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Konsequenzen des kulturellen Hintergrundes für die medizinisch-psychosoziale Aids-Beratung von Menschen aus Schwarzafrika in Deutschland

Konsequenzen des kulturellen Hintergrundes für die medizinisch-psychosoziale Aids-Beratung von Menschen aus Schwarzafrika in Deutschland
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Arnim Huhle
  • Abgabedatum: März 1999
  • Umfang: 132 Seiten
  • Dateigröße: 6,3 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Katholische Stiftungsfachhochschule München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-1813-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-1813-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-1813-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Huhle, Arnim März 1999: Konsequenzen des kulturellen Hintergrundes für die medizinisch-psychosoziale Aids-Beratung von Menschen aus Schwarzafrika in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kultureller Hintergrund, Beratungsschwerpunkte, Risikofaktoren

Diplomarbeit von Arnim Huhle

Einleitung:

Wir leben heute in einem Europa, welches das Ziel von Zuwanderern aus allen Teilen der Welt geworden ist. Mit den zunehmenden Migrationsbewegungen weltweit verbreiten sich auch solche Krankheiten über den ganzen Globus, die einst nur in einem kleinen und begrenzten Gebiet endemisch waren (siehe AIDS!). Mit den Menschen aus anderen Ländern gelangen neue kulturelle Einflüsse nach Europa und damit auch nach Deutschland.

Aber das Bewußtsein für die vorhandene größer gewordene Vielfalt der Kulturen und die damit einher gehenden Veränderungen für das gesellschaftliche Leben ist in den Köpfen der Einheimischen bisher noch nicht ausreichend gereift. Von den Zuwanderern wird verlangt, daß sie sich integrieren sollen, wobei Integration vielerorts mit Assimilation gleichgesetzt wird. Diese Haltung behindert eine angemessene gesellschaftspolitische Handlungsweise, welche die Migranten berücksichtigt, wenn sie sich nur an der Mehrheitsbevölkerung orientiert.

Im Falle von AIDS werden somit viele Migrantengruppen nicht erreicht, wenn es um Präventionskampagnen geht, die als Zielgruppe nur einheimische Bevölkerungsgruppen im Visier haben. Auf diese Weise können falsche Annahmen zu AIDS und risikobehaftetes Sexualverhalten unberührt fortbestehen und sich damit die Gefahr erhöhen, daß sich AIDS eben in jenen Gruppen weiter ausbreitet. Das Robert Koch-Institut stellt anläßlich des Welt-AIDS-Tages 1998 in einer Pressemitteilung fest, daß aus Entwicklungsländern stammende Ausländer von den in den letzten Jahren erweiterten therapeutischen Fortschritten faktisch weitgehend ausgeschlossen werden, und nur vereinzelt von den verbesserten Behandlungsmöglichkeiten durch eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung der HIV-Infektion profitieren [68].

Auch innerhalb der Sozialarbeit in Deutschland wird diese multikulturelle Realität nur in unzureichender Weise berücksichtigt. Dies spiegelt sich auch in der Literatur zur AIDS-Beratung wider, die sich weitestgehend an den "klassischen" heimischen "Risikogruppen": Homosexuellen Männern, Intravenös Drogenabhängigen, Blutern und in gewissem Maße auch Heterosexuellen, orientiert. Menschen aus anderen Kulturen werden in dieser Kategorisierung meistens nicht explizit erwähnt. Dahinter steckt vielleicht die Annahme, daß "ein bißchen mehr vom Gleichen" auch in der Beratung mit ethnischen Minderheiten Erfolge zeitigen wird. Andererseits könnte auch der Gedanke dahinter sein, daß eine explizite Erwähnung und Berücksichtigung dieser ethnischen Minderheiten im Katalog der "Risikogruppen" eine weitere (neben ihrem Stigma als Migrant) zusätzliche Stigmatisierung zur Folge haben könnte, die man aber diesen Gruppen nicht noch zusätzlich aufbürden möchte. Beide Gedankengänge bewirken aber letztendlich, daß nichts unternommen wird, um für jene Gruppen eine kulturell angemessene Form der Beratung zu schaffen.

Mit der vorliegenden Arbeit möchte ich diesem Defizit im Rahmen der Möglichkeiten entgegenwirken. Die These, welcher dieser Arbeit zugrunde liegt, lautet, daß eine AIDS-Beratung mit einem Klienten aus Schwarzafrika nur dann Erfolg haben kann, wenn der Berater den kulturellen Hintergrund des Klienten kennt und diesen auch angemessen in der Beratung berücksichtigt.

