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Körper - Selbsterleben - Bewegung! Das Dreigestirn im Spannungsfeld von Krankheit und Therapie

Eine qualitative Studie an Brustkrebspatientinnen

Körper - Selbsterleben - Bewegung! Das Dreigestirn im Spannungsfeld von Krankheit und Therapie
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Judith-Viola Klaus
  • Abgabedatum: Januar 2002
  • Umfang: 400 Seiten
  • Dateigröße: 2,3 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Bielefeld Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9421-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9421-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9421-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Klaus, Judith-Viola Januar 2002: Körper - Selbsterleben - Bewegung! Das Dreigestirn im Spannungsfeld von Krankheit und Therapie, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: leitfadenorientierte Einzelinterviews, körperliche Aktivität, Krankheitsbewältigung, Sequenzanalyse, Onkologie

Diplomarbeit von Judith-Viola Klaus

Gang der Untersuchung:

Thema der vorliegenden Arbeit ist die Erforschung des Wechselspiels von Körper-, Selbsterleben und sportlicher Aktivität im Kontext einer Brustkrebserkrankung auf qualitativer Ebene. Zum einen wird aus psychosozialer Perspektive die Gefährdung der Identität und des Körpererlebens von Frauen durch eine Brustkrebserkrankung untersucht, zum anderen aus sportwissenschaftlicher Perspektive die Frage diskutiert, ob (regelmäßige) sportliche Aktivität geeignet ist, um mit den starken physiologischen und psychologischen Belastungen einer Mammakarzinomerkrankung besser fertig zu werden.

Einen Einstieg in den Themenkomplex bilden Ausführungen zu medizinischem Basiswissen und psychologischen Folgen einer Brustkrebserkrankung. Nach einer terminologischen Präzisierung der Konstrukte Selbst- und Körpererleben werden die negativen Auswirkungen einer Brustkrebserkrankung und ihrer Behandlungsformen auf die subjektive Sichtweise der Konzepte „Selbst“ und „Körper“ dargestellt. Es folgen nach einer kurzen Abhandlung der soziokulturellen Aspekte einer Mammakarzinomerkrankung theoretische Überlegungen zu den Möglichkeiten sportlicher Aktivierung in der Rehabilitation brustkrebserkrankter Frauen, die in einem Erklärungsansatz zur Wechselwirkung von Körpererleben, Selbsterleben, Lebenszufriedenheit und körperlicher Aktivität münden. Der Darstellung der Untersuchungsmethodik wird die Diskussion zur Auswahl der Forschungsstrategie vorgeschaltet. Die Erhebung der Daten erfolgt auf Basis leitfadenorientierter Einzelinterviews, von denen drei aufgrund ihrer besonderen Prägnanz und thematischen Divergenz detaillierter ausgewertet werden.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Auswirkungen einer Mammakarzinomerkrankung sowie sportlicher Aktivität auf das Körper- und Selbsterleben nur unter Berücksichtigung der individuellen Perspektive und einer Vielzahl mediatisierender Faktoren erklären lässt. Sportlicher Aktivität ist auf Basis der vorliegenden Untersuchungsergebnisse ein hoher Stellenwert für die körper- und selbstbezogene Krankheitsbewältigung beizumessen. Entsprechend den theoretischen Annahmen lässt sich eine positive Beeinflussung dieser Konstrukte auf mehreren Ebenen nachweisen.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis III
1. Einleitung 1
2. Das Krankheitsbild Brustkrebs – medizinische und psychologische Aspekte 5
2.1 Der medizinische Aspekt: Nosologie der Brustkrebserkrankung 5
2.2 Der psychologische Aspekt einer Brustkrebserkrankung 17
2.2.1 Der Stellenwert der weiblichen Brust in der westlichen Gesellschaft 18
2.2.2 Psychische Folgen der Erkrankung 20
3. Das Selbst- und Körpererleben unter dem Einfluss einer Krebserkrankung 25
3.1 Was bedeutet Körpererleben? 26
3.2 Was bedeutet Selbsterleben? 29
3.3 Die Verbindung von Körper und Selbst 34
3.4 Selbstbild und Körpererleben unter onkologischem Einfluss 38
4. Soziokulturelle Aspekte einer Brustkrebserkrankung 46
5. Körperliche Aktivität und Krebs 50
5.1 Sport- und Bewegungstherapie in der Krebsrehabilitation 51
5.2 Der Einfluss körperlicher Aktivität auf das Selbst- und Körperbild von Brustkrebspatientinnen 54
6. Relevante Fragestellung der Untersuchung 61
7. Methodik – Planung und Durchführung der Untersuchung 64
7.1 Entwicklung und Begründung der Forschungsstrategie 64
7.2 Untersuchungsdesign 70
8. Auswertung der qualitativen Studie 78
8.1 Darstellung und Interpretation des Interviews mit Frau A 78
8.1.1 Kurzbiographie 78
8.1.2 Sequenzanalyse 79
8.1.3 Detailanalyse 87
8.2 Darstellung und Interpretation des Interviews mit Frau S 96
8.2.1 Kurzbiographie 96
8.2.2 Sequenzanalyse 97
8.2.3 Detailanalyse 104
8.3 Darstellung und Interpretation des Interviews mit Frau M 115
8.3.1 Kurzbiographie 115
8.3.2 Sequenzanalyse 116
8.3.3 Detailanalyse 122
8.4 Vergleich der Ergebnisse und Einbettung in die Sekundärliteratur 132
Schlußbetrachtung 144
Literaturverzeichnis 148
Erklärung 158
Anhang A Interviewleitfaden 159
Anhang B Interviewtranskriptionen 172-396

