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Kompetenzorientiertes Marketing

Kompetenzorientiertes Marketing
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Romeo Ruh
  • Abgabedatum: Dezember 2003
  • Umfang: 120 Seiten
  • Dateigröße: 909,3 KB
  • Institution / Hochschule: Universität Zürich Schweiz
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7621-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7621-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7621-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Ruh, Romeo Dezember 2003: Kompetenzorientiertes Marketing, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kernkompetenzen, Kernprozesse, Marketingtheorie, Marketingressourcen

Diplomarbeit von Romeo Ruh

Einleitung:

Die Marketing- und Managementlehre haben sich einerseits konvergent entwickelt, andererseits aber auch voneinander losgelöste Entwicklungsschritte vollzogen. Die konvergente Entwicklung führte zu einem marktorientierten Managementverständnis unter Einschluss des Strategischen Marketing. Die Managementlehre beeinflusste ihrerseits die Marketinglehre vor allem durch Inhalte (Marketingstrategien). In der Perspektive des Aufbaus nachhaltig verteidigungsfähiger Wettbewerbsvorteile bildeten sich im Laufe der 80er und 90er Jahre die Market-Based View und die Resource-Based View als die zwei herausragendsten Ansätze heraus. Die Market-Based View bereicherte das Marketing durch die Branchenanalyse und das Konzept der Wettbewerbsstrategien von Porter und gilt zudem als plausibles, geschlossenes Konzept für strategische Marketingentscheidungen. Im Gegensatz dazu wurde die Resource-Based View bisher kaum in die Marketinglehre miteinbezogen, obwohl sie in der Managementlehre eine sehr bedeutende Stellung einnimmt. Die Resource-Based View unterscheidet sich von der Market-Based View insofern, dass der Bedarf an Ressourcen nicht mehr von der Positionierung im Markt abgeleitet wird, sondern dass primär Ressourcen ausgewählt und miteinander kombiniert werden, welche eine möglichst günstige Marktpositionierung ermöglichen. Aus diesen einzigartigen und im Vergleich zur Konkurrenz überlegenen Ressourcenbündeln (Kompetenzen) können in der Folge Wettbewerbsvorteile resultieren, sofern diese Bündel knapp vorhanden sind und nur begrenzt von den Wettbewerbern imitiert oder substituiert werden können (Kernkompetenzen). Ressourcen, Kompetenzen und Kernkompetenzen generieren aber nur dann Wettbewerbsvorteile, wenn sie zu marktgerechten Produkten und Dienstleistungen führen. Deshalb übernimmt das Marketing eine wichtige Rolle im Rahmen des ressourcen- beziehungsweise kompetenzorientierten Managements.

Die Marktorientierung bildet den Ausgangspunkt im Marketing. Dabei geht es um die Festlegung des Ausmaßes der Erfüllung von Kundenanforderungen im Wettbewerb. Der Erfolg einer Unternehmung hängt also letztlich davon ab, wie gut es ihr gelingt, in der Wahrnehmung und Beurteilung der Kunden besser zu sein als die Konkurrenten. In diesem Fall spricht man von einem komparativen Konkurrenzvorteil. Dieser muss für die Kunden wichtig, wahrnehmbar und gegenüber den Wettbewerbern verteidigbar sein. Eine einseitige Ausrichtung des Marketing auf eine Markt- respektive Kundenorientierung ist jedoch nicht mehr zeitgemäß. Daher muss das Marketing um eine Beziehungs-, Ressourcen-, und Prozessorientierung ergänzt werden. Die Beziehungsorientierung kommt im Relationship-Ansatz zum Ausdruck, welcher mittlerweile breite Anwendung in der Management- und Marketinglehre gefunden hat. Die Ressourcenorientierung konnte sich im Marketing bisher nicht etablieren, obwohl sich die traditionell nach außen orientierte Perspektive des Marketing und die nach innen orientierte Perspektive der Resource-Based View ergänzen würden. Die Resource-Based View wurde auch immer wieder aufgrund ihres dominant nach innen gerichteten Fokus und wegen des fehlenden Marktbezugs kritisiert, denn Ressourcen und Kompetenzen generieren erst dann Wettbewerbsvorteile, wenn sie in inner- und zwischenbetrieblichen Wertschöpfungsprozessen so miteinander kombiniert werden, dass daraus kundengerechte Leistungen resultieren. In diesem Zusammenhang übernimmt das Marketing die Rolle eines Transformators, welcher eine Verbindung zwischen den Ressourcen einer Unternehmung und den Kundenbedürfnissen, denen sie sich gegenübersieht, schafft. Mit anderen Worten geht es einerseits um die Akquisition und Entwicklung neuer Ressourcen, andererseits um die kundenorientierte Bündelung und Integration von Ressourcen. Im Rahmen der Resource-Based View übernimmt das Marketing eine Querschnittsfunktion, welche nicht an den Grenzen des Absatzbereichs halt machen darf.

