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Kernkompetenzen und ihr Beitrag zur ressourcenorientierten Unternehmensführung

Kernkompetenzen und ihr Beitrag zur ressourcenorientierten Unternehmensführung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Patrick Müller
  • Abgabedatum: Juni 2002
  • Umfang: 100 Seiten
  • Dateigröße: 2,0 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Leibniz Universität Hannover Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5583-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5583-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5583-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Müller, Patrick Juni 2002: Kernkompetenzen und ihr Beitrag zur ressourcenorientierten Unternehmensführung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Resource-based view, Market-based view, Metakompetenzen, Kausale Ambiguität, Isolationselemente

Diplomarbeit von Patrick Müller

Einleitung:

Der ressourcenorientierte Ansatz der Unternehmung (Resource-based view) begründet Wettbewerbsvorteile nicht durch die Positionierung des Unternehmens am Absatzmarkt, sondern durch die innere Stärke der vorhandenen Ressourcenbasis. Die Grundlage solcher nachhaltigen Wettbewerbsvorteile bilden sog. ex ante Marktimperfektionen, die sich in einer asymmetrischen Ressourcenallokationen zwischen konkurrierenden Unternehmen widerspiegeln. Im Rahmen des Resource-based view (RBV) werden Inputressourcen mit strategisch relevanten Eigenschaften identifiziert und in den unternehmensinternen Veredelungsprozess eingeführt. Dort werden sie mittels Routinen und Fähigkeiten zu unternehmensspezifischen Kompetenzen veredelt, die dann die Basis für nachhaltige Wettbewerbsvorteile darstellen. Um derartige Wettbewerbsvorteile, die zu Differenzierungs- oder Kostenvorteilen führen, vor Imitations- und Substitutionsversuchen der Konkurrenz zu schützen, werden bewusste und unbewusste Isolationsmechanismen in der Unternehmung etabliert und infolgedessen ex post Marktimperfektionen kreiert. Der Resource-based view bietet daher die Möglichkeit sich auf vorhandene Stärken, die aus der Ressourcenakkumulation resultieren, zu konzentrieren und ressourcenbasierte Wettbewerbsvorteile so zu isolieren, dass sie einen langfristigen und nachhaltigen Charakter aufweisen.

Der RBV leistet einen wichtigen Beitrag zur Implementierung einer Inside-Out-Perspektive, die nachhaltige Wettbewerbsvorteile auf unternehmensspezifische Ressourcen und ihre erfolgswirksame Kombination zurückführt. Allerdings gibt es wesentliche Defizite des Resource-based view, die eine praxisorientierte Applikation verhindern bzw. erschweren. Hierbei handelt es sich um spezifische Problemfelder, die sich auf die Identifikation potenzieller strategischer Ressourcen, die dysfunktionale Wirkung der kausalen Ambiguität sowie die Inflexibilität des RBV bezogen auf veränderte Rahmenbedingungen beziehen. Des Weiteren kann eine Erweiterung des Ressourcenansatzes durch die Übertragung strategischer Ressourcen auf andere Geschäftsfelder gefordert werden, um die Nachhaltigkeit von Wettbewerbsvorteilen weiter auszubauen und eine zukunftsorientierte Perspektive in den statischen RBV implementieren zu können.

Der defizitäre und theorielastige Resource-based view kann durch Elemente des eher praxisorientierten Modells der Kernkompetenzen ergänzt werden. Eine Kernkompetenz kann als ein Bündel unterschiedlicher Fähigkeiten und Technologien angesehen werden, welches einen besonderen Kundennutzen sowie nachhaltige Wettbewerbsvorteile generiert und den Zugang zu einem weiten Spektrum von Märkten offeriert. Kernkompetenzen zeichnen sich sowohl durch eine hohe Spezifität und Einzigartigkeit aus, die eine externe Imitation und Substitution verhindern, als auch durch eine Zukunftsorientierung, die eine kontinuierliche und bewusste Manipulation und Ausdehnung der Erfolgsfaktoren (Competence Leverage) fordert.

