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Kontrastiver Vergleich des italienischen und des deutschen Wortschatzes im Bereich des Geruchs am Beispiel der Übersetzung von Süskinds Roman 'Das Parfum'

Kontrastiver Vergleich des italienischen und des deutschen Wortschatzes im Bereich des Geruchs am Beispiel der Übersetzung von Süskinds Roman 'Das Parfum'
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Julia Grosche
  • Abgabedatum: September 2003
  • Umfang: 104 Seiten
  • Dateigröße: 721,7 KB
  • Note: 1,4
  • Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8303-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8303-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8303-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Grosche, Julia September 2003: Kontrastiver Vergleich des italienischen und des deutschen Wortschatzes im Bereich des Geruchs am Beispiel der Übersetzung von Süskinds Roman 'Das Parfum', Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Übersetzungsprobleme, Wahrnehmung, Versprachlichung, Verben, Komposita

Magisterarbeit von Julia Grosche

Problemstellung:

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Problem der Versprachlichung von Gerüchen und Geruchsempfindungen im Deutschen und deren Wiedergabe im Italienischen. Mit Patrick Süskinds Roman Das Parfum steht als empirisches Korpus ein literarisches Werk im Vordergrund, in dem die Darstellung von Geruchssinn und allen Arten von Gerüchen und Geruchsnuancen eine zentrale Rolle spielt.

Der Geruchssinn des Menschen, verglichen mit anderen Sinnen, ist relativ schlecht entwickelt und deshalb kognitiv kaum gegliedert. Kein anderes Sinnesgebiet leidet so sehr unter sprachlichen Unvollkommenheiten wie der Geruch, da einer praktisch unübersehbaren und kaum klassifizierten Vielfalt von Empfindungen eine vergleichsweise geringe Anzahl von sprachlichen Bezeichnungen gegenüber steht. Sprachlich wird dieses Problem im Deutschen durch verschiedene Strategien gelöst: die metaphorisch-synästhetische Übertragung aus anderen Sinnesbereichen (süß, scharf) oder die metonymische Verschiebung von Geruchsträger auf den Geruch (blumig, knoblauchartig). Bei der Beschreibung von Gerüchen werden auch sekundäre Verfahren wie substantivische Komposita, adjektivbasierte Verfahren, Partizipien, Genitivattribute, Präpositionalattribute usw. verwendet. Im kontrastiven Vergleich stellt sich fest, dass im Italienischen zum Teil die anderen sprachlichen Mittel zur Darstellung von Gerüchen zur Verfügung stehen.

Zusammenfassung:

Der kontrastive Vergleich des italienischen und des deutschen Wortschatzes im Bereich des Geruchs erbrachte eine ganze Reihe von interessanten und zum Teil unerwarteten Ergebnissen.

Das wichtigste Ergebnis der vorliegenden Untersuchung scheint die empirisch belegte Tatsache zu sein, dass es interlingual keine (bestenfalls sehr wenige) uneingeschränkte Äquivalenzen oder Entsprechungen gibt. Dieser Umstand kann keineswegs überraschen. Denn jede Sprache entwickelt sich abhängig von den Bedürfnissen einer Sprachgemeinschaft, ihrer Geschichte und Kultur. Eine Sprachgemeinschaft kann auf einem Gebiet mit nur wenigen Sprachzeichen auskommen, während sie in den anderen Bereichen sehr viele Bezeichnungen bereitstellt. Diese Eigengesetzlichkeiten einer Sprachgemeinschaft zeigen sich dann in den Eigentümlichkeiten ihrer Sprache. Die Ungleichheiten verschiedener Sprachen können sich in der Denotation, der Konnotation oder in beiden Bedeutungsbereichen zeigen. Bei der Übersetzung stoßt man oft auf Probleme der Diversifikation und Neutralisation.

Jede Sprache besitzt verschiedene Kategorien von Wortarten. Die Analyse des Wortschatzes nach Wortarten hat gezeigt, dass diese instrumentale Kategorisierung keinen universellen Charakter hat. Es wurde festgestellt, dass viele formale Entsprechungen nach der Wortart keine funktionellen Äquivalente sind.

Es bestätigt die Aussage von Wandruszka (1969: 528) über Sprachsysteme: „Es sind höchst zufällig, höchst launenhaft, höchst unbekümmert asymetrische Systeme.“ Bewundernswert ist aber nicht die asystematische Struktur jeder Sprache, sondern „ihre Anpassungsfähigkeit an das Neue, das Unerwartete, ihre Offenheit für das Unvorhersehbare, ihre Aufnahmebereitschaft für das noch nie Gesagte“ (Wandruszka 1969: 528). Solche Aufnahmebereitschaft zeigt zum Beispiel das Italienische in bezug auf Wiedergabe von deutschen ad-hoc-Komposita. Für das Italienische konnte zwar nachgewiesen werden, dass es nicht über eine derartige, gleichermaßen den lexikalischen und den syntaktischen Aspekt umfassende Struktur verfügt. Jedoch zeigte sich zugleich, dass sich hier verschiedene Strukturen die Aufgaben des deutschen Nominalkompositums teilen. Welcher der zur Verfügung stehenden Entsprechungstypen letztlich ausgewählt wird, hängt von der großen Zahl sekundärer Faktoren ab, die die Wahl jeweils beeinflussen können.