Automatisiert erstellter Textauszug:

ßen, ich bekomm ne Chemo, äh, da hat ich mich schon seelisch und moralisch drauf eingestellt. Chemo – Haare verlieren und so weiter und so fort. Aber ich hatte, ich will ja gesund werden. Ich brauch das halt. Ja und dann haben die mich dann angerufen, was ich jetzt nit so gut fand, weil dann hätten sie mich nochmal bestellen und selbst mit mir drüber sprechen sollen, aber dann wurde mir halt am Telefon nur gesagt, ja Frau M., wir haben für Sie die Tamoxifen-Variante gewählt, weil es könnte ja noch mal was kommen und dann brauchen wir Chemo. Und dann haben wir halt noch was im Rücken, was wir verwenden können. Und das fand ich also nicht so gut. Weil, die Angst steigt dann immer mehr und man steigert sich immer mehr rein und man kann die einfach auch nit unterdrücken. Sequenz 6 Ja, und dann hab ich mit diesem Tamoxifen angefangen, auf dieses Tamoxifen hab ich natürlich sehr große Nebenwirkungen, heute noch, nach zwei Jahren, gezeigt: Hitzewallungen, Gewichtszunahme, Schlafstörungen, ganz viel Unruhe, Herzrasen, ich komm also praktisch nicht zur Ruhe. Ich bin ein ganz unruhiger Mensch innerlich geworden. Äußerlich sieht man mir das nit an, aber innerlich so sehr unruhig. Und mh, wegen Hitzewallungen bin ich dann nochmal zu meiner Ärztin gegangen und hab ihr auch diese ganzen Nebenwirkungen erzählt und dann sagt sie: Ja, gegen Hitzewirkungen können wir so ein Gelbkörperhormon holen, aber mehr können wir da nicht gegen machen. Und damit hab ich also heut noch zu tun, ich werd also nachts fünf, sechs, sieben Mal wach und bin klitschnaß geschwitzt, also praktisch kann ich mich umziehen. Aber damit nicht genug, mh, als ich dann aus dem Krankenhaus entlassen wurde, war natürlich alles noch ein bißchen taub, ich hab also kein Gefühl gehabt, der Arm war unbeweglich. Natürlich bedarf das ja Bewegung und daß man dann selbst ein bißchen was tut. Im Krankenhaus wurde selbst wurde nit viel gemacht, mir wurde nur gesagt, machen Sie Krankengymnastik und Lymphdrainage. Gut. Nach zwei, drei Wochen ungefähr ist das Ganze praktisch wie aufgetaut und zurück blieb dann ein Nervenschmerz, aber mh, so in der Mitte der Narbe bis praktisch, bis hinten zur Wirbelsäule. Also über das ganze Schulterblatt, aber das sind so schlimme Nervenschmerzen, also mich darf man nit mehr anpacken, ne. Wenn ich irgendwo an der Bushaltestelle stehe oder so stehe, ich guck immer hinter mir, wer steht da, wer könnte mich berühren, im Bus, wenn ich irgendwo sitze und jemand geht hinter mir vorbei, also ich bin ständig am Gucken, wer könnte mich berühren, weil das ist ein Schmerz, den kann ich so nicht beschreiben, also das ist wie Folter. Das ist ganz ganz schlimm und ich war also bei sämtlichen Ärzten. Neurologen, Chirurgen, jedem, dem ich begegnen könnte, der mir helfen könnte – und kein Mensch kommt dahinter. Sie haben mir ein Medikament gegeben, ein ganz starkes Mittel gegen Epilepsie, also Nervverkrampfung und so, das hat [...]

