Kommunale Arbeitsmarktpolitik in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Martin Danwerth
- Abgabedatum: Dezember 1998
- Umfang: 112 Seiten
- Dateigröße: 589,8 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Katholische Fachhochschule Freiburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-2325-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-2325-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-2325-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Danwerth, Martin Dezember 1998: Kommunale Arbeitsmarktpolitik in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Arbeitsmarkttheorien, zweiter Arbeitsmarkt, Arbeitslosigkeit, Bürgerarbeit
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Diplomarbeit von Martin Danwerth
Einleitung:
Die vorliegende Arbeit befaßt sich mit dem Problem der Arbeitslosigkeit im allgemeinen und im besonderen mit der Verlagerung der Kosten und Folgen anhaltender Massenarbeitslosigkeit auf die Kommunen. In diesem Zusammenhang ist immer wieder die Rede von einem Verschiebebahnhof. Der Bund verlagert mit Leistungskürzungen die Folgen auf die Kommunen, diese versuchen durch Projekte wie den Hilfen zur Arbeit nach dem Bundessozialhilfegesetz arbeitslosen Sozialhilfeempfängern wieder zu Ansprüchen auf Arbeitslosengeld bzw. -hilfe zu verhelfen.
Arbeitslosigkeit hat mittlerweile erschreckende Ausmaße angenommen und eine breite Schicht von Personen erfaßt; sie wird in Meinungsumfragen häufig als das größte gesellschaftliche Problem angesehen. Die Vorschläge zur Verbesserung der Beschäftigungslage und zum Abbau der Massenarbeitslosigkeit sind so unterschiedlich wie vielfältig. So ist von Unternehmerseite immer wieder die Rede vom Standort Deutschland, der durch die Reduzierung der Löhne gesichert werden müsse, da ansonsten die Betriebe ins Ausland abwanderten, um dort günstiger zu produzieren. Die Gewerkschaften dagegen fordern in den Tarifrunden höhere Löhne, um zumindest die Reallöhne durch die Inflation nicht sinken zu lassen. Das Bündnis für Arbeit, bei dem alle Arbeitsmarktakteure zusammen Lösungen für die Beschäftigungskrise erarbeiten wollten, kam zu keinen konkreten Ergebnissen. Die neue rot-grüne Regierung will dieses Bündnis wieder ins Leben rufen und sich daran messen lassen, ob sie die Arbeitslosigkeit nachhaltig bekämpfen kann. Durch Arbeitsmarktpolitik wird von Seiten des Bundes versucht, die Arbeitslosigkeit zu verringern bzw. die Folgen von Arbeitslosigkeit abzumildern.
Diese Maßnahmen scheinen jedoch nicht die gewünschten Wirkungen zu erzielen, wie die stagnierenden Zahlen der Erwerbslosen zeigen.
Im Gegensatz zur Beschäftigungspolitik, die sich auch auf andere Märkte bezieht, richtet sich Arbeitsmarktpolitik nur auf die Arbeitsmärkte. Kommunale Arbeitsmarktpolitik befaßt sich demnach mit der Beeinflussung der Angebots- und Nachfrageseite der Arbeitsmärkte auf der Ebene der Städte und Gemeinden.
Dieses Thema scheint zunächst nicht sehr viel mit dem Beruf des Sozialarbeiters/Sozialpädagogen zu tun zu haben. Die Veröffentlichungen zu diesem Themenkomplex kommen meist von Ökonomen oder Sozialwissen-schaftlern; Sozialarbeiter äußern sich höchstens, wenn es um die Hilfe zur Arbeit geht. Allerdings ist mir durch mein Praxissemester, das ich bei einer städtischen Beschäftigungsgesellschaft absolviert habe, klar geworden, daß Arbeitslosigkeit und besonders deren Folgen auf die kommunale Ebene ausstrahlen. Diese Folgen lassen sich auf der individuellen Ebene in Form von Verschuldung, Erkrankungen und Verlust des Selbstwertgefühls kennzeichnen und können durch sozialarbeiterisches Handeln vermindert werden.
