Zur Konjunktur des Musicals in Deutschland
Untersuchungen zur Genese, zu den Ursachen und Wirkungen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Burkhard Meyer
- Abgabedatum: Juli 1999
- Umfang: 164 Seiten
- Dateigröße: 900,4 KB
- Note: 1,5
- Institution / Hochschule: Universität Hildesheim Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5380-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5380-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5380-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Meyer, Burkhard Juli 1999: Zur Konjunktur des Musicals in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Staatstheater, Stadttheater, Musical, Theater, Kommerz
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Diplomarbeit von Burkhard Meyer
Einleitung:
Der Musical-Boom in Deutschland neigt sich dem Ende zu. Dies läßt sich festmachen an den rückläufigen Besucherzahlen. Bei Les Misérables – Schönberg/Boublil, 1980 im Duisburger Musical Theater liegt die durchschnittliche Besucherfrequentierung bei nur noch 50 Prozent, einige Ensuite-Produktionen müssen nach relativ kurzen Spielzeiten schließen: die deutsche Produktion von Sunset Boulevard – Webber/Hampton/Black, 1993, mußte nach nur 18 Monaten Spielzeit im Mai 1997 ihre Pforten schließen; das Musical Tommy – Pete Townshend, 1969/1992, hielt sich im Musical Theater in Offenbach nur 415 Tage nach seiner Deutschlandpremiere am 28. April 1995. Sogar die Schließung von Musical-Spielstätten, z. B. der „Hangar 2“ für das Musical Space Dreams - Schärer/Schwinger, 1995, ist vom Rückgang des Musical-Booms betroffen. „Nach Jahren des Booms kriselt's jetzt kräftig“, so urteilt das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Trotz alledem oder gerade wegen dieser Wende in der Musical-Branche möchte ich in meiner Arbeit aufzeigen, wie es zum Boom des Musicals in Deutschland gekommen ist, dabei soll aber auch erläutert werden, worin die Faszination „Musical“ besteht und was es so attraktiv macht.
Vor allem in Deutschland zeichnete sich seit dem Erfolg von Cats und dessen Premiere am 18.April 1986 in Hamburg eine wachsende Popularität dieses amerikanischen Genres ab. Bis dahin war jene Form des Musiktheaters eher ein Stiefkind in der deutschen Theaterlandschaft.
Während in den Musicalmetropolen New York und London in den letzten Jahren ein „rückläufiges Angebot“ zu verzeichnen war, setzte vor allem in den deutschsprachigen Ländern die Nachfrage nach Musicals umso intensiver ein, jedoch mit einer „extremen Verzögerung“, wie Hubert Wildbihler bemerkt. Das Musical hat seit dem Erfolg von Cats Hochkonjunktur. Das Schlagwort „Musical-Boom“ war plötzlich allerorten präsent.
Die Voraussetzungen für den Musical-Boom, sowie dessen Ursachen und Wirkungen werden in dieser Arbeit beschrieben, analysiert und kritisch hinterfragt.
Die Konjunktur des Musicals mündete in der Entstehung einer neuen Musical-Branche und in Deutschland kam es basierend darauf zum Musical-Boom. Dieser ging einher mit der Errichtung eigener Spielstätten und einem insgesamt hohen Zuschauerzuspruch. In jeder dieser Spielstätten wird ein Musical als Langzeitaufführung gespielt; es handelt sich mithin um Einsparten-Spielorte.
Da Musicalaufführungen auch in den Staats- und Stadttheatern inszeniert wurden und werden, stellt sich die Frage, wie der Musical-Boom auf die Staats- und Stadttheater sowie weiteren subventionierten Freien Bühnen zurückwirkt. Dabei sind folgende Reaktionen denkbar:
- die subventionierten Theater versuchen, durch ein eigenes übermäßiges Musicalangebot mit den neuen kommerziellen Spielstätten zu konkurrieren, um Teil zu haben an dem Boom und an dessen finanziellen Ergebnissen - die subventionierten Theater treiben ihre Arbeit unbeeinflusst weiter fort - die subventionierten Theater nehmen ihre eigenen Musicalinszenierungen zurück, um nicht ihre Energie in einem Konkurrenzkampf zu verschwenden, der nicht zu gewinnen ist.
Die vorliegende Arbeit stellt in ihrem ersten Hauptteil (Kapitel 2. – 5.5.)die Entwicklungsgeschichte des Musicals von seinen Anfängen bis heute dar.
