Konzepte kultureller Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Daniel Joerg
- Abgabedatum: Juli 2008
- Umfang: 124 Seiten
- Dateigröße: 643,6 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Hochschule Niederrhein, Abt. Mönchengladbach Deutschland
- Bibliografie: ca. 33
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2460-2
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Joerg, Daniel Juli 2008: Konzepte kultureller Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Kulturpädagogik, Bildung, Lebenskunst, Kulturarbeit, Jugendliche
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Bachelorarbeit von Daniel Joerg
Einleitung:
Die Frage, was Kultur und Bildung im Kontext gesellschaftspolitischer Wirklichkeit bedeuten, bzw. welche pädagogischen Strategien geeignet sind, um im internationalen Vergleich konkurrenzfähig zu bleiben und wie auf aktuelle Entwicklungen angemessen zu reagieren ist, wird in Deutschland gewiss nicht erst seit dem schlechten Abschneiden bei der Pisastudie 2000 diskutiert.
Die nachhaltigste kulturpolitische Debatte des letzten Jahrhunderts, die noch bis heute nachwirkt, wurde wahrscheinlich durch die gesamtgesellschaftlichen Auseinandersetzungen der 60er Jahre ausgelöst. Tradierte Strukturen der autoritären Erziehung, konservative Vorstellungen über Religion, Sexualität oder Arbeit, lockerten sich zugunsten freiheitlicher Vorstellungen über eine zusammenwachsende Weltgemeinschaft, die durch die Konjunktur der multimedialen Kommunikation ihren Ausdruck fand.
Demokratisierungstendenzen erhoben sich aus dem Schatten des hierarchischen Hochkulturschemas. Attitüden wie „Bildung und Kultur für alle“, kombiniert mit einer Expansion der kapitalistischen Märkte, trieben und treiben bis heute eine Liberalisierung der individuellen Wahlmöglichkeiten voran.
Heute angekommen, ist die“ ...Freiheit auszuwählen so umfassend, dass der Mensch geradezu zur Freiheit verurteilt ist, unentwegt wählen zu müssen und sich auf der Grundlage seiner Wahl selbst zu gestalten“. Früher mündige Bürger/-innen, werden mit neuen Notwendigkeiten des modernen Lebens konfrontiert. Medienkompetenz, Kommunikation und ästhetische Bildung sind Schlagworte des modernen kulturpädagogischen Diskurses.
Welche Konzepte der kulturellen Kinder- und Jugendbildung können nun adäquat auf diese Entwicklungen reagieren und frühzeitig Kompetenzen zur modernen Daseinsbewältigung vermitteln? Welche Vorschläge wurden bereits gemacht und umgesetzt? Können, oder besser sollten, Kunst und Kultur eine wichtige Rolle beim Erwerb dieser Kompetenzen spielen? Und was heißt Kultur eigentlich? - Diese Fragen werden uns im Folgenden beschäftigen.
Dem Autor ist klar, dass durch den gesetzten Rahmen dieser Arbeit, eine detaillierte Beschreibung des kompletten Themenkomplexes schwierig sein wird. Es wird auch keine ausgeprägte Evaluation vorgenommen werden können. Vielmehr sollen einschlägige Theoriefragmente der relevanten Fachdisziplinen und konkrete Handlungsbeispiele aus der Praxis abgeschöpft werden, um am Ende Muster entschlüsseln zu können, welche sich in die Arbeit eines Kulturpädagogen integrieren lassen.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Bedeutungszuschreibungen | 3 |
| 2.1 | Kultur - ein Begriff der beschreibt und bewirkt | 3 |
| 2.1.1 | Eine kulturpädagogische Perspektive zur Kultur | 5 |
| 2.2 | Wissen + Verstehen = Bildung? | 7 |
| 2.3 | Von der Bildung zur Kulturpädagogik | 9 |
| 3. | Die neue Kulturpädagogik | 11 |
| 4. | Von der Notwendigkeit kultureller Bildung und den Zielsetzungen | 14 |
| 4.1 | Freiheit erfordert Selbstverantwortung | 15 |
| 4.2 | Ziele kultureller Arbeit mit Kindern und Jugendlichen | 16 |
| 4.2.1 | Ästhetische Erfahrung | 17 |
| 4.2.2 | Lebenskunst | 20 |
| 4.2.2.1 | Das Subjekt | 21 |
| 4.2.2.2 | Die Lebenskunst als Ziel kulturpädagogischer Arbeit | 22 |
| 4.2.3 | Die Befriedigung der psychologischen Grundbedürfnisse | 24 |
| 4.2.3.1 | Das Bindungsbedürfnis | 25 |
| 4.2.3.2 | Das Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle | 26 |
| 4.2.3.3 | Das Bedürfnis nach Selbstwertschutz und -erhöhung | 27 |
| 4.2.3.4 | Das Bedürfnis nach Lustgewinn und Unlustvermeidung | 28 |
| 4.2.3.5 | Zusammenfassung | 29 |
| 5. | Drei ausgewählte Institutionen aus NRW | 31 |
| 5.1 | Die Interviewmethode | 31 |
| 5.1.1 | Erhebung | 31 |
| 5.2 | Auswertung | 33 |
| 5.2.1 | Transkription | 33 |
| 5.2.2 | Einzelanalysen | 34 |
| 5.2.2.1 | Die Barockfabrik in Aachen | 35 |
| 5.2.2.2 | Das KRESCHtheater in Krefeld | 39 |
| 5.2.2.3 | Das ‚AKKI' in Düsseldorf | 44 |
| 5.2.3 | Generalisierende Analyse | 49 |
| 6. | Resümee | 53 |
| 7. | Literatur- und Quellenverzeichnis | 54 |
| Transkription der Interviews | 57 |
Textprobe:
Kapitel 2.3, Von der Bildung zur Kulturpädagogik: Bildung kann, ähnlich wie Kultur, aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden, die opportun auf das jeweilige Handlungsinteresse gewisser Gruppen ausgerichtet sind. So spricht die Wirtschaftslobby im Bildungskontext z.B. von „Humankapital“, das hauptsächlich auf Verwertbarkeit für das Arbeitsleben ausgerichtet sein soll; für manche Bildungspolitiker sind quantitative Statistiken und internationale Vergleiche wichtigster Indikator; manche Autoren wiederum, sehen Manieren und gutes Benehmen als symptomatischen Ausdruck eines gebildeten Menschen.
