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Kommunale Förderung von selbst genutztem Wohneigentum

Wie erfolgreich ist das München Modell?

Kommunale Förderung von selbst genutztem Wohneigentum
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Florian Burgmaier
  • Abgabedatum: März 2002
  • Umfang: 126 Seiten
  • Dateigröße: 3,8 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Technische Universität München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6052-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6052-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6052-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Burgmaier, Florian März 2002: Kommunale Förderung von selbst genutztem Wohneigentum, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Wohnen, Eigentumsförderung, Immobilienpolitik, Stadt

Diplomarbeit von Florian Burgmaier

Einleitung:

In der Wohnungspolitik der Großstädte wird in den letzten Jahren die Förderung von selbst genutztem Wohneigentum verstärkt forciert. Dabei plädieren die Kommunen mit anderen Argumenten für die Subvention als in der Politik von Bund und Ländern üblich. Die Wissenschaft hat das Thema Wohneigentumsförderung aus lokaler Perspektive bislang kaum diskutiert.

DIE AUSGANGSLAGE: Was die Städte sich von der Förderung versprechen, wird an der Situation der bayerischen Landeshauptstadt München deutlich. Ein aus dem Gleichgewicht geratener Wohnungsmarkt stellt die Kehrseite der prosperierenden wirtschaftlichen Entwicklung dar. Das entscheidende Hemmnis für den privatwirtschaftlichen Wohnungsbau sind seit langem die Bodenpreise. Der Mietwohnungsbau ist für Investoren uninteressant geworden, ein immer größerer Anteil der neu erstellten Wohnungen wird an Eigennutzer verkauft. Längst sind nicht mehr nur Geringverdiener von Engpässen betroffen sondern auch Familien mit mittlerem Einkommen – insbesondere, wenn sie Kinder haben. Seit langem zieht es die Familien ins Umland, wo sie ihre Lebensvorstellungen besser verwirklichen können. Fester Bestandteil dieser Vorstellungen ist für viele das Wohnen in den eigenen vier Wänden. Schwächung der kommunalen Finanzhaushalte, regionale Segregation, Kaufkraftabfluss und Verkehrsprobleme sind die schwerwiegenden Folgen dieser Entwicklung.

DAS MÜNCHEN MODELL: Der erste Spatenstich für geförderte Eigentumswohnungen im München Modell fand im Frühjahr 1997 auf der Panzerwiese im Münchner Norden statt. Ansatzpunkt des Instruments ist eine Subventionierung der Baugrundstücke. Inzwischen wird das Programm in jede größere städtebauliche Entwicklungsmaßnahme integriert. Zum Zeitpunkt der Untersuchung existieren bereits knapp 500 bezogene Wohneinheiten.

Explizit genannte Ziele des München Modells sind: Steigerung des Wohnungsbaus, weniger Stadt-Umland-Wanderung von Familien, Erhalt einer heterogenen Stadtgesellschaft und ausgewogener sozialer Mischungen in den Wohngebieten, Zuwanderung von Arbeitseinpendlern aus dem Umland und Entlastung des Mietwohnungsmarktes durch Sickereffekte. Bei der Planung von Gebäuden und Wohngebieten wird besonders auf ökologische Bauweise und eine Wohnumgebung mit familiengerechter Infrastruktur Wert gelegt. Dadurch soll auch zur Verminderung des Straßenverkehrs beigetragen werden.

DIE UNTERSUCHUNG: Aber erreicht das München Modell diese Ziele auch? Evaluation bedeutet in diesem Zusammenhang Erfolgskontrolle. In Form eines Soll-Ist-Vergleichs wurden die von Politik und Programmverantwortlichen genannten bzw. erwünschten Ziele operationalisiert und in der Realität empirisch überprüft. Zugleich stand die Umsetzung des Programms durch den zuständigen Verwaltungsapparat im Referat für Stadtplanung und Bauordnung und die Bauträgergesellschaften auf dem Prüfstand. Empirisch wurde das durch eine schriftliche Befragung der Bewohner aller bestehenden geförderten Wohneinheiten und Interviews mit am Programm Beteiligten und Experten umgesetzt.

DIE ERGEBNISSE: Zur Minderung der Stadt-Umland-Wanderung wird beigetragen, denn viele der heutigen Bewohner hätten sich ohne Förderung den Traum von den „eigenen vier Wänden“ in Suburbia erfüllt. Der typische Käufer zieht gerade deshalb um, weil er Wohneigentum erwerben will, eine Mietwohnung wird gar nicht erst in Betracht gezogen. An ihrer alten Wohnung bemängeln viele die ungünstigen Lebensbedingungen für Kinder sowie die unzureichende Größe.