Aufgrund dieser Merkmale des Konzepts der Kernkompetenzen kann der RBV sinnvoll ergänzt werden (vgl. Abbildung 1). So begründet der Resource-based view Wettbewerbsvorteile durch strategische Ressourcenbündel, die aus unternehmensspezifisch veredelten Inputressourcen resultieren. Diese wettbewerbsvorteilgenerierenden Ressourcen müssen wertvoll, selten, nicht imitierbar und organisational nutzbar sein (VRIO). Die Identifikation potenzieller strategischer Ressourcen kann im RBV durch eine partielle Integration der Marktseite (Kundennutzen) gefördert werden. Hierbei wird das Wertvollkriterium durch die externe Nutzenstiftung konkretisiert, weshalb eine Identifikation strategischer Ressourcenbündel sowohl vor dem Hintergrund der eigenen Kompetenzen als auch vor dem Hintergrund des Faktor- und Absatzmarktes erfolgen muss. Eine partielle Integration der Marktseite, wie sie vom Konzept der Kernkompetenzen vorgeschlagen wird, fördert eine ex ante Identifikation strategischer Ressourcen und ermöglicht durch eine proaktive Anpassung der Ressourcenbasis an veränderte Kundenpräferenzen eine dynamische Ausrichtung des Resource-based view.

Der RBV konzentriert sich sehr stark auf die Identifikation und qualitative Zusammensetzung strategischer Ressourcenbündel (Competence Building). Im unternehmensspezifischen Veredelungsprozess erfolgt eine organisatorische Aufbereitung und Bündelung der Ressourcen zu Kompetenzen. Sind Inputressourcen erfolgreich veredelt und bilden die Basis zur Generierung von Wettbewerbsvorteilen, so ist ein Schutz dieser Ressourcen unabdingbar. Dieser Schutz der Wettbewerbsvorteile bzw. der strategischen Ressourcen vor Imitation und Substitution erfolgt durch Isolationselemente. Als ein wichtiges Isolationselement wird im RBV die kausale Ambiguität angeführt. In diesem Zusammenhang weist das Konzept der Kernkompetenzen jedoch auf eine Förderung bewusster kausaler Wirkzusammenhänge hin, um eine proaktive Anpassung und einen erfolgreichen intraorganisationalen Transfer wettbewerbsvorteilgenerierender Ressourcen zu ermöglichen. Als besonders betrachtenswerte Isolationselemente verweist das Konzept der Kernkompetenzen auf die Unternehmensspezifität und -historizität, da sie sowohl einen intraorganisationalen Ressourcentransfer ermöglichen als auch gleichzeitig vor Imitation schützen. Die Phase des Competence Building kann daher als Trichter dargestellt werden.

Die hohe Inflexibilität des RBV kann durch eine Fokussierung von Metakompetenzen vermieden werden, in deren Zentrum das organisationale Lernen steht. Diese Wandlungskompetenzen sorgen für eine flexible Ausrichtung des Veredelungsprozesses und unterstützen eine Überwindung inadäquater Routinen und Denkstrukturen. Die hierdurch gesteigerte Reaktionsflexibilität begünstigt eine dynamische Ausrichtung und Anpassung an Umweltveränderungen. Daher können Metakompetenzen im Rahmen des Ressourcenansatzes selbst als wettbewerbsvorteilgenerierende Ressourcen angesehen werden.

Der Ressourcenansatz zur Erklärung von Wettbewerbsvorteilen beschränkt sich vorrangig auf den Prozess des Competence Building. Das Konzept der Kernkompetenzen erweitert diese Perspektive durch eine zukunftsorientierte Sichtweise, die einen kontinuierlichen Competence Leverage fordert. Die Basis für eine Übertragung strategischer Ressourcen auf neue Geschäftsfelder bedingt eine kulturelle Grundeinstellung, die Innovationen fördert und neue Einsatzgebiete identifiziert (Stretch), sowie den Ausbau von Metakompetenzen, die den unternehmensspezifischen Veredelungsprozess flexibel ausrichten. Durch eine hebelartige Ausdehnung strategischer Ressourcen auf andere bzw. gänzlich neue Märkte können sowohl neue Marktimperfektionen geschaffen oder aufgedeckt werden als auch proaktiv Isolationselemente etabliert werden, die eine Generierung nachhaltiger zukünftiger Wettbewerbsvorteile sichern. Um einen erfolgreichen Transfer strategischer Ressourcen zu gewährleisten, sind sowohl Chancen und Risiken des Faktormarktes als auch zukünftige Kundenpräferenzen des Absatzmarktes zu berücksichtigen. Ein Competence Leverage sichert nicht nur zukünftige nachhaltige Wettbewerbsvorteile, sondern erweitert auch den unternehmensspezifischen Aktionsradius, der durch Pfadabhängigkeit und Historizität im Rahmen des Competence Building stark eingeengt wird. Dementsprechend eignet sich für die Phase des Competence Leverage die grafische Darstellung eines umgekehrten Trichters, da ein möglicher Ressourcentransfer und ein flexibel ausgerichteter Veredelungsprozess eine breite Basis für zukünftige nachhaltige Wettbewerbsvorteile darstellen können.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der ressourcenorientierte Ansatz erhebliche Defizite und somit Erweiterungsmöglichkeiten aufweist. Eine Verschmelzung des RBV mit Elementen des Konzepts der Kernkompetenzen kann eine sinnvolle und praxisorientierte Erweiterung des Resource-based view bieten und eine Urbarmachung des Ressourcenansatzes für die Managementpraxis ermöglichen.

Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen beschäftigt sich diese Arbeit mit dem Resource-based view und geht der Frage nach, welche Bedeutung das Konzept der Kernkompetenzen im Rahmen der ressourcenorientierten Unternehmensführung einnimmt. Ziel dieser Arbeit ist es, den Resource-based view umfassend vorzustellen und einige grundlegende Defizite bzw. Erweiterungsnotwendigkeiten herauszufiltern. Diese Mängel bzw. Erweiterungsnotwendigkeiten werden vor dem Hintergrund ausgewählter Elemente des Konzepts der Kernkompetenzen betrachtet und es wird der Frage nachgegangen, ob und wie Kernkompetenzen zu einer sinnvollen Erweiterung des Resource-based view beitragen können.

Gang der Untersuchung:

Im zweiten Kapitel wird der Resource-based view als Prozessmodell beschrieben. Dabei werden die Schwächen des klassischen Market-based view (MBV) aufgezeigt um daraus die Historie des Ressourcenansatzes herzuleiten. Weiterhin wird der Ressourcenbegriff erläutert um im Folgenden die einzelnen Prämissen des RBV ausführlich darzustellen. Diese Voraussetzungen zielen darauf ab, ex ante und ex post Marktimperfektionen zu kreieren und somit die Generierung von nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen durch unternehmensinterne Ressourcen zu gewährleisten. Auf die Vorstellung des RBV folgt eine Erörterung der Auswirkungen auf die strategische Unternehmensführung. Daraufhin wird ein Zwischenfazit gezogen, welches wichtige Defizitpunkte des Ressourcenansatzes aufzeigt, die für die spätere Verbindung des RBV mit dem Konzept der Kernkompetenzen entscheidend sind.

Im dritten Kapitel werden problemorientierte Elemente des Konzepts der Kernkompetenzen im Hinblick auf die vorgestellten Defizite des RBV dargestellt. Hierbei erfolgt zunächst eine kurze Präsentation der notwendigen konzeptionellen Grundlagen. Anschließend werden ausgewählte charakteristische Merkmale von Kernkompetenzen vorgestellt. Dabei werden die Integration der Außenperspektive durch Kernkompetenzen, deren Spezifität bzw. Einzigartigkeit und ihre strategische Bedeutung näher beleuchtet. Weiterhin wird der Denkansatz des Competence Leverage vorgestellt. Am Ende dieses Kapitels wird eine strategische Einordnung von Metakompetenzen vorgenommen und ein Zwischenfazit gezogen.

Im vierten Kapitel werden die vorgestellten Konzepte zusammengefügt und es wird die Ausgangsfrage dieser Arbeit diskutiert, welche Bedeutung das Konzept der Kernkompetenzen im Rahmen der ressourcenorientierten Unternehmensführung einnimmt bzw. ob und wie Kernkompetenzen zu einer positiven Erweiterung des Resource-based view beitragen können. Hierbei wird die Relevanz des Konzepts der Kernkompetenzen zur Präzisierung der strategischen Ressourcenidentifikation diskutiert und aufgezeigt, inwieweit eine dynamischere Sichtweise des RBV erzielt werden kann. Weiterhin erfolgt eine kritische Analyse, ob Elemente bzw. Eigenschaften des Konzepts der Kernkompetenzen dazu beitragen können, dysfunktionale kausale Wirkzusammenhänge des RBV aufzuzeigen. Zusätzlich wird die Bedeutung von Metakompetenzen für die ressourcenorientierte Unternehmensführung sowie der proaktive Transfer von strategischen Ressourcen durch einen kernkompetenzbasierten Leverage diskutiert. Abschließend wird eine Zusammenfassung gegeben und eine grafische Darstellung kreiert, die einen durch Kernkompetenzelemente erweiterten Ressourcenansatz zur Generierung gegenwärtiger und zukünftiger Wettbewerbsvorteile zeigt.