Gang der Untersuchung:
Ich stelle am Anfang Arbeitsmarkttheorien vor, die die Vorgänge auf den Arbeitsmärkten sowohl ökonomisch - in Form der neoklassischen und keynesianischen Arbeitsmarkttheorie - als auch sozialwissenschaftlich in Form der Segmentationstheorien beschreiben und davon ableitend die verschiedenen Formen der Arbeitslosigkeit erklären.
Im zweiten Kapitel geht es um die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik Deutschland, deren Ursachen und Formen sowie deren Folgen auf der individuellen und gesellschaftlichen Ebene. Hiermit ist der Zusammenhang von Sozialhilfegewährung und Arbeitslosigkeit eng verknüpft, der danach thematisiert wird. Nachfolgend werden die gesetzlichen Grundlagen für der Bereich der Arbeitslosigkeit erläutert.
Das dritte Kapitel befaßt sich mit dem zweiten Arbeitsmarkt, hier geht es im speziellen um seine Definition und Ziele.
Die kommunale Arbeitsmarktpolitik in Freiburg bildet das vierte Kapitel. Anhand zweier Institutionen des zweiten Arbeitsmarktes, des Vereins zur Förderung kommunaler Arbeits- und Beschäftigungsmaßnahmen (VAB) als städtischer Beschäftigungsgesellschaft sowie der Kommunalen Leitstelle für Arbeit (KOLA), die eng zusammenarbeiten und Maßnahmen im Rahmen der Hilfe zur Arbeit anbieten, werde ich die konkrete Umsetzung der kommunalen Arbeitsmarktpolitik in Freiburg untersuchen.
Zum Schluß weise ich auf Strategien für einen Umbau der Erwerbsgesellschaft hin. Hierbei beschränke ich mich auf die Bürgergeldidee, die oft auch als negative Einkommenssteuer bezeichnet wird, und die Theorie der Bürgergesellschaft von Ulrich Beck.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungen | 4 | |
| Liste der Abbildungen | 5 | |
| Eidesstattliche Erklärung | 6 | |
| EINLEITUNG | 7 | |
| 1. | ARBEITSMARKTTHEORIEN | 10 |
| 1.1 | Neoklassische Arbeitsmarkttheorien | 12 |
| 1.1.1 | Humankapitaltheorie | 16 |
| 1.1.2 | Diskriminierungstheorien | 18 |
| 1.1.2.1 | The economics of discrimination | 19 |
| 1.1.2.2 | Statistische Diskriminierung | 20 |
| 1.1.3 | Job-Search-Theorien | 21 |
| 1.1.4 | Effizienzlohntheorien | 23 |
| 1.1.5 | Kontrakttheorien | 25 |
| 1.2 | Keynesianische Arbeitsmarkttheorie | 27 |
| 1.3 | Segmentationstheorien | 31 |
| 1.3.1 | Primäre und sekundäre Arbeitsmärkte | 32 |
| 1.3.1.1 | Der institutionalistische Ansatz | 32 |
| 1.3.1.2 | Der radikalökonomische Ansatz | 35 |
| 1.3.1.3 | Der Alternativrollenansatz | 37 |
| 1.3.2 | Interne und externe Arbeitsmärkte | 39 |
| 1.4 | Zusammenfassung | 42 |
| 2. | ARBEITSLOSIGKEIT | 43 |
| 2.1 | Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Deutschland | 44 |
| 2.2 | Ursachen der Arbeitslosigkeit | 47 |
| 2.3 | Formen der Arbeitslosigkeit | 51 |
| 2.4 | Folgen der Arbeitslosigkeit | 53 |
| 2.4.1 | Folgen der Arbeitslosigkeit auf der individuellen Ebene | 53 |
| 2.4.2 | Folgen der Arbeitslosigkeit auf gesellschaftlicher Ebene | 56 |
| 2.5 | Arbeitslosigkeit und Sozialhilfebezug | 57 |
| 2.6 | Gesetzliche Grundlagen für den Bereich Arbeitslosigkeit | 60 |
