Kommunale Handlungsmöglichkeiten für die Förderung des betrieblichen Umweltschutzes – untersucht am Beispiel des Programms Ökoprofit in Kempten (Allgäu)
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Christoph Keller
- Abgabedatum: August 2002
- Umfang: 79 Seiten
- Dateigröße: 875,5 KB
- Note: 2,3
- Institution / Hochschule: Technische Universität München Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6250-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6250-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6250-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Keller, Christoph August 2002: Kommunale Handlungsmöglichkeiten für die Förderung des betrieblichen Umweltschutzes – untersucht am Beispiel des Programms Ökoprofit in Kempten (Allgäu), Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Umweltmanagement, Nachhaltige Entwicklung, Kommunalpolitik, Kooperation, Umweltpolitik
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Diplomarbeit von Christoph Keller
Zusammenfassung:
Die Stadt Kempten führte als dritte deutsche Stadt in den Jahren 1999 – 2001 das Programm Ökoprofit durch. Am vorläufig ersten Durchgang beteiligten sich 14 Unternehmen, welche im Rahmen der Teilnahme z.T. erhebliche Kostensenkungen und damit verbundene Ressourceneinsparungen bzw. Umweltentlastungen realisieren konnten. Seit Anfang des Jahres wird von der Stadt Kempten eine Fortführung des Programms angestrebt, dies scheitert jedoch bis jetzt am mangelnden Interesse der lokalen Wirtschaft.
Am Beispiel von Unternehmen verschiedener Größen und Branchen sollen im Rahmen dieser Arbeit Gründe für die (Nicht-)Teilnahme an Ökoprofit und die kommunale Rolle für die Entwicklung des betrieblichen Umweltschutzes in diesen Unternehmen aufgezeigt werden. Dafür wurden 18 Leitfadengespräche mit kommunalen und Firmenvertretern geführt.
Hintergrund dieser Arbeit ist die Entwicklung im Bereich des betrieblichen Umweltschutzes, staatlicher Umweltschutzpolitik unter besonderer Berücksichtigung der Situation auf kommunaler Ebene.
Eine erfolgreich Umweltschutzpolitik ist für eine Unternehmung nicht nur eine Frage der Gesetzeskonformität, sondern auch eine langfristige wirtschaftliche Strategie. Dafür ist es notwendig, dass das Thema Umweltschutz in alle Unternehmensbereiche integriert wird und somit eine Aufwertung erfährt. Dieser Wandel hin zu einer offensiven Umwelteinstellung ist ein Prozess ausgehend von reinen ad-hoc-Maßnahmen (der Schadensbekämpfung) über eine effektive Einhaltung von Gesetzen bis hin zu einer systematischen Reduzierung von Umweltrisiken In der Praxis sollen Umweltmanagementsysteme wie EMAS oder ISO 140001 die Integration des Umweltschutzes in ein Unternehmen verwirklichen. Die damit verbundene Analyse des Betriebs ist für viele Betriebe eine schwierige Aufgabe, gewährleistet jedoch eine Offenlegung aller umweltrelevanten Vorgänge bzw. Kosten. Nach Umweltmanagementnormen zertifizierte Unternehmen können daher auch häufig Kosteneinsparungen verbuchen, doch stehen diesen oft erhebliche Personalkosten gegenüber.
Staatliche Umweltpolitik strebt auch heutzutage durch ordnungsrechtliche Verfahren eine Verringerung von Umweltbelastungen an. Dabei stellt sich angesichts einer immer komplexer werdenden Gesetzgebung die Frage nach ihrer effektiven Umsetzung auf. Ziel staatlicher Umweltpolitik ist es daher auch zunehmend, Unternehmen im Rahmen von freiwilligen Selbstverpflichtungen und Kooperationen zu Maßnahmen wie der Einführung von Umweltmanagementsystemen zu bewegen.
