Kinder in Trauer
Analyse einer Emotion
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Birgit Hüser
- Abgabedatum: November 2001
- Umfang: 126 Seiten
- Dateigröße: 765,5 KB
- Note: 1,8
- Institution / Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7489-8
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hüser, Birgit November 2001: Kinder in Trauer, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: kindliches Todesverständnis, Trauer als komplexe Emotion, kindliche Trauerreaktion, Trauerbegleitung von Kindern, Erwachsene als Trauervorbild
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Diplomarbeit von Birgit Hüser
Einleitung:
Stefan sitzt auf dem Sofa. Er ist in Zeitschriften oder in Bücher vertieft. Stefans Interesse gilt vor allen Dingen dem Weltall. Es scheint seine Welt, eine andere als die realistische, zu sein.
Stefan ist zehn Jahre alt. Auf Grund seiner introvertierten, schüchternen und ängstlichen Art fällt er kaum auf. Stefan spielt so gut wie nie mit anderen Kindern. Wenn man ihn fragt, ob er Lust auf ein Spiel hat, dann antwortet er in den meisten Fällen mit einem verlegenen, verschüchterten ‚Nein‘.
Stefan hat seinen Vater mit ca. acht Jahren erhängt aufgefunden.
„Alexandras Mutter ist gestorben. Letzte Woche bei einem Autounfall. Sie ist noch am Unfallort verstorben. Der Vater liegt mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Alexandra hat, wie durch ein Wunder, so gut wie keine Verletzungen erlitten.“, sagte meine Kollegin tief betroffen. „Alexandra wird in zwei Wochen wieder in den Ganztag kommen.“, fuhr sie fort. „Ich weiß gar nicht, wie ich mit ihr umgehen soll?“, fragend richtete sie ihren Blick auf meine Person. Hilf- und Ratlosigkeit auch auf meiner Seite.
Zwei Wochen später steht Alexandra vor mir. Sie wirkt überhaupt nicht traurig. Sie spielt mit ihren Freundinnen. Sie lacht auch. Was habe ich erwartet?
Zwei Kinder mit schrecklichen Verlusterfahrungen. Zwei Kinder, die völlig unterschiedlich mit dem Verlust und mit ihrer Trauer umzugehen scheinen.
Was heißt es, wenn Kinder trauern? Ist Kindertrauer mit Erwachsenentrauer vergleichbar? Oder zeigen Kinder völlig andere Reaktionen im Umgang mit ihrer Trauer?
Motiviert durch diese lebensnahen Erfahrungen im pädagogischen Alltag der Übermittagsbetreuung war mein Interesse an dem Thema: ‘Kinder in Trauer’ geweckt.
Zugleich wurde ich mit mir selbst konfrontiert. Eine Art Selbstbeobachtung gesellte sich der Literatur- und Informationssuche hinzu.
Es stellten sich mir zahlreiche Fragen, unter anderem solche, die nach meinem persönlichen Umgang mit Trauer fragten. Wie gehe ich beispielsweise mit meiner eigenen Trauer um?
Oder im Hinblick auf meine pädagogische Arbeit: wie verhalte ich mich Kindern gegenüber, die traurig erscheinen? Sind Kinder nur dann traurig bzw. in Trauer, wenn sie bedrückt oder niedergeschlagen wirken? Woran erkenne ich letztlich, dass Kinder in Trauer sind? Was müssen Erwachsene über Kindertrauer wissen? Und bedingt mein Umgang mit Trauer die kindliche Trauer? Was bedeutet es, den Trauerweg der Kinder mitzugehen? Welche Möglichkeiten bestehen für Erwachsene, Kinder in ihrer Trauer zu begleiten? Viele Fragen, die nach Antworten suchen.
Diese Arbeit soll zu einer Beantwortung beitragen und ein Bewusstsein für Kinder in Trauer entwickeln helfen.
Mein Interesse gilt den sichtbaren und den versteckten Reaktionen der Kinder und dem Hinterfragen ihrer Verhaltensweisen. Nur wenn man sich in das subjektive Erleben einfühlen und Kinder mit ihrem Verhalten verstehen lernt, können Angebote für Krisenzeiten entwickelt werden.