| 2.6.1 | Die Rechtsgrundlagen des Bundessozialhilfegesetzes | 61 |
| 2.6.2 | Die Rechtsgrundlagen des Arbeitsförderungsrechts | 66 |
| 2.7 | Zusammenfassung | 70 |
| 3. | DER ZWEITE ARBEITSMARKT | 71 |
| 3.1 | Definition des Zweiten Arbeitsmarktes | 71 |
| 3.2 | Ziele des zweiten Arbeitsmarktes | 73 |
| 3.3 | Zusammenfassung | 77 |
| 4. | DIE KOMMUNALE ARBEITSMARKTPOLITIK IN FREIBURG | 78 |
| 4.1 | Der Verein zur Förderung kommunaler Arbeits- und Beschäftigungsmassnahmen (VAB) | 79 |
| 4.1.1 | Aufbau des VAB | 80 |
| 4.1.2 | Ziele des Vereins | 80 |
| 4.1.3 | Arbeitsmaßnahmen im Rahmen der Hilfe zur Arbeit | 80 |
| 4.2 | Die Kommunale Leitstelle für Arbeit (KOLA) | 88 |
| 4.2.1 | Aufgaben der Kommunalen Leitstelle für Arbeit | 89 |
| 4.2.2 | Maßnahmen der Kommunalen Leitstelle | 91 |
| 4.3 | Zusammenfassung | 94 |
| 5. | Ausblick | 96 |
| Schlussbemerkung | 103 | |
| Literaturverzeichnis | 105 |
Weitere Probleme stellen die mangelnde Flexibilität in zeitlicher Hinsicht und die fehlende Mobilität in räumlicher und beruflicher Hinsicht dar. Die Berufsfixierung ist in der Bundesrepublik deutlich ausgeprägter als in anderen Ländern. Man kann heutzutage nicht mehr davon ausgehen, daß man in seinem erlernten Beruf sein Leben lang arbeiten wird. Lebenslanges Lernen und das SichAnpassen an die Gegebenheiten des Arbeitsplatzes wird heute mehr denn je erwartet. Für gut ausgebildete junge Alleinlebende mit wenig familiären Kontakten mag das vielleicht noch zutreffen. Viele Arbeitnehmer sind jedoch (verständlicherweise) nicht bereit, alles dem Beruf unterzuordnen. Einfache und körperlich belastende Tätigkeiten werden heutzutage immer seltener angenommen, auch weil sie nicht besonders anerkannt werden. Einen Ausweg aus der Erwerbslosigkeit stellt die Existenzgründung dar. Die finanziellen Risiken in bezug auf den eigenen Betrieb, gerade in den Anfangsjahren, stellen jedoch einen Hinderungsgrund für viele dar. Zudem kann man sich als abhängig Beschäftigter auf viele Sozialleistungen berufen, auf die man als Selbständiger keinen oder nur in geringerem Umfang Anspruch hätte. Der vermehrte Einsatz von Kapital und Wissen verdrängt in vielen Bereichen die klassische Erwerbsarbeit. Es gibt zu wenig Tätigkeitsfelder, die sich dieser Entwicklung angepaßt haben. Einfache Tätigkeiten im niedrig produktiven Bereich werden in Deutschland zu wenig angeboten. Dies hängt natürlich auch damit zusammen, daß die in diesem Bereich bezahlten Löhne teilweise nicht zum Lebensunterhalt ausreichen und in der Nähe des Sozialhilfeniveaus liegen. Für die Unternehmer ist die Produktivität in diesem Sektor zu gering. An dieser Stelle sei erwähnt, daß ein Weg aus der Arbeitslosigkeit die bessere Entlohnung dieser Tätigkeiten durch eine Grundsicherung sein kann, weil dann die Spanne zwischen der Inanspruchnahme von Sozialleistungen und dem Nachgehen nach Erwerbsarbeit verändert würde. Im schlimmsten Fall kann diese Entwicklung jedoch zu einer Senkung des Lohnniveaus insgesamt führen. [...]