Gerade auf kommunaler Ebene ist der Vollzug der Umweltgesetzgebung oft nur unzureichend möglich und daher informelle und kooperative Instrumente in der Politik weiter verbreitet. Auch Ökoprofit ist eine Form der Kooperation zwischen Kommune und Wirtschaft. Ökoprofit wurde von der Stadt Graz, der TU Graz und einem Beratungsunternehmen entwickelt und in Graz 1991 erstmalig durchgeführt. Ziel des Programms ist die Kostenreduzierung im Unternehmen bei einer gleichzeitig stattfindenden Umweltentlastung. Ökoprofit wendet sich v.a. an kleinere und mittlere Unternehmen. Das Programm wird i.d.R. mit der Hilfe von externen Beratern und lokalen Akteuren wie den IHKs, Hochschulen etc. durchgeführt. Während eines Ökoprofit-Durchgangs (der ungefähr ein Jahr dauert) besuchen Vertreter der teilnehmenden Firmen Workshops und es finden Betriebsbesichtigungen statt. Ziel ist zum einen die Aufdeckung umweltrelevanter Einsparpotenziale, wodurch oft kurzfristige finanzielle Einsparungen ermöglicht werden, zum anderen die Verbesserung der organisatorischen Integration des betrieblichen Umweltschutzes. Dies soll durch das know-how der externen Berater, der Kooperationspartner, aber auch durch den Austausch der Betriebe untereinander erreicht werden. Die Betriebe werden schließlich bei Erreichen der Ziele ausgezeichnet und können ihre Arbeit im Rahmen eines Ökoprofit-Klubs fortsetzen.
Die Untersuchung kommt zu dem ernüchternden Ergebnis, dass der kommunale Einfluss auf den betrieblichen Umweltschutz in Kempten klein ist. Dies gilt sowohl für die Ökoprofit-Teilnehmer als auch für die Nichtteilnehmer.
Einerseits ist festzustellen, dass das Thema Umweltschutz anscheinend eine Routineangelegenheit darstellt, auf der anderen Seite Umweltschutz weit von der (in der Theorie geforderten) Integration ins Unternehmen entfernt ist. Die Rolle der Verwaltung ist eher bescheiden; für große Betriebe sind die Behörden im Rahmen von Genehmigungsverfahren wichtig. Bei der Informationsbeschaffung im Umweltschutzbereich dahingegen spielt die Kommune fast keine Rolle, da die großen Betriebe hier ihre eigenen Ressourcen haben. Der Kontakt wird dabei als sehr gut geschildert.
Auch für kleinere Betriebe hat die Kommune auch keine große Bedeutung. Wenn die befragten KMUs allerdings im Rahmen von Genehmigungsverfahren etc. mit dem Umweltamt Kontakt hatten, wird davon z.T. negativ berichtet. V.a. die beiden kleinen Firmen, die nicht an Ökoprofit teilnahmen, beschrieben den Kontakt zu den Behörden als ziemlich durchwachsen bzw. nicht vorhanden.
Die Ökoprofit-Teilnehmer zeigen sich mit der Teilnahme ziemlich zufrieden. Die Teilnahmeerwartungen haben sich mehr oder weniger erfüllt. Der betriebliche Umweltschutz hat bei den Teilnehmern eine gewisse Aufwertung erfahren, allerdings waren die Betriebe schon vorher in diesem Bereich relativ aktiv. Der Kontakt zur Kommune hat sich nicht grundlegend verändert, dieser war aber schon vor dem Programm relativ gut Die größeren Betriebe organisieren den betrieblichen Umweltschutz durch (Umwelt-)Managementsysteme. Diese werden im Rahmen der Firmen bzw. Konzernstrategien unabhängig von der Kommune eingesetzt. Teilweise können im Rahmen dieser Managementsysteme zielgerichtet Kosteneinsparungen verwirklicht werden, teilweise sind die kurzfristigen, betriebwirtschaftlichen Einsparungen auch nicht vorhanden.
Auch im Rahmen von Ökoprofit sind die Einsparungen gerade bei Berücksichtigung der Personalkosten oft gering. Der langfristige Einsparungs- (und auch Umwelt-)effekt ist seitens der Firmen nur schwer zu beurteilen.
Absolut positiv wird der Rechtscheck beurteilt. Knackpunkt ist in Kempten (wie z.B. auch bei Ökoprofit München) die Öffentlichkeitsarbeit. Hier hätte das Programm einen größeres Presseecho verdient, so die Teilnehmer.
