Knuspels Leseaufgaben: Untersuchung zur Nützlichkeit eines Gruppenlesetests anhand der Lehrer einer bilingualen Schule
- Art: Staatsexamensarbeit
- Autor: Susanne Adolph
- Abgabedatum: November 2008
- Umfang: 139 Seiten
- Dateigröße: 992,3 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
- Bibliografie: ca. 47
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2842-6
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Adolph, Susanne November 2008: Knuspels Leseaufgaben: Untersuchung zur Nützlichkeit eines Gruppenlesetests anhand der Lehrer einer bilingualen Schule, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Schule, Leistungstest, Leseaufgabe, Leistungsbeurteilung, Knuspel-L
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Staatsexamensarbeit von Susanne Adolph
Einleitung:
Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit von Lehrkräften ist die Beurteilung von Schülerleistungen. Insbesondere im Grundschulbereich sind zunehmend diagnostische Kompetenzen des Lehrers gefragt, vor allem bei der Einschulung und der Förderung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Dabei sind die Anforderungen sehr vielfältig, so sollen beispielsweise Lernschwächen frühzeitig entdeckt, Schullaufbahnentscheidungen adäquat gefällt und Leistungen objektiv beurteilt werden. Als Hilfestellung für die Beurteilungsaufgaben des Lehrers werden neben anderen Methoden auch standardisierte Testverfahren diskutiert. Laut Marx sollten die Akzeptanz für den Einsatz solcher Verfahren in Schulen gefördert und diagnostische Kompetenzen der Lehrer, speziell auch in der Auswertung der Testergebnisse, geschult werden.
Ausgehend von dieser Forderung ist es interessant zu prüfen, wie die Haltung der Lehrer gegenüber den Tests in Wirklichkeit aussehen kann und wie hoch der praktische Nutzen in einzelnen konkreten Fällen tatsächlich ist. Im Mittelpunkt der vorliegenden Examensarbeit stehen daher standardisierte Schulleistungstests und deren Einsatz im Deutschunterricht an Grundschulen. Dabei wird speziell die praktische Nützlichkeit des Gruppenlesetests Knuspels Leseaufgaben überprüft.
Dazu wird neben weiteren Überlegungen der Frage nachgegangen, ob dieser Test Erkenntnisse über die Lesefähigkeit von Schülern liefern kann, die über auf anderem Wege gewonnene Einschätzungen von Lehrerinnen und Lehrern hinausgehen.
Unter dieser thematischen Zielsetzung fand im Rahmen der Arbeit eine empirische Untersuchung statt. Da zur Beurteilung des Verfahrens die Meinung derjenigen herangezogen werden soll, die das Verfahren in der Praxis anwenden können, wurden Lehrer zu Ihrer Einschätzung von Knuspels Leseaufgaben (nachfolgend auch durch Knuspel-L abgekürzt) befragt. Die Aussagen der Lehrerinnen und Lehrer, welche durch Interviews und Fragebögen gewonnen wurden, dienen demnach als wichtige Informationsquelle und bilden das subjektive Lehrerurteil über das Testverfahren.
In insgesamt vier Klassen einer Grundschule, jeweils eine Klasse je Klassenstufe, wurden der Gruppenlesetest Knuspels Leseaufgaben durchgeführt und die Ergebnisse ausgewertet. Vor und nach der Testung fand ein Interview mit den Deutschlehrern der jeweiligen Klassen statt, wodurch ein Vorher-Nachher-Vergleich der Aussagen ermöglicht wird und sich folgende Fragen ergeben: Werden die Lehrer vor dem Test eine andere Meinung haben als hinterher? Können Lehrer, die noch nie ein solches Testverfahren eingesetzt haben, überzeugt werden oder würden sie Knuspel- L auf keinen Fall selbst einmal anwenden? Und eignet sich der Test auch bei bilingual unterrichteten Schülern?