Im fünften Kapitel werden die erarbeiteten Ergebnisse in einem Fazit präsentiert. Darüber hinaus erfolgt ein Ausblick über zukünftig relevante Themenfelder des Resource-based view.

Inhaltsverzeichnis:

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS V
VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN V
1. EINLEITUNG 1
1.1 PROBLEMSTELLUNG UND ZIELSETZUNG DER ARBEIT 1
1.2 VORGEHENSWEISE UND AUFBAU DER ARBEIT 2
2. DER RESOURCE-BASED VIEW ZUR ERKLÄRUNG VON WETTBEWERBSVORTEILEN 4
2.1 DER MARKET-BASED VIEW ALS EVOLUTIONSGRUNDLAGE DES RESSOURCENORIENTIERTEN ANSATZES 4
2.2 EVOLUTION DES RESSOURCENORIENTIERTEN ANSATZES 7
2.3 WANDEL DES RESSOURCENBEGRIFFS IN DER STRATEGISCHEN DISKUSSION 9
2.4 PRÄMISSEN UND THEORETISCHE BAUSTEINE DES RESSOURCENORIENTIERTEN ANSATZES 11
2.4.1 Ex ante Marktimperfektionen 12
2.4.1.1 Ressourcenheterogenität und Ressourcenimmobilität 12
2.4.1.2 Unvollständige bzw. nicht existierende Faktormärkte 13
2.4.2 Anforderungen an erfolgspotenzialgenerierende Ressourcen 14
2.4.2.1 Werterzeugungs- und Seltenheitskriterium von Ressourcen 15
2.4.2.2 Nicht-Imitierbarkeit und Nicht-Substituierbarkeit von Ressourcen 16
2.4.2.3 Nutzengenerierungspotenzial für Unternehmen durch Ressourcen 17
2.4.3 Veredelungsprozess von Ressourcen 18
2.4.4 Dauerhaftigkeit von Wettbewerbsvorteilen 21
2.4.5 Isolationselemente zur Schaffung nachhaltiger ex post Marktimperfektionen via Imitations- und Substitutionsschutz 22
2.4.5.1 Imitations- und Substitutionsschutz durch soziale Komplexität und kausale Ambiguität 23
2.4.5.2 Imitations- und Substitutionsschutz durch idiosynkratische Unternehmenshistorizität und -spezifität 25
2.4.5.3 Imitations- und Substitutionsschutz durch idiosynkratische Unternehmenskultur 26
2.5 AUSWIRKUNGEN DES RESSOURCENORIENTIERTEN ANSATZES AUF DIE STRATEGISCHE UNTERNEHMENSFÜHRUNG 27
2.6 ZWISCHENFAZIT: DEFIZITE DES RESOURCE-BASED VIEW UND AUSWAHL DES KONZEPTS DER KERNKOMPETENZEN ALS ERWEITERUNGSINSTRUMENT DER RESSOURCENORIENTIERTEN UNTERNEHMENSFÜHRUNG 29
3. AUSGEWÄHLTE ELEMENTE DES KONZEPTS DER KERNKOMPETENZEN 32
3.1 KONZEPTIONELLE GRUNDLAGEN DES MODELLS DER KERNKOMPETENZEN 32
3.1.1 Evolution des Konzepts der Kernkompetenzen 32
3.1.2 Terminologische Abgrenzung und strategische Einordnung von Kernkompetenzen, Kernprodukten und Endprodukten 34
3.1.3 Kategorien von Kompetenzen 37
3.2 CHARAKTERISTISCHE MERKMALE VON KERNKOMPETENZEN UND DEREN AUSWIRKUNGEN AUF DIE STRATEGISCHE AUSRICHTUNG DER UNTERNEHMUNG 39
3.2.1 Integration der Außenperspektive durch Kundenfokussierung 39
3.2.1.1 Externe Nutzenstiftung 39
3.2.1.2 Kernkompetenzen als Verbindungsglied zwischen Market-based view und Resource-based view 41
3.2.2 Unternehmensspezifität und Einzigartigkeit von Kernkompetenzen 43
3.2.3 Strategische Bedeutung von Kernkompetenzen 45
3.2.3.1 Strategische Relevanz in mehreren Märkten 45
3.2.3.2 Hohes Diversifikations- und Innovationspotenzial 46
3.2.4 Competence Leverage als Denkansatz zur Generierung zukünftiger Wettbewerbsvorteile 48
3.2.4.1 „Strategic Stretch“ als Grundvoraussetzung für Competence Leverage 48
3.2.4.2 Ressourcenorientierte Ansätze zur Realisierung eines Competence Leverage 49
3.3 DIE BEDEUTUNG VON METAKOMPETENZEN FÜR DEN PROZESS DER KOMPETENZAKKUMULATION 52
3.3.1 Lernfähigkeit und Innovationsfähigkeit 52
3.3.2 Fähigkeit zur organisatorischen Verankerung 55
3.4 ZWISCHENFAZIT: ZUSAMMENFASSUNG DER AUSGEWÄHLTEN ELEMENTE DES KONZEPTS DER KERNKOMPETENZEN 56
4. ERWEITERUNG DES RESOURCE-BASED VIEW DURCH ELEMENTE DES KONZEPTS DER KERNKOMPETENZEN 57
4.1 PRÄZISIERUNG DER RESSOURCENIDENTIFIKATION UND ETABLIERUNG EINER DYNAMISCHEN SICHTWEISE IM RESOURCE-BASED VIEW DURCH EINE PARTIELLE INTEGRATION DER AUßENPERSPEKTIVE 57
4.2 AUFSCHLÜSSELUNG VON KAUSALEN WIRKZUSAMMENHÄNGEN IM RESOURCE-BASED VIEW ALS GRUNDLAGE FÜR INTRAORGANISATIONALEN RESSOURCENTRANSFER 61
4.3 ERHÖHUNG DER REAKTIONS- UND AKTIONSFLEXIBILITÄT DES RESSOURCENANSATZES DURCH METAKOMPETENZEN UND COMPETENCE LEVERAGE 66
4.3.1 Diskussion einer flexibleren Anpassung des Resource-based view an veränderte Rahmenbedingungen durch die Fokussierung auf Metakompetenzen 66
4.3.2 Proaktive Gestaltung von ex ante Marktimperfektionen und Expansion von ressourcenbedingten Wettbewerbsvorteilen durch Competence Leverage 68
4.4 ZUSAMMENFASSUNG UND VISUALISIERUNG EINES DURCH ELEMENTE DES KONZEPTS DER KERNKOMPETENZEN ERWEITERTEN MODELLS DER RESSOURCENORIENTIERTEN UNTERNEHMENSFÜHRUNG 72
5. FAZIT UND AUSBLICK 74
LITERATURVERZEICHNIS 77
EHRENWÖRTLICHE ERKLÄRUNG 92

