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Kommunikation und Entfremdung: Fördert virtuelle Kommunikation die Entfremdung?

Kommunikation und Entfremdung: Fördert virtuelle Kommunikation die Entfremdung?
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Kolja Karl
  • Abgabedatum: Juni 2002
  • Umfang: 170 Seiten
  • Dateigröße: 765,0 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Bremen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7483-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7483-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7483-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Karl, Kolja Juni 2002: Kommunikation und Entfremdung: Fördert virtuelle Kommunikation die Entfremdung?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Psychologie, Kommunikationswissenschaft, Medien, Kommunikationsfehler, Videokonferenz

Diplomarbeit von Kolja Karl

Einleitung:

Um den Begriff Entfremdung sinnvoll verwenden zu können, muß man ihn zunächst allgemein beschreiben. Dabei wird anfangs die Entfremdung von der Arbeit aus den verschiedenen Arten der Entfremdung herausisoliert und auf die Telearbeit angewandt. In diesem Zusammenhang wird deutlich, daß es bei der Telearbeit zu einer entfremdeten Kooperation kommen kann, welche anscheinend durch Kommunikationsmedien und damit zentral auch durch Kommunikation selbst verursacht wird. Daraus ergibt sich ein neues Entfremdungsfeld: Die Entfremdung der Kommunikation.

Im folgenden fasse ich die einzelnen Kapitel der Diplomarbeit inhaltlich zusammen.

Im ersten Kapitel definiere ich zunächst das Wort Entfremdung. Dabei gehe ich zuerst auf die Weitläufigkeit des Begriffes ein und danach auf die verschiedenen Formen von Entfremdung. Es folgt eine Definition von Entfremdung, welche sich an M. SEEMANN anlehnt. Mit ihrer Hilfe bearbeite ich anschließend einen ausführlichen Entfremdungsbeispielstext von ZUREK, welcher als Muster für den späteren Umgang mit dem Thema Telearbeit dienen soll.

Im zweiten Kapitel geht es um die Telearbeit, und es wird zunächst die Entstehungsgeschichte des Begiffs Telearbeit beschrieben. Danach wird die Telearbeit in Zahlen dargestellt, was einen allgemeinen Überblick über die Dimension des Arbeitsfeldes vermittelt. Dabei wird allerdings deutlich, daß auch der Begriff „Telearbeit“ relativ ungenau ist. Deshalb werden im Anschluß die verschiedenen Formen von Telearbeit beschrieben. Berücksichtigt werden dabei die Aspekte von Arbeitszeit, Arbeitsort, Ausstattung der Arbeitsstätte außerhalb der Firma mit Informations- und Kommunikationstechnik und die Rechtsform des Arbeitsverhältnisses.

Das dritte Kapitel handelt von der Entfremdung (von Arbeit) im Tätigkeitsbereich der Telearbeit, und der Entfremdungsbegriff nach SEEMANN wird auf das Arbeitsfeld übertragen. Dazu wird mit Textquellen verfahren wie im Beispielsentfremdungstext von ZUREK im Kapitel 1.4.1. , d.h. es wird überprüft, ob sich die Begriffe Normlosigkeit, Machtlosigkeit, Selbstentfremdung, Sinnlosigkeit und Isolation in der Literatur direkt oder indirekt wiederfinden lassen. Im Verlauf dieser Überprüfung zeigt sich ein ganz neues Entfremdungsfeld: Die Entfremdung der Kommunikation. Aus diesem neuen Entfremdungsfeld ergibt sich schließlich die Forschungsfrage: Fördert virtuelle Kommunikation die Entfremdung?

Zur Klärung dieser Frage wird zunächst das Wort „virtuell“ erklärt. Dann wird die Videokonferenz bzw. die Multipointvideokonferenz als Medium ausgewählt, auf die sich die Forschungsfrage in erster Linie beziehen wird. Denn die Videokonferenz ist GODEHARDTS Angaben zufolge dem direkten, persönlichen Gespräch sehr ähnlich.

