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Konsequenzen der Neuen Basler Eigenkapitalvereinbarung für mittelständische Immobilien-Projektentwickler

Konsequenzen der Neuen Basler Eigenkapitalvereinbarung für mittelständische Immobilien-Projektentwickler
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Christoph Pitschke
  • Abgabedatum: August 2001
  • Umfang: 105 Seiten
  • Dateigröße: 1,4 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: European Business School Schloß Reichartshausen, Oestrich-Winkel Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5651-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5651-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5651-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Pitschke, Christoph August 2001: Konsequenzen der Neuen Basler Eigenkapitalvereinbarung für mittelständische Immobilien-Projektentwickler, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Immobilien, Risikomanagement, Basel II, Rating, Projektentwicklung

Diplomarbeit von Christoph Pitschke

Einleitung:

Im Rahmen der Überarbeitung der geltenden Basler Eigenkapitalvereinbarung (Basel I) hat der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht im Januar 2001 das sog. Zweite Konsultationspapier veröffentlicht, welches als Diskussionsgrundlage für die Neue Basler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II) dient. Mit der Revidierung von Basel I soll die aufsichtsrechtliche Eigenkapitalausstattung der Banken stärker an den tatsächlichen Risiken des Bankgeschäfts orientiert werden, um somit die Stabilität des Bankensystems zu stärken. Die bisher pauschale Bewertung von Kreditrisiken soll einer risikoadäquaten Bewertung gemäß der Bonität der Kreditnehmer weichen. Dazu sollen Kreditinstitute künftig auf Ratings zurückgreifen, wobei ihnen zur Wahl gestellt wird, Agentur-Ratings zu verwenden oder bankinterne Ratings durchzuführen.

Die im Zweiten Konsultationspapier enthaltenen Vorschläge sind seitens der Wirtschaft auf große Kritik gestoßen, die nach Ablauf der Konsultationsphase Ende Mai ihren Ausdruck in über 250 Stellungnahmen aus aller Welt fand. Die avisierten Änderungen werden nicht nur die aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen für die Kreditinstitute grund-legend verändern. Sie werden vielmehr die kreditnachfragenden Unternehmen betreffen, die stark auf die klassische Bankfinanzierung angewiesen sind. Viele mittelständische Unternehmen, insbesondere Immobilien-Projektentwickler, deren Geschäft fremd-kapitalintensiv und risikoreich ist, befürchten durch eine Umsetzung der vorgeschlagenen Neuen Basler Eigenkapitalvereinbarung Finanzierungsnachteile.

Die Untersuchung des wirtschaftlichen Umfelds von Banken und Projektentwicklern verdeutlicht dabei, dass Eigenkapital für beide Seiten den strategischen Engpassfaktor darstellt. Im Bankensektor findet ein zunehmender Konkurrenz- und Performancedruck um den Faktor Eigenkapital statt. Kreditinstitute sind zur Sicherung der ihnen anvertrauten Vermögenswerte dazu verpflichtet, ihre Aktiva mit einem angemessenem Eigenkapital zu unterlegen. Dieses zur Kreditsicherung vorgehaltene Kapital, bindet im Durchschnitt mehr als 90% der bankeigenen Mittel. Für Kreditinstitute ist Eigenkapital daher eine knappe und geschäftsbegrenzende Ressource.

In der stark unterkapitalisierten Bau- und Projektentwicklungsbranche hat sich die Konkurrenzsituation in den letzten Jahren ebenfalls erheblich verschärft und „im Windschatten spektakulärer Insolvenzen von Developern und hoher Wertberichtigungen der Banken vollzieht sich derzeit ein tiefgreifender Strukturwandel in der deutschen Projekt-entwicklungslandschaft.“ Vor diesem Hintergrund sind die beabsichtigten Änderungen der bankenaufsichtlichen Vorschriften für Projektentwickler mittelbar von existenzieller Bedeutung.

Ziel dieser Arbeit ist es, die sich aus der Neuen Basler Eigenkapitalvereinbarung ergebenden Konsequenzen für mittelständische Immobilien-Projektentwickler herauszuarbeiten. Bei der Darstellung der Unterschiede zwischen Basel I und Basel II wird schwerpunktmäßig auf die für Developer relevanten Fragestellungen eingegangen. Auf dieser Grundlage werden schließlich Handlungsoptionen für Projektentwickler aufgezeigt.