Weiterhin sollten die Lehrkräfte vor der Testdurchführung die Leseleistung ihrer Schüler beurteilen, so dass die Lehrereinschätzungen anschließend mit den Testergebnissen verglichen werden können. Aus den Übereinstimmungen oder Diskrepanzen kann der objektive Nutzen des Verfahrens abgeleitet werden.
Bevor die Methodik der empirischen Untersuchung genauer erläutert wird und eine Darstellung der Ergebnisse erfolgt, werden im ersten Teil dieser Arbeit zunächst theoretische Grundlagen skizziert. Zudem sollen einige Begrifflichkeiten geklärt werden, um den Test als psychologisches Verfahren in der pädagogisch-psychologischen Diagnostik einordnen zu können. Ausführlicher beschrieben wird Knuspel-L dann in Kapitel 3.3.
Hinsichtlich der Frage nach der Nützlichkeit ist es zusätzlich angebracht, die allgemeine Kritik zu standardisierten Tests zu betrachten, welche der wissenschaftlichen Literatur entnommen werden kann.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 4 |
| 2. | Theoretische Grundlagen | 6 |
| 2.1 | Anmerkungen zur Diagnosekompetenz von Lehrern und Lehrerinnen und zu Leistungsbeurteilungen | 6 |
| 2.2 | Pädagogisch-Psychologische Diagnostik | 9 |
| 2.2.1 | Methoden der Pädagogisch-Psychologischen Diagnostik | 10 |
| 2.2.2 | Standardisierte Schulleistungstests | 10 |
| 2.2.2.1 | Begriffsbestimmung | 11 |
| 2.2.2.2 | Klassifikation und Verbreitung | 11 |
| 2.2.2.3 | Grundschulbereich | 13 |
| 2.2.2.4 | Gütekriterien | 13 |
| 2.2.2.5 | Anmerkungen und Kritikpunkte zum praktischen Nutzen | 15 |
| 2.3 | Bilinguale Unterrichtskonzepte | 16 |
| 2.3.1 | Der deutsch-italienische Zweig an der für die Untersuchung ausgewählten Grundschule. | 17 |
| 2.3.2 | Bilinguale Unterrichtskonzepte im Grundschulbereich | 17 |
| 3. | Empirische Untersuchung | 21 |
| 3.1 | Hypothesenbildung | 22 |
| 3.2 | Ablauf der Untersuchung | 22 |
| 3.3 | Prätests | 23 |
| 3.3.1 | Der Fragebogen vor dem Test | 23 |
| 3.3.2 | Einschätzung der Schüler durch die Lehrer | 25 |
| 3.3.3 | Zusammensetzung der untersuchten Klassen | 26 |
| 3.3.4 | Das erste Interview | 26 |
| 3.4 | Knuspels Leseaufgaben | 27 |
| 3.4.1 | Theoretisches Konzept des Tests | 27 |
| 3.4.2 | Entwicklungspsychologische Lesemodelle | 30 |
| 3.4.3 | Beschreibung des Testmaterials und des Testaufbaus | 31 |
| 3.4.4 | Testauswertung | 33 |
| 3.4.5 | Auffälligkeiten während der Durchführung und Auswertung | 36 |
| 3.5 | Posttests | 38 |
| 3.5.1 | Mitteilung der Testergebnisse | 38 |
| 3.5.2 | Das abschließende Interview | 39 |
| 4. | Darstellung der Ergebnisse | 41 |
| 4.1 | Ergebnisse des Prätests | 41 |
| 4.1.1 | Erfahrungen mit standardisierten Schulleistungstests | 41 |
| 4.1.2 | Ansichten zum Leseverständnis und zu Leseleistungs-überprüfungen | 45 |
| 4.1.3 | Erwartungen im Vorfeld des Tests | 47 |
| 4.1.4 | Einschätzungen zum Abschneiden der Klassen | 49 |
| 4.2 | Ergebnisse zur Leseleistung | 50 |
| 4.2.1 | Übereinstimmung der Lehrereinschätzungen mit den Knuspel-Ergebnissen | 50 |
| 4.2.2 | Anmerkungen zu den Knuspel- Ergebnissen | 55 |
| 4.3 | Ergebnisse nach der Testung | 58 |
| 4.3.1 | Vorher- Nachher- Vergleich | 59 |
| 4.3.1.1 | Bewertungen von standardisierten Schulleistungstests | 59 |
