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Konsumentenverwirrtheit

Die Rolle personenspezifischer Einflussfaktoren

Konsumentenverwirrtheit
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Gregor Kürten
  • Abgabedatum: Dezember 2005
  • Umfang: 94 Seiten
  • Dateigröße: 3,5 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9442-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9442-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9442-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Kürten, Gregor Dezember 2005: Konsumentenverwirrtheit, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Consumer Confusion, Konsumentenverhalten, Involvement, Digitalkameras, Kausalanalyse

Diplomarbeit von Gregor Kürten

Einleitung:

Das Phänomen der Konsumentenverwirrtheit wird in der deutschsprachigen Marketingforschung erst seit wenigen Jahren thematisiert. Es ist kein völlig neues Konstrukt aber bisher unzureichend empirisch erforscht und es herrscht noch Uneinigkeit über das Konzept.

Konsumentenverwirrtheit äußert sich durch ein Versagen des Konsumenten, während des Kaufentscheidungsprozesses eine korrekte Interpretation eines Produktes oder einer Dienstleistung zu entwickeln und kann zu suboptimalen Kaufentscheidungen führen.

Bisher sind vornehmlich die produktbezogenen und umweltbezogenen Einflüsse auf die Entstehung von Konsumentenverwirrtheit untersucht worden. Personenspezifischen Einflussfaktoren ist weniger Aufmerksamkeit zuteil geworden.

Die Arbeit stellt das noch recht neue Konstrukt Konsumentenverwirrtheit vor, ordnet die unterschiedlichen Einflussfaktoren und untersucht im Rahmen eines Kausalmodells die Rolle des Involvements, des Produktwissens und der soziodemografischen Merkmale Alter, Geschlecht und Bildung. Hierfür wurden 271 Personen online zum Thema „Digitalkameras“ befragt.

Problemstellung:

Für jedes Unternehmen stellt sich die Aufgabe, seine Position gegen andere Unternehmen zu behaupten. In einer Wettbewerbswirtschaft ist es dazu nötig, eine Standardleistung zum geringstmöglichen Preis anzubieten oder aber eine überlegene Leistung anzubieten, die in der ganzen Branche als einzigartig angesehen wird.

Dieser Herausforderung begegnen die Unternehmen auf der Absatzseite durch aktives Marketing, insbesondere durch Produktpolitik, die neue Leistungen für den Kunden schafft und durch Maßnahmen der Kommunikationspolitik, die gegenüber dem Kunden die eigenen Leistungen gegen die der Wettbewerber abgrenzt und den besonderen Nutzen für den Kunden deutlich herausstellt. Paradoxerweise führen aber gerade diese Bemühungen der Unternehmen, bei genauerer Betrachtung, zu unerwünschten Wirkungen.

Gegenüber dem Jahr 1998 hat sich der Bestand allein bei den national eingetragenen Marken um über 25% erhöht. Gleichzeitig nehmen die Unterschiede zwischen den einzelnen Marken und Artikeln ab, weil das Produktmanagement in jeder Lücke zwischen zwei Angeboten sofort eine neue Nische besetzt. Die Handelsmarkenpolitik vieler Einzelhändler ahmt Markenprodukte nach und erweitert das Produktangebot zusätzlich, vor allem in preislicher Hinsicht.

Durch immer kürzere Produktlebenszyklen stehen neue Produkte mitunter in den Regalen, noch bevor die alten ausverkauft sind, so dass beide nebeneinander angeboten werden. In der Preisgestaltung nimmt die Komplexität ebenfalls eher zu als ab, denn seit dem Wegfall von Rabattgesetz und Zugabenverordnung im Jahr 2001 bieten sich dem Handel neue Gestaltungsmöglichkeiten.

Da sich die Informationsverarbeitungsfähigkeiten der Konsumenten nicht im gleichen Maße wie die angebotenen Informationen erhöht haben, bekommen Konsumenten beim Kauf häufig Probleme, einen Überblick über den für sie relevanten Marktausschnitt zu finden, die Leistungskriterien zu verstehen, die Unterschiede zwischen den Produkten zu erkennen und eine Bewertung vorzunehmen. Kurz gesagt: Die Konsumenten werden zunehmend verwirrt. Die Einkaufsumwelt hat eine zu hohe „ […] Entscheidungsdichte, die Stress verursacht und Fluchtgedanken aufkommen lässt.“.

