Die Konfessionspolitik in den habsburgischen Erblanden von Maximilian II. bis Ferdinand II.
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Michael Barthels
- Abgabedatum: Januar 2003
- Umfang: 82 Seiten
- Dateigröße: 737,7 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7193-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7193-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7193-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Barthels, Michael Januar 2003: Die Konfessionspolitik in den habsburgischen Erblanden von Maximilian II. bis Ferdinand II., Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Reformation, Gegenreformation, Österreich, Barockkatholizismus, Protestantismus
In den Warenkorb
74,00 €
Magisterarbeit von Michael Barthels
Zusammenfassung:
Der Titel dieser Arbeit ließe vermuten, daß hier eine chronologische Darstellung der Geschichte der Konfessionspolitik in den habsburgischen Erblanden der Jahrzehnte zwischen 1564 und 1637, also der Jahre von der Regierungszeit Kaiser Maximilian II. bis Ferdinand II., vorgelegt werden soll. Die Arbeit soll jedoch vielmehr das Thema auf andere Weise darstellen. Anstatt einer solchen ereignisgeschichtlichen Wiedergabe der Geschehnisse soll die Konfessionspolitik in den habsburgischen Erblanden vielmehr anhand verschiedener problemorientierter Aspekte betrachtet werden, die aus ereignisgeschichtlicher Sicht ineinandergegriffen haben. Bei dieser Aufgabenstellung kann jedoch nicht auf die Betrachtung verschiedener konkreter Ereignisse verzichtet werden.
Die Arbeit ist in drei Schwerpunkte gegliedert:
Der erste Teil der Arbeit, der kurz die Hintergründe und die Vorgeschichte des Themas beleuchtet, ist den zwei Hauptschwerpunkten vorangestellt, um eine Verständnisgrundlage zu schaffen. Hier sollen v. a. ein kurzer Abriß des Eindringens der Reformation als auch ein Überblick über die bis dato schon ergriffenen Maßnahmen zur Abwehr des Protestantismus in den habsburgischen Erblanden gegeben werden. Eine Darstellung der reichsrechtlichen Situation für den Protestantismus bis zum Regierungsantrittsjahr Kaiser Maximilian II. gehört ebenso an diese Stelle.
Der zweite Teil befaßt sich mit der Konfessionspolitik der protestantischen Stände und ihren Beiträgen zum Gelingen und späteren Scheitern des Protestantismus in ihrer Heimat. Hier soll insbesondere erörtert werden, ob und in welchem Maße die Strategie des protestantischen Adels in Österreich, fiskalische Bewilligungen von Religionszugeständnisse der Landesfürsten abhängig zu machen, aufgegangen ist und erfolgreich war. Auch die Frage, inwiefern die innerprotestantische Uneinigkeit eine Rolle gespielt haben mag, wird hier berührt.
Der dritte Teil widmet sich dem Widersacher des österreichischen Protestantismus: dem Hause Habsburg. Hier werden u.a. die Fragen zu stellen sein, welche Konfessionspolitik die einzelnen habsburgischen Landesherren der Erblande und Kaiser im österreichischen Raum geführt haben, ob und welche Strategielinien in ihrer gegenreformatorischen Politik zu erkennen sind und wie die katholische Kirche in den Prozeß der Gegenreformation einbezogen war. Nicht zuletzt wird ein Blick auf die Rolle der Gegenreformation bezüglich der Entwicklung des Absolutismus geworfen.
Die Frage, wie es dazu kam, daß trotz allen Willens seitens des Hauses Habsburg den Protestantismus zurückzudrängen, es mehrere Generationen gedauert hat, bis das Ziel erreicht werden konnte, soll übergeordnet im Hintergrund die Bearbeitung begeleiten.