| 4.3.1.2 | Beweggründe für eine Testdurchführung | 64 |
| 4.3.1.3 | Verhalten der Klasse | 67 |
| 4.3.2 | Bewertung von Knuspels Leseaufgaben | 70 |
| 4.3.3 | Fazit der Lehrer zur Nützlichkeit von Knuspel-L | 78 |
| 5. | Diskussion | 80 |
| 6. | Zusammenfassung | 85 |
| 7. | Literaturverzeichnis | 86 |
| 8. | Anhang | 91 |
Textprobe:
Kapitel 3.3.2, Einschätzung der Schüler durch die Lehrer:
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Datenerhebung im Vorfeld der Testdurchführung waren dem Fragebogen beigefügte Listen, mittels derer die Leseleistungsbeurteilungen der Lehrer erfasst werden sollten. Die Lehrer wurden dazu aufgefordert, die Schüler hinsichtlich ihrer Lesefertigkeit in eine Rangreihe zu bringen. Diese Aufgabe fiel allen Lehrkräften verständlicherweise schwer, da viele der Schüler ungefähr gleich gut und die Leistungen individuell bedingt sind. Die Rangliste erlaubt jedoch einen direkten Vergleich mit der Rangreihe der Testergebnisse und ist daher für ein objektives Urteil über die Effizienz des Tests nötig.
Damit wir weitere Informationen über die Beurteilung der Leseleistungen erhalten konnten, sollten die Lehrer zudem die einzelnen Schüler einschätzen und angeben, ob deren Leseleistung eher durchschnittlich, über- oder unterdurchschnittlich ist. Um zwischen der Leseleistung in Deutsch und derjenigen in Italienisch unterscheiden zu können, musste ich zusätzlich die Lehrkräfte für den Italienischunterricht befragen.
Als letzte Information dienen die Noten im Fach Deutsch vom Halbjahreszeugnis, welche die Lehrer auch angeben sollten. Alle erhobenen Daten zur Einschätzung der Schülerleistungen durch die Lehrer sind den Tabellen im Anhang (E1 bis E4) zu entnehmen.
Zusammensetzung der untersuchten Klassen:
Wie bereits zuvor beschrieben handelt es sich bei allen vier getesteten Klassen um bilingual unterrichtete Kinder. Die genauen Angaben (z.B. Alter, Geschlecht, Sprachen) zu den einzelnen Schülern sind den Tabellen im Anhang (E1-E4) zu entnehmen.
In der Klasse 1i befinden sich insgesamt 22 Kinder, wovon drei am Tag der Testung erkrankt waren und daher nicht teilnehmen konnten. Zwei weitere Kinder sind im Erwerb der deutschen Sprache noch nicht soweit gewesen, dass sie den Test mitmachen konnten, wobei ein Kind es dennoch versuchte. Die Hälfte der Kinder hat als Muttersprache allein Deutsch gelernt, die anderen Kinder haben entweder nur Italienisch als Muttersprache gelernt oder sind zweisprachig aufgewachsen.
Die Klasse 2i besteht aus 23 Kindern, von denen alle am Tag der Testdurchführung anwesend waren. Nur ein Schüler, der zu dem Zeitpunkt noch nicht ausreichend alphabetisiert war, konnte die Testfragen größtenteils nur erraten. Auch diese Klasse ist sehr multikulturell zusammengesetzt: nur fünf Kinder sind mit Deutsch als einziger Muttersprache aufgewachsen. Die übrigen sind entweder mit Italienisch als Muttersprache, zweisprachig oder teilweise sogar dreisprachig aufgewachsen.
In der Klasse 3i werden insgesamt 18 Schüler unterrichtet, wovon einer am Tag der Testdurchführung fehlte. Deutsch als einzige Muttersprache haben in dieser Klasse nur vier Kinder gelernt, alle übrigen sind mit einer anderen Muttersprache als Deutsch oder mehrsprachig aufgewachsen.