Gang der Untersuchung:

Im Anschluss an die Ausführungen des ersten Kapitels erfolgt im zweiten Kapitel eine Bestimmung der begrifflichen und konzeptionellen Grundlagen des Rating und der Immobilien-Projektentwicklung. Zunächst erfolgt eine Darstellung der Funktion des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht und eine Erläuterung der geltenden Basler Eigenkapitalvereinbarung. Aufgrund der besonderen Rolle, die dem Analyse-Instrument Rating durch die Neue Basler Eigenkapitalvereinbarung für die zukünftige Kreditvergabepraxis zukommt, wird es nachfolgend in seiner Grundstruktur vorgestellt und in den Zusammenhang eingeordnet. Da Immobilien-Developer mit Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit sind, folgt in Kapitel 2.4 eine begriffliche Klärung der Immobilien-Projektentwicklung. Die mit dieser unternehmerischen Tätigkeit verbundenen Risiken und die traditionelle Finanzierung von Immobilien-Projektentwicklungen werden anschließend erläutert. Da ein Zusammenhang zwischen Risiken und Ratingergebnissen besteht, wodurch die Finanzierungskosten von Projektentwicklungsunternehmen determiniert werden, wird im folgenden auf die Risiken und auf die traditionelle Finanzierung eingegangen.

Darauf aufbauend wird in Kapitel 3 die Neue Basler Eigenkapitalvereinbarung vor-gestellt, um so Unterschiede zu Basel I offenzulegen. Insbesondere die den Kreditinstituten zur Wahl stehenden Ratingansätze werden in diesem Kapitel erläutert, um ein Verständnis der Basler Vorschläge zu gewährleisten.

Nach der Darstellung der Neuen Basler Eigenkapitalvereinbarung zeigt Kapitel 4, mit welchen Auswirkungen kleine und mittlere Projektentwicklungsunternehmen unter sonst gleichen Bedingungen zu rechnen haben. Dazu werden in Kapitel 4.1 die Gründe für die aus den Basler Vorschlägen resultierenden höheren Kapitalkosten für Projektentwickler erläutert. Kapitel 4.2 leitet die Folgen aus einem restriktiveren Kreditvergabeverhalten der Banken ab. In diesem Zusammenhang illustriert eine kurze Fallstudie die Auswirkungen eines restriktiveren Kreditvergabeverhaltens auf Developer-Kalkulationen unter besonderer Berücksichtigung des Leverage-Effekts.

Vor dem Hintergrund der abgeleiteten Änderungen stellt Kapitel 5 Handlungsoptionen für Projektentwickler dar. Kapitel 6 fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und bietet einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.

Inhaltsverzeichnis:

ABBILDUNGSVERZEICHNIS III
TABELLENVERZEICHNIS IV
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS V
1. EINLEITUNG 1
1.1 PROBLEMSTELLUNG UND ZIELSETZUNG 1
1.2 GANG DER UNTERSUCHUNG 2
2. BEGRIFFLICHE UND KONZEPTIONELLE GRUNDLAGEN 4
2.1 DER BASLER AUSSCHUSS FÜR BANKENAUFSICHT 4
2.2 DIE GELTENDE EIGENKAPITALVEREINBARUNG 4
2.3 RATING 6
2.3.1 Definitorische Grundlagen 6
2.3.2 Externe Ratings 7
2.3.3 Bankinterne Ratings 8
2.4 IMMOBILIEN-PROJEKTENTWICKLUNG 9
2.4.1 Definitorische Grundlagen 9
2.4.2 Risiken im Projektentwicklungsprozess 10
2.4.3 Finanzierung von Projektentwicklungen 11
3. DIE NEUE BASLER EIGENKAPITALVEREINBARUNG 13
3.1 GRUNDSTRUKTUR DER NEUEN BASLER EIGENKAPITALVEREINBARUNG 13
3.2 STANDARDANSATZ 14
3.3 INTERNER RATINGANSATZ 15
3.3.1 Grundlagen des internen Ratingansatzes 15
3.3.2 Basisansatz des internen Ratingansatzes 17
3.3.3 Fortgeschrittener Ansatz des internen Ratingansatzes 18
3.3.4 Anforderungen an interne Ratings 19
3.3.5 Projektfinanzierung im internen Ratingansatz 21
3.4 ANERKENNUNG VON KREDITSICHERHEITEN 22
3.4.1 Kreditsicherheiten im Standardansatz 22
3.4.2 Kreditsicherheiten im internen Ratingansatz 24
4. IMPLIKATIONEN DER NEUEN BASLER EIGENKAPITALVEREINBARUNG 26
4.1 HÖHERE KAPITALKOSTEN 26
4.1.1 Risikogewichtung im Standardansatz 26
4.1.2 Kosten der Ratings 27
4.1.3 Ausfallwahrscheinlichkeiten im internen Ratingansatz 28
4.1.4 Kosten der Kreditüberwachung 29
4.2 RESTRIKTIVERES KREDITVERGABEVERHALTEN DER BANKEN 30
4.2.1 Benachteiligung von Existenzgründern der Immobilienbranche 30
4.2.2 Verstärkung des prozyklischen Kreditvergabeverhaltens 31
4.2.3 Relativierung des Leverage-Effekts 34
4.2.4 Rückwirkungen auf den Immobilienmarkt 36
4.3 ERHÖHTER EIGENKAPITALBEDARF 37
5. HANDLUNGSOPTIONEN FÜR PROJEKTENTWICKLER 37
5.1 PRIVATE EQUITY FINANZIERUNGEN 37
5.1.1 Begriffsabgrenzung 38
5.1.2 Venture Capital in der Immobilienwirtschaft 38
5.1.3 Projektentwicklungsfonds 39
5.2 STRATEGISCHE ALLIANZEN 41
5.2.1 Joint-Ventures mit Kreditinstituten 41
5.2.2 Allianzen zwischen Investor und Projektentwickler 42
5.3 SCHAFFUNG VON TRANSPARENZ 44
6. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 45
ANHANG 47
BEISPIELVERZEICHNIS 48
INTERVIEWVERZEICHNIS 49
LITERATURVERZEICHNIS 89