Der zweite Hauptteil (Kapitel 6.) zeigt die Auswirkungen des Musical-Booms auf Staats- und Stadttheater sowie Freie Bühnen in Deutschland. Dazu wurden alle in Frage kommenden Spielstätten einer Befragung unterzogen.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 4 |
| 2. | Erläuterungen zur Arbeit | 7 |
| 2.1 | Strukturierung der Arbeit | 7 |
| 2.2 | Inhaltliche Definitionen und Abgrenzungen | 8 |
| 3. | Vorbedingungen zur Entstehung des Musicals | 12 |
| 3.1 | Allgemeine Kriterien des Musicals Kulturelle Strukturen und Bedingungen in den USA | 12 |
| 3.2 | Theorien über das erste Musical | 16 |
| 3.3 | Importe aus Europa | 17 |
| 3.4 | Drei wegweisende Theatermacher | 19 |
| 3.5 | Anfänge - Die Minstrel-Shows und weitere eigene Unterhaltungsformen | 24 |
| 3.6 | Fazit | 27 |
| 4. | Chronologie des Musicals - Zwanziger bis siebziger Jahre | 28 |
| Zwanziger Jahre | 28 | |
| Dreißiger Jahre | 33 | |
| Vierziger Jahre | 36 | |
| Fünfziger Jahre | 43 | |
| Sechziger Jahre | 51 | |
| Siebziger Jahre | 58 | |
| 5. | Die aktuelle Situation: Die achtziger und neunziger Jahre | 68 |
| 5.1 | Einleitung | 68 |
| 5.2 | Die Entwicklung des Musicals vor Cats in USA und Großbritannien | 69 |
| 5.3 | Die Entwicklung des Musicals nach Cats - Allgemein und International | 70 |
| 5.4 | Die Entwicklung des Musical nach Cats in Deutschland | 72 |
| 5.5 | Resumée und Zusammenfassung | 76 |
| 6. | Die Umfrage | 80 |
| 6.1 | Einleitung | 80 |
| 6.2 | Methodik | 81 |
| 6.3 | Die Umfrageergebnisse: Rücklaufquote, Fragen zur Person und zum Theater | 82 |
| 6.4 | Auswirkungen des Musical-Booms auf die Staats- und Stadttheater und Freien Bühnen Deutschlands | 87 |
| 6.4.1 | Musical-Kommerz-Branche versus Konventioneller Theaterbetrieb | 92 |
| 6.4.2 | Die Umfrageergebnisse: Auswirkungen des Musical-Booms | 95 |
| 7. | Bilanz | 114 |
| 7.1 | Einleitung | 114 |
| 7.2 | Bilanz zur Umfrage | 114 |
| 7.3 | Auswirkungen des Musical-Booms auf das Genre Musical | 120 |
| 7.3.1 | Einleitung | 120 |
| 7.3.2 | Bilanz zum Genre Musical - Auswirkungen des Musical-Booms auf das Genre Musical | 121 |
| 7.4 | Auswirkungen des Musical-Booms auf die Musiktheaterszene in Deutschland | 130 |
| 7.4.1 | Auswirkungen auf die Musiktheaterszene durch die Stella-AG | 130 |
| 7.4.2 | Auswirkungen des Musical-Booms auf die Musiktheaterszene in Deutschland - Prognosen und Perspektiven | 132 |
| 7.5 | Persönliches Fazit und Resumée | 137 |
| 8. | Anhang | 138 |
| 8.1 | Der Fragebogen | 138 |
| 8.1.1 | Anmerkungen zum Fragebogen | 145 |
| 8.2 | Definitionen von Einzelaspekten | 145 |
| 8.3 | Aufführungs- und Besucherzahlen | 149 |
| 8.4 | Neue Musical-Themen | 150 |
| 9. | Literaturverzeichnis | 154 |
Trotz alledem ist die beschriebene Arbeitsweise des Try-Out oder Preview ein gutes Mittel zur Überprüfung der Publikumswirksamkeit, aber auch zur Perfektionierung des Werkes insgesamt. Sie zielt darauf hin, an Details zu feilen, Veränderungen vorzunehmen, um dann das vollendete Werk endgültig einem größeren Publikum vorzustellen. Damit geht auch einher, finanzielle Risiken zu minimieren und somit ebenfalls einen gewissen Schutz auch für die Musicaldarsteller zu gewährleisten. Denn sie sind ebenfalls abhängig von langen Spielzeiten und somit vom Erfolg eines Werkes. Mit der Forcierung und Etablierung dieser Methode entwickelte sich jedoch die Zielsetzung des Broadway dahin, daß man den Schwerpunkt nun bei vielen Großproduktionen fast nur noch auf einen kommerziellen Erfolg ausrichtete. Wenn auch dieses Erfolgskalkül aus wirtschaftlich-finanziellen Gründen nachvollziehbar und verständlich erscheint, so möchte ich doch kritisch darauf hinweisen, daß, insgesamt betrachtet, das Gesamtkonzept