Beim vierten Kapitel werden zunächst zwei Modelle der Kommunikation von Angesicht zu Angesicht bzw. Face-to-Face-Kommunikation (F-T-F-K) von WATZLAWICK und SCHULZ VON THUN vorgestellt und danach insgesamt sieben verschiedene Modelle der Computervermittelten Kommunikation (CvK): das Kanalreduktionsmodell, die Filtertheorien, das Modell der rationalen Medienwahl, die normative Medienwahl, das Modell der sozialen Informationsverarbeitung, die Modelle der Imagination und der Konstruktion, sowie die Theorie der sozialen Präsenz. Die Darstellung dieser Modelle soll einen ersten Eindruck von den Unterschieden zwischen F-T-F-K und CvK vermitteln.

Das fünfte Kapitel behandelt zunächst die technischen Eigenschaften und Tücken (ISDN-basierter) Videokonferenzsysteme. Dabei zeigt es sich, daß GODEHARDS Behauptung, die Videokonferenz sei dem direkten, persönlichen Gespräch sehr ähnlich (drittes Kapitel), so nicht haltbar ist. Sie ist vielmehr, wie MEIER feststellt, eine neue Form der Kommunikation mit ihren ganz eigenen Eigenschaften. Dann werden die von verschiedenen Autoren genannten Vorteile der Videokonferenz gegenüber der F-T-F-K näher betrachtet. Dabei stellt sich heraus, daß diese ebenfalls nicht haltbar sind.

Im vorläufigen Fazit zum Thema Videokonferenz wird deutlich, daß die Teilnehmer dieser neuen Art von Kommunikation besonders geschult werden müssen, um einen Erfolg der Videokonferenzen zu ermöglichen. Die Videokonferenzteilnehmer müssen ihre Kommunikation sogar der jeweils entsprechenden Videokonferenztechnik anpassen. Außerdem werden erste Überlegungen zur Entfremdung der Kommunikation bei Videokonferenzen angestellt.

Beim vorläufigen Ausblick zum Thema Videokonferenzen zeigt sich, daß der Einsatz von Videokonferenzen in dem Maße steigen wird, in dem ihre Verfügbarkeit steigt bzw. ihre Kosten günstiger werden. In Zukunft ist deshalb ein bewußterer Umgang mit der CvK als Ergänzungsmittel zur F-T-F-K wünschenswert, nicht aber ein vollständiger Ersatz der F-T-F-K durch die CvK.

Da sich das im dritten Kapitel ergebende Entfremdungsfeld - die Entfremdung der Kommunikation - in der Literatur als relativ unerforscht und wenig behandelt herausgestellt hat, wird im sechsten Kapitel ein eigenes Kommunikationsentfremdungsmodell entworfen: Das Modell der perfekten (unentfremdeten) Kommunikation.

Dazu wird zunächst die Ungenauigkeit des Begriffs der Kommunikation herausgearbeitet. Dann werden Beispiele zur Entfremdung der Kommunikation aus der Literatur aufgeführt. Die Überlegungen von Autoren auf diesem Gebiet blenden jedoch die CvK fast vollständig aus. Eine Ausnahme bildet die Verdinglichung des Dialoges in der Mensch-Maschine-Kommunikation von KLEINING, die im Kapitel 6.3 behandelt wird. Dabei wird schnell deutlich, daß es sich lediglich um ein spezielles Alltagsphänomen in bestimmten Dialogsituationen handelt. Allerdings beziehen sich die Beispiele, abgesehen von der bereits erwähnten Mensch-Maschine-Kommunikation, nur auf F-T-F-Situationen. Das Kapitel 6.4 erläutert die ideale Sprechsituation von HABERMAS. Aber auch hier geht es wieder nur um ein bestimmtes Phänomen - eben die Sprechsituation.

Im Anschluß daran wird das Modell der perfekten (unentfremdeten) Kommunikation entwickelt, was den Begriff der entfremdeten Kommunikation genauer definiert. Es wird die Entfremdung der Gesamtheit von Botschaften vom Gehirn des Senders zum Gehirn des Empfängers umfassend behandelt und nicht nur einzelne Alltagsphänomene. Dabei werden zunächst Entfremdungssymptome in der Kommunikation besprochen. Danach wird noch einmal speziell auf die Verdinglichung eingegangen.