Ziel dieser Arbeit ist es daher herauszufinden, wie Kinder auf den Verlust eines geliebten Menschen reagieren, wodurch dieses Reaktionen beeinflusst werden und wie Hilfestellungen für Kinder in Trauer aussehen können.
Die Arbeit steigt in die Thematik ein, indem sie zunächst einen Blick auf den Tod wirft. Tod als absurdes Phänomen betrifft bzw. trifft jeden Menschen. Doch was heißt es, mit dem Bewusstsein der Vergänglichkeit zu leben? Wie gehen Menschen mit ihrer abschiedlichen Existenz um? Wird Tod überhaupt gelebt bzw. ins Leben integriert?
Nach diesem Überblick soll das Verhältnis zwischen Kindern und Tod in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Es ist notwendig, die Entwicklung des kindlichen Todesverständnisses zu kennen, um einschätzen zu können, wie Kinder dem Tod begegnen. Wie verstehen Kinder den Tod? Sind sie überhaupt in der Lage nachzuvollziehen, was es heißt, tot zu sein? Was beeinflusst das kindliche Todesverständnis?
Um diese Fragen klären zu können, soll im zweiten Kapitel sowohl die Entwicklung des kindlichen Todeskonzeptes skizziert als auch die Rolle der Erwachsenen im Besonderen beleuchtet werden.
Es soll verdeutlicht werden, inwieweit erwachsene Erklärungsversuche bezogen auf das Thema Tod und Sterben sinnvoll, aufklärend oder irritierend sein können.
Textauszüge aus ausgewählten Kinderbüchern werden als methodisches Hilfs- und Darstellungsmittel genutzt, um die Entwicklung des kindlichen Todesverständnisses als auch die Erklärungsversuche der Erwachsenen in literarischer Form erklärend zu beschreiben.
Dem Tod, dem Verlust folgt die Trauer. Trauer als eine komplexe Emotion verlangt nach Erklärungen. Das dritte Kapitel soll Einblick verschaffen, indem es klärt, was Trauer bedeutet und wie sie verlaufen kann. Darüber hinaus wird der Fokus auf das Trauerverhalten der Erwachsenen gelegt, da sie Kindern ein wichtiges Vorbild sind und das Trauerverhalten der Kinder maßgebend beeinflussen.
Im Anschluss daran soll nachgezeichnet werden, inwieweit die Todeserfahrung auf Kinder traumatisierend wirken kann. Zudem werden die Besonderheiten kindlichen Trauerns und mögliche Bewältigungsmechanismen der Kinder vorgestellt. Wie bereits in Kapitel Zwei werden Textpassagen aus einem Kinderbuch zur Verdeutlichung der kindlichen Trauerreaktionen eingesetzt.
Das fünfte Kapitel schließt die theoretische Auseinandersetzung, indem es mögliche pädagogische Hilfestellungen darstellt. Der Kinderliteratur als besonderem Hilfsmittel zur Trauerbewältigung wird Aufmerksamkeit geschenkt, bevor zwei Projekte vorgestellt werden, die die theoretischen Grundlagen der Trauerforschung in die Praxis umsetzen.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 4 | |
| 1. | Thematisierung von Tod in der Moderne - ein Überblick | 7 |
| 1.1 | Die abschiedliche Existenz oder 'abschiedlich' leben | 7 |
| 1.2 | Die Privatisierung des Todes | 8 |
| 2. | Das kindliche Todeskonzept | 11 |
| 2.1 | Die Entwicklung des kindlichen Todeskonzeptes | 11 |
| 2.2 | Selbstwerden und Trennungsangst | 20 |
| 2.3 | Die Rolle der Erwachsenen: Wie Erwachsene Kindern den Tod erklären | 23 |