Im Zusammenhang mit den Ergebnissen der 2001 vom Institut für Medienforschung und Urbanistik (IMU) durchgeführten Befragung von Münchner Stadt-Umland-Wanderern und im Vergleich mit charakteristischen Trends der Wohnsuburbanisierung in anderen Verdichtungsräumen zeigt sich, dass bisher vorherrschende Vorstellungen über Wohnsuburbanisierungsprozesse oft falsch sind. So zieht überall ein großer Teil der Abwanderer nicht deshalb aus der Stadt, weil ihnen das suburbane Wohnumfeld mehr zusagt, sondern weil ein bezahlbares Wohnungsangebot in der Stadt fehlt. Diese Feststellung unterstützt die Befragungsergebnisse beim München Modell. Auch hier haben sich „harte“ ökonomische Faktoren, allen voran die Preise des Wohnens in der Stadt, als wichtigste Umzugsgründe herausgestellt; „weiche“ Faktoren, die zum Wohnumfeld zählen, spielen nur eine untergeordnete Rolle. Allerdings ist der Anteil der Eigentumserwerber unter den Umland-Wanderern in München und anderswo viel geringer als oft vermutet wird. Deshalb kann die städtische Eigentumsförderung nur ein Instrument aus einem ganzen Maßnahmenbündel gegen die Wohnsuburbanisierung darstellen.

Durch das München Modell entsteht Wohnraum speziell für Familien mit Kindern. In allen Untersuchungsgebieten wurde Wert auf familiengerechte Planung gelegt, die Bewohner äußern sich diesbezüglich überwiegend zufrieden. Das Wohnungsbauvolumen in München wird gesteigert, mit Einschränkungen resultiert auch eine Entlastung des Mietmarktes. Seiner wichtigen Rolle in der Münchner Wohnungspolitik kann das Programm aber erst durch die geplante deutliche Intensivierung gerecht werden.

Mit der erreichten Zielgruppe wird eine stabile soziale Mischung in den neuen Wohnquartieren und insgesamt der Erhalt einer Stadtgesellschaft mit bunt gemischter Struktur unterstützt. Besonders qualifizierte Arbeitskräfte werden durch die Wohneigentumsförderung in der Stadt gehalten, dafür sprechen das hohe Bildungsniveau und die überwiegende Berufstätigkeit beider (Ehe)Partner bei den Befragten.

Eine quantitative Steigerung des Wohnungsbaus im München Modell, ein Ausbau der Kapazitäten für Beratung und Antragsbearbeitung im Referat für Stadtplanung und Bauordnung und mehr Engagement in der Öffentlichkeitsarbeit sind notwendige Arbeitsfelder für die Zukunft. Das frisch ins Leben gerufene München Modell-Miete stellt eine sinnvolle und nötige Ergänzung der Fördermaßnahmen dar und sollte möglichst rasch und umfangreich zum Laufen gebracht werden. Um tatsächlich zur Verminderung des Verkehrsaufkommens auf Münchens Straßen beizutragen, muss noch stärker auf die öffentliche Verkehrsanbindung der Baugebiete geachtet werden. Bei den Arbeitseinpendlern im Umland und deren Familien scheint das Angebot bislang nur auf mäßiges Interesse zu stoßen, diese Gruppe sollte mit Werbemaßnahmen gezielt angesprochen werden. Weitere Empfehlungen sind eine durchgehende Beschränkung auf verdichtetete Wohnformen und eine Verminderung des Konfliktpotenzials zwischen Käufern und Bauträgern.