Abschließend geht es um die Pathologie der Normalität. Wie der Name des Modells schon aussagt, geht es bei der perfekten (unentfremdeten) Kommunikation um ein Ideal , welches man in der Realität nur versuchen kann zu erreichen. Die Entfremdung der Kommunikation ist deshalb der Normalzustand.

Das sechste Kapitel schließt mit einem Fazit zum Modell der perfekten (unentfremdeten) Kommunikation ab. Das Modell wird zunächst anhand eines auf Texten basierenden Gedankengebäudes dargestellt. Um eine noch bessere und praktischere Darstellung geht es im siebten Kapitel mit (zum Teil kritischen) Anmerkungen zu den im fünften Kapitel dargestellten (computervermittelten) Kommunikationsmodellen, das Medium der Videokonferenz betreffen.

Im achten Kapitel wird eine Fallvignette aus dem Halbjahrespraktikum des Autors vorgestellt. Da es in dem Halbjahrespraktikum jedoch nicht gezielt um die Erforschung der Entfremdung der Kommunikation ging, ist hier nur ein gezielter Auszug sinnvoll. Es geht um den Versuch, spezielle Maßnahmen für eine Verbesserung der Kommunikation zu erarbeiten. Die Ideen für die drei folgenden Verbesserungsvorschläge stammen in erster Linie aus Einzelinterviews der Mitarbeiter des Betriebes, in dem das Halbjahrespraktikum stattfand.

1. Betriebsinterne Kritik sollte nicht per E-Mail zu besprochen werden.

2. Beschwerden und Kritik von außerhalb sollten weder per E-Mail besprochen noch einseitig inhaltlich mitgeteilt werden.

3. Eine „Notfalldatei“ sollte den Mitarbeitern zur Verfügung stehen, welche kurz davor stehen, ein Streit- oder Konfliktgespräch zu führen, und die sich vor diesem Gespräch noch ein paar Ratschläge holen möchten. Dabei ist es das Ziel, Mitarbeitern, die emotional „geladen“ sind, eine Möglichkeit an die Hand zu geben, nicht alle Kommunikationsregeln „im Affekt“ unberücksichtigt zu lassen.

Ob und wie diese Vorschläge in der Praxis angewendet wurden, ist dem Autor unbekannt.

Das 9. Kapitel behandelt Wege aus der Entfremdung. Wie diese in der praktischen Umsetzung aussehen, ist natürlich von Fall zu Fall verschieden. Um (Entfremdungs-) Probleme zu erkennen und zu ihrer Lösung zu kommen, müssen Gespräche geführt werden. Es geht deshalb in diesem Kapitel um Mitarbeitergespräche, und zwar zunächst um die unterschiedlichen Anlässe von Mitarbeitergesprächen und dann um den Unterschied von unvorbereiteten, unstrukturierten, alltäglichen und gezielt vorbereiteten, strukturierten Mitarbeitergesprächen. Danach wird das Mitarbeiter-Vorgesezen-Gespräch (M-V-G) vorgestellt, was inhaltlich hauptsächlich aus Zielvereinbarungsgesprächen, Kooperationsgesprächen und Personalentwicklungsgesprächen besteht. Es ist eine Mischung aus Modell und Leitfaden. Rein theoretisch besitzt es ein großes positives Potential, die Motivation von Mitarbeitern zu verbessern, Mitarbeiterunzufriedenheit (Entfremdung von Arbeit) ausfindig zu machen und zu versuchen, diesen Zustand zu ändern. Außerdem besteht so die Möglichkeit zur Weiterentwicklung von Mitarbeitern und im Zuge all dieser positiven Dinge auch für eine Verminderung der Entfremdung von Kommunikation. Das M-V-G ist in der Praxis jedoch sehr umfangreich und hat daher auch Züge eines Idealmodells. Seine Umsetzung verlangt von den Vorgesetzten viel Know-how und Menschenkenntnis. Dies wird im Normalfall vermutlich aber erst im Laufe einer jahrelangen Praxis erreicht. Ferner verlangt auch die Einbindung des M-V-G in die Unternehmenskultur viel Arbeit.

