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Das Konsumentenverhalten beim Lebensmitteleinkauf unter besonderer Berücksichtigung der Discounter

Eine sozial- und perzeptionsgeographische Untersuchung am Beispiel des Stadtteils Köln-Porz

Das Konsumentenverhalten beim Lebensmitteleinkauf unter besonderer Berücksichtigung der Discounter
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Gerrit Seul
  • Abgabedatum: Mai 2005
  • Umfang: 136 Seiten
  • Dateigröße: 2,5 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9269-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9269-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9269-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Seul, Gerrit Mai 2005: Das Konsumentenverhalten beim Lebensmitteleinkauf unter besonderer Berücksichtigung der Discounter, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Lebensstil, Einzelhandel, Sinus-Milieu, Aldi, Standortanalyse

Diplomarbeit von Gerrit Seul

Einleitung:

Der Discounter ist die erfolgreichste Betriebsform des deutschen Lebensmitteleinzelhandels der letzten 20 Jahre. Gegenwärtig ist das Wachstum jedoch schwächer, einige Prognosen gehen von Stagnation oder sogar zukünftigem Rückgang des Marktanteils aus. In den Medien und der Fachöffentlichkeit findet darüber derzeit eine intensive Diskussion statt - und darüber, welche Faktoren auf diese Entwicklung Einfluss nehmen werden. Es gilt als sicher, dass hier der Konsument eine immer bedeutendere Rolle spielen wird. Neue Informationstechnologien wie das Internet ermöglichen einen permanenten Preis- und Servicevergleich, der Wissensstand (und damit die Macht) des Konsumenten steigt kontinuierlich, der Konsument wird zum „Empowered Consumer“.

Die Verfügbarkeit einer grenzenlos erscheinenden Zahl an Produkten in unmittelbarer Nähe und fast rund um die Uhr führt zu „multioptionalem Verhalten“. Die Kunden sind sich ihrer vielfältigen Möglichkeiten bewusst und nutzen diese intensiv. Zudem haben sie sich „an die heutigen Preiskriege gewöhnt“ und „vergleichen nicht nur Konkurrenzprodukte, sie vergleichen alles mit allem“. Aus diesem Grund hat sich der ursprüngliche Wettbewerb zwischen Anbietern innerhalb eines Marktes ausgeweitet zum „Hyperwettbewerb“ zwischen ganz unterschiedlichen Märkten. Die vorliegende Arbeit rückt daher im Sinne der Perzeptionsgeographie die subjektive Wahrnehmung des Konsumenten in den Mittelpunkt.

Die Arbeit verfolgt das Ziel, Konsumentengewohnheiten, -verhalten und -einstellungen beim Lebensmitteleinkauf zu untersuchen. Die Aufmerksamkeit gilt dabei der besonderen Rolle der Discounter in der Wahrnehmung des Konsumenten. Des Weiteren stehen Veränderungen dieser Wahrnehmung und deren mögliche Auswirkungen auf Entwicklungstendenzen des Lebensmitteleinzelhandels besonders im Fokus.

Es wird unterstellt, dass sich ausdifferenzierende Lebensstile in einer zunehmend individualisierten Gesellschaft wachsenden Einfluss auf Handlungsmotive, Einstellungen, Verhalten und Emotionen besitzen. Die Zugehörigkeit zu einer mehrdimensional gebildeten Lebensstilgruppe besitzt diesbezüglich eine (inzwischen) größere Erklärungskraft als die eindimensionale Perspektive einer Einteilung in Klassen oder Schichten.

Um dieser Erkenntnis Rechung zu tragen, werden die Interviewpartner in Anlehnung an die Klassifikation der Sinus-Milieus® verschiedenen Lebensstilen zugeordnet. Diese Lebensstile werden der Analyse der Konsumentengewohnheiten zu Grunde gelegt, Zusammenhänge, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den identifizierten Lebensstilen und vor allem deren Gründe sind das vorrangige Untersuchungsziel.

Im ersten Schritt der empirischen Untersuchung werden theoriegeleitet Leitfragen entwickelt, welche der Konzeption der Interviewleitfäden als Basis dienen. Ein Kurzfragebogen ergänzt die gewonnenen Daten um Imageeinschätzungen verschiedener Betriebsformen und Angaben zu allgemeinen Konsumgewohnheiten, welche in schriftlicher Form leichter zu explorieren sind. Die Untersuchung fokussiert drei Teilbereiche, welche zu folgenden Kernfragestellungen verdichtet werden können:

- Ist bei den Konsumenten eine einsetzende „Discount-Müdigkeit“ zu beobachten?

- Kann der Konsument noch ausreichend zwischen den verschiedenen großflächigen Betriebsformen und den verschiedenen Discountern differenzieren?

- Werden Probleme durch den voranschreitenden Strukturwandel und die Standortverlagerungen des Lebensmitteleinzelhandels wahrgenommen oder antizipiert?

Auf Grundlage der Auswertung und Interpretation der gewonnenen Ergebnisse werden in diesen drei Teilbereichen Hypothesen generiert.