Gang der Untersuchung:

Der Aufbau der Arbeit orientiert sich an der Theorie der Interkulturellen Sozialarbeit nach Silvia Staub-Bernasconi. Mit Hilfe des Geschichts-, Beschreibungs- und Erklärungswissens zeichne ich in dieser Arbeit die Stationen exemplarisch nach, die ein Klient aus Schwarzafrika bis zur AIDS-Beratung in Deutschland durchlaufen hat: Lebenssituation in Afrika - Migration - Lebenssituation in Deutschland - AIDS-Beratung. Dieser Aufbau soll bewirken, daß man durch das Lesen dieser Stationen besser nachvollziehen kann, in welcher Situation der Klient zum Zeitpunkt der Beratung sein mag und welche Umstände hierfür bestimmend waren.

Der Umfang einer solchen Arbeit setzt Grenzen, wenn es um die Ausformulierungen und Auswahl der einzelnen Themenbereiche geht. Für die Darstellung des vielfältigen afrikanischen kulturellen Hintergrundes habe ich eine begrenzte Auswahl an Autoren treffen müssen, bei der mit ausschlaggebend war, daß sie aus verschiedenen wissenschaftlichen und kulturellen Perspektiven heraus auf den afrikanischen Kontext blickten. Dadurch wollte ich eine möglichst objektive und wenig durch ethnozentrische und eigenwissenschaftliche Sichtweise verzerrte Gesamtdarstellung erreichen.

Bei der Darstellung des soziokulturellen Hintergrundes der afrikanischen Migranten in Deutschland und dessen Folgen für die Beratung, hatte ich oft die Schwierigkeit, angemessene und ausreichende Literatur zu finden. Aus den anfangs bereits beschriebenen Gründen der mangelnden Bewußtwerdung der Konsequenzen der multikulturellen Realität in der (sozialpädagogischen) deutschsprachigen Fachliteratur, habe ich nach Alternativen insbesondere in der englischsprachigen Literatur und in anderen Fachgebieten (z.B. in der Ethnomedizin und der Transkulturellen Psychotherapie) gesucht, um die Lücken zu überbrücken. In anderen Bereichen, in denen ich keine ausreichenden Informationen finden konnte (z.B. bezüglich der Lebenssituation von Schwarzafrikanern in Deutschland), war leider oft nur eine allgemeinere Darstellung möglich. Aufgrund der spezifischen sozialen Situation in Deutschland boten sich Querverweise z.B. bezüglich der Lebenssituation von Afroamerikanern in den USA nur sehr begrenzt an.