Automatisiert erstellter Textauszug:

weckt und somit neue Märkte erzeugt werden.222 In diesem Zusammenhang kann eine Kundenorientierung auch als Identifikationshilfe dienen, die Hinweise gibt, welche Kompetenzen zu Kernkompetenzen ausgebaut werden sollten.223 Itami/Roehl fordern, dass eine spezifisch kundenorientierte Strategieorientierung implementiert werden muss. „To achieve customer fit, the strategy must first match the bundle of customer desires (level one), then adapt to changes as customer preferences develop (level two), and finally find ways to capitalize on interactions among those desires (level three).“224 Obwohl Kernkompetenzen einen überdurchschnittlichen Beitrag zum Kundennutzen erbringen, sind sie für die Kunden selbst oft nicht sichtbar.225 So können Kunden bspw. die sehr gute Bildqualität und kompakte Handhabung von Sonys Videokameras feststellen, die sich dahinter verbergende Kernkompetenz der Minituarisierung wird allerdings nicht direkt sichtbar.226 Damit Kernkompetenzen eine überdurchschnittliche Kundenzufriedenheit auslösen, müssen die Endprodukte, die aus den Kernkompetenzen resultieren, über sog. Begeisterungsfaktoren verfügen. Hierunter werden Produktattribute verstanden, die, wenn sie angeboten werden, beim Kunden Zufriedenheit auslösen, aber wenn sie weggelassen werden, nicht zwangsläufig Unzufriedenheit erzeugen.227 In diesem Zusammenhang wird deutlich, dass die Beurteilung der externen Nutzenstiftung aus Endprodukten nicht nur aus den eigenen Kernkompetenzen resultiert, sondern dass die überdurchschnittliche Steigerung des Kundennutzens auch vor dem Hintergrund der Konkurrenzleistungen zu betrachten ist.228 Des Weiteren muss darauf hingewiesen werden, dass eine externe Nutzenstiftung auch durch eine kostengünstigere Bereitstellung von Leistungen gesteigert werden kann, die aufgrund von einzigartigen Kompetenzen im Veredelungsprozess erzielt werden kann. Insofern können durch Kernkompetenzen sowohl Differenzierungs- als auch Kostenvorteile realisiert werden, die dann die Basis der externen Nutzenstiftung bilden.229 Obwohl das Konzept der Kernkompetenzen die Priorität auf die Bündelung von internen Ressourcen und Fähigkeiten legt, werden diese Kompetenzbündel kontinuierlich [...]