Gang der Untersuchung:

Zu Beginn der Arbeit werden aktuelle Situation und Strukturwandel des Lebensmitteleinzelhandels in Deutschland dargestellt. Es werden die großflächigen Betriebsformen definitorisch gegeneinander abgegrenzt, die wichtigsten Discount-Unternehmen Deutschlands vorgestellt und deren grundsätzliche Standortpolitik und konkrete Verteilungsmuster am Beispiel Kölns veranschaulicht. Im Folgenden werden die Gründe für den nachhaltigen Erfolg der Discounter eruiert und die gegenwärtig zu beobachtende Abschwächung des bislang schnellen und kontinuierlichen Wachstums, die dahinter vermuteten Gründe und die zu beobachtenden Reaktionen der Unternehmen zusammengetragen. Die Einführung der für diese Untersuchung relevanten soziologischen und psychologischen Grundlagen schließt den theoretischen Teil der Arbeit ab.

Diese Abschnitte bilden die Basis, auf deren Grundlage anschließend die Leitfragen der empirischen Untersuchung entwickelt werden. Die Leitfragen bewegen sich im Rahmen der drei genannten Teilbereiche. Anschließend wird die verwendete Methodik ausführlich vorgestellt, insbesondere die Operationalisierung der Zuordnung der Interviewpartner und die angewendete Interviewmethode. Darüber hinaus wird das Untersuchungsgebiet kurz vorgestellt und die verwendeten Untersuchungsmethoden einer kritischen Betrachtung unterzogen. Im letzten Teil der Arbeit werden die Ergebnisse der empirischen Untersuchung dargelegt, ein abschließendes Fazit gezogen und die gewonnenen Ergebnisse diskutiert.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
2. Der Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland 6
2.1 DIE WICHTIGSTEN BETRIEBSFORMEN 6
2.1.1 Discounter 7
2.1.2 Supermarkt 9
2.1.3 Verbrauchermarkt 10
2.1.4 SB-Warenhaus 11
2.2 AKTUELLER STRUKTURWANDEL 12
2.2.1 Verkaufsflächenwachstum 16
2.2.2 Konzentration 16
2.2.3 Internationalisierung 17
2.3 DIE FÜNF WICHTIGSTEN LEBENSMITTELDISCOUNTER IN DEUTSCHLAND 18
2.4 STANDORTENTSCHEIDUNGEN UND STANDORTPOLITIK 22
2.4.1 Standortentscheidungen der Discounter und ihre Aktionsparameter 22
2.4.2 Standortentscheidungen der Discounter und ihre Umweltparameter 26
2.4.3 Standorte der wichtigsten Discounter im Großraum Köln 28
2.4.4 Abwanderung aus innerstädtischen Bereichen 29
3. Der Erfolg der Discounter 36
3.1 HANDELSENDOGENE GRÜNDE FÜR DEN ERFOLG 38
3.2 HANDELSEXOGENE GRÜNDE FÜR DEN ERFOLG - POLITISCHE RAHMENBEDINGUNGEN 40
3.2.1 Aufhebung der vertikalen Preisbindung 40
3.2.2 Baurechtliche Rahmenbedingungen 40
3.3 HANDELSEXOGENE GRÜNDE FÜR DEN ERFOLG - KONSUMENTENWAHRNEHMUNG 45
3.3.1 Preis vs. Qualität 45
3.3.2 Hybrides Kaufverhalten und Smart Shopping 47
3.3.3 Instabilität des Konsumentenverhaltens 49
3.3.4 Einfachheit 49
3.3.5 Bequemlichkeit 50
3.3.6 Soziale Akzeptanz 50
3.4 ABSCHWÄCHUNG DES WACHSTUMS 51
3.5 DIE REAKTION DER UNTERNEHMEN 53
3.5.1 Erhöhter Werbeaufwand und veränderter Werbeauftritt 53
3.5.2 Claims und Positionierung 54
3.5.3 Differenzierungsversuche 56
4. Soziologische und psychologische Grundlagen der empirischen Untersuchung 58
4.1 LEBENSSTILKONZEPTE 58
4.1.1 Milieus 60
4.1.2 Die Sinus-Milieus® 61
4.2 KONSUM UND KONSUMENTENVERHALTEN 63
5. Zielsetzung der empirischen Untersuchung 66
5.1 DISCOUNT-MÜDIGKEIT? 66
5.2 MANGELNDE DIFFERENZIERUNG? 67
5.3 PROBLEMATISCHE STANDORTVERLAGERUNGEN? 68
5.4 GÜTEKRITERIEN EMPIRISCHER UNTERSUCHUNGEN 69
6. Methodik der empirischen Untersuchung 71
6.1 HYPOTHESENBILDUNG 71
6.2 ZUORDNUNG DER INTERVIEWPARTNER ZU DEN SINUS-MILIEUS® 72
6.3 DAS PROBLEMZENTRIERTE INTERVIEW 73
6.3.1 Auswertung der Interviews 76
6.3.2 Wahl der Interviewpartner 78
6.3.3 Pre-Test der Untersuchungsinstrumente 79
6.4 KRITISCHE BETRACHTUNG DER UNTERSUCHUNGSMETHODEN 80
6.5 DAS UNTERSUCHUNGSGEBIET 80
7. Ergebnisse der empirischen Untersuchung 82
7.1 DISCOUNT-MÜDIGKEIT 82
7.1.1 Bedeutung des Preises beim Lebensmitteleinkauf 82
7.1.2 Einstellung gegenüber Markenprodukten 86
7.1.3 Einstellung gegenüber Aktionsware der Discounter im Non-Food-Segment 87
7.1.4 Wahrnehmung und Einstellung gegenüber Bio-Ware 88
7.2 MANGELNDE DIFFERENZIERUNG 90
7.2.1 Differenzierung zwischen verschiedenen Discountern 91
7.2.2 Differenzierung zwischen verschiedenen Betriebsformen 98
7.3 VERBREITUNGSMUSTER DER EINKAUFSSTÄTTEN IN DER KONSUMENTENWAHRNEHMUNG 104
7.3.1 Entfernungstoleranz und Pkw-Nutzung 104
7.3.2 Entfernung und Erreichbarkeit 107
7.3.3 Versorgungszufriedenheit 109
7.3.4 Externes Kopplungspotenzial 110
8. Fazit und Diskussion der Ergebnisse 112
9. Tabellenverzeichnis 116
10. Abbildungsverzeichnis 117
11. Abkürzungsverzeichnis 118
12. Literaturverzeichnis 119
13. Anhang 125