Das traditionelle Marketing-Konzept mit seiner ausgeprägten Außenorientierung wird im Rahmen der Resource-Based View deshalb um eine Innenorientierung ergänzt. Im Weiteren wurde das Marketing-Konzept unter anderem deswegen kritisiert, weil es durch seine charakteristisch reaktive Ausrichtung innovatives Verhalten verhindert und die kreativen Fähigkeiten von Unternehmungen ignoriert. Das Marketing muss deshalb eine proaktive Sichtweise einnehmen. Dies bedeutet, dass eine Unternehmung nicht nur auf Kundenwünsche reagiert, sondern dass sie auch latente, noch unbefriedigte Kundenbedürfnisse mit innovativen Produktideen erfüllt. Mit anderen Worten verspricht nur eine Kombination von außen- und innengerichteten Fähigkeiten auf längere Sicht Erfolg. Aus dieser modifizierten Marketingsicht steht die Überzeugung im Vordergrund, dass die langfristige Ausrichtung auf Ressourcen und (Kern-)Kompetenzen eine zu starke Abhängigkeit der Unternehmung gegenüber seiner Umwelt verhindern kann und dass Marktchancen kurzfristig genutzt werden können.

In diesem Sinne ist das Marketing als eine prozessuale und funktionsübergreifende Tätigkeit und Denkhaltung zu bezeichnen. Dabei durchdringt es die inner- und zwischenbetrieblichen Wertschöpfungsprozesse sowie sämtliche Unternehmensebenen durch die Marketingkultur, Marketingstrategie und Marketingtaktik. Das neue Marketingverständnis konzentriert sich auf die Identifikation, Beschaffung, Umwandlung, Weiterentwicklung und Protektion von einzigartigen Ressourcen und Kompetenzen, damit die Generierung von marktgerechten Wertangeboten gewährleistet ist. Die sogenannte Resource-Based View of Marketing untersucht daher die Wirkung der Marketingaktivitäten innerhalb der Kernprozesse New Product Development (NPD), Supply Chain Management (SCM) und Customer Relationship Management (CRM). Die zentrale Frage lautet deshalb: Welche Rolle spielt das Marketing bei der Entwicklung von komparativen Ressourcenvorteilen und bei der Gestaltung der drei Kernprozesse? Dieses umfassende und modifizierte Marketingverständnis wird in der Arbeit als Kompetenzorientiertes Marketing bezeichnet.

Im Kompetenzorientierten Marketing kommt der Versuch zum Ausdruck, eine erweitertes und umfassenderes Marketingverständnis zu schaffen. Das bisherige Marketingverständnis mit seiner Markt-, Wettbewerbs- und Umweltorientierung wird um eine Beziehungs-, Ressourcen- und Prozessorientierung ergänzt. Das Kompetenzorientierte Marketing stellt einen weiteren Entwicklungsschritt in Richtung eines sich neu abzeichnenden Marketingparadigmas dar, welches sich aus verschiedenen Marketingströmungen der vergangenen Jahrzehnte zusammensetzt und langsam Gestalt annimmt. Dieses Paradigma fokussiert auf Kunden, Ressourcen, (Kern-)Kompetenzen, Prozesse, Beziehungen, Netzwerke etc. und kann als notwendige Weiterentwicklung des Marketing in einem sich ständig und tiefgreifend verändernden hyperkompetitiven Umfeld betrachtet werden. Es dient zudem der Ablösung des alten, transaktionsorientierten, funktionalen und reaktiven Marketingverständnisses. Das Marketing-Management der Zukunft konzentriert sich auf Wertschöpfungsprozesse zur Generierung von Customer Value und nicht zuletzt auf Shareholder Value. Dabei beschäftigt es sich mit der Identifikation und Beschaffung von strategisch wichtigen Ressourcen, der Umsetzung von Ressourcen in Wettbewerbsvorteile sowie dem Aufbau und der Weiterentwicklung von (Kern-) Kompetenzen. Sein Wirkungsbereich durchdringt sämtliche Unternehmensebenen und Phasen der Wertschöpfungsprozesse.