Versucht man nun aus den verschiedenen Perspektiven, verbindende Elemente zusammenzustellen, dann ist Bildung „ein komplexer Gegenstand: ein Ideal, ein Prozess, eine Summe von Kenntnissen und Fähigkeiten und ein geistiger Zustand.“ - keine Ausbildung, Halbbildung oder Einbildung. Bildung ist mehr als bloße Ausbildung zu etwas; sie kann sich nicht nur durch die eloquente und selbstbewusste Verbalisierung von Faktenwissen zeigen und auch nicht durch dilettantisches Halbwissen - aus so vielen Bereichen wie nur möglich. Bildung ist etwas Umfänglicheres, etwas nicht Feststehendes - ja, vielleicht ist es gerade das, was Bildung ausmacht - die Einsicht, dass ich immer auch ein Unwissender bin - zum Lernen und Verstehen bereit. Schließlich kommen uns doch nicht diese Menschen gebildet vor, die voller Selbstbewusstsein vermeintliche Wahrheiten propagieren, sondern eher diese, die eine Aura der Weisheit ausstrahlen und in besonnener Rede anknüpfungsfähig für Einwände sind. Diese lehnen die „objektiven Wahrheiten“ eher ab; sie wissen um die Subjektivität ihrer gemachten Erfahrungen; sie wissen, dass sie auch nicht wissen. „Gebildet ist nicht der Kopf, sondern der Mensch. Obwohl Bildung der Bücher bedarf und nicht ohne Anstrengung des Denkens entsteht, beruht sie doch wesentlich auf den unvertauschbaren eigenen Erfahrungen.“ Und erst in Kombination mit den individuellen Erfahrungen können hehre pädagogische Ziele wie Selbsttätigkeit, Sozialkompetenz oder Emanzipation von Fremdbestimmung gedacht werden.
Wenn wir nun versuchen Bildung in das unter Punkt 2.1.1 skizzierte Kulturverständnis einzubauen, könnten wir sagen: Ein gebildeter Mensch ist sich über das fluktuierende Wechselspiel zwischen der Form und dem Maß bewusst; er kann es auf Grundlage des eigenen Wissens, welches er durch eigene Erfahrungen verinnerlicht hat, verstehen und mitgestalten; er gibt dem Wechselspiel gleichermaßen Struktur und lässt es im Rahmen reflektierter Werte und Normen oszillieren.
Bildung kann also nicht als normative Begrifflichkeit verstanden werden, will sie die aktuelle Zeitsituation und die individuellen Erfahrungen der Subjekte nicht aus den Augen verlieren. Die subjektive Seinsweise steht der kanonischen Bildungs- und Kulturvorstellung gegenüber. Pädagogische Praxis muss darauf eingestellt sein und die Teilnehmer/-innen „dort abholen wo sie sind“. Kuturpädagogik oder Kulturelle Bildung sind hierbei die Schlagwörter. Diese sind „umfassende allgemeine Persönlichkeitsbildung, die Entfaltung künstlerischer und schöpferischer Impulse in jedem Menschen. Zum Auftrag des Bildungswesens gehört daher, kulturelles Lernen zu ermöglichen und zu fördern dies erfordert die aktive Teilhabe an Kunst und Kultur, sie ist mehr als Kompensation oder funktionalisierte Kreativität und Innovation: Kunst und Kultur sowie kulturelle Bildung sind menschliche Kommunikation mit ästhetischen Mitteln“. Kulturpädagogik birgt, im Gegensatz zum schulischen Bildungsansatz, große Potentiale differenzierte Bildungserfahrungen (mit allen Sinnen) zu machen. Und je heterogener diese Erfahrungen sind, desto wahrscheinlicher wird es sein, die sich äußernde gesellschaftliche Vielfalt nicht als Bedrohung wahrzunehmen, sondern als Chance, andere Formen der Identität zu entwickeln, außer, die von Hall beschriebenen, nationalen oder kulturellen. Sie da abzuholen wo sie sind, kann genau das bedeuten - und zwar Arbeit an dem Verständnis für die plurale kulturelle Verfasstheit von Gesellschaften, und damit einhergehend die Arbeit an einer Identität, die sich flexibel in dieser Differenz verorten kann.
Wenn man einer Disziplin solche Vorschußlorbeeren zukommen lässt, ist es unerlässlich, Begründungen und Zusammenhänge dafür aufzuzeigen, warum gerade die Kulturpädagogik solche Potentiale haben soll. Um zuvor jedoch einen kurzen Einblick in das Feld der neuen Kulturpädagogik zu bekommen, die ja quasi Ausgangspunkt für diese Arbeit war, wird im folgenden Abschnitt kurz die deutsche Entwicklung dieser Querschnittsdisziplin aus den letzten 30 Jahren dargestellt.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836624602
Arbeit zitieren:
Joerg, Daniel Juli 2008: Konzepte kultureller Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Kulturpädagogik, Bildung, Lebenskunst, Kulturarbeit, Jugendliche