kommen und da hat er mich halt, da hat er die Kinder schon entbunden. Hab dann gefragt, ob sie alles rausgenommen hätten, ja so gut, wie sie es halt machen konnten. Na ja, bin ich halt nach zwei Stunden ungefähr ins Zimmer gekommen, ich war vom Kreislauf her halt sehr schwach, aber ich hab geredet wie ein Wasserfall. Ich weiß nicht, ob ich das mußte oder halt so, mein Mann war da, meine Mutter war da und ich hab den eigentlich nur erzählt. Und die haben mir eigentlich nur die Hand gehalten und nur zugehört. Also es hat keiner viel geredet so außer mir. Und dann so nach zwei-drei Stunden war ich natürlich dann erschöpft. Und dann hab ich erstmal geschlafen. Und dann hab ich also den ganzen Nachmittag noch, also was noch von dem Nachmittag übrig war, es war ja nicht mehr viel, die haben ja sechs Stunden operiert, und dann die ganze Nacht durch und am nächsten Tag hab ich mich dann sofort angezogen. Sachen angezogen, kein Schlafanzug, weil das wollt ich einfach nicht. Ja, und dann hab ich noch Lymphdrainage und Krankengymnastik gehabt und essen konnt ich gar nicht, weil, mein Hals, der war wie zugeschnürt, weil ich sollte ja noch das Ergebnis bekommen, ob die Lymphknoten mit befallen sind und das hat acht Tage gedauert. Und das waren die schlimmsten acht Tage meines Lebens. Dieses Warten auf das Ergebnis. Da war ja alles okay, da ist ja alles rausgewesen, wie sie mir gesagt haben. Aber ist irgendein Lymphknoten befallen – und die haben mir also alle Lymphknoten rausgeholt. Sequenz 5 Und nach acht Tagen kam dann ein Arzt ans Bett, und da hat auch ne Freundin von mir gesessen, und auf jeden Fall kam er ans Bett und meinte, alles in Ordnung, die Lymphknoten sind nicht befallen. Da fing ich erstmal lauthals an zu heulen, weil ich hab mich so gefreut, ich wußte ja, was das für mich bedeutet und für uns alle bedeutet eigentlich. Und mh dann ist er rausgegangen und dann hab ich zu meiner Freundin gesagt: Du hör mal, vielleicht hat der mich verwechselt. Ich hab, vertrauensmäßig war das bei mir durch diesen Arzt, wo ich ja zwei Jahre hingelaufen bin, hat ich da schon so ein bißchen so nen, wo ich gedacht hab, vielleicht hat der sich auch verguckt. Also ich hatte Ängste innerlich, äh, daß der sich irgendwie vertan haben könnte, der hätte vielleicht ne andere Patientin gemeint. Und da bin ich dann nochmal zu ihm und dann hab ich ihn gefragt, haben sie sich auch wirklich nicht vertan, weil so und so ist es mir ergangen und ähm, ich hab da jetzt schon so ein bißchen äh Ängste. Hat er gesagt, Frau M., setzen Sie sich jetzt erst hin und wir sprechen darüber. Und dann hat er mir das auch noch mal bestätigt, also die Lymphknoten waren nicht, und ich hätte also gute Heilungschancen. Gut, daraufhin war alles ganz normal, ist alles ganz normal verlaufen. Äh, dann bin ich nach zehn Tagen entlassen worden, wurde mir aber auch noch nicht gesagt, welche Therapie stattfinden sollten. Erst hat’s gehei89 [...]

Sequenz 4 M: Ja, dann bin ich operiert worden, also die haben mich direkt am nächsten Tag in ein anderes Krankenhaus verlegt, weil in dem Krankenhaus, in dem sie die Biopsie gemacht haben, konnten sie das nicht machen. Weil wir haben dieses Krebs-, dieses Brustzentrum in T. und das ist auch mein Arbeitgeber. Ja, bin ich dann dahin und da war ein ganz ganz netter Oberarzt da, der hat mich praktisch aufgeklärt, ich hab auch zu meinem Mann gesagt, er soll mitgehen. Weil, alleine wollt ich die Entscheidung einfach auch nicht treffen, obwohl ich die Entscheidung für mich getroffen hatte schon. Also für mich war klar, wenn dann kommt die Brust komplett weg, weil ich will gesund werden. Ja und da hat er uns dann aufgeklärt und hat also gesagt, warum die Brust weg muß, weil die Tumore halt ziemlich tief sitzen und mh, ja, ne andere Möglichkeit nicht gesehen werden kann, um Heilungschancen zu haben. Gut, da haben wir dann zugestimmt und direkt am nächsten Tag hab ich dann die OP gehabt und als ich dann aufgewacht bin, da war ich eigentlich sehr sehr gut drauf. Ich hab also sofort mit den Leuten gesprochen, hab gefragt, wer mich operiert hat, weil ich hab gehört, der Oberarzt hat, wollte mich operieren, aber der Professor hat mich selbst operiert, also der Prof. H.. Der hat mich auch damals, als ich die Kinder bekommen hab, war der in nem ganz kleinen Krankenhaus, da hab ich halt die Kinder be88 [...]

Arbeit zitieren:
Klaus, Judith-Viola Januar 2002: Körper - Selbsterleben - Bewegung! Das Dreigestirn im Spannungsfeld von Krankheit und Therapie, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
leitfadenorientierte Einzelinterviews, körperliche Aktivität, Krankheitsbewältigung, Sequenzanalyse, Onkologie

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