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Kinder psychisch kranker Eltern

Lebenswelten und Hilfemöglichkeiten bei Kindern schizophren und affektiv erkrankter Eltern

Kinder psychisch kranker Eltern
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Katrin Müller
  • Abgabedatum: Januar 2006
  • Umfang: 107 Seiten
  • Dateigröße: 308,9 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven, Standort Emden Deutschland
  • Bibliografie: ca. 34
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0520-5
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Müller, Katrin Januar 2006: Kinder psychisch kranker Eltern, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Eltern, Affektpsychose, Jugendhilfe, Jugendpsychiatrie, Resilienz

Diplomarbeit von Katrin Müller

Einleitung:

Kinder, die mit einem psychisch kranken Elternteil aufwachsen, können durch die elterliche Erkrankung in vielfacher Weise belastet werden. Da ihre Lebenssituation meist unauffällig ist, wird ihre Belastung erst sichtbar, wenn sie selbst Verhaltensauffälligkeiten oder psychische Störungen entwickeln. Kinder benötigen für eine gesunde Entwicklung neben Ernährung und Hygiene auch emotionale Wärme, Körperkontakt und Kommunikation. In akuten Krankheitsphasen können Eltern auf diese Bedürfnisse nicht bzw. nicht ausreichend eingehen.

Die Kinder müssen ihre Bedürfnisse zurückstellen und darüber hinaus sogar noch ihre kindgerechten Rollen verlassen. Verantwortungsübernahme und Selbstständigkeit prägen das Leben der Kinder in krisenhaften Krankheitsphasen.

Das Thema Kinder psychisch kranker Eltern lässt sich zwar bis in die 30er Jahre zurückverfolgen, trotzdem war und ist diese Thematik in der Fachöffentlichkeit kaum präsent. Ausnahmen bilden die so genannten High- Risk- Forschungen, die sich mit den Auswirkungen psychischer Erkrankungen der Eltern und den damit verbundenen belastenden Lebenssituationen der Kinder beschäftigen. Die Anzahl der Arbeiten zu diesem Thema ist in den 70er Jahren erheblich gestiegen.

Das es sich um kein Randthema handelt, beweisen die etwa 500 000 in Deutschland lebenden Kinder, die mindestens einen psychisch erkrankten Elternteil haben.

Nach der Einleitung werde ich das Thema Kinder psychisch kranker Eltern im zweiten Kapitel in einem Problemaufriss darstellen, um einen Einblick in die Problematik der Kinder zu geben.

Im dritten Kapitel gebe ich einen kurzen Einblick der im Titel genannten Psychosen. Mein Anliegen in diesem Kapitel ist Darzustellen, mit welchen krankheitsspezifischen Verhaltensweisen die Kinder konfrontiert werden.

Das vierte Kapitel behandelt die Forschungseinrichtungen, die die Situationen der Kinder aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und sich mit der Frage beschäftigen, welche Faktoren die Entwicklung der Kinder beeinflussen und eine Erkrankung begünstigen.

Das fünfte Kapitel befasst sich mit den Lebenssituationen der Kinder. Da psychische Erkrankungen immer die ganze Familie betreffen, beginne ich mit einer Beschreibung der psychischen Erkrankung als Familienerkrankung. Im Folgenden werde ich speziell auf die Lebensbedingungen der Kinder eingehen. Neben der Beschreibung der Auswirkungen der elterlichen Erkrankungen gehe ich auf die protektiven Faktoren ein, die ein Risiko einer Erkrankung der Kinder vermindert und ihnen bei der Bewältigung ihrer Situation hilft.

Im sechsten Kapitel beschreibe ich die Hilfemöglichkeiten für Kinder psychisch kranker Eltern. Beginnen werde ich dieses Kapitel mit den Hilfemöglichkeiten, die die Jugendämter bieten. Fortfahren werde ich mit der Beschreibung der Kooperationsschwierigkeiten zwischen der Erwachsenenpsychiatrie und der Jugendhilfe. Danach beschreibe ich Hilfemaßnahmen, unter anderem zwei präventive Hilfsprojekte.