Aus dem Kompetenzorientierten Marketing lassen sich auch Implikationen für die Praxis ableiten, und zwar in dem Sinne, dass sich Marketing-Manager von alten Vorstellungen lösen müssen, um die funktionsübergreifende Rolle des Marketing innerhalb der Kernprozesse zu verstehen. Die Notwendigkeit des Wechsels zu einem neuen (mentalen) Marketingverständnis zeichnet sich anhand dieses Rollenverständnisses immer deutlicher ab. Aufgrund dieser Überlegungen erscheint es wichtig, das neue Marketingverständnis zukünftig durch weitere Forschungsanstrengungen zu komplettieren, damit es den Weg in Richtung eines neuen Marketingparadigmas schrittweise ebnen kann.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis I
Abbildungsverzeichnis III
Abkürzungsverzeichnis IV
Executive Summary 1
1. Einleitung 4
1.1 Problemstellung 4
1.2 Zielsetzung 8
1.3 Vorgehensweise 9
2. Die Entwicklung von Management und Marketing 10
2.1 Entwicklung der Managementlehre 11
2.1.1 Die Market-Based View 16
2.1.2 Die Resource-Based View 17
2.1.3 Dynamische Kompetenzen 21
2.2 Entwicklung der Marketinglehre 22
2.2.1 Das Marketing-Konzept 23
2.2.2 Vertiefung und Ausweitung des Marketing 24
2.2.3 Strategisches Marketing 25
2.2.4 Relationship Marketing 26
2.2.5 Marketing im Zeitalter der New Economy 28
3. Die Resource-Based View und Marketing 31
3.1 Rolle des Marketing im Rahmen der Resource-Based View 31
3.1.1 Identifikation von strategischen Ressourcen 35
3.1.2 Umsetzung von strategischen Ressourcen in Wettbewerbsvorteile 40
3.1.3 Aufbau und Weiterentwicklung von strategischen Ressourcen 41
3.2 Beiträge der Resource-Based View für das Marketing 43
3.2.1 Strategische Analyse 43
3.2.2 Strategische Positionierung 44
3.2.3 Internationale Marketingstrategien 44
4. Kompetenzorientiertes Marketing 46
4.1 Modell zur Erklärung des Kompetenzorientierten Marketing 47
4.1.1 Umweltfaktoren 49
4.1.2 Unternehmensfaktoren 50
4.1.3 Strategiewahl 59
4.1.4 Strategieumsetzung durch Kernprozesse 60
4.1.5 Wettbewerbsposition und Kundenwertgenerierung 79
4.1.6 Unternehmenserfolg 83
4.1.7 Weitere Zusammenhänge im Modell 88
5. Schlussbetrachtung 90
Literaturverzeichnis 99
Anhang 109

Automatisiert erstellter Textauszug:

Zielvorgabeverständnisses und der Lernprozesse (Strukturierungsfunktion) sowie Auswahl und Aufbereitung der relevanten Informationen für die Ziel- und Maßnahmeentscheidungen (Selektionsfunktion).138 Die Marktforschung übernimmt demnach zentrale Aufgaben innerhalb der strategischen Marketingplanung. Sie macht jedoch nur Sinn, wenn sie möglichst umfassend und zugleich problemorientiert die relevanten Informationen über die Umwelt, die Branchen (Konkurrenten) und die Märkte (Kunden) frühzeitig dem (Marketing-)Management zur Verfügung stellen kann. Im Weiteren werden für den Aufbau, die Pflege und die fachgerechte Benutzung eines Marketing-Informationssystem (MAIS) Spezialisten, technische Einrichtungen und Verfahren zur Gewinnung, Zuordnung, Analyse, Bewertung und Weitergabe von Informationen benötigt.139 Mit anderen Worten braucht es spezielle Fähigkeiten beziehungsweise Kompetenzen (Capabilities), welche zu einem großen Teil in den Bereich des Marketing fallen. [...]