Die meisten der im Beratungskontext geschilderten und zu berücksichtigenden Aspekte gehen von der Annahme aus, daß ein Berater mit einem deutschen kulturellen Hintergrund auf einen Klienten mit einem afrikanischen kulturellen Hintergrund trifft. Des weiteren liegt die Annahme zugrunde, daß sich beide in wenigstens einer Sprache gemeinsam verständigen können. Bei Klienten aus Schwarzafrika sind dies u.a. die Sprachen: Englisch, Französisch, Portugiesisch, die in den jeweiligen Ländern (oftmals neben einer Stammessprache) Amtssprachen sind.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 3
1. Definition von HIV und AIDS 9
2. Kultureller Hintergrund von Menschen aus Schwarzafrika 11
2.1 Werte und Glaubenskultur 11
2.1.1 Religion und Weltanschauung 11
2.1.1.1 Ahnenkult 13
2.1.1.2 Begräbniszeremonien 14
2.1.1.3 Der Glaube an Hexen 15
2.1.1.4 Einfluß des Islam und des Christentums auf traditionelle Religionen 15
2.1.2 Traditionelle Medizin 17
2.1.2.1 Aufgabenbereiche eines traditionellen Heilers 18
2.2 Gesellschaftskultur 20
2.2.1 Definition der Stämme als segmentäre Gesellschaften 21
2.2.2 Senioritätsprinzip 24
2.2.3 Initiationsritus 25
2.2.4 Stellenwert der Achtung in Stammesgesellschaften 26
2.2.5 Soziale Identitäten 27
2.2.6 Reichtum und Armut 28
2.2.7 Individualisierung in Schwarzafrika 28
2.3 Familienkultur 29
2.3.1 Rolle der Frau 31
2.3.2 Ehegesetzgebung als Abbild der traditionellen Strukturen am Beispiel Uganda 32
2.4 Soziokulturelle Risikofaktoren für eine Übertragung des HI-Virus 34
2.4.1 Übertragungswege 34
2.4.2 Risikofaktoren 34
2.4.2.1 Allgemeines Infektionsrisiko bei Frauen und Kindern 35
2.4.2.2 Wirtschaftskrise und Verarmung: 36
2.4.2.3 Ehegesetzgebung 38
2.4.2.4 Geschlechtskrankheiten: 38
2.4.2.5 Homosexualität und Analverkehr 39
2.4.2.6 Kulturelle Praktiken 40
2.4.2.6.1 Weibliche Beschneidung 40
2.4.2.6.2 Weitere kulturelle Praktiken 41
2.4.2.7 Diskriminierung von HIV-Infizierten und AIDS-Kranken 42
3. Epidemiologische Situation 44
3.1 Epidemiologische Situation in Schwarzafrika 44
3.2 Epidemiologische Situation von Menschen aus Schwarzafrika in Deutschland 45
4. AIDS-Beratung von Menschen aus Schwarzafrika in Deutschland 47
4.1 Auf die Beratung angewandte Theorien der Sozialen Arbeit 47
4.1.1 Das "Life-Model" der Sozialen Arbeit nach Germain/Gitterman 47
4.1.1.1 Einführung in das "Life-Model" 47
4.1.1.2 Die Eingangsphase 49
4.1.1.3 Lebensverändernde Ereignisse 51
4.1.1.4 Arbeitsphase: Probleme und Anforderungen aus der Umwelt 52
4.1.1.4.1 Arbeitsphase: Fehlangepaßte interpersonale Beziehungs- und Kommunikationsmuster 53
4.1.1.5 Ablösungsphase: Beendigung des Hilfeprozesses 55
4.1.2 Die Ethnospezifische und Interkulturelle Sozialarbeit nach Silvia Staub-Bernasconi 56
4.2 Folgen der Migration für die psychische und physische Gesundheit 57
4.3 Rechtliche Aspekte bei Migranten aus Schwarzafrika nach der Einreise 60
4.4 Lebenssituation von Migranten in Deutschland 62
4.4.1 Schilderung der Lebenssituation anhand verschiedener Bereiche 63
4.4.1.1 Bildung 63
4.4.1.2 Sprache und Integration 64
4.4.1.3 Erwerbstätigkeit 65
4.4.1.4 Asylbewerber 65
4.4.1.5 Einkommenssituation 66
4.4.1.6 Wohnsituation 67
4.4.1.7 Gesundheit 67
4.4.1.8 Religion 68
4.4.2 Besondere soziopolitische Aspekte bei Migranten mit HIV/AIDS 68
4.5 Wahrnehmungsebenen und Wirklichkeitsebenen 70
4.5.1 Internalisierende und externalisierende Kulturen 71
4.5.2 Kulturelle Unterschiede im Krankheitsverständnis 72
4.5.3 Erwartungen an den Berater von Seiten afrikanischer Klienten 73
4.5.4 Einfluß von Rassismen auf die Beratung 74
4.6 Themen in einer Beratung von HIV-infizierten und AIDS-kranken Menschen aus Schwarzafrika 76
4.6.1 Information 77
4.6.1.1 Besondere Aspekte in der sozialrechtlichen Beratung 78
4.6.1.2 Safer-Sex-Beratung 87
4.6.1.3 Klärung von sonstigen Unklarheiten über AIDS 89
4.6.2 Sexualität 89
4.6.3 Umgang mit Sucht und Suchtmitteln 91
4.6.4 Tod und Sterben 92
4.6.5 Besondere psychologische Probleme 94
4.6.5.1 Chronische Angst 94
4.6.5.2 Depressionen 95
4.6.5.3 Hirnorganische Schädigungen 96
4.6.5.4 Suizid 97
4.6.6 Ressourcen im Bereich der Bewältigungsmöglichkeiten 97
4.7 Evaluation und Beendigung der Beratung 102
4.8 Beratung von Partnern, Angehörigen und Freunden 104
Schlussbemerkung 106
Literaturliste 108
Anhang 115

Arbeit zitieren:
Huhle, Arnim März 1999: Konsequenzen des kulturellen Hintergrundes für die medizinisch-psychosoziale Aids-Beratung von Menschen aus Schwarzafrika in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kultureller Hintergrund, Beratungsschwerpunkte, Risikofaktoren

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