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Kommerzielle Kinderzeitschriften

Eine medien- und kommunikationswissenschaftliche Untersuchung

Kommerzielle Kinderzeitschriften
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Angelika Stoll
  • Abgabedatum: August 1994
  • Umfang: 125 Seiten
  • Dateigröße: 5,0 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Darmstadt Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5502-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5502-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5502-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Stoll, Angelika August 1994: Kommerzielle Kinderzeitschriften, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Mediale Beeinflussung, Mediennutzung, Kindliche Lebenswelten, Kinder, Erziehung

Magisterarbeit von Angelika Stoll

Einleitung:

Kinder sind die Konsumenten von morgen. Sie tragen Markenjeans, essen Fast food, sorgen für Umsätze der Unterhaltungsindustrie. Sie schauen Videos, hören Kassetten, und sie lesen zum Beispiel Kinderzeitschriften.

Kommerzielle Kinderzeitschriften sind heute nicht mehr aus dem alltäglichen Lebensumfeld der Kinder wegzudenken. Wie alle Kindermedien interpretieren Kinderzeitschriften die Um- und Mitwelt ihrer Rezipienten und haben so eine ernstzunehmende, gesellschaftliche und politische Funktion.

Die Kinderzeitschriften belegen viele Lebensbereiche der Rezipienten, begleiten sie in ihrer Entwicklung und prägen das Verständnis von Gesellschaft, beeinflussen die Wahrnehmung, Wertvorstellungen und Nutzungsgewohnheiten sowie die Auffassung von Unterhaltung und Information.

Doch obwohl sich dieses Medium zu einer wichtigen Sozialisationsinstanz entwickelt hat, kann die Kommunikationsforschung wenig zu diesem Thema anbieten. Die Wissenschaftler waren und sind vor allem am Fernsehen interessiert. Das Problemfeld Kinderzeitschriften wurde einfach übersehen. Außerdem lösten Kinderzeitschriften lange Zeit keine so großen Kontroversen aus wie Jugendzeitschriften. Hinzu kommt, daß die unübersichtliche Marktlage einen genauen Überblick über dieses Medium verhindert.

Die wenigen Untersuchungen, die es zum Thema „kommerzielle Kinderzeitschriften“ gibt, beschränken sich fast ausschließlich auf die Analyse der Comics. Um das Medium „kommerzielle Kinderzeitschriften“ zu erfassen, reicht es jedoch nicht aus, nur die Comics zu untersuchen, da der redaktionelle Teil sich zu einem eigenständigen Bereich innerhalb der Kinderzeitschriften etabliert hat.

In den vorgelegten Betrachtungen will ich mir aufgrund der vorherigen Überlegungen ein Bild von diesem Medium machen, von dem es mittlerweile ein breites Angebot auf dem Markt gibt.

Es interessieren mich vor allem die Entwicklungstendenzen, Stilrichtungen, die geistige Verfassung und äußere Aufmachung deutschsprachiger kommerzieller Kinderzeitschriften, die ich an fünf ausgesuchten Publikationen symptomatisch aufzeigen will'. Damit will ich einerseits den Grundstil kommerzieller Kinderzeitschriften feststellen und andererseits die Heterogenität oder Homogenität, d.h. Unterscheidungen oder Ähnlichkeiten der ausgesuchten Publikationen herausstellen.

Die Ähnlichkeiten sind für die Arbeit am interessantesten, da sie auf vereinheitlichende Strategien und Tendenzen schließen lassen, die für Kindermedien typisch sind (wie standardisierte Aufmachungs- und Präsentationsform; immer wiederkehrende Inhalte und Stereotype; standardisierter Handlungsaufbau).

Ausgehend von einer handlungsorientierten Sprach- und Textauffassung soll für die methodische Anlage der Untersuchung von dem Prinzip einer zusammenhängenden, funktionalen Betrachtungsweise ausgegangen werden.

Der produktionsanalytische Untersuchungsansatz mit seinen Form-, Inhalts- und Funktionsuntersuchungen steht im Vordergrund der Arbeit. Doch ist ebenso die Betrachtung ihrer Stellung innerhalb des gesellschaftlichen Systems, der Sozialisationsinstanzen und der Medienlandschaft sowie der rezeptionsanalytische Aspekt (Nutzungs- und Wirkungsforschung) für diesen Untersuchungsansatz wichtig.

Für die Analyse kommerzieller Kinderzeitschriften werde ich demzufolge verschiedene wissenschaftliche Forschungsansätze miteinander verbinden. Dazu gehören: Massenkommunikationsforschung, Sprachwissenschaft, Sozialisationsforschung, Pädagogik und empirische Sozialforschung.

Im Sinne einer funktionalen Betrachtungsweise gehe ich von einem Zusammenhang zwischen den Motivationen und Interessen der Produzenten und den vorhandenen Trends und Strategien der Produktion bzw. des Vertriebs sowie der inhaltlichen und formalen Aspekte aus.

Danach gehe ich in dieser Arbeit folgenden Fragen nach:

Die erste Frage ist gleichzeitig die dominante Perspektive der Untersuchung, auf die sich die anderen Fragestellungen beziehen lassen.