Das zehnte Kapitel enthält ein Schlußwort zu ZUREKS Entfremdungsbeispieltext.

Zum Abschluß bringt das elfte Kapitel einen Ausblick auf künftige, theoretische Forschungsfragen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Die Entfremdung 6
2.1 Das Problem der Definition des Begriffs der Entfremdung 6
2.2 Formen der Entfremdung (E.) 7
2.3 Formen des wissenschaftlichen Erforschens von Entfremdung 8
2.3.1 Objektive Entfremdung 8
2.3.2 Subjektive Entfremdung 9
2.4 Definition von Entfremdung 9
2.4.1 Die Bedeutung der Entfremdung nach Seemann (unterstützt durch die Definition von Hamberger) 9
3. Die Telearbeit 15
3.1 Die Entstehungsgeschichte des Begriffs Telearbeit 15
3.2 Telearbeit in Zahlen 16
3.3 Formen der Telearbeit 17
3.3.1 Aspekt der Arbeitszeit 17
3.3.2 Aspekt des Arbeitsortes 18
3.3.3 Aspekt der Ausstattung der Arbeitsstätte außerhalb der Firma mit IuK-Technik 21
3.3.4 Aspekt der Rechtsform des Arbeitsverhältnisses bei Telearbeit 21
4. Entfremdung (von Arbeit) im Feld der Telearbeit 23
4.1 Die Anwendung des Entfremdungsbegriffs nach Seemann auf die Telearbeit 23
4.2 Begriffsdefinition: Virtuell 31
5. Kommunikation 34
5.1 Die menschliche Kommunikation nach Paul Watzlawick 34
5.2 Psychologische Vorgänge in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Das Kommunikationsmodell von Friedemann Schulz von Thun 38
5.3 Computervermittelte Kommunikationsmodelle 40
5.3.1 Kanalreduktionsmodell 42
5.3.2 Filtertheorien 45
5.3.3 Das Modell der rationalen Medienwahl 46
5.3.4 Normative Medienwahl 46
5.3.5 Das Modell der sozialen Informationsverarbeitung 47
5.3.6 Die Modelle der Imagination und der Konstruktion 48
5.3.7 Die Theorie der sozialen Präsenz 49
5.4 Zusammenfassung 49
6. Videokonferenzen 52
6.1 Technische Eigenschaften von (ISDN-basierten) Videokonferenzsystemen 53
6.2 (Offizielle) Vorteile von Videokonferenzen 68
6.3 Vorläufiges Fazit zum Thema Videokonferenz 72
6.4 Vorläufiger Ausblick zum Thema Videokonferenzen 74
7. Das Modell der perfekten (unentfremdeten) Kommunikation 76
7.1 Zur Ungenauigkeit des Begriffs der Kommunikation 76
7.2 Die Entfremdung der Kommunikation - Einleitung 78
7.3 Die Verdinglichung des Dialogs 79
7.4 Die ideale Sprechsituation 81
7.5 Das Modell der perfekten (unentfremdeten) Kommunikation 85
7.5.1 Entfremdungssymptome in der Kommunikation 88
7.5.2 Das Modell der perfekten (unentfremdeten) Kommunikation und die Verdinglichung 96
7.5.3 Das Modell der perfekten (unentfremdeten) Kommunikation und die Verdinglichung des Dialoges von Kleining 99
7.5.4 Die Pathologie der Normalität 100
7.5.5 Das Modell der perfekten (unentfremdeten) Kommunikation und die ideale Sprechsituation 104
7.5.6 Theoretische inhaltliche Überschneidungen zwischen Fromms Theorie des nekrophilen Charakters und dem Modell der perfekten (unentfremdeten) Kommunikation 105
7.5.7 Fazit zum Modell der perfekten (unentfremdeten) Kommunikation 106
8. Anmerkungen zu und Kritik an den computervermittelten Kommunikationsmodellen 109
8.1 Das Kanalreduktionsmodell 109
8.2 Filtertheorien 110
8.3 Das Modell der rationellen Medienwahl 110
8.4 Normative Medienwahl 112
8.5 Das Modell der sozialen Informationsverarbeitung 112
8.6 Die Modelle der Imagination und der Konstruktion 113
8.7 Die Theorie der sozialen Präsenz 113
9. Fallvignette 115
9.1 Gedankengänge der Geschäftsleitung zum Praktikumthema (zu Beginn des Praktikums) 116
9.2 Erstellung des Einzelinterviewleitfadens und Auswertung 116
9.3 Hintergrund der Verbesserungsvorschläge (4) A und B 117
9.3.1 Vorschlag 4 A)
9.3.2 Vorschlag 4 B)
9.4 Vorschlag 5 118
D. Wie sollte in Konfliktsituationen miteinander umgegangen werden? (Schlüsselfrage) 118
D.1 Wie kann man Konflikte produktiv umsetzen? (Unterfrage) 118
E. Was wäre ein für Sie akzeptabler Rahmen, in dem man Kritik formulieren und annehmen kann? (Schlüsselfrage) 118
E.1 Wie kann man Kritik positiv nutzen/umsetzen? (Unterfrage) 119
9.4.1 Hintergrund des Verbesserungsvorschlages 5 119
Vorschlag A) Inhalt der Datei: (Bekommen die Mitarbeiter als Handout) 119
10. Mitarbeitergespräche 123
10.1 Unterschiedliche Gesprächsanlässe 123
10.2 Gezielt vorbereitetes Mitarbeitergespräch 124
10.2.1 Inhalte des Mitarbeitergesprächs 125
10.3 Das Modell des „Mitarbeitergespräches“ 127
10.4 Das Mitarbeiter-Vorgesetzten-Gespräch: 128
10.4.1 Zielvereinbarungsgespräche 130
10.4.2 Das Kooperationsgespräch 133
10.4.3 Das Personalentwicklungsgespräch 133
10.4.4 Varianten des Mitarbeitergesprächs 134
10.5 Wo werden Mitarbeitergespräche am meisten benötigt? 135
11. Schlußwort in Bezug auf den Beispieltext zur Entfremdungs von Zurek 137
12. Ausblick 138
13. Literaturverzeichnis 139
14. Anhang 146
14.1 Anhang A - Notfalldatei 146
14.2 Anhang B - Beispieltranscript eines vollständigen Interviews 148
14.3 Anhang C - Transkription zu Erstellung des Einzelinterviewleitfadens Frage B1 152
14.4 Anhang D - Transcription zur Notfalldatei 154