in seiner Ausrichtung sehr eindimensional wirkt. Der Faktor „Qualität des Werkes“ wird weder bei dieser Anlegung explizit berücksichtigt, noch in der Literatur oder auch von musicalinvolvierten Personen in diesem Zusammenhang erwähnt. Diese Konzeption hinterläßt den Eindruck, als ob nahezu ausschließlich kommerzielle, finanzielle Absichten hinter der Produktion eines neuen oder neuaufgelegten Musicals stehen. Das heißt nicht, daß diese Werke, die nach dem oben beschriebenen Konzept vermarktet und produziert werden, qualitativ geringwertig sind. Dennoch, betrachtet man rückwirkend die beschriebenen Musicaldekaden, war die bisherige formulierte Intention immer auch noch eine offensichtlich künstlerisch-qualitative. Bei der neuen Strategie bleibt dieser Faktor jedoch weitestgehend unberücksichtigt. Differenzierter betrachtet, arbeitete man andererseits aber auch schon in den vierziger und fünfziger Jahren nach vergleichbaren Gesichtspunkten. Durch die in diesen Jahrzehnten forcierte Arbeit im Medienverbund, d. h. zwischen der [...]
Previews sind Voraufführungen ca. zwei Wochen vor der eigentlichen Premiere, zur Ermittlung der Publikumsresonanz. Bis zur offiziellen Premiere werden oft noch Details verändert. Besonders in den USA und Großbritannien sind solche Previews üblich (siehe auch Try-Out). Diese beiden Verfahrensweisen sind nicht erst in den siebziger Jahren entstanden, etablieren sich aber in Konstellation mit den anderen Konzeptionen (z. B. Singleauskopplung) seitdem wieder verstärkt. 101 Benny Anderson und Björn Ulvaeus sind die ehemaligen Songwriter des erfolgreichen schwedischen Pop-Quartetts ABBA gewesen. Chess ist ein konzipiertes Musical aus der Welt des Schachspiels. Schach wird hier verstanden als Metapher für den unbarmherzigen Umgang der Völker und Menschen miteinander. 1984 fanden weltweit Bühnenkonzerte mit den Songs des Konzeptalbums statt. Erst 1988 erfolgte die Bühnenumsetzung. [...]
Streisand, die bis dato zudem eine lange und von den Fans bedauerte Bühnenabstinenz hatte, die Rolle der „Grizabella“ auf der Bühne spielen werde, was sich jedoch als Trugschluß heraussstellte. Auch diese Tatsache steigerte möglicherweise die Erwartungshaltung an das Musical und bewirkte eine erhöhte Aufmerksamkeit zum Gesamtwerk. Weiterhin wurden die zum Teil noch nicht fertig produzierten (Bühnen-) Musicals in Try-Outs oder Previews100 auf ihre Publikumswirksamkeit hin überprüft oder auch, wie oben schon angedeutet, in sogenannten konzertanten Try-Outs vorgestellt, d. h. lediglich die Musik ohne szenische, theatertechnische Umsetzung vorgestellt, wie bei Jesus Christ Superstar. Das Musical Chess - Anderson/Ulvaeus/Rice, 1988101 von den beiden ehemaligen ABBA-Musikern Benny Andersson und Björn Ulvaeus ist ein weiteres bekanntes Beispiel, das diesem Prinzip folgte. Gemeinsam mit dem Textdichter Tim Rice stellten die beiden Musiker 1984 ein Konzeptalbum vor, welches die musikalische Grundlage und den Entwurf zu einem Musical aus der Schachwelt präsentierte. Über vier Jahre wurde Chess weltweit in sogenannten Bühnenkonzerten vorgestellt und auf seine Bühnenwirksamkeit getestet. Der Schlüsselsong „One night in Bangkok“ avancierte zum Welthit und war das Zugpferd für einen zu erwartenden Bühnenerfolg. Die Bühnenumsetzung 1988 allerdings wurde in den Theatermetropolen New York und London zum Flop. Das bedeutet also, daß selbst diese Strategie nicht unbedingt eine Garantie auf Erfolg bedeutet. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832453800
Arbeit zitieren:
Meyer, Burkhard Juli 1999: Zur Konjunktur des Musicals in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Staatstheater, Stadttheater, Musical, Theater, Kommerz