Im Licht der Untersuchung hat sich das München Modell als wichtiges Instrument der städtischen Wohnungspolitik präsentiert, das seine Ziele zum größeren Teil erreicht. Trotz teilweise divergierender Befunde zeigt gerade der Vergleich mit den Wohnsuburbanisierungsprozessen in anderen Ballungsräumen, dass die Erfahrungen Münchens auch anderswo für die Politik Relevanz besitzen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einführung: Eine besondere Perspektive und viele Fragen 2
2. Wohnungsmärkte und Wohneigentumsförderung 6
2.1 Regionale Wohnungsmärkte und die Situation in München 6
2.2 Für und Wider der staatlichen Wohneigentumsförderung 13
2.3 Kommunale Wohneigentumsförderung 16
3. Das München Modell 20
3.1 Wie funktioniert das München Modell? 20
3.2 Die Standorte 26
4. Evaluationsforschung 35
4.1 Was ist Evaluation? 35
4.2 Theoretische Grundlagen: Die Programmwirkungstheorie 39
4.3 Die Evaluation des München Modells 42
5. Erfolgskontrolle: Erreicht das München Modell seine Ziele? 49
5.1 Der Beitrag zum Wohnungsbau 51
5.1.1 Das Münchner Wohnungsbauvolumen 51
5.1.2 Sickereffekte 54
5.2 Erreicht die Förderung ihre Zielgruppe? 56
5.2.1 Die sozialökonomische Struktur der Geförderten 57
5.2.2 Gründe für den Wohnungswechsel 61
5.2.3 Der Eigentumssinn der Käufer 63
5.2.4 Die Vorzüge der Großstadt 64
5.2.5 Die Gebäudetypen: Wunsch und Wirklichkeit 66
5.2.6 Räumliche Bezüge: Verlagerung von Wohnort und Arbeitsplatz 67
Exkurs: Stadt-Umland-Wanderung in anderen Verdichtungsräumen 69
5.3 Städtische Verwaltung und Werbung 75
5.4 Wohnanlagen, Wohnumfeld und Infrastruktur 79
5.4.1 Wohnanlagen und Umgebung 79
5.4.2 Auswahl der Bauträger und bauliche Umsetzung der Planung 87
5.5 Bewertungen und Änderungsvorschläge der Beteiligten 90
6. Ergebnisse und Empfehlungen 93
6.1 Ergebnisse der Empirie – eine Zusammenfassung 93
6.2 Verbesserungsvorschläge und Handlungsempfehlungen 98
7. Ausblick 103
Literatur 105
Verzeichnis der Abbildungen, Karten und Tabellen 110
Anhang 111

Automatisiert erstellter Textauszug:

Von den Projektverantwortlichen wird die Steigerung des Wohnungsbaus in München als Oberziel des München Modells genannt. Angesichts der aktuellen Situation, bei der auf Münchner Wohnungsmärkten an allen Ecken Engpässe auftreten, ist dies nur zu verständlich. Gerade für die Wirtschaft wird der Mangel an Wohnraum mehr und mehr zum limitierenden Faktor, denn der Zuzug benötigter Arbeitskräfte scheitert oft an der erfolglosen Wohnungssuche. Über Sickereffekte, so die Argumentation, soll die Eigentumsförderung auch zu einer Entlastung des Mietwohnungsmarktes beitragen.84 Im Fragebogen des Instituts für Medienforschung und Urbanistik (IMU) wurden diejenigen Haushalte, die der Stadt München als Wohnort bereits den Rücken gekehrt haben, gefragt, welche Maßnahmen der Landeshauptstadt München sie möglicherweise zum Bleiben veranlasst hätten. Jeweils etwa ein Fünftel von ihnen nennt den verstärkten Wohnungsbau und die Verbesserung der Wohneigentumsförderung, dahinter bleiben alle anderen vorgeschlagenen Maßnahmen weit zurück.85 Wie ist der Beitrag des München Modells zum Wohnungsbauvolumen und zur Entspannung des Münchner Wohnungsmarktes tatsächlich zu bewerten? 5.1.1 Das Münchner Wohnungsbauvolumen Das München Modell wurde 1996 ins Leben gerufen, nach der großzügigen Zählung in obigem Zitat gab es Ende 2000 rund 500 geförderte Wohnungen.86 Im gleichen Zeitraum sind in München ingesamt 28.363 Wohnungen entstanden, davon 13.036 Eigentumswohnungen (siehe Tabelle 7). Die im Rahmen des München Modells gebauten Wohnungen entsprechen also 1,8 Prozent des gesamten Wohnungsbaus bzw. 3,8 Prozent des Bauvolumens an Eigentumswohnungen. Rupert Hackl, Leiter des Immobilien-Centers München der Deutschen Bank teilt die Meinung der meisten Experten: Das München Modell und die [...]

