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Körperkultur

Die soziale Inszenierung des Körpers in der modernen Gesellschaft

Körperkultur
Über dieses Buch

Diplomarbeit von Carolin Dietz

Einleitung:Der Körper ist nicht nur ein biologisches Instrument, sondern er ist auch Ausdruck und Interpret sozialer Verhältnisse, die in einer Gesellschaft zu finden sind. Eine Soziologie des Körpers strebt danach die natürlichen, d.h. biologisch gebundenen Körperabläufe mit der gesellschaftlichen Zeit bzw. den gesellschaftlichen Raum in Verbindung zu bringen und die sozialen Antworten, Reaktionen, Bewertungen auf bestimmte körperliche Erscheinungen in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen. Zentrales Anliegen dieser Studie ist dabei das die Einstellung der Menschen zu ihren Körpern an soziale Faktoren und gesellschaftlichen Wandlungsprozessen gebunden sind. Man kann daher nicht vom Körper (aus soziologischer Perspektive) sprechen, ohne die Zeit- und Raumdimension zu berücksichtigen.

In dieser Untersuchung soll die soziologische Verbindung von Körperlichkeit und gesellschaftlichen Wandel im Mittelpunkt stehen.

Die Moderne/Postmoderne (d.h. die Industriegesellschaft am Ausgang des 20. Jahr-hunderts) hat eine ambivalente Einstellung zum Körper. Auf der einen Seite wird er mit all seinen Ausdrücken und Abläufen betont (z.B. in Mode, Kosmetik, Sport), die Schamgrenze der Menschen scheint merklich herabgesetzt zu sein (in den Medien erscheinen immer mehr entblößte Menschen, Nacktbaden und Nacktsonnen in öffentlichen Parks haben sich etabliert und gehören zum festen Bestandteil einer Körperkultur der Moderne). Andererseits wird der Körper auch verdrängt und an den gesellschaftlichen Rand gedrängt. Kranke, alte, häßliche, behinderte Körper werden aus dem sozialen Geschehen teilweise verbannt. Krankheit, Sterben und Tod gehören zu den tabuisierten Themen der modernen, auf Leistung getrimmten Industriegesellschaft. Die Bewertung des Körpers ist immer geschichts- und sozialabhängig. Deshalb kommt das Körperthema nicht nur im Hinblick auf die gegenwärtige moderne Gesellschaft zur Sprache, sondern auch unter dem Aspekt der historischen Vergangenheit. In jeder Zeitepoche spielte der Körper eine andere Rolle, er wurde unterschiedlich thematisiert, bewertet und dargestellt.

Gang der Untersuchung:

Im ersten Teil der Arbeit steht der Identitätsbegriff der Arbeit im Vordergrund, da der Körper Träger der menschlichen Identität ist (1. Kapitel). Mit Hilfe der wichtigsten Schamtheorien soll gezeigt werden, wie ausgewählte Autoren (Havelock Ellis, Georg Simmel, Sigmund Freud, Max Scheler, Norber Elias) schamhaft bzw. schamlose Verhaltensweisen als Formen körperlicher Ausdrucksarten interpretiert und bewertet haben (2. Kapitel). Im 3. Teil erfolgt eine Analyse des Körpers in der Geschichte. Dabei können hier nur einige Zeitepochen (Antike, Mittelalter, aufkommende Industriegesellschaft und Nationalsozialismus) beispielhaft erwähnt werden (3. Kapitel). Die Einstellung der Menschen zu ihren Körpern ist jedoch nicht von der historischen Epoche abhängig, sondern auch von der biologischen Konstante in Form von Alter und Geschlecht (4. Kapitel). Im letzten Teil der Arbeit wird ausdrücklich die Verbindung des Körpers mit der modernen Lebenswelt exemplarisch betont. Der moderne Körper inszeniert sich durch Kleidung und Mode, Sport und Fitness, Medien und Werbung, er vermittelt den Eindruck, daß er selbst machbar ist (5. Kapitel).

Inhaltsverzeichnis:

0. Vorbemerkung [1]
1. Der Körper als Träger der Identität und als Medium der Kommunikation 4
2. Scham und Schamgefühl als körpergebundene Regungen des Menschen 7
2.1. Havelock Ellis - Schamgefühl und instinktive Furcht 7
2.2. Georg Simmel - Die Psychologie der Scham 11
2.3. Sigmund Freud - Schamgefühl und Sexualhemmung 15
2.4. Max Scheler - Das geschlechtliche Schamgefühl und seine Funktionen 17
2.5. Norbert Elias - Der Prozeß der Zivilisation 21
3. Körperlichkeit und Nacktheit in ausgewählten Zeitepochen 28
3.1. Die Antike 28
3.1.1. Der antike Mensch und sein Verhältnis zum Körper 30
3.1.2. Der antike Sport 30
3.2. Das Mittelalter 32
3.2.1. Christentum und Körperlichkeit 32
3.2.2. Das Badewesen als Ausdruck der Bürgerlichkeit 34
3.3. Die aufkommende Industriegesellschaft 36
3.3.1. Das verlängerte Leben 36
3.3.2. Körper und Arbeit 39
3.4. Die Freikörperkultur 41
3.4.1. Die Anfänge der Freikörperkultur und die Idee der Nacktheit 41
3.4.2. Sozialistisch-proletarische Freikörperkultur 44
3.4.3. Das Ende der Freikörperkulturbewegung und die nationalsozialistische Zeit 45
3.5. Der Nationalsozialismus 46
3.5.1. Arische und kerngesunde Körper 46
3.5.2. Idealisierte Körperlichkeit in der Kunst 49
3.6. Die historische Auf- und Abwertung des Körpers: ein Fazit 51
4. Geschlechtsspezifisches Körperverständnis 53
4.1. Der weibliche Körper 53
4.2. Der männliche Körper 57
5. Körperlichkeit und modernes Lebensgefühl 59
5.1. Modernität und Urbanität 59
5.2. Kleidung und Mode 64
5.2.1. Die Funktionen der Mode 64
5.2.2. Schmuck als demonstrative Auszeichnung am Körper 70
5.2.3. Ausgewählte Kennzeichen der Mode in der Moderne: Markenimage und Sportlichkeit 73
5.3. Der sportive und dynamische Körper 76
5.3.1. Freizeit in der modernen Industriegesellschaft 76
5.3.2. Sport und körperliche Leistung 80
5.4. Machbarkeit und Körperlichkeit 84
5.4.1. Bodybuilding - Der kraftvolle und gezüchtete Körper 84
5.4.2. Kosmetik und Schönheit - Der ideale Körper 90
5.4.3. .Fortpflanzungsmedizin - Vom unfruchtbaren zum fruchtbaren Körper 94
5.5. Der nackte Körper als erotisches Instrument in der Werbung 98
5.5.1. Die Werbebotschaft des Körpers 98
5.5.2. Die entblößte Frau 99
5.5.3. Pure Männlichkeit 101
5.6. Der enttabuisierte und schamlose Körper im Zivilisationsprozeß 103
6. Schlußbetrachtung 106
Anhang
Literaturverzeichnis
Abbildungen
Ehrenwörtliche Erklärung

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