Jede Sprache basiert auf dem Prinzip der Kombination von kleineren zu immer größeren Einheiten. Die semantische Modifikation mit Hilfe der Wortbildung bietet eine Ergänzung zum primären Wortschatz durch zahlreiche Suffixe bei der Bildung von Adjektiven, Präfixe bei den Verben und Möglichkeit der Zusammensetzung für Substantive und Adjektive. Alle diesen Modifikationsmöglichkeiten können den Wortschatz im Bereich des Geruchs wesentlich erweitern. Es wurde festgestellt, dass diese Modifikationsmittel verschiedene Stellungswerte im Deutschen und im Italienischen haben.

Der konkrete Vergleich des deutschen und des italienischen Attributionssystems zeigte, dass sich zwar einerseits die entsprechenden Attributionstypen beider Sprachen in vielen Charakteristika überschneiden, jedoch die Grenzen innerhalb der Attributionssysteme deutlich unterscheiden. Auf die attributive Prädetermination der deutschen Sprache antwortet das Italienische in der Regel mit Postdetermination.

Nicht weniger interessant sind die übersetzungswissenschaftlichen Ergebnisse. Es wurden einige Übersetzungsstrategien für das Sprachpaar Deutsch – Italienisch festgestellt. Die Kenntnis dieser Strategien kann wesentliche Hilfe beim Übersetzen leisten.

Bekanntlich kommt den Wörterbüchern als Hilfsmittel aller Übersetzungsverfahren ein wesentlicher Stellenwert zu. Man muss sich aber darüber im klaren sein, dass die geläufigen zweisprachigen Nachschlagwerke in alphabetischer Anordnung die Bedeutungsäquivalenzen nur unvollkommen wiedergeben können. In vielen Fällen können dem Wörterbuch keine Hinweise zur Wahl zwischen den Übersetzungsäquivalenten entnommen werden. Wir haben gesehen, dass die richtige Wahl erst auf der Satzebene getroffen werden kann. Die vorgenommene Übersetzungsanalyse hat gezeigt, dass bei der Übersetzung nicht nur die richtigen lexikalischen Zuordnungen eine große Rolle spielen, sondern auch die Kenntnisse über die syntaktische Struktur der Zielsprache. Dementsprechend braucht man bei der Übersetzung ein Wörterbuch, das die potentiellen Übersetzungsäquivalenten beschreibt und die Faktoren und Kriterien angibt, die die Wahl von aktuellen Entsprechungen bestimmen. Die Ergebnisse dieser Arbeit könnten einen kleinen Beitrag für ein solches Wörterbuch leisten.

Inhaltsverzeichnis:

1. Besonderheiten des Geruchssinnes aus psychologischer Sicht 3
2. Besonderheiten des Geruchssinnes aus sprachwissenschaftlicher Sicht 7
3. Das Parfum von Patrick Süskind als Ausgangstext für die Übersetzungen 9
4. Kontrastiver Vergleich des primären deutschen und des italienischen Wortschatzes im Bereich des Geruchs 16
4.1 Primäre Verben des Riechens 16
4.1.1 Intransitive Verben 17
4.1.2 Transitive Verben 21
4.1.3 Infinite Verbalformen 24
4.2 Primäre Geruchssubstantive 27
4.3 Reine Geruchsadjektive 32
5. Kontrastiver Vergleich der Spezifikationsmöglichkeiten im Deutschen und im Italienischen 33
5.1 Deverbale Ableitungen und verbale Periphrasen 34
5.2 Substantivische Komposita 36
5.2.1 Komposita mit dem Erstglied aus dem Bereich des Geruchs 37
5.2.2 Komposita mit dem Zweitglied aus dem Bereich des Geruchs 43
5.2.3 Komposita als Spannungsfeld zwischen Lexikon und Syntax 45
5.3 Adjektive 46
5.3.1 Bewertende Adjektive 49
5.3.2 Adjektive der Intensität 50
5.3.3 Gegenständliche Geruchsadjektive 51
5.3.4 Adjektivische Komposita 54
5.3.5 Anleihe bei den anderen Sinnesgebieten 56
5.4 Partizipien 59
5.5 Genitivattribute 60
5.6 Präpositionalattribute 62
5.7 Vergleich des deutschen und des italienischen Attributionssystems 63
5.8 Kombinierbarkeit von Attributen 70
6. Die wichtigsten Wortfamilien im Bereich des Geruchs 74
7. Übersetzungswissenschaftliche Ergebnisse 79
7.1 Begrenzte Möglichkeit wörtlicher Übersetzung 80
7.1.1 Wörtliche Übersetzung mit positionellen Divergenzen 81
7.1.2 Wörtliche Übersetzung mit quantitativen Divergenzen 81
7.1.3 Wörtliche Übersetzung mit materiellen Divergenzen 82
7.2 Übersetzungsstrategie der Transposition 82
7.2.1 Substitution 83
7.2.2 Dilution 84
7.2.3 Konzentration 85
8. Zusammenfassung 85
Bibliographie 88
Anhang 92