Automatisiert erstellter Textauszug:

3 Der Erfolg der Discounter Besonders die Hard-Discounter bieten den Kunden eine leichte Orientierung in gewohnter Umgebung, da die Läden einer Kette meist exakt gleich aufgebaut sind. Somit findet der Kunde sich an unterschiedlichen Standorten, in unterschiedlichen Städten, anderen Bundesländern oder sogar anderen Staaten immer sofort zurecht. Die Produkte sind durch nahezu gleiche Anordnung in gleich bleibender Einrichtung für den Kunden immer schnell zu finden. Auch hier ist Aldi als derjenige Anbieter hervorzuheben, der diesen Grundsatz am konsequentesten befolgt. BRANDES hat im „Grundprinzip der Einfachheit“ den wichtigsten Erfolgsfaktor des Unternehmens ausgemacht: „Aldis Erfolgsstory ist eine Lehre von der Einfachheit. Alles wird in diesem Unternehmen davon bestimmt. Einfach machen bedeutet: Man muss so lange streichen, bis man nichts mehr weglassen kann, ohne das Wesen zu verändern“ (BRANDES 2004). [...]

keine verwirrende Vielfalt“ aufweisen. ... Während klassische Formate wie Supermärkte und vor allem Hypermärkte (Verbrauchermärkte) zu kompliziert und zeitaufwändig werden, ... legen die Hard-Discounter weiter zu“ (BOSSHART 2004, S. 21). Diese vermitteln durch ihre Übersichtlichkeit ein Gefühl der Sicherheit, unter anderem durch ein sehr begrenztes, überschaubares Sortiment. Wie in Tabelle 2-2 auf Seite 21 dargestellt, trifft dies in erster Linie auf die eher am Hard-Discount orientierten Handelsketten zu, also auf Aldi und Norma mit 650 bis 800 Artikeln, in etwas geringerem Maße auch auf Lidl mit rund 1.200 Artikeln. Häufig ist, im Gegensatz zu den anderen Betriebsformen, in einer Produkt-Kategorie lediglich ein einziger Artikel im Angebot. Der Konsument muss sich also nicht entscheiden, welche Milch er kauft, sondern nur ob oder ob nicht. 49 [...]

Seit geraumer Zeit ist die Entwicklung zu beobachten, dass es zunehmend schwerer wird, das Käuferverhalten zu prognostizieren. „Gut ausgestellte Waren, ein sympathischer Verkäufer, ja vielleicht auch eine momentane Hochstimmung des Käufers, die mit seinem Lebensmittelkauf nicht das Mindeste zu tun haben mag, mögen oft dafür den Ausschlag geben, dass er eine sehr teure Ware kauft, deren Kauf er unter anderen Umständen gar nicht in Betracht gezogen hätte“ (HALLER 2000, S. 370). Vermehrt beklagen Hersteller und Handelsketten eine sinkende Einkaufsstättentreue, sogar die Markentreue - eine Konstante, auf die sich der Handel in den meisten Produktkategorien jahrzehntelang verlassen konnte - schwindet zunehmend. Eine Wankelmütigkeit, von der die Discounter weniger betroffen sind als die meisten der konkurrierenden Betriebsformen, da ihre Kernkompetenz auf weitgehend stabiles Interesse stößt: „Trotz der Instabilität des Konsumentenverhaltnes ‚zieht’ der Preis immer“ (EGGERT 1998, S. 133). [...]

Arbeit zitieren:
Seul, Gerrit Mai 2005: Das Konsumentenverhalten beim Lebensmitteleinkauf unter besonderer Berücksichtigung der Discounter, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Lebensstil, Einzelhandel, Sinus-Milieu, Aldi, Standortanalyse

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