Lesehinweise: Die im Text angeführten Aussagen habe ich Interviews entnommen, die ich mit drei verschiedenen, betroffenen Personen gemacht habe. Hinweise dazu lassen sich im Anhang finden. Ebenso befinden sich dort die Interviews im Ganzen. Um den Aussagen aus dem Kontext heraus einen Sinn zu geben, habe ich bei einigen Aussagen meine Frage mit eingebaut, ohne den Sinngehalt zu verfälschen. Von mir eingefügte Wörter habe ich unterstrichen. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verzichte ich auf geschlechtsspezifische, differenzierte Schreibweise, sofern sie nicht beim Zitieren übernommen werden muss. Verwende ich nur die maskuline Form, ist die femine Form stets mitgemeint.

In meiner Arbeit verwende ich allgemein den Begriff Eltern, auch wenn nur ein Elternteil erkrankt ist. In der Regel ist damit die Mutter gemeint, sofern nicht spezifisch drauf hingewiesen ist.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis 1
1. Einleitung 4
2. Problemaufriss 7
3. Psychische Störungsbilder 9
3.1 Affektive Psychosen 9
3.2 Schizophrene Psychosen 11
4. Forschungseinrichtungen zur Situation Kinder psychisch kranker Eltern 13
4.1 Die High- Risk Forschung 14
4.2 Die Resilienzforschung 16
4.3 Die Vulnerabilitätsforschung 19
4.4 Die juristische Forschung in Fragen des Sorgerechts 21
4.5 Die sozialpädagogische Forschungseinrichtung zur Situation Kinder psychisch kranker Eltern 23
5. Die Lebenssituationen der Kinder 26
5.1 Die psychische Erkrankung als Familienerkrankung 26
5.2 Frühwahnzeichen 29
5.3 Kindliche Problemlagen 30
5.2.1 Unmittelbare Probleme 31
5.2.2 Folgeprobleme 32
5.4 Direkte Auswirkung einer psychotischen Erkrankung 37
5.5 Indirekte Auswirkung einer psychotischen Erkrankung 40
5.6 Protektive Faktoren 42
6. Überblick bestehender Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern 48
6.1 Erwünschte Hilfen 49
6.2 Aufgaben der Jugendhilfe bei Kindern psychisch erkrankter Eltern 51
6.2.1 Kinder psychisch kranker Eltern zwischen Jugendhilfe und Erwachsenenpsychiatrie 56
6.3 Pfiff e. V- Ein Unterstützungsangebot im Rahmen der Jugendhilfe 63
6.4 Stationäre Mutter- Kind- Einheiten 65
6.5 Präventive Projekte 69
6.5.1 KIPKEL e. V. 70
6.5.2 Auryn 73
7. Zusammenfassung 76
8. Literaturliste 80
Anhang 85
Erklärung 110

Textprobe:

Kapitel 5, Die Lebenssituationen der Kinder: Eine psychische Erkrankung eines Familienmitgliedes und die damit einher gehenden Belastungen für die Angehörigen wurden lange Zeit nur aus Sicht der erwachsenen Angehörigen- meist den Eltern- thematisiert.

Das auch psychisch kranke Menschen Kinder haben, ist erst seit kurzer Zeit im Bewusstsein der Fachöffentlichkeit. Trotz des Wissens über die Existenz dieser Kinder ist die komplexe Problematik ihrer Lebenssituation noch nicht ausreichend bekannt.

In diesem Kapitel möchte ich auf die Lebenssituationen der Kinder eingehen. Anfänglich möchte ich die psychische Krankheit eines Familienmitgliedes als Familienerkrankung skizzieren.

