenswelt- und Lebensweisenorientierung | 69 |
| 5.4.2 | Geschlechtsbezogene Suchtprävention | 71 |
| 5.4.2.1 | Mädchenspezifische Arbeit | 72 |
| 5.4.2.2 | Jungenspezifische Arbeit | 74 |
| 5.4.2.3 | Geschlechtsspezifische Effekte von Prävention | 76 |
| 6. | Konzeptentwicklung von Phat for fun | 77 |
| 6.1 | Entstehungsgeschichte | 77 |
| 6.2 | Mitarbeiter und Qualifikation | 79 |
| 6.3 | Trainings mit Jugendlichen in der stationären Jugendhilfe | 79 |
| 6.3.1 | Zielgruppe | 79 |
| 6.3.2 | Arbeitsziele | 81 |
| 6.3.3 | Methoden | 83 |
| 6.3.4 | Format und Ablauf | 85 |
| 6.3.5 | Rahmenbedingungen | 87 |
| 6.3.6 | weitere Effekte | 88 |
| 6.4 | Workshops in Schulklassen | 88 |
| 6.5 | Multiplikatorenschulungen | 89 |
| 6.5.1 | Hintergrund und Entwicklung | 89 |
| 6.5.2 | Zielgruppe | 91 |
| 6.5.3 | Arbeitsziele | 91 |
| 6.5.4 | Methoden | 92 |
| 6.5.5 | Format und Ablauf | 93 |
| 6.6 | Qualitätssicherung | 95 |
| 6.6.1 | Selbstevaluation | 95 |
| 6.6.2 | weitere Qualitätsmerkmale | 97 |
| 6.7 | Finanzierung | 97 |
| 6.8 | Kooperation mit dem Mediationsbüro Mitte | 99 |
| 7. | Beschreibung eines Praxiseinsatzes | 100 |
| 7.1 | Verlaufsprotokoll | 101 |
| 7.2 | Auswertung | 107 |
| 7.2.1 | Bewertung durch die Teilnehmer | 107 |
| 7.2.2 | Bewertung durch die Beraterinnen | 109 |
| 7.2.3 | abschließende Beurteilung | 110 |
| 8. | Fazit und Ausblick | 111 |
| 9. | Literaturverzeichnis | 115 |
| Anhang | 119 | |
| Beschreibung der Übungen | I | |
| Auswertungsinstrumente | IX |
Drogenproblematik thematisiert. Innerhalb dieser Veranstaltung, und auch später in den Auswertungsgesprächen während der beiden Durchgänge in 2 BEW – Gruppen des Trägers wurde Schulungsbedarf der Berater deutlich und von diesen geäußert. Es zeigte sich, dass zum optimalen Anknüpfen der Berater an unsere Arbeit, verstehen, die wir als über Impulsgabe die in Form oder einer auch als Kommunikationskatalysator Auswertungsgespräche Fortbildung hilfreich wäre. Wir entwickelten zunächst ein Konzept, in dem wir u.a. die gleichen Übungen mit den Mitarbeitern durchführten wie mit den Jugendlichen, zum einen weil von den Berater der Bedarf geäußert wurde, die Methoden die wir bei den Jugendlichen anwandten besser nachvollziehen zu können, zum anderen da uns einige unserer Zielsetzungen mit den Jugendlichen analog für die Mitarbeiter sinnvoll erschienen (z.B. persönlicher Bezug zum Thema, Verständnis von Suchtbegriff und -entwicklung, Funktionen von Drogenkonsum). Später entwarfen wir weitere Bausteine einer Fortbildungsreihe, in denen wir weiterführend auf den Bedarf pädagogischen Personals eingehen, und z.B. neben Hintergrundwissen weitere Interventionsformen vermitteln. Die ursprünglich als flankierende Maßnahme konzipierte, und innerhalb eines Trägers zeitnah zur Arbeit mit den Jugendlichen laufende Fortbildung wird von uns mittlerweile überwiegend einzeln durchgeführt. Dadurch hat sich die ursprüngliche Ziel, die Mitarbeiter in die Arbeitsweise unseres Trainings mit den Jugendlichen einzuführen, um unsere Zusammenarbeit und die Fortsetzung der Trainingsinhalte im Betreuungsalltag zu unterstützen, gewandelt, und hat dem der eine methodisch abgleichende gesonderten [...]
Mitarbeiter in der Jugendhilfe wahrscheinlich die nachhaltigere Arbeitsform wäre, da diese in der alltäglichen (Beziehungs-) arbeit längerfristiger und konsequenter mit den Jugendlichen pädagogische und suchtpräventive Ziele verfolgen können als dies uns mit unserem zeitlich begrenzten Rahmen möglich wäre. Dieser Vorschlag wurde ergänzt durch den Hinweis, dass für Mitarbeiterschulungen in der Jugendhilfe auch eher eine Finanzierung bereitgestellt würde als für zusätzliche, nicht im Tagessatz der Einrichtungen enthaltene Betreuungsmodule, wie unsere Gruppenarbeit mit den Jugendlichen sie darstellt. Vor Beginn unserer ersten Gruppenarbeit mit Jugendlichen in BEW – Gruppen des evangelisches Klubheim für Berufstätige e.V. hatten wir unserer Arbeitsweise dem pädagogischen Gesamtteam des Trägers und vorgestellt, und mit den zur Kollegen Suchtin und Kleingruppenarbeit Sichtweisen Handlungsmöglichkeiten [...]
Zusammenarbeit mit den Betreuern Die Wahrscheinlichkeit von nachhaltigen Effekten im Bewusstsein und Verhalten der Jugendlichen erhöht sich wenn die Betreuer in den Einrichtungen an unsere zeitlich begrenzte Arbeit anknüpfen können, und sie in der alltäglichen Arbeit mit den Jugendlichen weiterführen können. Dazu ist es nötig, dass sie wissen wie wir jeweils mit den Jugendlichen gearbeitet haben. Wir bieten daher regelmäßige Auswertungen und methodische Besprechungen der Gruppentermine mit den Betreuern an, um die Transparenz unserer Arbeitsweise zu gewährleisten. Unser Austausch mit dem Personal der Einrichtung wird dadurch begrenzt, dass wir den Jugendlichen Vertraulichkeit ihrer Äußerungen zusichern. Dies ist nach unserer Ansicht für die Vertrauensbildung innerhalb der Gruppe unabdingbar. Es ist jedoch Ziel unserer Arbeit, dass sich die Jugendlichen mit ihren Drogenproblemen den Betreuer gegenüber öffnen. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832400408
Arbeit zitieren:
Heiko Streuff, Kay Eckhoff Juli 2003: Konzeptentwicklung in der Suchtprävention, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Risikoverhalten, Drogenmündigkeit, Jugendhilfe, Gruppenarbeit, Ex-User