| 2.3.1 | Erklärungsversuche der Erwachsenen und deren Auswirkungen auf die kindlichen Todesvorstellungen | 24 |
| 2.3.2 | 'Klarheit schafft Klarheit' oder wie Erwachsene Kindern den Tod erklären können | 28 |
| 3. | Trauer - Beschreibung einer komplexen Emotion | 32 |
| 3.1 | Trauer - was ist das eigentlich? | 32 |
| 3.2 | Die Phasen der Trauer | 34 |
| 3.3 | Problematisches Trauerverhalten oder wie Erwachsene mit Trauer umgehen | 38 |
| 3.3.1 | Die Privatisierung der Trauer oder man trauert im Privaten | 38 |
| Exkurs: Trauer als soziale Angelegenheit - die Funktion von Trauerritualen | 40 | |
| 3.3.2 | Das Trauerverhalten der Erwachsenen | 42 |
| 3.3.2.1 | Trauern heisst Erinnern | 42 |
| 3.3.2.2 | Leidensverachtung oder die Unfähigkeit zu leiden | 44 |
| 3.4 | Trauer kann krank machen | 46 |
| 3.5 | Pathologische oder komplizierte Trauer | 47 |
| 3.6 | Kinder übernehmen die Trauermodelle der Erwachsenen | 49 |
| 4. | Tod eines geliebten Menschen als traumatische Erfahrung - wenn Kinder trauern | 52 |
| 4.1 | Tod als traumatische Erfahrung | 52 |
| 4.2 | Kindliche Trauerreaktionen | 54 |
| 4.3 | Bedingungen, die den Trauerprozess beeinträchtigen | 66 |
| 4.3.1 | Die Todesumstände | 67 |
| 4.3.2 | Unerwarteter Tod | 69 |
| 4.4 | Die Trauer wird abgewehrt | 70 |
| Exkurs: Abwehrmechanismen | 71 | |
| 4.5 | Zur Situation trauernder Kinder | 74 |
| 5. | Begleitung von trauernden Kindern - Möglichkeiten pädagogischer Hilfestellungen | 77 |
| 5.1 | „Ich möchte, daß man sich so fühlt, wie man sich fühlen möchte“ - Trauerbegleitung von Kindern | 77 |
| 5.1.1 | Von der Schwierigkeit, zu trösten | 81 |
| 5.1.2 | Kinder brauchen Rituale | 84 |
| 5.1.3 | Erinnerungen und ihre Bedeutung für das trauernde Kind | 85 |
| 5.2 | Kinderliteratur zum Thema „Sterben, Tod und Trauer“ als unterstützendes Hilfsmittel zur Trauerbewältigung | 87 |
| 5.2.1 | Tod und Sterben in der Kinderliteratur - ein kurzer Überblick | 88 |
| 5.2.2 | Bücher - sinnvolle Begleiter von trauernden Kindern? | 89 |
| 5.2.2.1 | Die Bedeutung und Funktion von Bildern für Kinder | 92 |
| 5.2.2.2 | Illustrativ unterstützte Textbücher | 92 |
| 5.2.2.3 | Kriterien zur Beurteilung von Kinderbüchern | 93 |
| 5.3 | Lebens- und Trauerumwandlungskreativ Workshop für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern (Seminar- und Forschungsprojekt) | 96 |
| 5.3.1 | Die Konzeption | 97 |
| 5.3.2 | Gestaltung und Ablauf des Modells Myropädie | 100 |
| 5.4 | Zentrum für trauernde Kinder e.V | 102 |
| 5.4.1 | Konzeption | 103 |
| 5.4.2 | Zielvorstellungen | 103 |
| 5.4.3 | Arbeitsweise | 105 |
| 5.4.3.1 | Rolle und Aufgabe der pädagogischen Leitung | 106 |
| 5.4.3.2 | Rolle und Aufgaben der freiwilligen HelferInnen | 106 |
| 5.4.3.3 | Bezugspersonen | 107 |
| Ausblick | 109 | |
| Anhang | ||
| Literaturverzeichnis |
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832474898
Arbeit zitieren:
Hüser, Birgit November 2001: Kinder in Trauer, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
kindliches Todesverständnis, Trauer als komplexe Emotion, kindliche Trauerreaktion, Trauerbegleitung von Kindern, Erwachsene als Trauervorbild