- Welche Intentionen im Hinblick auf ihr Verhältnis zu den Rezipienten werden von den Produzenten wie verfolgt?

- Dienen die Form und der Inhalt von Beiträgen der Unterhaltung, Wissensvermittlung oder der Meinungsbildung?

- Welche Werte (z.B. von Moral, Ordnung) und Klischeebilder (von „Personen“) werden wie vermittelt?

Gang der Untersuchung:

Meine Arbeit besteht aus zwei Bereichen: Einem analytischen Bereich und einem empirischen Bereich.

Analytischer Bereich:

Im analytischen Bereich ist eine hauptsächlich historische und gesellschaftlich ausgerichtete Betrachtung von Kinderzeitschriften vorgesehen. Es geht um die Bestimmung der Kinderzeitschriften innerhalb des gesellschaftlichen Systems, der Sozialisationsinstanzen und der Medienlandschaft. Um den rezeptionsanalytischen Aspekt abzudecken, wird auch auf Wirkungs- und Nutzungsaspekte eingegangen. Zunächst stelle ich nach der Definition des Begriffs „Kinderzeitschriften“ das Abgrenzungsproblem zwischen Kinder- und Jugendzeitschriften dar. Danach ordne ich Kinderzeitschriften in die Presselandschaft ein. Dafür ist es auch notwendig, eine Unterscheidung zwischen Zeitschrift und Zeitung vorzunehmen.

Anschließend vergleiche ich das Wesen der Kinderzeitschriften mit einer anderen Publikationsform des Kinder- und Jugendschriftentums. Dafür habe ich das Buch ausgesucht.

Ein wichtiger Punkt ist die historische Herausbildung von Kinderzeitschriften, die nachfolgend beschrieben wird.

Hier verfolge ich die historische Entwicklung von Kinderzeitschriften bis in die Gegenwart.

Darauf aufbauend diskutiere ich das Für und Wider der Kinderzeitschriften, die sich zwischen pädagogischem Diktat und Angeboten der Freizeitindustrie bewegen.

Eine Fortführung dieser Diskussion gipfelt in der Darstellung von Maßnahmen und Vorkehrungen zum Schutz der Rezipienten von Kinderzeitschriften, die sich als pädagogische Empfehlungen und als Jugendmedienschutz darstellen.

Bei der anschließenden Darstellung der Kinderzeitschriften im Medienkontext werden zunächst die Kinderzeitschriften als Kindermedien beschrieben und dann die Funktion des Kindermedienverbunds beleuchtet. Dazu halte ich es für notwendig, auch die mediale Beeinflussung der kindlichen Lebenswelt zu diskutieren - hier: die mediale Sozialisation.

Im letzten Punkt des analytischen Teils will ich den tatsächlichen Mediengebrauch erklären. Dafür beziehe ich mich auf Aspekte der Nutzungsforschung. Es werden Reichweite- und Nutzungsdaten, die Einbeziehung der Jugendmedienforschung und die kindliche Zielgruppe als „marktrelevanter Faktor“ besprochen.

Empirischer Teil:

Der methodologische, methodisch-analytische, inhaltlich-thematische und funktionale Bereich ist Gegenstand des empirischen Teils.

Im empirischen Teil lege ich mich zunächst auf ein Untersuchungskonzept fest und nehme die Organisation des Forschungsprozesses und des Vorgehens vor. Nach einer Bestandsaufnahme der Kinder- und Jugendpresse in der BRD arbeite ich ein Analyseinstrumentarium aus. Mit Hilfe einer Typologie bestimme ich dann den Untersuchungsgegenstand „kommerzielle Kinderzeitschriften“. Dazu grenze ich kommerzielle und nicht-kommerzielle Produkte voneinander ab. Im Anschluß gebe ich einen kurzen Überblick über den jeweiligen Markt.

Darauf aufbauend ist die Auswahl des Untersuchungscorpus Gegenstand des nächsten Abschnitts. Sie wird nach inhaltlich-theoretischen Gesichtspunkten sowie nach operationalem Aspekt vorgenommen, um ein möglichst repräsentatives Sample zu erstellen.

Nachdem alle Vorbereitungen getroffen worden sind, beginnt nun die Untersuchung am „Corpus“.

Hier werden die Untersuchungseinheiten (Kategorien) im Hinblick auf eine funktionsorientierte Analyse festgelegt. Demzufolge werde ich mich in diesem Teil der Arbeit um die Form, den Inhalt und die Funktion meines Zeitschriftencorpus kümmern.

In der „Grobanalyse“ und der „Feinanalyse“ verschaffe ich mir zunächst einen Überblick über die Strukturdaten, die äußere Aufmachungs- und Präsentationsform sowie den Inhalt meines Untersuchungsmaterials, ohne näher auf funktionale Aspekte einzugehen. Dabei untersuche ich die Zeitschriften nach Auffälligkeiten, Unterschieden und Ähnlichkeiten.