Im Schlußteil der Arbeit wird eine Zusammenfassung und ein Ausblick auf das weitere Schicksal des Protestantismus in den Erblanden gegeben.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | EINLEITUNG | 3 |
| 2. | BEGRIFFSKLÄRUNG UND KONFESSIONSPOLITISCHER HINTERGRUND | 6 |
| 2.1 | GEGENREFORMATION, REKATHOLISIERUNG UND INNERKATHOLISCHE REFORM | 6 |
| 2.2 | DIE KONFESSIONSPOLITISCHE SITUATION IM REICH IM ANTRITTSJAHR MAXIMILIAN II. | 7 |
| 2.3 | DIE KONFESSIONSPOLITISCHE SITUATION IN DEN HABSBURGISCHEN ERBLANDEN IM ANTRITTSJAHR MAXIMILIAN II. | 8 |
| 3. | PROTESTANTISCHE KONFESSIONSPOLITIK IN DEN HABSBURGISCHEN ERBLANDEN | 12 |
| 3.1 | KONFESSIONSPOLITISCHE ERFOLGE UND PROTESTANTISCHE STÄNDEMACHT | 12 |
| 3.1.1 | Protestantisches Leben und Kirchenwesen: Errungenschaften auf Zeit | 12 |
| 3.1.2 | Ständestaat und Ständemacht: Strategie der Blockadepolitik? | 17 |
| 3.1.3 | Bündnispolitik | 23 |
| 3.2 | INNERPROTESTANTISCHE STRÖMUNGEN, INTERESSEN UND STREITIGKEITEN, GEHORSAMS- UND WIDERSTANDSFRAGE | 26 |
| 3.2.1 | Lutheraner, Flacianer, Täufer und Calvinisten | 26 |
| 3.2.2 | Bauern, Bürger und Adel | 28 |
| 3.2.3 | Folgen der innerprotestantischen Zwietracht | 32 |
| 3.3 | DREI ALTERNATIVEN: EXIL, KONVERSION UND KRYPTOPROTESTANTISMUS | 33 |
| 4. | DIE KONFESSIONSPOLITIK DES HAUSES HABSBURG IN DEN ERBLANDEN | 38 |
| 4.1 | VON DER DULDUNG ZUR BESEITIGUNG DES PROTESTANTISMUS IN UNTERSCHIEDLICHEN GESCHWINDIGKEITEN | 38 |
| 4.1.1 | Ferdinand von Tirol- Gegenreformation ohne Widerstand | 38 |
| 4.1.2 | Maximilian II. - Der Zauderer | 39 |
| 4.1.3 | Karl II. - Gewissensentscheidung für die Gegenreformation | 42 |
| 4.1.4 | Rudolf II. - Unbeirrbar auf dem Weg der Gegenreformation | 45 |
| 4.1.5 | Matthias I. - Machtwille siegt über konfessionspolitischen Willen | 48 |
| 4.1.6 | Ferdinand II. und Maximilian I. von Bayern - Tabula rasa | 50 |
| 4.2 | ÜBERGEORDNETE ASPEKTE DER HABSBURGISCHEN GEGENREFORMATION | 56 |
| 4.2.1 | Gemeinsamkeiten und Strategie der habsburgischen Gegenreformatoren | 56 |
| 4.2.2 | Konfessionspolitik und Streben zum Absolutismus | 60 |
| 4.2.3 | Habsburger Dilemma: Von der Problematik Erzherzog, König und Kaiser zu sein | 62 |
| 4.2.4 | Rolle der katholischen Kirche | 64 |
| 4.2.5 | Barockkatholizismus | 68 |
| 5. | FAZIT UND AUSBLICK | 70 |
| 6. | LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS | 74 |
37 Alles in allem jedoch nahm die Zahl der Protestanten und späteren Kryptoprotestanten durch die massiven Abwanderungen und das Einwirken des Barockkatholizismus auf die Menschen im 17 Jh. stark ab.233 Zur Abwanderung einige wenige Anmerkungen, um die Tendenz aufzuzeigen. Starke Verluste für den Protestantismus entstanden durch die Bauernaufstände; so kamen z.B. im Aufstand 1625 32% der Bevölkerung, die vornehmlich protestantisch war, um ihr Leben.234 Unter Ferdinand II. emigrierten ca. 100.000 Menschen aus allen Schichten aus ganz Österreich, speziell aus der Steiermark und Kärnten waren es 1599-1600 jeweils 2500.235 Barton richtet den Blick auf den Adel: „Sind etwa 1580 in Österreich noch fast neun Zehntel des Adels lutherisch, so sinkt dieser Prozentsatz nun langsam aber sicher. Am Ende der rudolfinischen Ära sind es nur mehr gut drei Fünftel (...)“.236 Der Rückgang beim protestantischen Adel in OÖ vollzog sich schneller als in NÖ, wo 1650 noch 150 von 420 Adeligen protestantisch waren.237 Aus IÖ war das gros des Adels bereits vor August 1629 ausgewandert. [...]