Automatisiert erstellter Textauszug:

5.1.3 Projektentwicklungsfonds Geschlossene Immobilienfonds haben in den neunziger Jahren erhebliche Marktanteile gewinnen können. Von Anlegern die primär durch Steuervorteile motiviert waren und bei denen die erzielbaren Verlustzuweisungen mehr als die Gewinnausschüttungen im Vordergrund standen, konnte viel Eigenkapital für Immobilieninvestitionen generiert werden. Mit dem Auslaufen der Sonderabschreibung-Ost Ende 1998 wurde den bis dahin steuerorientierten Fonds allerdings die Basis entzogen.187 Die Fondsinitiatoren haben auf die Änderung der steuerlichen Rahmenbedingungen mit der Konzeption von rendite- statt steuerorientierten Fonds reagiert. Durch Private Equity Fonds für Projektentwicklungen können Anleger bei erhöhtem Risiko attraktive Renditen erzielen.188 Abbildung 14 zeigt eine exemplarische Konzeption eines Private Equity Fonds, die sich so darstellt, dass ca. 99% des Fondskapitals durch Anleger eingesammelt wird, die damit zu 80% am Gewinn der Investition beteiligt sind.189 Das Fonds-Management bringt i.d.R. 1% des Fondskapitals auf und erhält durch eine 20%ige Gewinnbeteiligung einen hohen Anreiz, das Projekt zum Erfolg zu führen. Dazu ist das Fonds-Management berechtigt im Rahmen des Projektmanagements sein Know-How mit einzubringen. [...]

-385.1.1 Begriffsabgrenzung Bader definiert Private Equity als „eine Finanzierungsart, bei welcher nicht kotierten Unternehmen in einer entscheidenden Phase ihrer Entwicklung, ohne ausreichende Sicherheiten, mittel- bis langfristig Kapital und, bei Bedarf, Managementunterstützung zur Verfügung gestellt wird. Zur Realisierung eines dem Risiko entsprechenden Gewinns besteht von vornherein die Absicht, die Beteiligung wieder zu veräußern.“175 Der Begriff stammt aus den USA und hat dort sein definitorisches Gegenstück im Public Equity, als börsennotiertes Eigenkapital, welches einer Registrierung bei der SEC unterworfen ist.176 In Europa ersetzt Private Equity landläufig vielfach den Begriff „Venture-Capital“ als Fachterminus. Die Begriffe sind aber keineswegs deckungsgleich oder austauschbar, da es sich bei Venture Capital um ein Teilsegment des Private Equity Marktes handelt,177 was durch Abbildung 13 veranschaulicht wird. Unter Venture Capital versteht man das Eigenkapital, das jungen Unternehmen speziell zur Gründung, zur Entwicklung und zur Expansion des Geschäftes zur Verfügung gestellt wird.178 [...]

Ein europäischer Vergleich zeigt, dass deutsche Unternehmen mit einem Umsatz von weniger als 7 Millionen Euro durchschnittlich nur 14 Prozent Eigenkapital aufweisen.171 Die Eigenkapitalausstattung von Projektentwicklungsunternehmen ist gemeinhin sehr gering172 und dürfte noch unter dem o.g. Durchschnittswert liegen. Eine geringere Bereitschaft der Banken zur Finanzierung von Bauvorhaben wird für viele Developer zu Finanzierungsproblemen führen. Auch wenn Developer bereit wären, in der Objektfinanzierung höhere Fremdkapitalzinsen in Kauf zu nehmen, wird die geringere Verfügbarkeit von Fremdkapital für viele Unternehmen zu einer Finanzierungslücke führen. Da die Unterkapitalisierung in der Projektentwicklungsbranche kurzbis mittelfristig nicht allein durch Innenfinanzierungspotenzial erhöht werden kann, kommt der Beschaffung von externem Eigenkapital eine Schlüsselrolle zu.173 Viele Immobilien-Projektentwicklungen werden daher künftig nur mit zusätzlichem privaten Risikokapital finanziert werden können.174 [...]

Arbeit zitieren:
Pitschke, Christoph August 2001: Konsequenzen der Neuen Basler Eigenkapitalvereinbarung für mittelständische Immobilien-Projektentwickler, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Immobilien, Risikomanagement, Basel II, Rating, Projektentwicklung

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