Die Formulierung von Marketingstrategien beruht auf der Analyse von Unternehmens- und Umweltfaktoren. Der größte Teil der Marketingliteratur hat zur Formulierung von Strategien bis jetzt vor allem auf externe Faktoren (Umwelt, Wettbewerb, Markt) fokussiert, während die interne Sicht der Unternehmung und deren Ressourcen und Kompetenzen eher in den Hintergrund traten.134 Im Rahmen des Kompetenzorientierten Marketing rückt deshalb die interne Sicht in den Vordergrund. Der Vollständigkeit halber wird jedoch im nachfolgenden Abschnitt noch kurz auf die externen Faktoren eingegangen. Im sogenannten Makroumfeld gibt es verschiedene Arten von Veränderungen, wie beispielsweise Trends oder Megatrends. Ein Trend kann als Abfolge von Ereignissen verstanden werden, die einiges an Dauerhaftigkeit und auch Umgestaltungskraft beinhalten. Trends haben daher teilweise großen Einfluss auf Faktoren wie beispielsweise das Wirtschaftswachstum, die Gestaltung des Familienlebens sowie die Kaufpräferenzen der Kunden für Produkte und Dienstleistungen. Ein Megatrend kann als eine sehr breite, sich langsam bildende und lang andauernde Veränderung aufgefasst werden, welche tiefgreifende Auswirkungen auf die demographischen, volkswirtschaftlichen, naturgebundenen, technologischen, politisch-rechtlichen und sozio-kulturellen Verhältnisse hat. Für das Marketing-Management besteht die wichtige Aufgabe darin, solche Veränderungen beziehungsweise Marketingchancen und -risiken frühzeitig zu identifizieren und in der Folge Marketingprogramme und Produkte darauf auszurichten, damit deren Erfolgswahrscheinlichkeit zunimmt.135 Das Erkennen und die Beurteilung von Veränderungen der Makrofaktoren lösen beim Marketing-Management einen vielfältigen Informationsbedarf aus, welcher mit Hilfe der Marktforschung erfüllt werden kann.136 Die Marktforschung (Marketingforschung) ist die „systematische und objektive Gewinnung und Analyse von Informationen, die zur Erkennung und Lösung von Problemen im Bereich des Marketing dienen.“137 Die Marktforschung hat folgende generelle Funktionen: frühzeitiges Erkennen von Risiken (Frühwarnfunktion), Aufdecken und Antizipieren von Chancen und Entwicklungen (Innovationsfunktion), Unterstützung der willensbildenden Prozesse des Managements (Intelligenzverstärkerfunktion), Präzisierung und Objektivierung der Sachverhalte in der [...]

Das Kompetenzorientierte Marketing ist sehr vielschichtig und beeinflusst, wie erwähnt, sämtliche Phasen der unternehmerischen Wertschöpfungsprozesse. Aus diesem Gründen ist es wichtig, die Aktivitäten des Marketing Schritt für Schritt in einem umfassenden Modell eingehend zu untersuchen, damit die Komplexität des neuen Verständnisses reduziert werden kann. Das Modell beinhaltet sieben Bereiche: Umweltfaktoren, Unternehmensfaktoren, Strategiewahl, Strategieumsetzung durch Kernprozesse, Wertbewerbsposition und Kundenwertgenerierung, Unternehmenserfolg sowie weitere Zusammenhänge im Modell. Die Abbildung 8 zeigt das Modell zur Erklärung des Kompetenzorientierten Marketing und veranschaulicht die Interdependenzen zwischen den verschiedenen Bereichen. In den nachfolgenden Kapiteln werden diese behandelt, wobei der Phase der Strategieumsetzung durch Kernprozesse besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. [...]

Arbeit zitieren:
Ruh, Romeo Dezember 2003: Kompetenzorientiertes Marketing, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kernkompetenzen, Kernprozesse, Marketingtheorie, Marketingressourcen

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