Aus der Sicht der Stadt Kempten besteht der Vorteil, dass die beteiligten Unternehmen auf Jahre hin keiner Überwachung bedürfen. Allerdings steht diesem Erfolg seitens der Stadt die zeitaufwendige Organisation und Akquisitionsarbeit für Ökoprofit gegenüber.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 6 |
| 1.1 | Umweltkrise und nachhaltige Entwicklung | 6 |
| 1.2 | Rolle der Kommunen | 8 |
| 1.3 | Betrieblicher Umweltschutz | 9 |
| 1.4 | Zum Stand der Forschung | 9 |
| 1.5 | Aufbau der Arbeit und Fragestellung | 10 |
| 2. | Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung | 12 |
| 2.1 | Ökonomie und Ökologie im Spannungsverhältnis? | 12 |
| 2.2 | Nachhaltige Entwicklung – ein schillernder Begriff | 13 |
| 2.3 | Umweltpolitik | 14 |
| 2.4 | Kooperative Ansätze: freiwillige Selbstverpflichtungen | 16 |
| 2.5 | Umweltmanagementsysteme | 17 |
| 3. | Umweltschutz auf einzelwirtschaftlicher Ebene | 19 |
| 3.1 | Nutzen betrieblichen Umweltschutzes | 19 |
| 3.2 | Ökologische Unternehmensentwicklung: Der Wechsel von einer reaktiven zu einer offensiven Umwelteinstellung | 20 |
| 3.3 | Umweltmanagementsysteme | 20 |
| 3.4 | Fehlende Rahmenbedingungen | 24 |
| 4. | Die kommunale Situation seit Anfang der 90er Jahre | 25 |
| 4.1 | Veränderte Rahmenbedingungen | 25 |
| 4.2 | Wirtschafts- und Umweltpolitik als kommunale Aufgabe | 25 |
| 4.3 | Handlungsspielräume der Kommunen für eine nachhaltige Politik | 27 |
| 4.4 | Ökologisches Wirtschaften auf kommunaler Ebene | 29 |
| 4.5 | Kommunale Aktivitäten | 30 |
| 5. | Ökoprofit | 32 |
| 5.1 | Entstehung | 32 |
| 5.2 | Ziele und Nutzen von Ökoprofit | 32 |
| 5.3 | Ablauf | 34 |
| 5.4 | Ökoprofit als Element der Umweltpolitik | 36 |
| 5.5 | Erfahrungen mit Ökoprofit | 36 |
| 5.6 | Erfahrungen für weitere Ökoprofit-Durchgänge und andere Ökoprofit-Standorte | 38 |
| 6. | Methodik | 40 |
| 6.1 | Aufbau der Untersuchung | 40 |
| 6.2 | Zur qualitativen Methode | 40 |
| 6.3 | Kempten | 43 |
| 6.4 | Ökoprofit in Kempten | 44 |
| 7. | Ergebnisse | 47 |
| 7.1 | Betrieblicher Umweltschutz in den Unternehmen | 49 |
| 7.1.1 | Umweltschutzmaßnahmen und ihre Grenzen | 49 |
| 7.1.2 | Informationsbeschaffung im Umweltbereich | 52 |
| 7.2 | Ökoprofit | 55 |
| 7.2.1 | Teilnahmegründe und Nichtteilnahmegründe | 55 |
| 7.2.2 | Bewertung von Ökoprofit | 60 |
| 7.2.3 | Nutzen für die Stadt Kempten | 63 |
| 7.3 | Entwicklung des betrieblichen Umweltschutzes in den Unternehmen | 64 |
| Resümee und Fazit | 67 | |
| Literatur | 70 |
Neben der kommunalen Agenda 21 und dem Projekt Ökoprofit gibt es in Kempten jedoch keine Initiativen, sich als Kommune besonders in ökologischer Richtung zu profilieren. Es gibt daher auch keine explizite Strategie der nachhaltigen Entwicklung auf kommunaler Ebene oder etwas, was einem derartigem Vorhaben gleich käme, wurde von den zuständigen Ämtern betont. So ist auch die überwiegende Aufgabe des Amtes für Umwelt und Naturschutz der Vollzug der Pflichtaufgaben einer kreisfreien Stadt. Nur eine halbe von sechseinhalb Stellen im Amt wird für die sogenannten freiwilligen Aufgaben wie Umweltberatung von Privatpersonen und Unternehmen, die Koordination der Agenda und die Betreuung von Ökoprofit bereitgestellt. Die Akquisitions- und daher „Überzeugungsarbeit“ für Ökoprofit ist natürlich auch eine Angelegenheit des Amtsleiters, doch wird diese 43 Abbildung 10: Logo der kommunalen Agenda 21 in Kempten [...]