Die Aufgabe, der möglichen Verwirrung Einhalt zu gebieten, kommt ganz besonders dem Handel zu. Durch eine gezielte Sortimentspolitik kann das Verwirrungspotenzial, das die Produktfülle grundsätzlich bietet, begrenzt werden. Hinweise, dass dies nicht immer gelingt finden sich in der Literatur zahlreich: Bei Uhren, Mobiltelefonie, Rindfleisch, Bankdienstleistungen, Ausbildungsprogrammen oder Computern. Weitere Beispiele werden bei Wiedmann/ Walsh/ Klee und bei Mitchell/ Papavassiliou aufgezählt.

Konsumentenverwirrtheit (KVW) ist aus verschiedenen Blickwinkeln negativ zu beurteilen. Die vom Konsumenten getroffenen Kaufentscheidungen sind für ihn nicht optimal, womöglich sogar schädlich. Verbraucherpolitisch betrachtet, untergräbt Konsumentenverwirrtheit das Ziel des souveränen Konsumenten. Aus Sicht des Handels stellen Kaufabbruch und Kaufaufschub wichtige und wenig wünschenswerte Konsequenzen dar. Für Markenhersteller sind weitere Konsequenzen der Konsumentenverwirrtheit von Bedeutung, wie negative Mundpropaganda, abnehmende Loyalität oder Unzufriedenheit.

Das Phänomen der Konsumentenverwirrtheit wird in der deutschsprachigen Marketingforschung erst seit wenigen Jahren thematisiert. Es ist kein völlig neues Konstrukt aber bisher unzureichend empirisch erforscht und es herrscht noch Uneinigkeit über das Konzept. Als eigenständiges, komplexes Konstrukt wird Konsumentenverwirrtheit erst seit den späten 90er Jahren diskutiert.

Das Kaufobjekt, die Einkaufsumwelt und die Eigenschaften des Käufers stellen die Bestimmungsfaktoren des Konsumentenverhaltens dar. Bisher sind vornehmlich die produktbezogenen und umweltbezogenen Einflüsse auf die Entstehung von Konsumentenverwirrtheit untersucht worden. Personenspezifischen Einflussfaktoren ist weniger Aufmerksamkeit zuteil geworden, obgleich in einigen Arbeiten zur Konsumentenverwirrtheit deren Einfluss betont wird.

Ziel dieser Arbeit soll es daher sein, das noch recht neue Konstrukt Konsumentenverwirrtheit vorzustellen, die unterschiedlichen Einflussfaktoren zu ordnen und die Rolle von personenbezogenen Einflussfaktoren im Rahmen der Entstehung von Konsumentenverwirrtheit empirisch zu untersuchen.

Gang der Untersuchung:

Bisher wurde die Relevanz des Themas Konsumentenverwirrtheit herausgestellt und es wurde auf bestehende Defizite in der Forschung hingewiesen. Im zweiten Abschnitt werden die theoretischen Grundlagen des Konstruktes dargestellt. Zunächst wird die Entwicklung des Konstruktverständnisses dargestellt und aus den bestehenden Interpretationen eine Definition erstellt. Anschließend wird die Konsumentenverwirrtheit in den Kontext der menschlichen Informationsverarbeitung eingeordnet und es werden die in der Literatur genanten Ursachen und Einflussfaktoren dargestellt. Die Untersuchung des Einflusses von personenspezifischen Einflussfaktoren stellt einen wichtigen Teil dieser Arbeit dar. Daher werden diese ausführlicher behandelt. Die dabei aufgestellten Hypothesen werden in der in Abschnitt 3 folgenden empirischen Untersuchung getestet. Zum Schluss bewertet Abschnitt 4 die wichtigsten Ergebnisse und gibt einen Ausblick auf verbleibende Fragestellungen.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis II
1. Einleitung und Problemstellung 1
1.1 Ziel der Arbeit 2
1.2 Aufbau der Arbeit 3
2. Theoretische Ansätze zur Erklärung von Konsumentenverwirrtheit 3
2.1 Entwicklung des Konstruktverständnissesin der Literatur 4
2.2 Definition von Konsumentenverwirrtheit 7
2.3 Konsumentenverwirrtheit im Kontext menschlicher Informationsverarbeitung 11
2.4 Produktbezogene Faktoren zur Erklärung von Konsumentenverwirrtheit 14
2.4.1 Wahrgenommene Stimulusähnlichkeit 15
2.4.2 Wahrgenommene Stimulusüberlastung 16
2.4.3 Wahrgenommene Stimulusunklarheit 17
2.5 Umweltbezogene Faktoren zur Erklärung von Konsumentenverwirrtheit 18
2.5.1 Wahrgenommene Stimulineuartigkeit 18
2.5.2 Wahrgenommener Stimulikonflikt 19
2.5.3 Wahrgenommene Stimuliirritation 20
2.5.4 Wahrgenommene Stimulivielfalt und -komplexität 20
2.6 Personenbezogene Faktoren zur Erklärung von Konsumentenverwirrtheit 21
2.6.1 Involvement 23
2.6.2 Wissen 26
2.6.3 Soziodemografische Variablen 29
3. Empirische Untersuchung zur Konsumentenverwirrtheit 32
3.1 Vorgehensweise 32
3.2 Operationalisierung der Konstrukte 36
3.2.1 Konsumentenverwirrtheit 37
3.2.2 Involvement 42
3.2.3 Wissen 44
3.3 Ergebnisse der empirischen Untersuchung 47
3.3.1 Struktur der einzelnen Konstrukte 47
3.3.2 Der Einfluss des Involvements auf die Konsumentenverwirrtheit 54
3.3.3 Der Einfluss des Wissens auf die Konsumentenverwirrtheit 56
3.3.4 Der Einfluss soziodemografischer Merkmale auf die Konsumentenverwirrtheit 58
3.3.5 Zusammenfassung der Befunde 61
4. Fazit und Ausblick 62
Anhang 64
Literaturverzeichnis 86
Erklärung gemäß § 19 Abs. 8 und 9 der Diplomprüfungsordnung 92
Autor 93

Automatisiert erstellter Textauszug:

erfolgt, bietet die Literatur keine eindeutigen Hinweise. Es gilt, dass Modelle „[…] je nach Kontext formativ als auch reflektiv spezifizierbar sind. In vielen Bereichen lassen sich auch begründete Argumente für beide Spezifikationen finden.“142 Eine kurze Begründung zur Wahl der Spezifikation des Messmodells befindet sich bei der Beschreibung der Operationalisierung der einzelnen Konstrukte. 3.2.1 Konsumentenverwirrtheit Wie weiter oben dargelegt wurde, herrscht im Schrifttum Uneinigkeit über das Konzept Konsumentenverwirrtheit. Diese Uneinigkeit spiegelt sich auch in der Messung von Konsumentenverwirrtheit wider. Die verschiedenen Messmethoden werden bei Walsh (2004) eingehend dargestellt, so dass auf eine ausführliche Darstellung hier verzichtet wird.143 Es sollen aber einige Punkte herausgegriffen werden, die Walsh kritisiert. Zunächst ist festzustellen, dass überhaupt nur eine geringe Zahl empirischer Untersuchungen existiert. Die wenigen vorliegenden Untersuchungen befassen sich fast ausschließlich mit Ähnlichkeitsmessung in Markenrechtsstreitigkeiten. Ausnahmen bilden die Untersuchungen von Rafiq/ Collins (1996), Turnbull/ Leek/ Ying (2000), Chryssochoidis (2000) und Sproles/ Kendall (1986), sowie im deutschsprachigen Schrifttum die Untersuchungen von Walsh (2001) und Schweizer (2004). Die zugrunde liegenden Operationalisierungen basieren in den englischsprachigen Untersuchungen häufig auf keinen oder unterschiedlichen Definitionen und sind theoretisch anspruchslos. Zum Beispiel mussten bei der Untersuchung von Rafiq/ Collins die Befragten lediglich angeben, wie stark sie der Aussage zustimmen, dass zwei gezeigte Produkte so ähnlich sind, dass man sie verwechseln könnte.144 Außerdem muss bemängelt werden, dass in vielen Untersuchungen nur Frauen- oder Studentenstichproben gezogen wurden. Zwei empirische Untersuchungen, die diese Schwächen vermeiden und die ein umfassendes Verständnis zugrunde legen, sind die von Schweizer (2004) und Walsh (2001). Das Anliegen beider Untersuchungen ist es, die Struktur des Konstruktes und die damit verbundenen Verhaltensreaktionen zu ergründen. Walsh (2001) versteht Konsumentenverwirrtheit als mehrdimensionales und mehrfaktorielles Konstrukt mit den Dimensionen wahrgenommene Stimulusüberlastung, -ähnlichkeit und -unklarheit. Die Einflussfaktoren sind bei jeder Dimension das Produkt und die Botschaften zu dem Produkt (z.B. die Faktoren „zu ähnliche Produkte“ und „zu [...]