Der besonders niedrige Rücklauf im Wohngebiet „Panzerwiese Ost“ an der Ingolstädter Straße mag zwei Ursachen haben: Erstens findet sich hier der bei weitem größte Anteil von Bewohnern, die aus dem Ausland stammen. Es ist zu vermuten, dass viele von ihnen Probleme mit der deutschen Sprache haben oder einer Befragung grundsätzlich misstrauischer gegenüberstehen. Zweitens befand sich der „Wohnpark an der Nordheide“ der städtischen GWG zum Zeitpunkt der Erhebung noch im Verkauf. Viele der gerade erst eingezogenen konnten wohl zu einem so frühen Zeitpunkt noch nichts mit den Fragen anfangen. 121 Haushalte, das sind 54,3 Prozent der Umfrageteilnehmer, haben Interesse an den Ergebnissen bekundet und erhielten eine Kurzfassung. Als Gerüst des fünften Kapitels dient die Abbildung zur Programmwirkungstheorie des München Modells (Abbildung 6, Seite 45). Die einzelnen Abschnitte lassen sich den vier Handlungsfeldern „Wohnungsbau“, „Zielgruppe“; „Verwaltung“ und „Wohnumfeld / Infrastruktur“ aus der Graphik zuordnen: In Kapitel 5.1 wird anhand von Daten des Statistischen Amtes der Landeshauptstadt München und der Ergebnisse verschiedener Experteninterviews auf den Beitrag des München Modells zum Wohnungsbauvolumen und die damit verbundenen Auswirkungen eingegangen. Die weiteren Abschnitte stützen sich hingegen schwerpunktmäßig auf die Ergebnisse meiner eigenen Befragung. Unter 5.2 geht es zunächst darum, ob mit der Förderung die richtige Zielgruppe erreicht wird, zudem informiert ein Exkurs über Struktur und Motive der Stadt-Umland-Wanderer in anderen Ballungsräumen. In 5.3 wird die Effektivität und Bürgerfreundlichkeit der städtischen Verwaltung und Werbung unter die Lupe genommen. Anschließend befasst sich Kapitel 5.4 mit den zahlreichen Aspekten des Wohnumfeldes und der Infrastrukturversorgung der neu entstandenen Wohnquartiere. In Abschnitt 5.5 folgt eine Zusammenfassung von Urteilen der Bewohner zum München Modell und eine Sammlung ihrer interessantesten Verbesserungsvorschläge. Die Abschnitte 5.1 bis 5.4 enthalten jeweils die Ergebnisse meiner empirischen Arbeit (Fragebögen, Interviews), zum Teil Information aus schriftlichen Quellen, wo sinnvoll Vergleiche mit den Ergebnissen der Befragung der Münchner Stadt-Umland-Wanderer durch das IMU-Institut und eine erste Interpretation und Bewertung der Ergebnisse. Ob die verfolgten Ziele tatsächlich erreicht werden, wird allerdings erst unter 6.1 diskutiert. [...]

Eine Antwort auf diese Frage soll in erster Linie die schriftliche Befragung der Bewohner der bereits fertig gestellten Eigentumswohnungen liefern. Ergänzend wurden Gespräche mit Beteiligten, Verantwortlichen und Experten durchgeführt. Außerdem wird auf die Ergebnisse von Untersuchungen zum Thema Stadt-Umland-Wanderung in München und anderen Großstädten zurückgegriffen. Indem Vergleiche gezogen werden, kann die vorliegende Studie in den größeren Rahmen der Münchner Wohnungsmarktproblematik eingeordnet werden und einen Beitrag zur Erforschung von Segregationsprozessen leisten, die für viele Ballungsräume kennzeichnend sind. Die Liste der im München Modell geförderten Haushalte des Planungsreferates enthielt 480 Adressen. Ausgeschlossen blieben Objekte, die ausschließlich für städtische Angestellte und Beamte vorgesehen sind sowie einige wenige Wohnungen, die von Genossenschaften im Rahmen des Modells erstellt wurden. Sechs Fragebögen blieben unzustellbar. In einem Fall stand die betreffende Wohnung leer, zwei Familien hatten gerade erst gekauft und waren noch nicht eingezogen, in drei Fällen war die richtige Adresse nicht ermittelbar. Von den insgesamt 16 Mieterhaushalten kamen nur vier Fragebögen zurück. Da somit keine Aussage über die Mieter alleine möglich ist und Gegenstand der Untersuchung sowieso die Eigentumsförderung ist, wurden die Mieter ebenfalls aus der Grundgesamtheit gestrichen (und die vier zurückgesendeten Fragebogen nicht ausgewertet). Nach den Abzügen beträgt also die bereinigte Grundgesamtheit 458 Haushalte. Von diesen kamen – rechtzeitig zur Auswertung - 223 Fragebögen zurück, das entspricht einer Rücklaufquote von 48,7 Prozent. In den verschiedenen Wohngebieten war der Rücklauf recht unterschiedlich: [...]

Arbeit zitieren:
Burgmaier, Florian März 2002: Kommunale Förderung von selbst genutztem Wohneigentum, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Wohnen, Eigentumsförderung, Immobilienpolitik, Stadt

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