In der Grobanalyse nehme ich mir als erstes eine Dokumentation eines Einzelfalls vor, in der die Strukturdaten erfaßt werden. Ebenso betrachte ich die äußere Aufmachung und das Heftinnere der Publikationen. In der Feinanalyse verschaffe ich mir dann einen möglichst repräsentativen Einblick in den Inhalt der ausgesuchten Kinderzeitschriften. War es das Ziel der Grobanalyse, steckbriefartig das Erscheinungsbild aller vorliegenden Zeitschriftenexemplare anhand vorwiegend äußerer Kategorien zu erfassen, so geht es bei der Feinanalyse darum, die Inhaltsanalyse der durch eine Stichprobe ermittelten Zeitschriften anhand vorwiegend qualitativer Kategorien zu ermitteln.

Bei der Untersuchung der Form wird das Text-Bild-Verhältnis der einzelnen Publikationen beleuchtet.

Im Anschluß daran geht es um die sprachlichen Ausdrucksformen. Das betrifft den Bereich der Syntax und der Wortbildung bzw. Stilmittel. An einigen symptomatischen Beispielen veranschauliche ich meine Beobachtungen.

Um einen Überblick über das inhaltliche Angebot der Kinderzeitschriften meines Corpus zu bekommen, stelle ich zunächst die Themenbereiche mit Tabellen dar. Danach erläutere ich die Aspekte der inhaltlichen Struktur und thematischen Einordnung der Beiträge.

Im nächsten Kapitel wende ich mich nach dieser umfassenden Sichtung des Untersuchungsmaterials dem funktionalen Aspekt zu.

Vor dem Hintergrund einer grundsätzlichen Intentionalität (Zielgerichtetheit) der Herausgeber untersuche ich den Inhalt und die Form nach Indikatoren. Dafür beziehe ich mich auf die Untersuchungsergebnisse des inhaltlich-thematischen Teils. Dabei interessiert mich vor allem, wie sich das Verhältnis der Herausgeber zu den Rezipienten ausdrückt. Im ersten Schritt beleuchte ich deshalb die Art der Vertextung im Hinblick auf die Lesereinbeziehung.

Im Anschluß daran betrachte ich unter dem Aspekt der Intentionalität die Aufmachungs- und Präsentationsform, die Sprache und den Inhalt.

Im Sinne der funktionalen Betrachtungsweise gehe ich schließlich auf die Umsetzung der Norm- und Wertvorstellungen meines Corpus ein. Dafür beziehe ich mich auf die Vorstellung und Darstellungsweise geschlechtsspezifischer Klischeebilder, die ich in meinem Corpus beobachtet habe. Danach beschreibe ich die Darstellung des Welt- und Wirklichkeitsauschnitts in den untersuchten Zeitschriften.

Abschließend versuche ich aus meinen Gesamtbeobachtungen dominante Trends, Strategien und Tendenzen der kommerziellen Kinderzeitschriften verallgemeindernd abzuleiten.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
2. Kinderzeitschriften: Ihre Geschichte, soziale Funktion und Einbettung in die Medienlandschaft 9
2.1 Definition und Abgrenzung des Untersuchungsgegenstandes „Kinderzeitschriften“ 9
2.2 Geschichte der Kinderzeitschriften 15
2.2.1 Die Entstehungsgeschichte der Kinderzeitschriften bis Ende des 19. Jahrhunderts 15
2.2.2 Erste Veränderungen auf dem Kinderpressemarkt 17
2.2.3 Die Zeit des Nationalsozialismus nach 1933 19
2.2.4 Von der Nachkriegszeit bis in die sechziger Jahre (1948 bis 1960) 20
2.2.5 Die Kinderzeitschriften der Gegenwart 23
2.3 Kinderzeitschriften zwischen pädagogischem Diktat und Angeboten der Freizeitindustrie 23
2.4 Maßnahmen und Vorkehrungen zum Schutz der Rezipienten von Kinderzeitschriften 27
2.5 Kinderzeitschriften im Medienkontext 28
2.5.1 Kinderzeitschriften als Kindermedien 28
2.5.2 Kindermedienverbund 30
2.5.3 Mediale Beeinflussung der kindlichen Lebenswelt 33
2.5.4 Mediennutzung 35
3. Produktanalyse 44
3.1 Vorgehensweise und Methode 44
3.2 Bestandsaufnahme 46
3.3 Bestimmung des Objektbereiches „kommerzielle Kinderzeitschriften“ 48
3.3.1 Entwicklung der Typologie 49
3.4 Auswahl des Untersuchungscorpus 55
3.5 Grobanalyse 58
3.6 Feinanalyse: Analyse der Inhaltsstruktur der ausgesuchten Zeitschriften 68
3.6.1 Die Form der Beiträge 71
3.6.2 Inhaltliche Schwerpunkte 85
3.7 Interessen und Motivationen 101
3.8 Tendenzen auf dem Markt der kommerziellen Kinderzeitschriften 116

Arbeit zitieren:
Stoll, Angelika August 1994: Kommerzielle Kinderzeitschriften, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Mediale Beeinflussung, Mediennutzung, Kindliche Lebenswelten, Kinder, Erziehung

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