3.2 Operationalisierung der Konstrukte Bei der Konsumentenverwirrtheit und den Faktoren Wissen und Involvement handelt es sich um hypothetische Konstrukte, die in der Realität nicht direkt beobachtbar sind. Deshalb müssen für diese inneren Merkmale der Person Indikatoren gefunden werden, anhand derer die Konstrukte messbar gemacht werden können. Für die Messung nicht beobachtbarer Konstrukte gibt es zwei unterschiedliche Konzepte zum Zusammenhang zwischen den Indikatoren und den Konstrukten.140 Reflektive Indikatoren werden durch die dahinterstehenden hypothetischen Größen verursacht. Daher führen Veränderungen beim Konstrukt zu gleichgerichteten Veränderungen bei den Indikatoren, vermindert um den Einfluss des Messfehlers jedes Indikators. Die Indikatoren sind austauschbar, ohne dass sich der Gehalt des hypothetischen Konstruktes ändern würde. Bei formativen Indikatoren ist der Kausalzusammenhang umgekehrt. Formative Indikatoren verursachen in der Summe das Konstrukt, Messfehler gibt es nicht. Veränderungen bei einem Indikator führen zu gleichgerichteten Veränderungen beim Konstrukt, nicht aber zwangsläufig bei den anderen Indikatoren. Bei formativen Indikatoren sind Gütekriterien, die Indikatoren anhand ihrer Korrelation bewerten, nicht sinnvoll einzusetzen, da sie zum Ausschluss von Indikatoren führen, so dass sich der Inhalt des Konstruktes ändert. Obgleich die Auswahl einer geeigneten Modellspezifikation in der Forschung lange Zeit vernachlässigt wurde, sind inzwischen einige Kriterien für die Auswahl der geeigneten Modellspezifikation verfügbar. Im Wesentlichen sind vier Fragen zu beantworten, die, wenn sie bejaht werden, die Unzulässigkeit eines formativen Messmodells anzeigen:141 Würden Veränderungen des Konstruktes Veränderungen bei den Indikatoren verursachen? Sind die Indikatoren austauschbar und bleibt dadurch der Gehalt des Konstruktes unverändert? Kovariieren die Indikatoren zwangsläufig miteinander? Haben die Indikatoren die gleichen Ursachen und Konsequenzen? Ein solcher Fragenkatalog bringt es naturgemäß mit sich, dass einige Fragen positiv und andere negativ beantwortet werden. Für die Entscheidung, ab welchem Zustimmungsoder Ablehnungsgrad die Entscheidung für das eine oder das andere Messmodell [...]

Zur Beurteilung der Güte Ergebnisse von konfirmatorischen Faktorenanalysen und Strukturgleichungsmodellen sind in der Literatur zahlreiche Gütemaße entwickelt worden.135 Die am häufigsten verwendetetn Maße sind in Abbildung 2 dargestellt. Globale Gütekriterien messen die Anpassung eines Modells an einen empirischen Datensatz. Je besser die ermittelten Modellparameter den Datensatz reproduzieren, umso besser fällt die Modellbeurteilung aus. Ergänzend hierzu prüfen lokale Gütemaße, wie groß der Messfehler der einzelnen Teilstrukturen ausfällt. Dies ist nötig, denn eine Gute globale Modellanpassung kann auch durch hohe Fehlerkomponenten in den Teilstrukturen verursacht werden.136 Für eine Erklärung der Gütemaße wird auf die Literatur verwiesen.137 Einige Gütemaße, wie der Signifikanztest der Faktorladungen und der Chi2-Test setzen zumindest approximativ normalverteilte Daten voraus. Diese liegen vor, wenn die Schiefe einer Verteilung einen Wert von nicht größer als drei und eine Wölbung mit einem Wert von nicht größer als acht hat.138 Abbildung 2: Kriterien der Modellbeurteilung [...]

Arbeit zitieren:
Kürten, Gregor Dezember 2005: Konsumentenverwirrtheit, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Consumer Confusion, Konsumentenverhalten, Involvement, Digitalkameras, Kausalanalyse

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