Die Klasse 4i besteht aus 23 Schülern, wobei auch hier eine Schülerin am Testtag fehlte. Neun Kinder sind mit Deutsch als einziger Muttersprache aufgewachsen, während alle anderen mit einer anderen Muttersprache als Deutsch und teilweise mehrsprachig aufgewachsen sind.
Das erste Interview:
Das Interview diente dem Zweck, einige Fragen und eventuelle Missverständnisse im Fragebogen genauer klären zu können. Es sollte sich daher auf den zuvor ausgefüllten Fragebogen beziehen und darüber hinaus durch weitere Fragen zusätzliche Informationen liefern. Vorlagen der Interviewleitfäden für die einzelnen Lehrer sind im Anhang (B1 bis B4) dieser Arbeit zu finden.
Die erste Rückmeldung zum Fragebogen und zu den Listen kam bereits am nächsten Tag, eine weitere wenige Tage später. So war es möglich, die Fragen des Interviews individuell vorzubereiten und auf die Antworten des Lehrers abzustimmen. Bei zwei Lehrern war es leider nicht möglich, die Fragebögen vor den Interviewterminen zu erhalten. Einen erhielt ich während der Befragung, den anderen eine Woche nach dem Interview.
Zu Beginn des Interviews war es nötig zu klären, was die befragte Lehrperson genau unter der Bezeichnung Schulleistungstests verstanden hat. Bei der Auswertung der Fragebögen fiel nämlich auf, dass dies teilweise unklar war. Manche verstanden darunter internationale Tests zur Schulleistungsmessung (z.B. PISA oder VERA), andere dachten, es handele sich um selbst erstellte Tests zur Lernzielkontrolle. Genauere Ausführungen hierzu sind in Kapitel 4.1 zusammengefasst. Die ersten Fragen des Interviews bezogen sich auf bisherige Erfahrungen der Lehrpersonen mit Schulleistungstests und falls diese bisher noch keine derartigen Verfahren eingesetzt haben, wurde nach möglichen Ursachen gefragt. Anschließend wurden die Lehrer gebeten, ihr Lesekonzept, von welchem sie bei der Förderung und Bewertung ausgehen, zu skizzieren. Im weiteren Verlauf des Interviews konnten die Lehrer auch einen ersten Blick auf das Testmaterial von Knuspel-L werfen und äußerten z.T. ihre ersten Eindrücke bezüglich des Tests.
Knuspels Leseaufgaben:
Knuspels Leseaufgaben (Knuspel-L) ist 1998 auf dem Markt erschienen und aktuell immer noch über den Hogrefe- Verlag erhältlich. Wesentliche Eigenschaften des Tests bestehen darin, dass er auf einem theoretischen Modell der Leseentwicklung beruht, er ‘(…) im Rahmen der pädagogisch-psychologischen Grundlagenforschung entwickelt und empirisch überprüft wurde’.
Der Test erlaubt die Einschätzung der Leseleistung von Grundschülern mit Hilfe eines Verfahrens, in dessen Konstruktion Theorien zum Leselernprozess eingeflossen sind. Dabei orientiert sich das Konzept an entwicklungspsychologischen Stufenmodellen des Schriftspracherwerbs, welche im Unterkapitel 3.2.2 knapp beschrieben werden.
Knuspel-L kann sowohl als Einzeltest als auch als Gruppentest durchgeführt werden und ab dem Ende der 1. Klasse über alle Alterstufen der Grundschule hinweg jeweils am Ende eines Schulhalbjahres eingesetzt werden.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836628426
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Adolph, Susanne November 2008: Knuspels Leseaufgaben: Untersuchung zur Nützlichkeit eines Gruppenlesetests anhand der Lehrer einer bilingualen Schule, Hamburg: Diplomica Verlag
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Schule, Leistungstest, Leseaufgabe, Leistungsbeurteilung, Knuspel-L