Bevor ich auf die kindlichen Problemlagen eingehe, beschreibe ich Frühwahnzeichen, an denen die Kinder eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes ihrer Eltern bemerken. Anschließend werde ich die Auswirkungen der Erkrankung beschreiben. Zum Schluss werde ich auf die protektiven Faktoren eingehen, die den Kindern beim Bewältigen der Lebenssituationen helfen.

Kapitel 5.1, Die psychische Erkrankung als Familienerkrankung: Lebensereignisse, die innerhalb einer Familie zu Veränderungen führen, können zu einem Belastungs- bzw. Stressfaktor für die ganze Familie werden. Zu den Stressoren gehören bspw. Wohnortswechsel, die Geburt eines Kindes oder belastende Beziehungen innerhalb der Familie. Solche Ereignisse können die Lebenssituation einer Familie enorm verändern, die emotionale Stabilität wird bedroht und Beziehungsmuster können aufgelöst werden.

Ebenso beeinträchtigt eine psychische Krankheit eines Familienmitgliedes, insbesondere der Mutter oder des Vaters, das familiäre Gemeinschaftsleben ganz erheblich. Die Partner und die Kinder reagieren mit Unsicherheit auf die psychische Erkrankung. Die gesunden Elternteile sind bemüht, den Familienalltag aufrecht zu erhalten, den erkrankten Partner zu betreuen und die Erziehungsaufgaben der Kinder wahrzunehmen. Dieses führt nicht selten zu einer Überforderung.

Die Kinder hingegen müssen ihre Bedürfnisse zurück stecken. Sie entbehren in den akuten Phasen nicht nur die Aufmerksamkeit, Fürsorge und Geborgenheit des erkrankten Elternteils, sondern auch die des Gesunden. Einer Studie zufolge verbringen über 40 % der Partner in einer akuten Phase über 32 Stunden in der Woche mit dem erkrankten Elternteil.. Aber gerade in diesen Situationen, in denen die Kinder den erkrankten Elternteil in für sie unverständlichen und extremen Gefühlszuständen erleben, in denen die Mutter/ der Vater für sie unerreichbar ist oder aber viel Nähe sucht, sind sie auf elterliche Unterstützung angewiesen. Da in vielen Fällen die Kinder keine Informationen über die Erkrankung haben, erleben sie den Zustand des erkrankten Elterteils oftmals als bedrohlich. Sie sind häufig dem unvernünftigen Umgang der kranken Mutter/ dem kranken Vater mit Zeit, Ordnung, Ernährung und weiteren Lebensumständen unterworfen. Je nach Intensität und Dauer der Krankheit verschlimmert sich die Situation des Kindes.

Die erkrankten Elternteile fühlen sich in Akutkrisen oft mit der Erziehung der Kinder überfordert. Durch ihre eigenen hohen Belastungen sind sie schnell am Ende ihrer Kräfte. Oftmals können sie in den Akutphasen überhaupt nicht mehr auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen. Sie zweifeln daran, eine gute Mutter bzw. ein guter Vater zu sein und glauben der Elternrolle nicht mehr gerecht zu werden. Sie schämen sich für das, was sie ihren Kindern und dem Partner zumuten und befürchten, dass ihnen ihre Kinder weggenommen werden. Aufgrund dieser Angst wird die Erkrankung nicht nach außen getragen und als familiäres Geheimnis bewahrt. Dieses wiederum verhindert, dass den Familien Unterstützung gegeben wird.

Auf der Paarebene kann sich das Zusammenleben so schwierig und belastend gestalten, dass es häufig zu Streitigkeiten und Konflikten unter den Eheleuten kommt. Diese Familien sind von einem überdurchschnittlich hohen Maß an Trennungen und Scheidungen betroffen. Diese kurze Skizzierung zeigt, dass eine psychische Erkrankung kein Einzelschicksal ist, sondern das gesamte Familiensystem betrifft.

Arbeit zitieren:
Müller, Katrin Januar 2006: Kinder psychisch kranker Eltern, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Eltern, Affektpsychose, Jugendhilfe, Jugendpsychiatrie, Resilienz

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