Automatisiert erstellter Textauszug:

7.1) Zur Ungenauigkeit des Begriffs der Kommunikation Die menschliche Sprache besteht aus vielen Symbolzeichen bzw. Wörtern natürlicher Sprache (Dorsch 1994, S. 778). MEAD schränkt aber ein: „Unsere Symbole sind stets Allgemeinbegriffe. Man kann nichts sagen, was absolut partikulär (besonders einen Teil betreffend) wäre; was sinnvoll gesagt wird, ist allgemein. Man sagt etwas, das bei allen anderen eine ganz bestimmte Reaktion auslöst, vorausgesetzt, daß das Symbol in der Erfahrung aller anderen ebenso wie für uns existiert.“ (MEAD 1973, S. 188-189) Dies bezieht sich aber nicht nur auf physische Objekte wie z. B. “Stuhl“, “Tisch“ usw., sondern auch auf abstrakte Wörter wie “Führung“ , “Kommunikation“ usw. MEAD meint: „Entscheidend für die Kommunikation ist, daß das Symbol in der eigenen Identität das Gleiche wie im anderen Individuum auslöst.“ (ebenda, S. 191) Daß dies in Bezug auf viele Wörter nicht so ist, wird bei SCHETTGEN in Bezug auf das Wort “führen“ deutlich (zit. in ALLERBECK 1977). Er schreibt daß: „Bentz...bei seinen Bemühungen um eine vollständige Übersicht über die “gängigsten“ Führungsdefinitionen immerhin auf die stattliche Summe von 130 (!) unterscheidbaren Festlegungen kommt.“ (SCHETTGEN 1991, S. 17) Wie im Verlauf dieser Diplomarbeit deutlich geworden sein sollte ist dies bei dem Wort “Kommunikation“ ähnlich. Will man den Begriff genauer definieren, muß man das Wort Kommunikation durch Beifügungen erweitern, wie z. B. “menschliche Kommunikation“ , [...]