Die Ursachen der Arbeitslosigkeit stellen sich als sehr komplex dar. Grundsätzlich gilt, daß „die Menge der Erwerbsarbeit gemessen als Arbeitsvolumen pro Kopf der Bevölkerung seit langem tendenziell abnimmt, (...) der Druck auf den Arbeitsmarkt [steigt], weil das Erwerbspersonenpotential durch Zuwanderung und eine zunehmende Erwerbsbeteiligung der Frauen wächst.“ (Kommission für Zukunftsfragen der Freistaaten Bayern und Sachsen Teil II, S. 1)2 Dies hat mehrere Gründe. Durch die immer höhere Technisierung und Rationalisierung der Wirtschaft fallen Arbeitsplätze weg, die zum großen Teil im sekundären Arbeitssegment angesiedelt waren.3 Im primären Arbeitsmarktsegment gibt es dagegen in bestimmten Branchen ein Defizit an gut ausgebildeten Arbeitskräften: den sogenannten „Fachkräftemangel“. Die zunehmende Erwerbstätigkeit der Frauen ist u. a. eine Folge der Individualisierung. Frauen wollen heutzutage unabhängiger als früher ihr Leben selbst in die Hand nehmen und sich auch in der Erwerbsarbeit verwirklichen. Zudem ist mit der Auflösung traditioneller Familienverbände die Gefahr verbunden, daß sie sich nicht mehr auf den „Versorger“, sprich den Ehemann stützen können. Dieses Verhältnis ist jedoch ambivalent. Wie schon bei den neoklassischen Arbeitsmarkttheorien gezeigt wurde, drängen Frauen auch und gerade auf den Arbeitsmarkt, weil sie als „additional workers“4 mit zum Haushaltseinkommen beitragen, wenn der Ehemann arbeitslos wird oder nur noch in Teilzeit arbeitet. [...]
Eine weitere „Problemgruppe“ am Arbeitsmarkt stellen die Frauen dar. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote der Frauen lag 1997 bei 12,2 %, die der Männer bei 10,8 %. (Bundesanstalt für Arbeit) Ausländische Arbeitnehmer sind im Gegensatz zu den Aufbaujahren der Bundesrepublik heutzutage nicht mehr in dem Maße willkommen. Der Anteil der Arbeitslosen in dieser Bevölkerungsgruppe wächst weiter. So lag deren Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt 1995 im früheren Bundesgebiet bei 16,6 %. (Datenreport 1997) Für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen, besonders für Ältere, steigt die Gefahr, arbeitslos zu werden. Diese Gruppe machte - gemessen an den Arbeitslosen im früheren Bundesgebiet 1995 - einen Anteil von 26,3%, in den neuen Ländern dagegen „nur“ 13,8%, aus (ebd.) Die Qualifikationsstruktur ist ein wichtiges Merkmal, um die Betroffenheit von Arbeitslosigkeit zu erläutern. Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung sind in weit höherem Maße von Arbeitslosigkeit betroffen als Qualifizierte. So verfügten im September 1995 bundesweit 39% der Arbeitslosen über keine abgeschlossene Berufsausbildung. Der Vergleich zwischen den alten und neuen Ländern zeigt, daß diese Anteile stark variieren. Im früheren Bundesgebiet lag die Quote bei 46,5%, in den neuen Ländern dagegen „nur“ bei 21%. (ebd.) Schließlich spielt die Dauer der Arbeitslosigkeit eine entscheidende Rolle. Personen, die ein Jahr und länger arbeitslos sind, gelten als Langzeitarbeitslose. Zählten 1971 nur 5,3% zu dieser Gruppe, ist seit Anfang der 80er Jahre ein stetiger Anstieg festzustellen, der sich Anfang der 90er Jahre kurz abschwächte und dann wieder anzog. 1995 waren 33,3% der Arbeitslosen ein Jahr und länger arbeitslos. (ebd.) [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832423254
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Danwerth, Martin Dezember 1998: Kommunale Arbeitsmarktpolitik in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit, Hamburg: Diplomica Verlag
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Arbeitsmarkttheorien, zweiter Arbeitsmarkt, Arbeitslosigkeit, Bürgerarbeit