Es besteht in der Kernkompetenzliteratur relative Einigkeit darüber, dass Kernkompetenzen jene Kombination von Ressourcen und Fähigkeiten darstellen, die einen nutzenstiftenden Beitrag aus Sicht des Kunden leisten.218 Insbesondere durch empirische Bestätigungen, dass Kundenorientierung einen positiven Einfluss auf die Unternehmensperformance hat, kann dieser Eigenschaft von Kernkompetenzen eine besondere Bedeutung zugemessen werden.219 Hamel/Prahalad weisen darauf hin, dass eine Kernkompetenz erst durch die externe Nutzenstiftung als solche angesehen werden kann und plädieren für eine ständige Identifikation und Kontrolle von Kerneigenschaften der Endprodukte.220 Die Kerneigenschaft des Endprodukts leistet den direkten überdurchschnittlichen, für den Kunden spürbaren Kundennutzen. Eine kontinuierliche Kontrolle schließt die Analyse von gegenwärtigen und zukünftigen Kundenbedürfnissen ein, die allerdings einen erheblichen Einfluss auf die jeweilige Organisationsstruktur und -kultur hat.221 Dabei ist es entscheidend, dass Kernkompetenzen nicht nur zur optimalen Befriedigung gegenwärtiger Kundenbedürfnisse genutzt werden, sondern dass auch durch einen proaktiven Aufbau von Kernkompetenzen neue Bedürfnisse ge- [...]

Um einen tieferen Einblick in das Konzept der Kernkompetenzen zu geben, ist es zunächst hilfreich verschiedene Kategorien unternehmensspezifischer Kompetenzen voneinander abzugrenzen. So ist eine Kompetenz „... a set of differentiated technological skills, complementary assets, and organizational routines and capacities that provide the basis for a firm’s competitive capacities in one or more businesses.“209 Hierbei wird deutlich, dass die Basis von Kompetenzen in einer Vielzahl von Ressourcen und Fähigkeiten besteht, die sich in organisatorischen Routinen widerspiegeln.210 Dabei können insbesondere Kernkompetenzen von anderen unternehmensspezifischen Kompetenzen abgrenzt werden, da sie einen fundamentalen Kundennutzen stiften, schwierig zu imitieren sind, Tore zu neuen Märkte eröffnen und sich somit zu einer Differenzierung im Wettbewerb eignen.211 Diese besondere Art von Kompetenzen ist seltener und weist eine hohe strategische Bedeutung auf, die zu einer nachhaltigen Generierung von Wettbewerbsvorteilen führen kann. Aus diesen Schilderungen kann man schließen, dass Kernkompetenzen „... als einzigartige und damit hierarchisch übergeordnete Kompetenzen zu charakterisieren ...“212 sind. Es ist zu konstatieren, dass es keine einheitliche Typisierung von Kernkompetenzen in der Kernkompetenzliteratur gibt.213 So gliedert bspw. Hamel Kernkompetenzen in drei Hauptklassen.214 Als erstes führt er marktzugangsbezogene Kompetenzen (bspw. Markenentwicklung) an, die das Unternehmen näher an den Kunden bringen. Des Weiteren charakterisiert der Autor verlässlichkeitsbezogene Kompetenzen (bspw. Qualitätsmanagement), die es einem Unternehmen erlauben, besser, schneller und flexibler oder preis- [...]

Arbeit zitieren:
Müller, Patrick Juni 2002: Kernkompetenzen und ihr Beitrag zur ressourcenorientierten Unternehmensführung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Resource-based view, Market-based view, Metakompetenzen, Kausale Ambiguität, Isolationselemente

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