Die meisten Autoren fordern einen Mix aus F-T-F-K und CvK. WEINING meint beispielsweise, daß man sich erst persönlich kennen lernen muß und die notwendigen “Vertrauensbrücken“ bauen sollte, bevor man sich per CvK an die gemeinsame Lösung von Aufgaben begibt. Die gemeinsamen Kontakte sollten durch F-T-F-Situationen wie Dienstreisen, Messen, Geschäftsessen etc. zwischen Geschäftspartnern immer wieder aufgefrischt werden (WEINING 1996, S. 174). Wünschenswert wäre also ein bewußterer Umgang mit der CvK als Ergänzung zur F-T-F-K. Nicht aber ein vollständiger Ersatz der F-T-F-K durch die CvK. Um die ersten Überlegungen zur Entfremdung der Kommunikation bei Videokonferenzen auf ein theoretisches Fundament zu stellen, wird im nächsten Kapitel nun ein eigenes Kommunikationsentfremdungsmodell entworfen, da etwas Vergleichbares in der Literatur nicht auffindbar war. Ich möchte es als betiteln. Modell der perfekten (unentfremdeten) Kommunikation [...]

6.4) Vorläufiger Ausblick zum Thema Videokonferenzen Videokonferenzen werden in der Zukunft vermutlich in dem Maße öfter zum Einsatz kommen, in dem ihre Verfügbarkeit steigt bzw. sie preiswerter werden (FÄRBER 1993, S. 47). Auch wird die Technik natürlich immer ausgefeilter. So war im Jahre 2001 im Fernsehen zu sehen, daß in Japan Bildtelephon-Handys auf den Markt gekommen sein sollen, bei denen sich die Kommunikationsteilnehmer an beiden Enden jeweils gegenseitig in die Augen schauen können. So etwas wird auch in Videokonferenzen bald technisch möglich sein und über kurz oder lang zu erschwinglichen Preisen auf den Markt kommen. In diesem Zusammenhang warnte WEINGARTEN bereits 1989, daß: „die Sachzwänge für die Technisierung der Kommunikation so gewaltig [werden], daß einer kommunikativen Begründung des Für und Wider kaum noch Raum bleibt.“ (WEINGARTEN 1989, S. 136) Videokonferenzen werden also vermutlich in Zukunft vermehrt und auch länderübergreifend stattfinden. Den endlosen technischen und organisatorischen Verbesserungsvorschlägen, der zitierten Autoren, will ich mich erst gar nicht widmen, da auch sie, wie das Thema “interkulturelle Differenzen“, den Rahmen dieser Diplomarbeit sprengen würden. Im Kapitel Nr. 10, zu Verbesserungsvorschlägen, wird es in erster Linie darum gehen, daß es für die gesamte CvK gewisse Regeln geben sollte. So sollten Konflikte möglichst nicht per CvK ausgetragen werden. Auch Kritikgespräche sollten per CvK unterlassen werden. Wie in internationalen Firmen so etwas jedoch realisiert werden soll, ist fraglich. So wird man auch in naher Zukunft nicht umgehend beispielsweise von den USA nach Indien fliegen können, um mit seinem virtuellen Teampartner von Angesicht zu Angesicht einen Streit zu beheben. Vermutlich wird man damit leben müssen, daß rein virtuelle [...]

Arbeit zitieren:
Karl, Kolja Juni 2002: Kommunikation und Entfremdung: Fördert virtuelle Kommunikation die Entfremdung?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Psychologie, Kommunikationswissenschaft, Medien, Kommunikationsfehler, Videokonferenz

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