36 Doch gab es zwischen den zwei Extremen, entweder den Glauben oder die Heimat und die Existenz aufzugeben, noch eine dritte, jedoch nicht weniger unbehagliche Lösung für die bedrängten Protestanten. Weder das eine, die Auswanderung, noch das andere, die Konversion, favorisieren könnend, entschied sich ein nicht unbeträchtlicher Teil der österreichischen Protestanten weder das eine, noch das andere wirklich zu tun. So blieben viele aus Angst vor einer ungewissen Zukunft im Exil in der Heimat, konvertierten äußerlich und der Form nach, behielten im Geheimen ihren Glauben jedoch bei.225 Dieser sogenannte Kryptoprotestantismus226 gestaltete sich so wie der Protestantismus in den Anfängen der Reformation: es fanden geheime Konvertikel mit Bibellesungen, Predigten und Hausandachten statt.227 Die Zahl der dabei Versammelten durfte nicht allzu groß sein, um nicht aufzufallen und verraten zu werden. Kontakte zwischen geheimen Gemeinden existierten und waren erwünscht, aber der Gefahr entdeckt zu werden wegen selten.228 Der Schmuggel mit protestantischer Literatur blühte.229 In vielen Orten der Erbländer, insbesondere in den entlegenen Gebieten, schwerzugänglichen Tälern und Bergdörfern konnte sich der Kryptoprotestantismus lange halten230: Noch im Jahre 1683, als die Türken Wien bedrohten, scheint der Protestantismus mancherorts noch sehr vital und stark gewesen zu sein.231 Denn als der katholische Pfarrer Balthasar Kleinschroth mit einer Gruppe seiner Schüler aus Heiligenkreuz vor der türkischen Bedrohung floh und bei Gersling Schutz suchte, mußte er feststellen, daß es dort noch viele Protestanten gab, die ihn „(...) an der stell erschlagen“ und „(...)die blaten klopffen!“ wollten.232 [...]
35 10%ige, sogenannte „Nachsteuer“ zahlen.212 Dies und die Tatsache, daß besonders in Zeiten der großen Exilierungswellen wie 1600,213 1625/26 214,1627/28215, 1653 und 1684 216 ein Überangebot an zum Verkauf stehenden Gütern entstand, trug mit dazu bei, daß viele Exilanten ihre Habe unter Wert haben verkaufen müssen und verarmten.217 Der wirtschaftliche Verlust, der den Erbländern durch die Abwanderung entstand, ist kaum zu beziffern, denn unter den Exilanten waren viele Facharbeiter verschiedener Branchen.218 Und obwohl die Habsburger insbesondere die Bauern zu konvertieren und im Lande zu behalten versuchten, wurden ganze Landstriche entvölkert,219 andere Wirtschaftszweige lagen mitunter brach.220 Unwiederbringlich war auch der Verlust an menschlicher und geistiger Substanz, denn unter den Exilanten waren nicht wenige aus angesehenen und adeligen Familien wie den Ammanns, Herbersteins, Khevenhüllers, Trautmannsdorfs oder Windischgrätzs.221 Auffangorte und –gebiete waren v.a. die fränkischen und schwäbischen Städte Regensburg, Nürnberg, Augsburg, Nördlingen, und die verlassenen Landstriche des südwestdeutschen Raumes.222 Besonders tragisch für die Exilanten der 1620er und späterer Jahre war, daß sie ins „Elend des Krieges“ entlassen wurden, denn gerade auch Süddeutschland war vom Dreißigjährigen Krieg bereits gezeichnet.223 Nach dem Dreißigjährigen Krieg siedelten ca. 25.000 bäuerliche und bürgerliche Exilanten aus NÖ und OÖ sich im fränkischen Gebiet an. 224 [...]
In den Warenkorb
74,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832471934
Arbeit zitieren:
Barthels, Michael Januar 2003: Die Konfessionspolitik in den habsburgischen Erblanden von Maximilian II. bis Ferdinand II., Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Reformation, Gegenreformation, Österreich, Barockkatholizismus, Protestantismus