Kommunikativität: Daten werden über die Kommunikation mit den Forschungssubjekten erhoben; dabei wird dem kommunikativen Regelsystem des Befragten die nötige Bedeutung zugemessen. Flexibilität: Durch die fehlende Standardisierung der Erhebungsinstrumente gestaltet der Interviewte die Situation und die Struktur der Informationen in einem großen Ausmaß selbst. Der Interviewer muss daher fähig sein, darauf mit entsprechenden Änderungen seiner Fragen bzw. seines Interviewablaufs zu reagieren. Naturalistizität: Das Interview sollte nach Möglichkeit in einer für den Befragten alltäglichen Situation stattfinden. Damit soll die Künstlichkeit der Interviewsituation verringert werden, besonders auch die Asymmetrie zwischen Forscher und Beforschtem. Auswertung der Interviews Die Auswertung der Gespräche mit den Unternehmensvertretern orientierte sich weitgehend an der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring. Die aufgezeichneten Gespräche wurden transkribiert und anschließend paraphrasiert. Das paraphrasierte Material wurde schließlich zusammengefasst und mit den Forschungsfragen bzw. Hypothesen konfrontiert. Dabei wurde der Inhalt nicht nur durch aus den Forschungsfragen abgeleitete Kategorien gegliedert, sondern auch durch neue Kategorien, die sich aus den Ergebnissen ergaben, erweitert. Gesprächspartner Die explorativen Gespräche wurden mit Herrn Sambale vom Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza!), Herrn Dr. Schießl, dem Leiter des Amts für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung, Herrn Welzig, dem Leiter des Amts für Umwelt- und Naturschutz, Herrn Ehrenhofer (Firma B.A.U.M.-Consult GmbH), Herrn Bründl (Elektroschmelzwerk Kempten GmbH) und Herrn Wieczorek (Allgäuer Brauhaus AG) geführt. Weitere Gespräche wurden mit Frau Jeni (Arbeitskreis „Nachhaltiges Wirtschaften in der Region“ der kommunalen Agenda) und der IHK Augsburg-Schwaben geführt. Auswahl der befragten Unternehmen Die Grundgesamtheit bilden die 45 Kemptener Betriebe des verarbeitenden Gewerbes ab einer Größe von 20 Mitarbeitern und die Teilnehmer der Ökoprofit-Runde 41 [...]
Die qualitative Methode versucht, die volle Komplexität ihrer Forschungsgegenstände zu erfassen, während quantitative Verfahren eher auf die Isolierung von Variablen, die Verallgemeinbarkeit der Ergebnisse und damit auch auf deren Kategorisierung abzielen. Die qualitative Methode, die eine Reihe von methodologischen Ansätzen umfasst, auf die hier nicht im Einzelnen eingegangen werden soll, basiert auf folgenden Prinzipien23: Interpretativität: Die erhobenen Daten dienen nicht der Falsifizierung bereits aufgestellter, sondern dienen der Neugenerierung von Hypothesen. Dies ist nur durch den Nachvollzug (die Interpretation) des individuellen Bedeutungsinhalts von Gegenständen und Sachverhalten möglich. Offenheit: Die theoretische Strukturierung des Forschungsgebiets ist vor der Untersuchung nicht endgültig festgelegt, sondern durch die Forschungssubjekte (mit-)bestimmt. [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832462505
Arbeit zitieren:
Keller, Christoph August 2002: Kommunale Handlungsmöglichkeiten für die Förderung des betrieblichen Umweltschutzes – untersucht am Beispiel des Programms Ökoprofit in Kempten (Allgäu), Hamburg: Diplomica Verlag
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Umweltmanagement, Nachhaltige Entwicklung, Kommunalpolitik, Kooperation, Umweltpolitik