Automatisiert erstellter Textauszug:

1. Und er ging mit mächtigen Schritten über die brachen Fluren und säte Duft der verschiedensten Sorten, verschwenderisch hier, sparsam dort, in endlos weiten Plantagen und kleinen intimen Rabatten, den Samen faustweise verschleudernd oder einzeln an eigens ausgewählten Plätzen versenkend. Bis in die entlegensten Regionen seines Reiches eilte der Große Grenouille, der rasende Gärtner, und bald war kein Winkel mehr, in den er kein Duftkorn geworfen hätte. (161) 2. Natürlich durfte dieser einzigartige Duft nicht roh verwendet werden. Er musste ihn fassen wie den kostbarsten Edelstein. Ein Duftdiadem musste er schmieden, an dessen erhabenster Stelle, zugleich eingebunden in andere Düfte und sie beherrschend, sein Duft strahlte. ( 246) 3. [...]

Diese Vielseitigkeit des Kompositums bringt mit sich, dass es im Italienischen auf die vielfältigste Weise wiedergegeben werden kann. Es lässt sich dabei nur eine Regelmäßigkeit festzustellen: Dem substantivischen Erstglied Geruch- des deutschen Kompositums entspricht bis auf eine Ausnahme ein Wort aus der Wortfamilie olfatto. Es ist bemerkenswert, weil dem verbalen Erstglied Riech- im Italienischen die ganze Reihe von Synonymen entspricht: odoroso, aromatico, olfattorio, profumato. Zusammenfassend kann man sagen: Die deutschen Komposita mit dem Erstglied (Verbalstamm oder Substantiv) aus dem Bereich Geruch werden folgendermaßen im Italienischen wiedergegeben: als Simplex: olfatto als Substantiv + Adjektiv: sostanza aromatica, polverine odorose, pelle profumata, aura olfattiva als Fügung mit der Präposition di: alito di profumo, filo di aroma, popolo dei profumi als Präpositionalkonstruktion komplexer Struktur: genio nel campo dell’olfatto, individuo dotato di un olfatto non comune Die Präferenzen bei dieser Gruppe liegen offensichtlich bei der Übersetzung als Substantiv + Adjektiv. Bei der Wiedergabe des Kompositums als Fügung mit der Präposition di muss sich die Übersetzerin hinsichtlich des Numerus des Determinans festlegen. In einigen Fällen wird sinngemäß das Determinans als Pluralform interpretiert: cucina di odori, popolo dei profumi. Die im Deutschen fast unbegrenzte Möglichkeit der Bildung auch sehr ausgefallener Komposita wird vor allem in künstlerischen Texten genutzt. Sie verleihen dem Text eine aufmerksamkeitserregende Expressivität. Solche Komposita können ohne Kontext oft nicht verstanden werden. Nach Angele (1992: 42) sind ad-hoc-Komposita stark kontextabhängig: "Man könnte sagen, dass sie nur eine Meinung und keine Bedeutung besitzen." Bei Komposita gibt es eine überschaubare Anzahl präferierter Lesarten, die uns in den Sinn kommen, wenn ein Wort ohne Kontext auftaucht. In vielen Fällen gibt der Kontext einzige richtige Lösung. Nicht so ist es bei den zusammengesetzten Wortschöpfungen im Roman von Süskind. In den folgenden Beispielen kann man die Übersetzungen von Komposita nur als persönliche Meinung der Übersetzerin ansehen. Andere Interpretationen von Komposita wären in vielen [...]

Wiedergabemöglichkeiten getroffen werden. Nicht immer ist die innere Logik des Kompositums leicht aufzudecken; mitunter muss zusätzliches Realienwissen mobilisiert werden, um bei der Auflösung – als Vorstufe zur Übertragung in eine andere Sprache – keinen Fehler zu begehen. Das Wörterbuch verzeichnet nur solche Komposita, die als feste in die Gemein- oder eine Fachsprache eingegangen und lexikalisiert worden sind. Lexikalisierte Komposita besitzen in der Regel eine relativ enge Bedeutung. Bei den zahlreichen, in einem spezifischen Aussagezusammenhang gebildeten Augenblickskomposita entscheidet ihre Nützlichkeit (d.h. ob sie in anderen Kontexten als dem ursprünglichen gebraucht werden können) darüber, ob sie von der Sprachgemeinschaft angenommen und allmählich feste Komposita werden. Die nächsten zwei Kapitel beschäftigen sich mit dem Problem der Wiedergabe der deutschen Komposita im Italienischen. Jedes primäres Substantiv des Riechens kann sowohl Grundglied als auch Bestimmungsglied eines Kompositums sein. [...]

Arbeit zitieren:
Grosche, Julia September 2003: Kontrastiver Vergleich des italienischen und des deutschen Wortschatzes im Bereich des Geruchs am Beispiel der Übersetzung von Süskinds Roman 'Das Parfum', Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Übersetzungsprobleme, Wahrnehmung, Versprachlichung, Verben, Komposita

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